Netanyahu darf nur ein Bösewicht sein

Es ist doch spannend, dass so viele Deutsche, die jetzt in ihrem Sündenstolz getroffen über Netanyahu herfallen, weil er darauf hingewiesen hat, dass der Mufti von Jerusalem, Muhammad Amin al-Husseini, eine Mitschuld am Holocaust trägt und dabei zugegebenermaßen drastische Worte gewählt hat, die weit über das Ziel hinausgeschossen sind, in meinen Augen sogar falsch waren, weil sie so verstanden werden konnten, dass die Nazis ohne den Mufti nicht den Holocaust verbrochen hätten, eine ungeheuerliche Aussage und mit Sicherheit ein Missverständnis, was allein die Tatsache beweist, dass Netanyahu seine Wortwahl recht zügig wieder zurückgenommem hat, vor drei Wochen ohrenbetäubend geschwiegen haben, als Netanyahu Mahmud Abbas vor den Vereinten Nationen einen bedingungslosen Einstieg in Friedensverhandlungen angeboten hat. Ich zitiere ihn nochmal:

„Präsident Abbas, ich weiß, es ist nicht einfach. Ich weiß, es ist schwer. Aber wir schulden es unseren Völkern, es nochmal zu versuchen, es immer wieder zu versuchen, denn gemeinsam, wenn wir tatsächlich verhandeln und damit aufhören, darüber zu verhandeln, ob wir überhaupt verhandeln sollen, wenn wir uns tatsächlich hinsetzen und versuchen, diesen Konflikt zwischen uns zu lösen, uns einander anerkennen und einen palästinensischen Staat nicht als Sprungbrett für eine weitere islamistische Diktatur im Nahen Osten verwenden, sondern als ein Land, das in Frieden neben dem jüdischen Staat leben möchte, wenn wir das tatsächlich tun, dann können wir bemerkenswerte Dinge für unsere Völker erreichen.“

Warum wurde dieses Angebot von Netanyahu deutlich seltener zitiert, als seine Polemik über die historisch nicht zu leugnende Mitschuld des Muftis von Jerusalem an der Shoa?

Über Benjamin Netanyahu wollen so viele Menschen nur schlechte Dinge hören, lesen und sagen. Warum?

Wie empathielos muss man eigentlich sein, um auch nur einen Moment annehmen zu können, ein Jude, der im Holocaust viele Familienvorfahren verloren hat, hätte die Absicht, Hitler trivialisieren zu wollen?

So etwas kann man nur von einem Menschen annehmen, den man partout nicht verstehen will, weil man ihn abgrundtief hasst.

Und warum berichten ARD Tagesschau und ZDF heute nicht auch regelmäßig darüber, wenn auf arabischer Seite unmissverständlich und aus vollster Überzeugung der Holocaust geleugnet wird? Weil es täglich passiert? Oder nicht doch eher, weil für viele Deutsche der Jude, der mal was meschuggenes sagt, deutlich verabscheuungswürdiger ist als der Araber, der mörderische Hetze verbreitet?

Al-Husseini war ein Nazi-Kollaborateur und ein geifernder Judenhasser. Er trat schon lange vor 1933 Pogrome los. Er war ein Verbündeter Hitlers, aber für den Wahn zum Judenmord brauchten die Nazis wahrlich keinen Mufti! Netanyahu hat über das Ziel hinausgeschossen, nebbich. An der historischen Wahrheit ist er trotzdem weit näher dran als all jene, die die muslimischen Araber des Nahen Ostens als unschuldige Kollateralopfer des Holocaust bezeichnen.

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