Ihr Toren!

Die Menschen in Deutschland haben Angst und wollen mehr Grenze! Manche Angst ist begründet, andere unbegründet. Einige haben Angst vor ISIS, andere vor TTIP. Die Einen wollen mehr Grenze aus Angst vor Menschen aus Syrien, die Anderen verteidigen Grenzzölle aus Angst vor Amerika. Die Einen wollen „Siegmar“ (sic!) Gabriel in Dresden hängen wegen Muslime und so (Bild 1), die Anderen wollen Sigmar Gabriel lieber in Berlin köpfen wegen Freihandel und so (Bild 2). Die Deutsche Angst schafft Grenzen!

Es ist daher Zeit, Heinrich Heine sprechen zu lassen. Der deutsche Flüchtling in Frankreich schrieb vor über hundertsiebzig Jahren als er im Jahr 1843 wieder einmal an einer deutschen Grenze aufgehalten wurde:

„Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken.

Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
Als die von Brüssel und Mecheln,
Und pack ich einst meine Spitzen aus,
Sie werden euch sticheln und hecheln.

Im Kopfe trage ich Bijouterien,
Der Zukunft Krondiamanten,
Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
Des großen Unbekannten.

Und viele Bücher trag ich im Kopf!
Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
Von konfiszierlichen Büchern.

Glaubt mir, in Satans Bibliothek
Kann es nicht schlimmere geben;
Sie sind gefährlicher noch als die
Von Hoffmann von Fallersleben!“

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Kunst, Liberalismus, Literatur, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

33 Antworten zu Ihr Toren!

  1. Akrophobie schreibt:

    ich glaube auch nicht, dass Heine auf so einer Demo mitgehen würde, zu viele dumpfbackige Idioten, egal auf welcher. Nichts für Feingeister. Außerdem war er ein Meister der deutschen Sprache, während unsere Protagonisten leider noch nicht einmal einen Satz richtig schreiben können. “ Pass blos auf!“ Uääähhh!!! Schade, dass der Typ nicht noch versucht hat, Guillotine zu schreiben, wäre bestimmt lustig gewesen. So ist er bloß am blos gescheitert.

    • Dante schreibt:

      Vielleicht hätte sich Heine unter die demonstrierende Masse gemischt, wäre also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals ein Teil von ihr geworden. So wie wir Heine kennen, war das nicht seine Art.

  2. abusheitan schreibt:

    „Angst vor Menschen aus Syrien“?
    Nö.
    Angst vor Vergewaltigern, Einbrechern, Räubern, Mördern, Betrügern, die sich als traumatisierte Syrer ausgeben.

    • Dante schreibt:

      Sie haben Nazis vergessen.

      • abusheitan schreibt:

        Und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, die sich als Nazis ausgeben.

        • Dante schreibt:

          Die vielleicht auch. In meinem Kommentar ging es freilich nicht um NSU-kompatible, also ausländerfeindliche Nazis. Es war ja die Antwort auf einen Kommentar Ihrerseits, in dem Sie aufzeigen, wovor Sie (und wer nicht, der bei Verstand ist?) Angst haben, und zwar im Zusammenhang mit der Zuwanderung vieler Flüchtlinge aus arabischen Gefilden. Und in diesem Zusammenhang ist auch mein Kommentar zu verstehen: Zu fürchten sind nicht nur Vergewaltiger, Einbrecher etc., sondern auch Nazis, die im Pulk der Flüchtlinge in unser Land kommen können und wohl auch werden.
          Solche, wie sie unter den hiesigen Eingewanderten schon sind, wie man letztes Jahr wunderbar an den Demonstrationsparolen sehen konnte…
          In Syrien ist immerhin weiland auch Alois Brunner untergekommen, ein Mann, den selbst Karl Wolff als Schweinehund bezeichnet hat. Vielleicht hat er geistige Kinder und Kindeskinder, die jetzt auch dabei sind…

  3. American Viewer schreibt:

    Die Einen wollen “Siegmar” (sic!) Gabriel in Dresden hängen wegen Muslime und so (Bild 1), die Anderen wollen Sigmar Gabriel lieber in Berlin köpfen wegen Freihandel und so (Bild 2).

    Interessant wie unterschiedlich die deutschen Medien über beide Vorfälle berichten. Von dem Galgen liest man in jedem großen deutschen MSM. Grenzen seien überschritten worden. Und weiteres Bla bla bla. Vom zweiten Vorfall mit der Guillotine habe ich erst durch Sie erfahren, weil kaum ein deutsches Medium darüber berichtet.

    Warum wundert mich das nicht?

    Nach einer Google-Suche habe letztendlich ich einen einzigen Artikel zum Thema gefunden:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article147570729/Ist-ein-Galgen-schlimmer-als-die-Guillotine.html

    Welt online stellt sich die gleichen Fragen. Immerhin.

    In einem normalen Land sollte übrigens beides durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein. Gemeint ist jeweils der politische, nicht der reale Tod. Aber ist Deutschland ein normales Land? Wenn linksextreme Künstler das gleiche machen, geht es immer als Kunst und politische Kritik durch. Unliebsamen Demonstranten hingegen droht man mit strafrechtlicher Verfolgung. TTIP-Gegner und Pegida sind nicht dümmer als Schlingensief. Nur lebendiger.

  4. riepichiep schreibt:

    Auf jeden Fall fand ich das Foto von der Anti-TIPP-Kundgebung interessant. Ich vermisse nur irgendwie, dass die Presse das Photo so „auschlachtet“ wie das von der anderen Demo …

    • American Viewer schreibt:

      Warum wundert mich das nicht, dass die deutschen Medien mit vielerlei Maß messen?

      • Dante schreibt:

        Ich wage zu bezweifeln, dass sich diese Praxis auf deutsche Medien beschränkt.

        • American Viewer schreibt:

          Das hat auch niemand behauptet.

          Allerdings könnte man es so sehen und meinen in den deutschen Medien ist es besonders extrem. In UK, Schweiz, USA gibt es mehr große Medien, die nicht so einen Einheitsbrei veranstalten.

          • Dante schreibt:

            Nun, die vielgeschmähte BILD macht so manchen Einheitsbrei anscheinend nicht mit; vor allem habe ich in keiner Zeitung ein so explizites Bekenntnis gelesen wie „Nie wieder Judenhass!“ Das war gegen Ende letzten Jahres.

          • American Viewer schreibt:

            Das ist ja bekannt. Springer ist die große Ausnahme. Wobei selbst Welt online grenzwertig ist.

            Und auch Springer hat so einige politisch korrekte Tabus.

            Beim Thema Einwanderung und Asyl zum Beispiel muss man oft britische Zeitungen lesen, wenn man alle Hintergründe erfahren will.

    • ceterum censeo schreibt:

      Mein erster Gedanke. Von der Berliner Sache hatte ich bis eben gar nichts gehört.

  5. unbesorgt schreibt:


    Braver Mann, gab mir zu essen,
    werd‘ es ihm nie und nimmer vergessen.
    Schade, dass ich ihn nicht küssen kann,
    denn ich bin selbst dieser brave Mann!

    Auch vom Heinrich

  6. scottberlin schreibt:

    Sorry, aber Sie sind der Tor, Buurmann,
    haben weder Heine noch TTIP verstanden. Heine hätte den heimtückischen neoliberalen Angriff von TTIP, CETA & Co. auf demokratische Entscheidungsstrukturen durchs
    chaut und wäre am letzten Sonntag in Berlin einer von 250 Tausend gewesen.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Nein, er hätte sich angewidert weggedreht von der Demo in Berlin. Mit Sicherheit sogar!

      • Krokodil schreibt:

        Heine hätte das geplante Abkommen abgelehnt.
        Zu seiner Zeit wurde man noch stutzig,
        wenn man was unterschreiben sollte,
        was man vorher nicht lesen durfte.

        • riepichiep schreibt:

          Man kann aber gegen das Abkommen und auch gegen die Demo in Berlin sein – oder irre ich mich da?

          • Krokodil schreibt:

            @riepichiep

            Er wäre wohl gegen beides.
            Wobei er die Demonstration an sich nicht ablehnen würde,
            sondern, so wie viele hier und ich auch, den „Stil“.

          • Dante schreibt:

            Ob Heine gegen TTIP wäre, weiß ich nicht. Vielleicht könnte man das anhand von Äußerungen Heines zu vergleichbaren (?) Phänomenen seiner Zeit erschließen. In diesem Zusammenhang wäre interessant, wie er zum Deutschen Zollverein, Freihandel und solchen Dingen stand. Mir freilich sind dazu keine Äußerungen von ihm bekannt.

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Heine hätte eindeutig nur die Massendemo in Berlin abgelehnt! Bei allem anderen wäre er herrlich indifferent gewesen!

          • Krokodil schreibt:

            Diese Vereinnahmung wirkt leider nicht sehr bescheiden.

          • Dante schreibt:

            Natürlich ist sie das nicht, das ist Vereinnahmung nie. Im Grunde sollte man Sätze mit „…würde heute ganz sicher…“ unter Strafe stellen, denn das ist im Grunde ein bisschen wie sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen.
            Spekulieren, was jemand heute tun könnte, darf man natürlich.

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @scottberlin: „… und wäre am letzten Sonntag in Berlin einer von 250 Tausend gewesen.“

      Heinrich Heine war niemals „einer von“, sonst hätte er wohl scottberlin geheißen.

    • Dante schreibt:

      Glaub‘ ich nicht. Heine kann ich mir nicht in einer Massendemo vorstellen. Er hätte vielleicht ein paar Zeilen dazu geschrieben, ob dafür oder dagegen, weiß ich nicht, denn Heines Welt war eine ganz andere als heute. Deutschland bestand aus 30 Kleinstaaten, die zunächst auch Zollschranken hatten. Meines Wissens hat der Deutsche Zollverein diese Schranken in einem begrenzten Bereich aufgehoben. Leider weiß ich nicht, wie Heine dazu stand.
      Übrigens hat Gerd ungeachtet der Überschrift niemanden direkt als Toren bezeichnet, sondern Heine zitiert.

    • quisa schreibt:

      Glaube nicht, dass viele der Demonstranten Angst vor Amerika haben, ebensowenig fürchten sie sich vor Chlorhühnchen. Vielmehr hat die Mehrheit der Menschen Angst der Aushöhlung hart erkämpfter Sozialstandards durch Klagen multinationaler Großkonzerne vor Schiedsgerichten einer Paralleljustiz…Diese würde übrigens nicht nur Europa betreffen, sondern ebenso die USA.

  7. Krokodil schreibt:

    „Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie.“

    Heinrich Heine

  8. Dante schreibt:

    Der deutsche Flüchtling in Frankreich schrieb vor über hundertsiebzig Jahren als er im Jahr 1843 wieder einmal an einer deutschen Grenze aufgehalten wurde

    An einer deutschen Grenze. Die deutsche Grenze gab es vor 1871 noch nicht.

Seid gut zueinander!

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