Der süße Schmerz der Freiheit

Eine Karikatur von Charlie Hebdo sorgt für Streit in den sozialen Medien. Die Karikatur stammt vom Herausgeber und Zeichner Laurent Sourisseau, bekannt unter dem Pseudonym Riss. Zu sehen ist der Flüchtlingsjunge Aylan Kurdi, der auf der Flucht im Mittelmeer ertrank und am 2. September 2015 an der türkischen Küste in der Nähe von Bodrum angespült wurde. Die Karikatur zeigt einen Mann, der hinter einer schreienden Frauen herrennt. Die Überschrift der Karikatur fragt: „Was wäre aus dem kleinen Aylan geworden, wenn er erwachsen geworden wäre?“ Die Antwort lautet: „Arschgrabscher in Deutschland.“

Tapfer im Nirgendwo präsentiert einen Kommentar des Kabarettisten Henning Schmidtke:

„Der Cartoon nimmt auf sinistre Art und Weise die rassistische Position ein, um diese bloßzustellen. Mir macht zwar Bauchschmerzen, dass das tote Kind zum Gag-Steinbruch wird (Charlie Hebdo hat meines Wissens auch schon andere Cartoons mit dem ertrunkenen Jungen gemacht), aber ich verstehe die Cartoonisten. Man möge sich bitte klar machen: Diese Redaktion von Charlie Hebdo und all ihre Künstler werden bis zum Lebensende zum Abschuss frei sein für irgendwelche Islamisten. Ob zuhause oder im Büro, es kann jede Sekunde knallen. Und sie wissen auch: Wirklich helfen kann ihnen niemand. Wie können sie ihren Häschern wenigstens geistig ins Gesicht spucken? Indem sie jeden Tag ihre Freiheit zelebrieren, bis in alle Ecken und Enden auskosten. Dieser Cartoon sagt den Islamisten:

„Seht her, wir dürfen das – wir dürfen nicht nur euch, wir dürfen sogar unsere eigenen Leute bis zum Würgereiz provozieren, genau das ist die Freiheit, die unsere Welt ausmacht, und ihr werdet sie uns nicht nehmen können!“

Die Entrüstung, die ich fühle, ist der süße Schmerz der Freiheit.“

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