Augustus – Ein Freund der Juden

Die Benennung des Kölner Platzes zwischen dem Jüdischen Museum und dem Wallraf-Richartz-Museum in Augustusplatz hat eine Debatte um die Frage ausgelöst, in welcher Beziehung Kaiser Augustus zu Juden stand. Der Historiker Dr. Werner Eck vertritt die These, Augustus sei ein „politischer Freund der Juden“ gewesen:

In den vergangenen Wochen sind Vorbehalte gegen die Benennung einer Platzanlage im ehemaligen jüdischen Viertel nach Augustus, dem Gründer des römischen Köln, geäußert worden.

Der Vorwurf, Augustus habe damit angefangen, „in seinem Reich das Judentum zu einer nicht zugelassenen Religion zu erklären und zur Hetze gegen Juden sowie zum Raub auf jüdisches Eigentum aufgerufen“ trifft nicht zu. Pate steht offenkundig der Wikipedia-Artikel „Antike Judenfeindschaft“, der den historischen Sachverhalt verkürzt wiedergibt und im eklatanten Widerspruch zur antiken Überlieferung steht, vor allem auch im Widerspruch, zu dem jüdischen Historiker Josephus, der in seinem großen Werk: Antiquitates Iudaicae (AJ), und im ersten Buch seines Jüdischen Krieges das Verhältnis von Augustus zu Herodes, zu Judäa und seiner Bevölkerung beschreibt. Auf Grundlage der Überlieferung lässt sich folgendes feststellen:

König Herodes war seit 40 v. Chr. rex socius et amicus populi Romani, ein verbündeter König und Freund des römischen Volkes. Aus römischer Sicht war er Klientelkönig, zudem besaß er das römische Bürgerrecht. Auch zum ersten Princeps Augustus bestand ein freundschaftliches Verhältnis. Im Jahr 15 v. Chr. besuchte Agrippa, Freund, Stellvertreter und Schwiegersohn des Augustus, Herodes und opferte am jüdischen Tempel 100 Stiere. Nach dem Tod des Herodes 4 v. Chr. wurde das Herrschaftsgebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt. Die Hälfte des Königreiches mit der Hauptstadt Jerusalem ging an seinen Sohn Archelaus, der fortan den Titel Ethnarch trug (Quelle: Josephus, Jüdischer Krieg 1, 93-97). Sein Teilreich wurde 6 n. Chr. provinzialisiert, d.h. der Provinz Syria angeschlossen; das jüdische Gebiet wurde direkt von einem römischen Präfekten geleitet. Die Absetzung des Archelaus geschah nicht auf Drängen Roms, sondern auf die Initiative einer Gesandtschaft aus führenden Mitgliedern der jüdischen Gesellschaft, die die tyrannische Regentschaft des Archelaus anprangerte. Augustus setzte – nach einer Untersuchung der Angelegenheit – Archelaus ab und verbannte ihn nach Gallien (Josephus, AJ 17, 342-344).

Augustus zeigte Respekt vor den eigenständig agierenden jüdischen Institutionen wie dem Amt des Hohepriesters und dem Rat, den Sanhedrin, und anderen mehr. Die Juden wiederum hatten Vertrauen zu Augustus, von dem sie eine Verbesserung der innenpolitischen Lage erhofften. Er respektierte, wie es in Rom üblich war, auch die jüdische Religion. Sie genoss unter ihm wie vorher und nachher den Status als religio licita, als „erlaubte“ Religion. Noch 12 oder 3 v. Chr. bestätigte der römische Herrscher per Edikt den vollen Besitz ihrer Rechte, sie durften selbstverständlich ihre Religion ausüben. So konnten, um nur ein Beispiel zu nennen, Juden am Sabbat oder dem Vorbereitungstag von der neunten Stunde an nicht zu bürgerlichen Leistungen gezwungen werden. Der Raub der heiligen Schriften wurde unter schwere Strafe gestellt (Josephus, AJ 6,2, 162-165). Für den Tempelschatz galt ein besonderer Schutz: die Tempelgelder durften nicht von Dritten angetastet werden.

Daran änderte sich auch nichts nach der Provinzialisierung im Jahr 6 n.Chr.; die Privilegien der Juden wurden nicht aufgehoben. Es ist mehrfach nachgewiesen, dass Augustus Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Juden nahm, auch wenn er persönlich an deren Riten kein Gefallen fand (Suet. Aug. 93); das änderte aber nichts an der freien Religionsausübung, die den Juden ganz selbstverständlich zustand. Sie mussten auch nicht den Herrscher kultisch verehren, was sonst alle anderen Volksgruppen und Städte im Reich taten. Sie mussten auch nicht den römischen Staatsgöttern opfern, also Jupiter, Juno und Minerva, was viele andere nichtrömische Gemeinden im Reich taten. Stattdessen opferten sie zwei Mal täglich ihrem Gott zum Wohle des Augustus zwei Widder und einen Stier, wofür Augustus eine Stiftung errichtete (Philo, legatio ad Gaium 157 und 317).

Augustus war ganz eindeutig ein politischer Freund der Juden, denen er wie schon sein Adoptivvater Caesar volle Religionsfreiheit gewährte, und zwar in Judäa selbst, aber auch den übrigen Juden, wo immer sie im römischen Reich lebten.

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5 Antworten zu Augustus – Ein Freund der Juden

  1. Phillip K schreibt:

    Schaut mal, was im Spiegel steht. Israelis sind sofort wieder im Verdacht.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-palaestinensisches-baby-stirbt-bei-brandanschlag-a-1046115.html

  2. gerd4president schreibt:

    … auch ich wünsche der Martinsgans langes Leben, wenn auch schweren Herzens, auf dass sich ihr so oder so fälliger Festbraten noch etwas hinauszögern möge und ihr sinnfreies, aufdringlich-primitives Geschnatter nie wieder in der Nähe von Ha’Knesset vernommen werden muss!!!

  3. anti3anti schreibt:

    Augustus war nicht mit den Juden, sondern mit Herodes befreundet, der von den Juden gehasst wurde und laut Talmud nicht als Jude anerkannt war. Augustus ist ein Freund der Juden gewesen wie heute Martin Schulz es ist, der in der Knesset auf Grund eines arabischen Gerüchtes den obersten Juden vorwirft, den Arabern Wasser zu stehlen.
    Augustus mag einer der mildesten Herrscher gewesen sein, jedoch sicherlich kein Freund der Juden. Schließlich ist er der oberste Herrscher der Besatzungsmacht Rom gewesen. Wäre er ein aufrichtiger Jugendfreund gewesen, so hätte er die Juden in Ruhe gelassen und nicht deren Land besetzt.
    Josephus Flavius war zwar Jude, wurde jedoch von den allermeisten Juden als Verräter betrachtet, entsprechend heute den „Juden für einen gerechten Frieden“ oder der Tochter eines verstorbenen Zentralratsvorsitzenden. Außerdem ist er lange nach Augustus Tod geboren worden, sodass seine politisch gefärbten Berichte auf andere Berichte beruhen, die er zu seinem Vorteil und Ansehen modifiziert hat.
    Es ist gewagt, Augustus einen Jugendfreund zu nennen, nur damit er in Köln einen nach ihm benannten Platz erhält. Ich plädiere deshalb für Martin-Schulz-Platz, wohl wissend, dass Plätze nicht nach Lebenden benannt werden, und wünsche Martin Schulz ein sehr langes Leben.

Seid gut zueinander!

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