18. Goldener Orwell für Spiegel Online

In unregelmäßigen Abständen vergibt Tapfer im Nirgendwo den Goldenen Orwell.

Der Goldene Orwell wird an sogenannte Qualitätsmedien für Berichte verliehen, die dem Parteislogan aus George Orwells Roman „1984“ alle Ehre machen: „Krieg ist Frieden!“

Unbedingte Voraussetzung für den Goldenen Orwell ist die ideologische Verdrehung einer Nachricht in ihr genaues Gegenteil, zum Wohle des besseren Einfügens in ein gefestigtes Weltbild.

Für gewöhnlich erkläre ich den Grund für die Vergabe des Goldenen Orwells, aber dieses Mal fehlen mir die Worte. Die Dreistigkeit der Schlagzeile ist einfach zu krass!

Der 18. Goldene Orwell geht kommentarlos an Spiegel Online!

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27 Antworten zu 18. Goldener Orwell für Spiegel Online

  1. Dante schreibt:

    Wenn SPON den GO verdient hat, trifft das auch auf die WZ zu. Sie titelte am Montag:

    Fünf Palästinenser nach neuen Messerattacken getötet

    Gefolgt wird dies von den Worten:

    Premier Netanjahu lehnt internationale Aufsicht über Tempelberg ab. USA wollen vermitteln.

    Im Text wird dann ein Fall berichtet, in dem eine Polizistin leicht verletzt wurde und die Angreiferin daraufhin erschoss. Von Fällen, in denen die Opfer schwer verletzt oder getötet wurden, steht im Artikel nichts. Der Tenor ist also „Israel reagiert über“.

  2. Phillip K schreibt:

    Eher findet man die Lösung des Rentenproblems, eher wird die letzte Folge der Lindenstraße gesendet, eher findet der Weltuntergang statt, als dass die deutschen Medien aufhören, Israel als die Bösen darzustellen.

  3. Chaya schreibt:

    Hat dies auf Ich, die Siedlerin || Eine jüdische Stimme aus Judäa rebloggt und kommentierte:

    In die dröhnende Sprachlosigkeit von Gerd Buurmann stimme ich mit ein.
    Insbesondere nach den neuesten 2 Terrorattacken in Judäa (siehe aktuelle Facebook-Meldung) an diesem Nachmittag. Entsprechend der Berichterstattung des ehren(un)werten Spiegels müsste ich schreiben, dass den Attentaten 4 Menschen zum Opfer fielen: Drei Juden und ein arabisch-palästinensischer Muslim, um genau zu sein – der Terrorist. Ein Hoch auf die deutsche Nahostberichterstattung.

  4. Robert Rubekula schreibt:

    Immerhin steht ja drin, was passiert ist. Eher ein gemäßigter Orwell. Man kann sich aus der Überschrift sogar eine Vorstellung machen, was tatsächlich passiert ist. Das ist nicht immer so. Denkbar wäre ja auch gewesen: „Messerattacken in Israel: zwei Palästinenser tot“ oder „Israelis erschießen palästinensische Jugendliche“
    Ok, wenn man mal in die Presse schaut sieht es auch tatsächlich nicht viel besser aus, wenn über den Vorfall berichtet wird:
    „Drei Palästinenser nach Stichattacken getötet“ (Lausitzer Rundschau)
    „Israel: Mehrere Palästinenser nach Messerangriffen getötet“ (Zeit online)
    „Mehrere Tote | Gewalt in Israel eskaliert“ (Bild)
    „Unruhen in Israel: Städte verbannen Araber aus Schulen“ (Handelsblatt)
    „In Jerusalem wird wieder eine Mauer gebaut“ (Die Presse)
    „Jerusalem Immer neue Messerattacken in Israel“ (FAZ)
    „Palästinensische Autonomiegebiete: Gewalt in Nahost mit unabsehbaren Folgen“ (Münchener Abendzeitung)
    „Israel – Erneut Messerattacken in Jerusalem und Hebron“ (Deutschlandfunk)
    Und mein persönlicher Orwell-Favorit: „Welle der Gewalt: Jerusalem baut Mauern, Israelis bewaffnen sich“ (Vorarlberg Online)

    • Dante schreibt:

      Wat ich sagen tu.

    • unbesorgt schreibt:

      Irgendwie klingt das in meinen Ohren alles so:
      „Dreister Dieb – Israeli flieht mit Messer im Rücken von Tatort.“
      Ekelhaftes Appeasment ist das! Aber im SPON wundert mich nichts mehr. Seit Augstein Junior dort mit seiner Kolumne herumdilettiert, ist das Niveau der Berichterstattung besonders in Bezug auf Israel komplett aus dem Ruder gelaufen.

  5. American Viewer schreibt:

    Das ist selbst für Spiegel online ein neuer Tiefpunkt.

    Was titelt SpOn morgen:

    a) Araber sterben nach Flugstunden im Bereich des WTC?
    b) RAF-Studenten sterben nach Doppelkopf mit Hanns Martin Schleyer?
    c) Hitler fällt bei Verteidigung von Berlin?

    Es dürfen noch Wetten abgeschlossen werden.

    • Dante schreibt:

      Dass es eine Attacke ist, deren Opfer ein Israeli ist, geht aus der Schlagzeile selbst hervor. Der Vergleich hinkt also.

      • American Viewer schreibt:

        Schön, dass Sie selbst noch die dümmste Schlagzeile verteidigen können. Nirgends schreibe ich von Vergleichen btw. Ich fragte nur: Was titelt SpOn morgen?

        • Dante schreibt:

          Ich verteidige keinesfalls die dümmste Schlagzeile. Dies ist nicht die dümmste, (ich habe schon dümmere gelesen, da sie ja von Gerd zitiert wurden) und ich habe sie nicht wirklich verteidigt, sondern dargelegt, warum ich sie nicht für einen neuen Tiefpunkt bei SPON halte.

          • American Viewer schreibt:

            Sie verteidigen die Schlagzeile gleich in mehreren Kommentaren. Zumeist nach dem Motto: Man hätte die Schlagzeile ja noch schlimmer formulieren können.

            Wenn das alles keine Verteidigung sein soll, was ist es dann? Es ist ja kein Verbrechen, wenn man die Schlagzeile relativiert.

            Aber erst relativieren (ergo verteidigen) und dann die Relativierung/Verteidigung abstreiten, ist ein bisschen grotesk. Finden Sie nicht?

  6. Onkel Dapte schreibt:

    Aus dem genannten Spiegel-Text:

    „Das US-Außenministerium sprach von „exzessiver Gewaltanwendung“ und warf beiden Seiten Terrorakte vor.“

    Das sagt ausgerechnet ein Amerikaner. Sind dort die Polizisten doch weltweit dafür bekannt, daß sie prinzipiell deeskalieren und nur im äußersten Notfall die Waffe gebrauchen, und auch dann nur für einen Schuß ins Bein des Angreifers.

    Diese Worte aus dem Mund des deutschen Außenministers hätte ich ja noch akzeptiert. Deutsche Politiker hassen Gewalt, außer verbaler natürlich, genauso wie mangelnde Bereitschaft zu bedingungsloser Unterordnung.

  7. Henry87 schreibt:

    9/11: 10 Muslime sterben bei tragischem Flugzeugunglück…

  8. Dante schreibt:

    Es gibt Meldungen, die den GO viel mehr verdient hätten (ich meine, in Kommentaren auch schon Vorschläge unterbreitet zu haben). Diese hier lässt sich dahingehend verstehen, dass Arabischpalästinenser versuchen, Israelis zu ermorden und bei ebendiesem Versuch selbst den Tod finden (und zwar wie auch immer , es könnte auch ein Unfall sein, der Schlagzeile nach, den die erwähnt nicht einmal, dass israelische Polizisten sie erschossen).
    Einen Preis haben in diesem Zusammenhang die erschossenen Messerstecher verdient: Den Darwin Award.

    • Paul schreibt:

      Entschuldigung, lieber Dante,
      dies hier habe ich erst gelesen, nachdem ich meinen Beitrag abgeschickt hatte. Habe mich aber gewundert, dass Dir ’sterben‘ und ‚erschossen‘ nicht aufgefallen ist.

      Herzlich, Paul

      PS: Habe gerade noch mal nachgelesen.
      Hattest Du doch auch bei 10:27 schon geschrieben. (Letzter Satz)
      So lese ich -ts-ts. Aber ich werde es noch lernen. Hoffe ich. :-0

      • Dante schreibt:

        Natürlich ist mir der Unterschied zwischen „sterben“ und „erschossen“ aufgefallen. Die Verwendung des neutralen „sterben“ anstelle von „erschossen“ verzerrt die Nachricht aber nicht zu Ungunsten Israels, weil ja dadurch gerade nicht die Handlung des jeweiligen israelischen Polizisten als unmittelbare Todesursache in den Vordergrund gerückt oder gar als israelischer „Staatsterror“ gebrandmarkt wird. Gerade die Auslassung dieses Details rückt die Messerattacken auf israelische Bürger als eigentliche Todesursachen in den Vordergrund.

        • Bergstein schreibt:

          Die maßgebliche Frage ist meiner Ansicht nach, was die eigentliche Meldung ist und was die beiläufige Erwähnung. Es wird nämlich der Tod der Angreifer in den Vordergrund gerückt, das Schicksal der Opfer wird nicht einmal erwähnt. Die Verdrehung der Wahrheit liegt folglich darin, dass die eigentlichen Opfer nicht einmal erwähnt werden, während die negativen Folgen für den Täter die eigentliche Nachricht ausmachen. Der Täter ist ein Palästinenser die Angegriffenen sind Israelis. Ein Israeli kann auch ein Araber, Russe oder sonst noch jemand sein. Von einem Angriff auf einen Juden, nur aus dem Grund dass er Jude ist, ist nicht die Rede.

          • Dante schreibt:

            Die Verdrehung der Wahrheit liegt folglich darin, dass die eigentlichen Opfer nicht einmal erwähnt werden, während die negativen Folgen für den Täter die eigentliche Nachricht ausmachen.

            Guter Punkt. Dass das Opfer in der Schlagzeile nicht stattfindet – und zwar als Jude, der als solcher angegriffen wird – meine ich auch angemerkt zu haben.
            Wir sindallerdings Schlimmeres gewohnt, etwas in dem Stil von

            Israels Polizei kartätscht Palästinenser nieder

            und dann kleingedruckt

            Erschossener hatte Israeli im Streit mit dem Messer angegriffen

            also erst die Israelis als Angreifer und den Palästinenser als Opfer darstellend, dann einräumend, dass der auch kein Unschuldslamm ist und den Angriff noch als Eskalation eines Streits rechtfertigend.

          • Dante schreibt:

            Ergänze: Das entspräche der „Bericht“erstattung deutscher Medien über „Israels Angriffe auf Stellungen“ als Reaktion auf Raketen – oder Mörserangriffe (einem solchen fiel auch ein vierjähriger Junge zum Opfer)

  9. caruso schreibt:

    Was für ein verdrehtes oder verquirltes Hirn muß einer haben, um so einen Satz zu erfinden!? Der verdient auch den 19. Goldenen Orwell.
    lg
    caruso

    • Dante schreibt:

      Da war ich woh

    • Dante schreibt:

      …l zu langsam. Ob, wie gesagt, der Satz den GO verdient, hängt von der Interpretation ab. Wahrscheinlich hat ihn der BOSS (und auch Sie) dahingehend interpretiert, dass hier die angreifenden Arabischpalästinenser als die eigentlichen Opfer der Messerattacken hingestellt würden.
      Kann man, muss man aber nicht. Einzig vorzuwerfen ist SPON in diesem Fall, dass aus der Schlagzeile nicht klar hervorgeht, dass die gestorbenen Arabischpalästinenser selbst die Angreifer waren. Dass ihre eigentliche Todesursache jedoch der Angriff auf einen Israeli war, geht dagegen klar daraus hervor und ist sogar von Feindseite aus angreifbar, da die tödlichen Schüsse aus israelischen Polizeiwaffen ebenfalls nicht erwähnt werden.

      • Paul schreibt:

        Also Dante,
        Du bist ja ein ganz Gefährlicher.
        Aber wer von den Lesern von SPON verfügt über diese Intelligenz, um diese nach dieser Interpretation dann doch sehr einfühlsame Überschrift so zu verstehen?
        Ich gestehe: Ich nicht! Ach so, ich lese SPON auch nicht.

        Die Verdrehung der Wahrheit (nein, ich schreibe nicht Lüge), ist meines Erachtens noch viel subtiler und wurde deshalb auch von Dir nicht beanstandet.

        SPON ist der Gebrauch des Wortes „sterben“ vorzuwerfen.

        Die Schlagzeile müsste korrekt lauten:

        PALÄSTINENSER ERSCHOSSEN BEI MESSERATTACKEN AUF ISRAELIS

        Das Zauberwort ist ERSCHOSSEN.

        Natürlich ist STERBEN keine Lüge, weil sie natürlich auch gestorben sind. Aber die Nachricht wird manipuliert.

        Die von mir veränderte Überschrift hat auch noch einen Hauch von Judenhass, aber die gewählte Überschrift ist purer Judenhass und deshalb die Verleihung des Goldenen Orwell berechtigt.
        Von mir würden Sie den mit Eichenlaub und Schwertern bekommen.

        Herzlich, Paul

        • Bergstein schreibt:

          Richtige Überschrift müsste lauten. Bei erneutem rassistischen Messerangriff ein einen Juden, bei dem das Opfer verletzt wurde, ist der der Täter im Notwehr erschossen worden.

          • Dante schreibt:

            Das wäre schon eine ganze Meldung oder zumindest die Zusammenfassung. Eine geeignete Schlagzeile müsste lauten:

            Messerattacke in Jerusalem – Opfer schwer verletzt, Täter in Nothilfe erschossen

            oder

            Suicide by Cop – Messerattacke auf Israelischen Zivilisten – Opfer überlebt dank raschen Eingreifen der Polizei

            oder so ähnlich.

        • Dante schreibt:

          Die Schlagzeile müsste korrekt lauten:

          PALÄSTINENSER ERSCHOSSEN BEI MESSERATTACKEN AUF ISRAELIS

          Das Zauberwort ist ERSCHOSSEN.

          Nein, im Gegenteil. Das Wort wäre zwar nicht gelogen, würde aber gerade Israel wieder mehr als „Täter“ darstellen oder zumindest suggerieren, es reagiere überzogen.
          So, wie es ist, wird – ich wiederhole mich – wenigstens die Messerattacke als die eigentliche Todesursache dargestellt, die sie ja auch ist.

      • Clas Lehmann schreibt:

        Nu ja… demnächst heißt es denn „…kam bei der Auslösung seines Sprengstoffgürtels zu Tode…“

        Und irgendwo im Artikel wird dann vielleicht beiläufig erwähnt, wer kollateral noch zu Schaden gekommen ist…

        Der erkennbare Plan dieser Messerattacken ist ist ja, dabei selber auch zu Tode zu kommen, genau wie beim Bombing, nur eben durch die Sicherheitskräfte, was sich beim propagandistischen Bodycount besser macht…

Seid gut zueinander!

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