„Wenn man nicht bei den Kindern beginnt, wo soll man anfangen?“

Shachar ist ein dreizehnjähriges Mädchen. Wie viele Mädchen in ihrem Alter interessiert sie sich für Pferde und entschied sich daher dazu, einen Schulaufsatz über die Herkunft von Pferden zu schreiben.

Dr. Marsha Levine ist eine Expertin in der Geschichte der Pferdedomestizierung. Sie befindet sich mittlerweile im Ruhestand aber arbeitete zehn Jahre am McDonald Institut für Archäologie an der Universität von Cambridge. „Wenn es eine Frau gibt, die mir wichtige Informationen zu meinen Schulprojekt geben kann,“ dachte sich Shachar, „dann ist es Dr. Levine.“

Die Dreizehnjährige setze sich also hin und schrieb der emeritierten Professorin eine Mail in bestem Schulenglisch.

„Sehr geehrte Dr. Marsha Levine,

ich liebe Pferde sehr. Ich weiß, dass Sie eine sehr wichtige Person und Expertin in der Geschichte und Entwicklung der Pferdehaltung sind. Ich habe Ihren Artikel über die Frühgeschichte der Domestikation und Zucht von Pferden gelesen. Es wäre mir eine Ehre, wenn Sie meine Fragen beantworten würden. Wie haben die prähistorischen Pferde gelebt? Haben Menschen versucht, die ur- und frühgeschichtlich Pferderassen zu erhalten oder haben sie neue Rassen gezüchtet? Was haben heutige Pferde mit ihren prähistorischen Vorfahren gemeinsam?“

Die Antwort von Dr. Marsha Levine kam prompt. Sie teilte dem Mädchen mit, dass sie nicht bereit sei, ihre Frage zu beantworten, weil Shachar Israelin ist.

„Du magst ein Kind zu sein,“ schrieb sie dem Mädchen, „aber wenn Du alt genug bist, um mir zu schreiben, dann bist Du auch alt genug, um Dich in der israelischen Geschichte auszukennen und zu wissen, wie sie sich auf das Leben der palästinensischen Bevölkerung ausgewirkt hat.“ Mit deutlichen Worten fügte sie hinzu: „Ich werde Dir erst Deine Fragen beantworten, wenn es Gerechtigkeit für Palästina gibt.“

Auf Nachfrage des britischen Telegraph erklärt Dr. Levine:

„Wenn eine Schülerin aus einem anderen Land mit mir Kontakt aufgenommen hätte, um etwas über Pferde zu erfahren, hätte ich anders reagiert. Kinder haben Fragen und ich bin in der Regel bereit, ihre Fragen zu beantworten. Aber ich stimme der BDS-Bewegung zu und ich will Gerechtigkeit für Palästina sehen. In Israel unterstützt die Mehrheit der israelischen Bevölkerung die Politik der Regierung und deren Missbrauch der Rechte der Palästinenser. Daher weigere ich mich, Israelis zu helfen, und wenn man nicht bei den Kindern beginnt, wo soll man anfangen?“

Dr. Marsha Levine versteht sich als jüdische Unterstützerin der BDS-Bewegung und fügte ihrer Mail an Shachar hinzu: „Vielleicht sehen es Deine Eltern ähnlich wie ich, aber ich bezweifele es.“

Shamir Rabinovitch ist der Vater von Shachar und schockiert von dem Verhalten der Doktorin:

„Da fragt man sich doch, was soll es bringen, nicht mit einem 13-jährigen Mädchen zu reden? Wie soll das irgendein Problem lösen? Ich denke, es ist in Ordnung, unterschiedlicher Meinung über Israel zu sein. Wir machen eine Menge Fehler in diesem Land, wie alle anderen Ländern auch. Aber es ist nicht in Ordnung, Kinder mit in diese Sache reinzuziehen. Meine Tochter hat ihr lediglich ein paar sehr höflichen Frage zu Pferde gestellt, etwas, was sie interessiert. Warum sollte irgendwer mit einer solch einer Wut antworten? Dr. Levine hat hier wirklich eine Grenze überschritten.“

Das Verhalten von Dr. Levine hat Tradition in England. Vor ein paar Jahren verließ der britischer Politiker und damaliges Mitglied des Parlaments von Westminster, George Galloway, eine Debatte an der Universität Oxford als er bemerkte, dass ein Redner Israeli war. „Sie haben wir gesagt“, sagte Galloway nachdem Eylon Aslan-Levy das Wort „Wir“ in Bezug auf Israel benutzte hatte und fügte fragend hinzu: „Sind Sie Israeli?“ Als Aslan-Levy dies bejahte, verließ Galloway den Raum und sagte, er rede nicht mit Israelis, da er das Land Israel nicht anerkenne.

Die Partei, in der George Galloway ist, heißt „Respect Party“. So sieht also Galloway’scher Respekt aus. Eylon Aslan-Levy sagte zu der ganzen Angelegenheit:

“Ich bin bestürzt darüber, dass ein MP aus einer Debatte mit mir stürmt, mit keinem anderen Grund als meiner Herkunft. Sich zu weigern, mit jemandem nur wegen seiner Nationalität zu sprechen, ist purer Rassismus und völlig inakzeptabel für einen Abgeordneten.”

George Galloways Hass kennt kaum noch Grenzenz Im Jahr 2014 erklärte er voller Stolz die Stadt Bradford zu einer „israelfreien Zone“.

Viele Menschen in England teilen den Hass von George Galloway. An manchen Universitäten sollen israelische Professorinnen und Professoren nicht mehr lehren und vor einiger Zeit wurde ein Konzert des Israel Philharmonic Orchestra in der Royal Albert Hall in England gestört, weil die Protestierenden nicht wollten, dass Juden aus Israel auf brittischen Bühnen stehen:

Im April 2012 fand im Londoner Globe Theatre das Festival „Globe to globe – 37 languages, 37 plays“ statt. Bei dem Festival wurden 37 Nationen Inszenierungen von Shakespeares Dramen in ihren Landessprachen präsentiert. Darunter befanden sich Länder wie Russland, Weißrussland, China, Indien, Türkei und auch ein Ensemble aus der palästinensischen Autonomiebehörde.

Obwohl in Russland Homosexuelle verhaftet werden, lud das Globe Theatre „Maß um Maß“ aus Moskau ein.

Obwohl in Weißrussland der letzte lupenreine Diktator Europas herrscht, lud das Globe Theatre „König Lear“ aus Minsk ein.

Obwohl in China Künstler gefangen gehalten werden und das Land Tibet besetzt hält, lud das Globe Theatre „Richard III“ aus Peking ein.

Obwohl die Führer der palästinensischen Autonomiebehörde die Vernichtung aller Juden fordern, lud das Globe Theatre „Richard II“ aus Ramallah ein.

Obwohl m Südsudan ein blutiger Krieg wütet, lud das Globe Theatre „Cymbeline“ aus Juba ein.

Nur bei einem Land sollte eine Ausnahme gemacht werden!

Die Schauspielerin Emma Thompson, die Dramatikerin Caryl Churchill und einige weitere Künstlerinnen und Künstler sprachen sich dafür aus, dem Ensemble aus Tel Aviv die Bühne des Globe Theatre zu verweigern. Ihr Vergehen: Sie waren Israelis.

Ich schrieb damals eine Mail an die Künstlerinnen in meinem besten Schulenglisch. Der Brief kann hier auch auf Deutsch gelesen werden. Meine Mail wurde nicht beantwortet. Dabei war ich gar kein dreizehnjähriges Mädchen aus Israel. Komisch.

Marsha Levine, George Galloway, Emma Thompson und Caryl Churchill sind nur die Avantgarde des Israelbashings. Ihnen zu Hilfe kommt nun die Europäische Union mit dem Kennzeichnungsbeschluss, der europaweit verbindlich anordnet, was die englischen BDS-Cronies vorweggenommen haben, nämlich die Sonderbehandlung von Israel. Alex Feuerherdt kommentiert dieses Verhalten mit diesen treffenden Worten:

„Genau deshalb hat die israelische Regierung die Europäische Union auch konsequenterweise fürs Erste als Vermittlerin im Nahost-Friedensprozess kaltgestellt.“

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