Dieter Hallervorden, Du machst mir Angst (in dieser Zeit)!

Dieter Hallervorden hat mit seinen achtzig Lenzen die letzte Tinte von Günter Grass gefunden und stänkert in seinem neuen Lied „Ihr macht mir Mut“ gegen eine angebliche Lügenpresse.

„Allein in diesen Zeiten, gegen Lügenprofis fighten, fühlt man sich ganz oft beschissen, dann war es gut, Euch nah zu wissen.“ So beginnt das Lied, das seinen Höhepunkt findet, wenn Dieter Hallervorden singt: „So steht’s in der Zeitung drin, was glauben die denn, wie blöd wir sind?“ Dazu verbrennt er, in alter deutscher Tradition, symbolisch eine Zeitung. Mehr Metapher geht nicht!

Für Dieter Hallervorden ist die Presse schlicht und ergreifend in den Fängen dunkler Mächte. Wer diese Mächte sind, daran lässt Dieter Hallervorden keinen Zweifel. Eine Macht wird ganz besonders behandelt und intensiv kritisiert: Israel!

„Israel macht Mauerbau,
SED-Ideenklau!“

„Wenn’s in‘ Nahen Osten geht,
dann aus Solidarität!“

„Magst Du Netanjahu nit,
bist Du schnell Antisemit!“

Kein Land wird in dem Lied öfter kritisiert, als das einzige Land auf der Welt, in dem Juden nicht in der Minderheit sind. Dieter Hallervorden lässt dabei kein Klischee aus. Besonders bemerkenswert ist der Kontext, in dem er Netanjahu kritisiert:

„Wenn die Börse wieder kracht,
ewig bleibt die Bankenmacht.
Willst’n offenes Wort riskieren,
Spekulanten kritisieren,
hängt’n Shitstorm gleich an Dir.
Magst Du Netanjahu nit,
bist Du schnell Antisemit!
Super coole Rufmordprofis,
für die sind wir alle Doofis.
Immer eilen, nicht lang pfeilen,
geil auf geile Totschlagzeilen.“

Wenn es um die böse Presse und die böse Börse geht, ist der böse Jude nicht weit. Da ist Dieter Hallervorden in guter deutscher Tradition. Wilhelm Busch reimte im ersten Kapitel seiner Frommen Helene:

„Ach, die sittenlose Presse!
Tut sie nicht in früher Stund
All die sündlichen Exzesse
Schon den Bürgersleuten kund?! (…)

Und der Jud mit krummer Ferse,
Krummer Nas‘ und krummer Hos‘
Schlängelt sich zur hohen Börse
Tiefverderbt und seelenlos.“

Übrigens, der letzte Reim vor Didis Zeitungsverbrennung lautet:

„Nur wer rutscht auf seinen Knien,
dem ham die USA verziehen!“

Diese Wortwahl erinnert mich stark an frühere deutsche Amerika-Kritiker mit Hang zur Verbrennungssymbolik. Aber Dieter wäre nicht Hallervorden, hätte er nicht noch einen guten Witz parat: Die Einnahmen des Liedes gehen zu hundert Prozent an die Flüchtlingshilfe. Die Mehrheit der Flüchtlinge, die gerade nach Deutschland kommen, sind aus Regimen und Diktaturen geflohen, die voller Hass sind auf Israel, Juden, die USA, freie Presse und den freien Markt. Die Flüchtlinge sind somit aus Ländern geflohen, in denen die Mehrheit Dieter Hallervordens Lied über weite Strecken aus vollster Überzeugung und inniger Zustimmung mitsingen kann.

Das ist wirklich saukomisch. Palim! Palim!

Ich hab da auch einen lustigen Reim:

„Magst Du unsern Didi nit,
Bist Du schnell ein böser Jid!“

Dieter, Du machst mir Angst (in dieser Zeit)!

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