Steht Ihr Weihnachtsbaum noch?

Zwei Fragen bestimmen jedes neue Jahr.

1. Wie lange darf der Weihnachtsbaum stehen bleiben?

2. Wie lange darf man sich ein glückseliges neues Jahr wünschen?

Tapfer im Nirgendwo gibt Antwort!

Die absolute Deadline für die Entsorgung des Weihnachtsbaums ist der Tag der Darstellung des Herrn. Der Tag wird auch Mariä Lichtmess genannt und wird am 2. Februar gefeiert, dem vierzigsten Tag nach Jesu Geburt (Weihnachten) und zweiunddreißig Tage nach seiner Beschneidung (Neujahr).

Die Erzählung von der Darstellung Jesu findet sich im Weihnachtsevangelium von Lukas(Lk 2,21). Nach der jüdischen Tora gilt der erstgeborene Sohn in Erinnerung an die Pessach-Nacht als Eigentum Gottes und muss im Tempel übergeben werden, wo er durch ein Geldopfer auszulösen ist. Am selben Tag, vierzig Tage nach der Geburt, unterzieht sich die Mutter einem rituellen Bad. Dieses Ereignis wird am 2. Februar gefeiert.

Mit diesem Ereignis endet die Weihnachtsgeschichte, was bedeutet, dass der Weihnachtsbaum bis dahin stehen darf.

Mit dem 2. Februar beginnt übrigens auch das sogenannte „Bauernjahr“, da den Umständen entsprechend von diesem Tag an die Feldarbeit wieder aufgenommen werden kann. Daher gibt es einige interessante Bauernregeln für den 2. Februar:

Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.

Mariä Lichtmess gilt für viele Christen als der Tag, an der zum ersten Mal im Jahr wieder das Sonnenlicht zur Frühmesse in der Kirche. Daher gibt es auch viele Mythen, die sich um die Bedeutung von Schatten ranken. So heißt es im Volksmund:

Wenn an Lichtmess der Dachs seinen Schatten sieht, geht er noch einmal für sechs Wochen in seinen Bau.

Das ist auch der Grund, warum in Teilen Amerikas am 2. Februar der Murmeltiertag gefeiert wird.

Die Frage, wie lange darf man sich ein glückseliges neues Jahr wünschen darf, ist weitaus schwerer zu beantworten. Es gelten nämlich lokale Differenzen. Ich möchte daher exemplarisch nur von der Kölner Regelung berichten.

Die Stadt Köln ist eine der ältesten Rätestädte Deutschlands. Am 3. Januar 1642 entschied der Rat der Stadt Köln, dass man sich bis zum 21. Januar, also dem Tag der Heiligen Agnes, ein glückseliges neues Jahr wünschen darf.

Die Heilige Agnes stammte aus einer römischen Adelsfamilie. Als sie mit zwölf Jahren mit dem Sohn des Präfekten von Rom zwangsverheiratet werden sollte, wehrte sie sich. Daraufhin ließ man sie vor Gericht stellen. Auch die Drohungen des Richters vermochten nicht, sie zur Einwilligung zu zwingen. Da das römische Recht die Hinrichtung von Jungfrauen verbot, befahl man, Agnes vollständig zu entkleiden und anschließend zu vergewaltigen.

Die Legenda aurea berichtet, dass daraufhin auf wundersame Weise Agnes‘ Haupthaar ihren gesamten Körper bedeckte, und der ganze Platz in weißem Licht erstrahlt sei. Bei dem Versuch, sie zu vergewaltigen, wurde der Sohn des Präfekten von einem Dämon heimgesucht und starb. Agnes habe ihn aber durch ihr Gebet ins Leben zurückgerufen, worauf sie als Zauberin oder Hexe bezeichnet wurde. Als man Agnes daraufhin auf dem Scheiterhaufen verbrennen wollte, sei selbst das Feuer vor ihr zurückgewichen. Schließlich enthauptete sie ein römischer Soldat mit dem Schwert in der Art, wie man Lämmer tötet. Daher wird sie oft in Verbindung mit einem Lamm dargestellt. Das Wort Agnes kommt aus dem Lateinischen. Dort heißt agnus Lamm!

Am Gedenktag der heiligen Agnes segnet der Papst die Agneslämmer. Mit der Wolle dieser Lämmer werden die Pallien hergestellt, die am Hochfest Peter und Paul den im vergangenen Jahr ernannten Erzbischöfen überreicht werden.

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15 Antworten zu Steht Ihr Weihnachtsbaum noch?

  1. Couponschneider schreibt:

    Der Zeitgeist hat folgende Antwort: Einen Weihnachtsbaum gar nicht erst aufstellen, um keine muslimischen Gefühle zu verletzen.

    • Dante schreibt:

      Ich stelle bei mir zwar tatsächlich keinen Weihnachtsbaum auf, aber ganz bestimmt nicht deshalb. Ich habe einfach nicht den Platz dafür. Außerdem verirrt sich so selten ein Moslem in meine Wohnung.

  2. ceterum censeo schreibt:

    Dieses Jahr wird der Weihnachtsbaum entastet, getrocknet und glattpoliert. Sodann werden in das dicke Ende 100er Nägel getrieben und spitz geschliffen.
    Auf seinen Einsatz wartet er dann im Kofferraum.

    • Sophist X schreibt:

      Beim Verteilen der Neujahrwünsche mit diesem Baum bitte den lokalen Stichtag beachten, damit keine religiösen Gefühle verletzt werden.

  3. Sempronius Densus Bielski schreibt:

    In vielen Städten und Gemeinden ist die Weihnachtbaumentsorgung zeitlich geregelt. Bis zum 09.01.2016 ist er zu entsorgen oder dann nach Ramadan.

  4. A.S. schreibt:

    Wir haben einen lebenden Weihnachtsbaum den wir gar nicht zu entsorgen gedenken. Gelten da andere Regeln?

  5. Hessenhenker schreibt:

    Nein, nur der Baum bleibt stehen.

    • Hessenhenker schreibt:

      Halb Deutschland lebt inzwischen vom Schrott- und Flaschensammeln.
      Wenn Sie Ihren Ständer rausstellen, bleibt der nicht lange stehen.

      • Hessenhenker schreibt:

        Nazis, die in fremden oder vermieteten Wohnungen Vandalismus betreiben um entartete Künstler loszuwerden,
        dürfen straflos wie zum Hohn und als Einbruchsbeweis aus der Wohnung entwendete Weihnachtsbaumkugeln gleich vor das Einbruchsobjekt hängen.
        Da sagt auch die Polizei nix, außer: völlig abstruser, an den Haaren herbeigezogener Verdacht. Hier gilt vollumfänglicher Täterschutz,
        seit dem letzten Bundesparteitag der Grünen aufgewertet zu Täter*innenschutz.

  6. Jürgen Reinert schreibt:

    Gut, in Köln darf man sich also bis zum 21. Januar ein glückseliges neues Jahr wünschen, mein Problem ist jetzt; ich lebe in Wanne-Eickel, reicht der Beschluss der Kölner bis hierher oder muß ich mich anderweitig orientieren. Ich bin jetzt etwas verunsichert. 🙂

    • gogo schreibt:

      Kein Problem!
      Von Wanne-Eickel aus, in Richtung Südsüdwest, zusammen mit einem Halal-Lamm dreimal in die Richtung sich verneigen, gilt bis zum 31.12. des jeweiligen Jahres.

  7. Hessenhenker schreibt:

    Über meinem Weihnachtsbaum ist ein grünes Kondom drübergezogen.
    Wahrscheinlich deswegen hat man mir meine Ausstellung Entartete Kunst in Marburg nicht gegönnt und ein bißchen Vandalismus betrieben.
    Fundamentalisten überall!
    Ich lasse ihn immer bis nach Ostern stehen, die Weihnachtsbaumkugeln werden dann mit bunten ausgeblasenen Ostereiern ergänzt.

Seid gut zueinander!

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