Zum 27. Mal

Eine Erinnerung von Tilman Tarach.

Am heutigen Valentinstag jährt sich zum 27. Mal der bis heute aktuelle Mordaufruf der iranischen Mullahs gegen Salman Rushdie. Nach 9/11 bestand der Dichter noch einmal darauf, diejenigen Werte zu verteidigen, die heute nur noch verschämt ausgesprochen werden:

»Küssen in der Öffentlichkeit, Schinken-Sandwiches, öffentlicher Streit, scharfe Klamotten, Literatur, Großzügigkeit, Wasser, eine gerechte Verteilung der Ressourcen der Welt, Kino, Musik, Gedankenfreiheit, Schönheit, Liebe.«

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8 Antworten zu Zum 27. Mal

  1. Uta Schmidt schreibt:

    Na ja, es mag ja ganz verdienstvoll sein, wenn sich ein mutiger Autor äußert.
    Es sind aber an seiner Stelle viele, viele eines gewaltsamen Todes gestorben welche sich nicht wie er, irgendwo verstecken konnten. Seine Familie wurde ausgelichtet während er im stillen Kämmerlein weitere Verse dichtet. Er soll leben, aber warum denken wir derer nicht, die an seiner Stelle ihr Leben lassen mussten? Helden gibt es nicht. Salman Rushdie, deine Verse sind tödlich für andere, warum versteckst du dich wenn deine Wahrheit richtig ist? Ein Kritiker sollte nicht andere ins Schlachtfeld führen, sondern nur sich selbst. Für den eigenen Mut sollen nicht andere
    mit ihrem Leben zahlen müssen. Einer ist schon für alle gestorben. Deshalb wurde es überflüssig dass nun viele für einen sterben müssen. Sie wurden nicht gefragt ob sie Angst haben. Gedankenlose Menschenverehrung hindert uns daran selber erwachsen zu werden und mit eigenem Risiko zu dem zu stehen was einem wirklich wichtig ist. Es ist so angenehm sich in der Sonne anderer zu sonnen,
    aber es ist Selbstbetrug

    • Dante schreibt:

      Herzlichen Glückwunsch, Frau Schmidt. Sie haben hier noch mal aufgezeigt, warum Tyrannei funktionieren kann. Weil Tyrannen nämlich nicht nur ihre Kritiker foltern und umbringen können, derer sie habhaft werden, sondern auch in der Lage sind, die übrigen emotional und moralisch zu erpressen, indem sie Dritte bedrohen, derer sie in der Tat habhaft werden und ihre für sie nicht direkt erreichbaren Kritiker für deren Schicksal verantwortlich machen. Mehr noch: Es mangelt ihnen nicht an Leuten, die nicht auf ihrer Seite stehen und ihnen darin dennoch zustimmen und sie somit nachhaltig stützen.
      Genau das haben Sie gerade getan. Sie haben Rushdie quasi aufgefordert, sich entweder auf dem Präsentierteller seinen Mördern darzubieten oder zu schweigen und ihm die Schuld am Tode unschuldiger Mordopfer der tyrannischen Mullahs und ihrer Anhänger gegeben, nicht diesen selbst.
      Sie liegen falsch, aber so was von! Rushdie hat weder Absicht noch Macht, jemanden zu töten oder sein Leben zu retten. Daher ist er nicht dafür verantwortlich. Die Tyrannen haben die Macht dazu und könnten es lassen – oder auch einfach so Unschuldige töten, obwohl ihre Gegner schweigen, oder gar weil sie es tun und den Tyrannen so das Gefühl geben, quasi unbemerkt weiter morden zu können.
      Ihr Kommentar ähnelt einem „kurzen Rock“, so nenne ich es seit einigem, wenn jemand einen Gewalttäter quasi von der Schuld für die von ihm begangenen Gewalttaten entlastet, indem er sie jemandem anders zuschiebt, einem Opfer oder einem Kritiker des Tyrannen zum Beispiel.
      „Kurzer Rock“ deshalb, weil eine ähnliche „Argumentation“ gern verwendet wird, um Vergewaltiger zu entlasten und den Opfern oder auch einer „lockeren Moral“ die Schuld für die Taten zu geben.
      Ich verachte derartiges Argumentieren abgrundtief und möchte hoffen, dass Sie das SO auf keinen Fall gemeint haben.

      • Dante schreibt:

        Genau genommen sind die Verse die „kurzen Röcke“. Die Behauptung besteht ja darin, die Verse kosteten so viele Menschen das Leben – gleich so, als könnten die armen Mullahs oder andere Tyrannen gar nicht anders, als Unschuldige umzubringen.
        Das liegt übrigens auf einer ähnlichen Linie wie das Gerede linksgerichteter Charlie-Kritiker, die „Respektlosigkeit“ oder „Verachtung“ anprangern, und zwar nach den Morden von letztem Jahr und dem in den Medien stiefmütterlich behandelten zeitgleichen HyperCacher-Massaker. Das belohnt quasi diese Morde, die doch gerade beweisen, dass es offenbar doch keinen Falschen trifft. Wer seine Kritker ermordet, gibt ihnen Recht, wer Menschen wegen ihrer beispielsweise jüdischen Herkunft ermordet, beweist, dass die Kritiker noch weit untertrieben haben. Ihnen kann gar nicht genug Verachtung entgegen gebracht werden.

  2. unbesorgt schreibt:

    Rushdie, mein Held! Dreh‘ den Mullas eine Nase, indem Du hundert Jahre alt wirst!

  3. Dante schreibt:

    Inwiefern werden sie heute nur verschämt angesprochen?

Seid gut zueinander!

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