Auf der Durchreise in Köln

Ein Reisebericht eines Besuchers aus Salzgitter.

Am Donnerstag, 3. September 2015, war ich auf der Durchreise in Köln. Die gute Stunde Aufenthalt nutzte ich, um mir einmal wieder den Dom und seine nähere Umgebung anzusehen.

Dabei fiel mir ein älterer Mann auf, der ungefähr am Ende der Domplatte (als Nichtkölner bin ich mit der Nomenklatur nicht so vertraut, jedenfalls am Ende des Platzes, bevor es Richtung Wallraffplatz weitergeht) recht emsig Schilder an Schnüren und Leinen aufhängte, die zwischen (mindestens) zwei Trägern aufgespannt waren. Kaum hatte ich einen kurzen Schlenker zum Römisch-Germanischen Museum gemacht, war er schon wieder weiter fortgeschritten mit seinem Werk. Was mein Interesse schließlich weckte, war eine Flagge in pan-arabischen Farben, die an der Spitze des Aufbaus wehte. Da mir dies auf eine politische Stellungnahme hindeutete, ging ich näher zu dem Werk dieses Mannes.

Aus der Nähe betrachtet, entpuppte sich die Flagge als die „Palästinas“, wie sie gern weltweit von Antizionisten und Judenhassern verwendet wird. Die Codes sind ja mittlerweile hinlänglich bekannt. Dem entsprach auch das, was auf den Schildern, die dort gezeigt wurden, prangte: Ziemlich fette und ehrabschneidende Lügen über den Staat Israel (z.B. sinngemäß: „Israel bombardiert permanent den Gazastreifen“ und noch viel mehr von diesem Kaliber). Einige der Schilder waren verdeckt mit Tafeln , auf denen sinngemäß stand: „Zensiert! Aber aufklappbar.“

Ideologisch abgerundet wurde das Ganze durch ein weiteres Plakat, auf dem sinngemäß stand: „Möge SPD, Grünen und FDP der Entschluss zum Bau eines jüdischen Museums im Halse stecken bleiben.“
Dieser ältere Herr ließ bezüglich seiner Stoßrichtung also wirklich keine Fragen offen.

Fotos habe ich von dem Werk nicht gemacht, da ich mit dem geringen Speicherplatz, den mein Smartphone noch übrig hatte, lieber den Dom fotografiert habe. Auch bin ich nicht in Kontakt mit dem Mann getreten oder habe nachgeschaut, was bei dem Werk so effizient zensiert ist, dass man es durch einfaches Aufklappen erfahren kann. Er wirkte so ungepflegt und abstoßend, dass ich darauf verzichten musste. Doch immer wieder, allein während der gut zehn Minuten, in denen ich mir das Treiben des Typen ansah, blieben Passanten bei ihm stehen, machten Fotos, unterhielten sich mit ihm. Zum Teil standen sie durchaus kopfschüttelnd vor dem Aufbau, wobei natürlich fraglich ist, ob sie sich über das Werk des älteren Herrn erregten oder den Lügen, die er damit verkündete, Glauben schenkten. Ihm arbeitete noch ein weiterer Herr zu, schätzungsweise etwas jünger. Er versuchte aktiv, Passanten in ein Gespräch zu verwickeln.

Sehr geehrte Kölnerinnen und Kölner,

es ist mir durchaus etwas an Ihrer Stadt gelegen, die mir eigentlich immer sympathisch und lebenswert erschien. Daher schreibe ich Ihnen heute. Stellen Sie sich bitte vor, Sie wären ein jüdischer Tourist. Oder ein Bürger Israels, der Köln besucht und sich den Dom, das meistbesuchte Bauwerk Deutschlands, anschaut. Wie würden Sie sich fühlen in der Nähe eines solchen Machwerks, das voller Lügen die letzte und einzige Zuflucht, die Sie auf dieser Welt haben, angreift, verleumdet und in den Schmutz tritt?

Oder, wären Sie eine jüdische Kölnerin oder ein jüdischer Kölner (falls Sie es nicht sind), wie würde es Ihnen ergehen, wenn jemand voller Hass und Verfluchung („möge (…) im Halse stecken bleiben“ ist schon lange nicht mehr politisch, sondern purer Hass!) dafür eintritt, dass die jahrtausende alte Geschichte der Kölner Juden vertuscht, kleingeredet, negiert werden möge? Ist das nicht sozusagen historiographischer Genozid? Ich stelle mir mit Grausen vor, was das Werk dieses Typen in diesen Personen auszulösen vermag.

Und nicht zuletzt ist es auch ein Angriff auf die vielen Millionen nichtjüdischen Zionistinnen und Zionisten weltweit, zu denen auch ich zähle. Wir wissen, warum wir Israel unterstützen und in Schutz nehmen, zum Beispiel gegen Europäer, die allzu aufgesetzt-begeistert mit Pali-Farben wedeln. Denn worum es denen wirklich geht, ist schon lange bekannt.

Da ich dieses Gelüge auf den Tafeln, die der Typ dort aufgehängt hatte, unerträglich fand, versuchte ich, eines Mitglieds Ihrer Institutionen habhaft zu werden und Sie zu informieren. Leider waren zwei Polizeifahrzeuge, die kurz vorher noch auf dem Domplatz gehalten hatten, mittlerweile weggefahren. Das Fahrzeug des Ordnungsamtes, das auf der anderen Seite des Platzes geparkt war, war leer.

Doch mein Zorn über diese dreisten Verleumdungen ausgerechnet des jüdischen Staates (warum wohl sucht sich der Typ just Israel aus?) ist auch nach Rückkehr von meiner Reise nicht verflogen. Ich sorge mich um die Passanten, denen dort möglicherweise antisemitisch das Gehirn gewaschen wird. Ich fürchte, dass die Lügen und Verdrehungen, die der alte Mann zum Besten gibt, den Hass befördern. Ich gehe davon aus, dass Sie von Amts wegen gegen den Typen ermitteln, oder darf jetzt jeder einfach alles behaupten, auch wenn es glatt gelogen ist und der Völkerverständigung entgegen steht?

Momentan bemüht sich die Bundespolitik darum, dass Schmähungen gegen Immigranten (nicht bloß gegen Einzelpersonen, sondern gegen Immigranten als Gruppe) in Sozialen Medien unterbunden werden. Ich hoffe sehr, dass für Juden und den jüdischen Staat gleiche Rechte gelten!

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