House of O(h)ne

In Berlin soll ein „House of One“ entstehen. Es soll ein Bet- und Lehrhaus werden, „in dem öffentlich und für jeden frei zugänglich Juden, Muslime und Christen ihre Gottesdienste feiern“.

Komisch! Was ist eigentlich mit den Buddhisten, Hinduisten und Scientologen? Und warum hat ein Bet- und Lehrhaus für Religionen, die auf die drei Sprachen Hebräisch, Arabisch und Latein fußen, ausgerechnet einen englischen Namen und steht in Deutschland?

Vermutlich wollte man mit dem Namen schon den ersten Konflikt vermeiden. Das Problem ist nur, die meisten Menschen, die Englisch als Muttersprache haben, sind Christen. Wenn das nicht noch Ärger gibt! Außerdem ist die Beziehung zwischen Deutschland und dem Judentum, wie soll ich sagen, leicht angekratzt.

Das größte Problem des „House of One“ ist jedoch: Das Christentum und der Islam sind missionarische Religionen. Das Judentum nicht!

Christen und Muslime wollen Menschen davon überzeugen, ihrem Glauben beizutreten, Juden nicht! Christen und Muslime haben ein Interesse daran, anderen Menschen ihre Religion schmackhaft zu machen, Juden nicht! Eine missionarische Religion braucht den Dialog als Methode zum Gewinn neuer Mitglieder. Eine nichtmissionarische Religion braucht lediglich Toleranz. Glaub Du, was Du willst, aber hindere mich nicht bei meinem Glauben!

Außerdem hat das Christentum sich aus dem Judentum entwickelt. Ein Christ muss sich daher mit der jüdischen Religion beschäftigen. Das Judentum ist schließlich seine Wurzel! Der Islam wiederum hat sich aus dem Judentum und dem Christentum entwickelt. Ein Muslim muss sich daher mit der jüdischen und der christlichen Religion beschäftigen. Es sind seine Wurzeln! Das Judentum jedoch hat sich lange vor dem Christentum und dem Islam entwickelt. Eine Beschäftigung mit diesen Religionen kann zwar für einen Juden erhellend sein, ist aber nicht notwendig.

Ein Jude kann das Christentum und den Islam ignorieren. Christen jedoch können nicht das Judentum ignorieren und Muslime müssen sich notgedrungen mit dem Judentum und dem Christentum beschäftigen. Da liegt das Problem!

Was mir egal ist, hasse ich nicht!

Was Christen und Muslime glauben, ist im Judentum nebbich! Das Judentum missioniert nicht! Christen und Muslime jedoch missionieren! Sie wollen andere davon überzeugen, das bessere Betriebssystem zu haben. Daher stellt sich jedem Christen und jeden Moslem die Frage: Wie halte ich es mit anderen Religionen? Manche Christen sagen, außerhalb der Kirche gäbe es kein Heil: „Extra ecclesiam salus non est!“ Es gibt Muslime, die sagen, dass Juden irgendwie stören:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume zu uns rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.‘“

Am 5. Februar 2008 gab der Vatikan bekannt, dass folgende Neuformulierung Benedikts als Karfreitagsfürbitte Geltung hat:

„Oremus et pro Iudaeis. Ut Deus et Dominus noster illuminet corda eorum, ut agnoscant Iesum Christum salvatorem omnium hominum. [Oremus. Flectamus genua. – Levate.] Omnipotens sempiterne Deus, qui vis ut omnes homines salvi fiant et ad agnitionem veritatis veniant, concede propitius, ut plenitudine gentium in Ecclesiam Tuam intrante omnis Israel salvus fiat. Per Christum Dominum nostrum. Amen.“

Die deutsche Übersetzung lautet:

„Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen. [Lasset uns beten. Beuget die Knie. Erhebet Euch.] Allmächtiger ewiger Gott, Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.“

Es gibt Christen, die schauen auf die Software der Juden und können einfach nicht verstehen, warum sie bei ihrer Version bleiben und nicht die neue Version a.d. nutzen. Es gibt Muslime, die können nicht verstehen, wie jemand das neue Sharia ausschlagen kann. Derweil machen Juden zwar auch allerlei Quatsch und Unsinn, aber sie missionieren wenigstens nicht!

Juden ist es egal, was Christen und Muslime glauben. Christen und Muslimen ist es aber nicht egal, was Juden glauben. Ihre ganze Theologie ist schließlich fucked up Judaism!

Daher werden sich, und darauf wette ich, Christen und Muslime deutlich mehr im „House of One“ engagieren als Juden, weil sie schlicht und einfach stärker an Juden interessiert sind als Juden an Christen und Muslime.

Daher kommt auch, davon bin ich fest überzeugt, ein Teil des christlichen und muslimischen Judenhasses. Sie hassen es, dass es sie ohne Judentum nicht gäbe, während das Judentum hervorragend ohne sie auskommt. Es ist wie in einer Beziehung, in der die eine Seite deutlich mehr investiert als die andere.

Am Ende werden sich Muslime und Christen im „House of One“ zusammen tun und sagen: „Seht Ihr? Die Juden! Sie sind gar nicht so sehr am Dialog interssiert wie wir! Diese alttestamentarischen Juden aber auch! Unverschämtheit!“

So wird, so fürchte ich, das „House of One“ Schaden für Juden bringen, denn wenn zwei missionarische Religionen auf eine sich selbst genügende Religion treffen, ist Streit vorprogrammiert. Am Ende wird es heißen: „House of O(h)ne Juden!“

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16 Antworten zu House of O(h)ne

  1. Chaya schreibt:

    Fucked up Judaism. Brilliant.

  2. Eitan Einoch schreibt:

    Juden missionieren nicht – deswegen ist mir das Judentum von allen Religionen auch die sympathischste.

    • besucher schreibt:

      Missionieren den Buddhisten?

      • Eitan Einoch schreibt:

        Ja, es gibt durchaus missionierede Formen des Buddhismus.

      • Eitan Einoch schreibt:

        Im Talmud heißt es:

        „Die Gerechten aus den Völkern haben einen Platz in der kommenden Welt.“

        Ich finde, das ist ein ganz wunderbarer Satz – einer der schönsten überhaupt! Mir ist keine andere Religion bekannt, die etwas Vergleichbares ausgesagt hätte.

  3. A.S. schreibt:

    Was soll so ein Haus eigentlich bringen? Das sind drei Monotheismen die sich selber für richtig halten und die anderen für überholt bzw. verfälscht. Worüber sollen die sich austauschen?
    Über Dogmen kann man nicht diskutieren wenn man wirklich daran glaubt. Diskutieren kann man, wenn man die Dogmen auf einen „Serviervorschlag“ reduziert, den jeder nach seinem Gusto auslegen kann.
    Das ist schon lange Praxis bei einem großen Teil der Nichtfundamentalisten. Und nur die könnten so ein Haus zum Dialog nutzen. Falls das Haus nicht nur ein reines Islamhaus mit verlogener Toleranzfassade wird (was ich aber vermute), dann erreicht man damit mal wieder nur die Leute, die man gar nicht erreichen muss. Wie so oft würde auch dieses Toleranzverbreitungsspiel nur diejenigen erreichen, die sowieso schon tolerant sind.

  4. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Gibt es das „House of One“ nicht schon seit über hundert Jahren – die Bahai-Gemeinde?

  5. Eliyah schreibt:

    Ich werde aus verschiedenen Gruenden keinen Fuss in dieses Haus setzen. Grund eins: Es interessiert mich einfach nicht besonders. Gerd hat gut umrissen, warum das so ist. Grund zwei: Wenn ich in Deutschland zu Besuch bin, habe ich besseres zu tun. Grund drei: Aus religioesen Gruenden darf ich dieses Haus gar nicht betreten. Jeder Ort, an dem Christen regelmaessig beten, ist ein Ort des Goetzendienstes (wegen der sog. Dreieinigkeit generell und der Marienverehrung der Katholiken im Besonderen), in dessen von der Sonne geworfenen Schattens ich strenggenommen nicht mal stehen darf.

  6. caruso schreibt:

    „Viele Juden haben einen Knall.“ Und wie das stimmt! Hundertprozentig. Leider. Politiker inbegriffen.
    lg
    caruso

    • Eliyah schreibt:

      Das ist aber kein juedisches Alleinstellungsmerkmal. Daher sollte man es nicht besonders betonen. Die Idioten und Verrueckten sind mehr oder weniger gerecht auf alle Voelker verteilt.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @Eliyah: „Die Idioten und Verrueckten sind mehr oder weniger gerecht auf alle Voelker verteilt.“

        Mag sein, aber nicht alle Idioten und Verrückten verbleiben in den Grenzen ihrer ursprünglichen Verteilung.

        • Eliyah schreibt:

          Von mir aus, trotzdem sollte man nicht immer wieder darauf hinweisen, dass es Idioten unter den Juden gibt, als waere es was Besonderes. Wir sind Menschen wie alle anderen auch und unter uns gibt es Idioten wie bei allen anderen auch.

  7. anti3anti schreibt:

    Ausgezeichnet! Einige winzige Korrekturen:

    „Ein Christ muss sich daher mit der jüdischen Religion beschäftigen. Das Judentum ist seine Wurzel!“

    http://www.tabularasamagazin.de/artikel/artikel_6534/
    erklärt alles. Das Judentum ist zwar die Wurzel des Christentums, jedoch braucht das Christentum keine Wurzel mehr, denn es sich selbst genügt. Wie das Judentum, dass ebendfalls keine Wurzeln braucht, obwohl es welche hat (Geheimnissverrat!).

    „Ein Muslim muss sich daher mit der jüdischen und der christlichen Religion beschäftigen. Es sind seine Wurzeln!“

    Historisch korrekt, dogmatisch falsch! Abraham, Moses und Jesus waren ja Muslime!

    „Daher werden sich, und darauf wette ich, Christen und Muslime deutlich mehr im “House of One” engagieren als Juden …“

    Nicht unbedingt. Viele Juden haben einen Knall.

  8. Adolf Breitmeier schreibt:

    Es wird ein Haus für nur einen werden: dem Islam. Der Islam braucht solch idiotische Anlaufstellen, die von Nichtislamern erfunden, gebaut und unterhalten werden Man kann den Islam nicht dadurch reformieren, dass man mit seinen Vertretern in irgend eine Räumlichkeit ,,plaudert“; Islam heißt UNTERWERFUNG – und wenn das über einen ,,Dialog“ oder so etwas Ähnlichem vonstatten gehen kann, ist das nur von Vorteil (allerdings gibt es dabei keine islamischen Mätyrer, das ist schlecht für den Einzelnen). Die ILLUSION eines Hauses für drei Religionen (wieso hat man die anderen Religionen weggelassen – ei weil man sie weder achtet oder – wie beim Islam – fürchtet, fürchten muss, wie das Weltgeschehen zeigt) wird ziemlich schnell platzen (es sei denn, dort gibt es was zu holen). Wer hat sich diesen Quatsch nur ausgedacht – auf Steuerzahlers Kosten.

    • anti3anti schreibt:

      Die anderen Religionen wurden weggelassen, weil der Islam sie nicht als Religion anerkennt.

      • Adolf Breitmeier schreibt:

        Ach so, der Islam bestimmt hier bei uns, wer irgendwo ein darf und wer nicht, ich hatte einfach nur zu kurz gedacht – jetzt weiß ich wieder, wer der HERR im Haus (one) ist.

Seid gut zueinander!

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