Ist es unter Umständen verboten, Jude zu sein in NRW?

Ich habe mal eine Frage an die Juristinnen und Juristen unter uns.

Manchmal fallen Purim und Karfreitag auf ein und den selben Tag.

Purim ist ein jüdischer Feiertag, an dem die Juden an die Rettung der persischen Juden erinnern. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester führte jedoch die Rettung herbei. Purim ist ein Tag der Freude! An Purim ist Tradition, in bunten Kleidern und Kostümen augelassen zu feiern. Es wird viel getrunken und getanzt, bis man nicht mehr weiß, was man tut. Es werden Geschenke ausgetauscht, geschlemmt und genascht.

Karfreitag ist ein christliches Fest, an dem die Christen der Menschwerdung ihres Gottes erinnern, der Mensch wurde, indem er litt, starb und im Sterben an Gott, also an sich selbst, zweifelte. Karfreitag ist an Tag der Trauer. An Karfreitag ist es Tradition, dass Christen keine Musik hören. Sie tanzen nicht. Sogar die Kirchenglocken werden nicht geläutet. Es wird gefastet.

Das Land Nordrhein-Westfalen fordert per Gesetz die Befolgung dieser christlichen Tradition von all seinen Bürgerinnen und Bürgern. An Karfreitag sind im ganzen Bundesland folgende Aktivitäten verboten: Märkte, Volksfeste, Freizeitanlagen, soweit dort tänzerische und artistische Darbietungen erfolgen, alle Unterhaltungsveranstaltungen einschließlich sämtlicher, auch klassischer, Theater- und Musikaufführungen wie Opern, Operetten, Musicals, Puppenspiele und Ballett, musikalische sowie sonstige unterhaltende Darbietungen in Gaststätten sowie alle anderen der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz.

Ein großer Teil der an Karfreitag in Nordrhein-Westfalen per Gesetz verbotenen Aktivitäten sind jedoch Bestandteil des Brauchtums zu Purim. Daher frage ich: Ist es in Nordrhein-Westfalen per Gesetz verboten, Jude zu sein, wenn Karfreitag und Purim auf den selben Tag fallen?

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16 Antworten zu Ist es unter Umständen verboten, Jude zu sein in NRW?

  1. Blöder vergleich.Ist es etwa vorgeschrieben an diesem Tag Krach zu machen?In welchem Jüdischem Gebot steht das?

    Man kann es auch übertreiben.

    Voodoo Anhänger dürfen hier auch keinen Hühnern den Kopf abbeissen oder Menschen mit dem Gift des Kugelfischs zu willenlosen Zombies machen.

  2. Dimitry schreibt:

    Ich verstehe nicht der Grund der Diskussion: nach dem jüdischen Brauch fängt ein Tag schon am Abend davor an. Deshalb kann man jeder Fest kann sowohl am Tag(Abend) davor begegnen als am Tag, der im Kalender steht.

  3. Jasna Beocanin schreibt:

    Hallo du Tapferer Irgendwo,

    ich lese sehr gerne alle deine Kolumnen. Es tut gut so viele klare und aufklärende Worte zu hören !!!

    Zu dem Artikel oben aber möchte ich doch einwenden: Stell dir vor, Minderheiten in Israel würden sich aufregen, wenn sie offiziellen Grund zu Feiern hätten und das ausgerechnet auf Jom-Kippur fällt.

    Ein Feiertag, der Stille, Besinnung und Selbstreflektion, und der Dankbarkeit einem Gott gegenüber, der die Schuld der Menschen um Seiner Selbst willen vergibt, landesweit ermöglicht, ist nicht gerade un-jüdisch, wenn ich das mal so formulieren darf.

    Karfreitag ist für Milliarden Christen weltweit der Grund, an den Gott Israels zu glauben. Wozu sie ohne Karfreitag nicht gekommen wären. – Auch wenn es Christen und Juden gibt, die diese Verbindung heftig bestreiten.

    Aber dazu reden und diskutieren wir doch mit all unserem Repertoire an Gedanken und Worten, damit wir endlich liebende, respektvolle und zueinander stehend Brüder werden.

    Eine Israel und sein Volk hoch respektierende Christin.

  4. A.mOr schreibt:

    Wie anti3anti richtigstellt, Schuschan Purim wird nur in alten Städten wie Jerusalem gefeiert, für den Rest der jüdischen Gemeinden war gestern Purim. Köln als Kandidat für Schuschan Purim ist einfach nicht alt genug! (Und in nicht-NRW-Ländern sind auch Trier oder Augsburg zu jung.)

    Aber gesetzt den Fall, daß Purim und Karfreitag auf den selben Tag fallen, ich glaube kaum, daß eine NRW-Sittenpolizei in die Synagogen horcht, um dort Juden an ihrem Fest zu hindern, selbst wenn es „unchristlich“ bzw „unkarfreitaglich“ erscheint. Und sollte das dennoch der Fall sein, dann wird sich die Jüdische Gemeinde nicht beschweren wollen? Dafür gibt es von jüdischer Seite klare Gesetzesregelung: es gelten die Gesetze des „Gastgeberlandes“, in diesem Fall die Gesetze der BRD. Und in Israel die Gesetze des Staates Israel, zB.

    Möglicherweise würden Nichtjuden juristisch das Recht auf Religionsausübung erstreiten wollen, aber nicht in offiziellem jüdischen Auftrag.

    Lisa Piesek,
    die Entscheidung der belgischen Behörden (trotz meiner Ausführungen oben) ist falsch, das stimmt, oder sagen wir: ungeschickt bis tölpelhaft bis gefährlich.
    Habe mir sagen lassen, daß auf einer bestimmten deutschen Bahnstrecke von der dort zuständigen Bahngesellschaft zur Sicherheit der Frauen vor Belästigung durch (…na?) Frauenabteile eingerichtet wurden. Kein Zutritt für Männer („Männer“, also nicht Sippenhaft sondern Mit-Glieds-Haft, gilt auch für den weißen Ritter in strahlender Rüstung! Schätze in dem Fall ist der Schaffner der Hahn, ob er’s schafft?).

    Solche Entscheidungen, genauso wie das Bedürfnis nach mehr Sicherheit vor terroristischen Anschlägen den Ausbau des Sicherheitsapparates (usw) als Wunsch der Bevölkerungen „aufinsinuiert“ werden, sind letztlich nichts weiter als Steine auf den Weg zu Repressalien gegenüber den europäischen Völkern. Übrigens sehr günstig für die „Tölpel“, daß die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft wurde. Ein feiner und gewichtiger Unterschied zu Israel, wo die Soldaten keine Fremden sondern die Kinder (Brüder, Schwestern usw) der Bevölkerung sind.

    Einerseits wird dem radikalen Islam gehuldigt (sie machen Terror, der Empfänger reagiert „terrorisiert“), auch zum Nachteil solcher Moslems, die ihre gewaltaffinen „Verwandten“ gerne in den Schlund werfen würden (die lauteren von ihnen werden durch ihren Polizeischutz daran gehindert), andererseits wird die einheimische Bevölkerung bedrängt und in Geiselhaft genommen, und letztlich ist sie jederzeit selbst Ziel von „Sicherheitsmaßnahmen“, zB wie in der „Mit-Glieds-Haft“, Bahn-Beispiel oben.
    Harmlosestes Beispiel wäre das Entwenden der isralischen Flagge begründet mit „Deeskalation“, oder mit gleicher Begründung das Überreichen von Polizei-Megaphonen zur Verbreitung von Haßrede gegen Juden auf deutschen Straßen.
    Weniger harmlos, wenn dann den Bürgern der (dann ehemaligen?) Staaten das Verlassen der Häuser nicht mehr gestattet wird…

    Kurz gesagt: Brüssel verlangt auf lange Sicht die Ghettoisierung der europäischen Nationen (zB) als Schutz vor denselben Leuten, die sie in die Nationen gerufen haben (Ein Beispiel für solche Maßnahmen/Empfehlungen brachte Gerd Buurmann vor einigen Tagen.)

    Und Juden verlassen Europa (immerhin ist das noch möglich), und jüdische Waren aus sogenannten „umstrittenen Gebieten“ gelten der EU als Blutdiamant, nein: viel schlimmer.
    Und die jüdische Nation ist den „Antinationalen“ konsequenterweise ein Dorn im Auge. Wie praktisch, daß der Islam Nationen nur aufgrund europäischen Ordnungsbedürfnisses akzeptieren mußte. Abhilfe naht.

    Das alles mag manchen nichts gelten, aber sogar Antisemiten gestehen uns „Klugheit“ zu. Wenn Juden gehen, quasi fliehen, dann ist etwas schwer nicht in Ordnung. Und, mit aller Bescheidenheit, die Anschläge in Brüssel gingen zwar in diesem Fall nicht gezielt gegen Juden, aber wurden von Judenhassern ausgeführt. Wer hat was davon? Und warum antworten auf diese Frage am lautesten die Dumpfköpfe, die man sprengstoffbeladen nach Brüssel oder Stalingrad(einst) schickt(e), oder in die Parallelamente der Medien und Politik, mal abgesehen von der „Sieg Heil Kneipe“ am Eck?

    Noch haben die Völker Europas demokratisches Mitspracherecht, selbst wenn es vielen nicht mehr so scheint. Da es den Deutschen an akzeptabler Führung mangelt stehen die Führer schon wieder bereit: lead or follow, made in EU. Und bei den üblichen.

    Als kleine ergänzende Lektüre empfehle ich im Anschluß verlinkten Auszug aus dem „Amtsblatt der Europäischen Union“, die Erläuterungen zum „Wie“ und „Weshalb“ Todesvollstreckung an Europäern (also Menschen wie du und ich) gegeben ist (schon gleich am Anfang des Blattes, man braucht nicht lange suchen) dürfte den einen oder die andere hier interessieren.
    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2007:303:0017:0035:de:PDF

    Und wer wird zukünftig die Definition von „Aufstand“ gerade der EU überlassen wollen, die auch bestimmen möchte (und bestimmt), wer nach Europa zu kommen hat (koste es was es wolle, und zB Frau Merkel mit ihrem „Wir“ schafft das auch), bzw andernhands, über welche Territorien Israel zu verfügen hat und welche Waren es verschicken „darf“. Und wirklich nicht sehr nebenbei, immerhin werden die arabischen Terroristen in Israel durch EU-Gelder unterstützt, spärlich durch die Blume.
    Manchmal fällt es mir leichter an die Marsmenschen zu glauben. Zumindest seit „Mars Attacks!“

  5. Horst Nietowski schreibt:

    Religion hat Privatsache zu sein und im oeffentlichen Leben keinen Stellenwert, der ueber einen Verein von Kleintierzuechtern hinausgeht, zu haben. Religionen grenzen aus, jedenfalls wenn es monotheistische Religionen sind. Dies ist unvermeidlich.

  6. anti3anti schreibt:

    Purim war gestern. In uralten Städten mit einer bestehenden Stadtmauer wird heute Schuschan-Purim gefeiert, also in Jerusalem, nicht in Deutschland. Was für ein Glück!
    Doch: Wegen den Anschlägen hat der Belgische Staat die Juden aufgefordert, auf Purimfeiern zu verzichten. Die Juden haben gestern die Aufforderung befolgt.
    Jüdische Feiertage sind weder in NRW, noch in Belgien geschützt, Juden auch nicht.
    Selbstverständlich findet in Jerusalem heute die Karfreitagsprozession statt, Purim hin oder her. Jerusalem ist nicht Köln und auch nicht Brüssel. Was für ein Glück!

    • Lisa Piesek schreibt:

      https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=2&gld_nr=1&ugl_nr=113&bes_id=3367#det144449

      Das Feiertagsgesetz in NRW verbietet Feiern bereits ab Gründonnerstag 18:00. Das heißt für mich,dass es durchaus sein kann, dass die Juden dieses Jahr an ihrer Religionsausübung gehindert wurden. Ob es wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht in NRW lebe.

      Die Entscheidung in Brüssel finde ich falsch. Das Leben feiern, trotz des antisemitischen Hasses, genau darum gejt es an Purim. Selbst im Warschauer Ghetto wurde noch Purim gefeiert.

      • anti3anti schreibt:

        Um 18:00 am Gründonnerstag war Purim in Köln schon zu Ende.
        Der Vergleich mit dem Warschauer Ghetto macht mich traurig. Aber so ist nun mal das moderne, weltoffene und antisemitische Köln, welches den Bezug zur Geschichte und zur Realität verloren hat. In Köln wurde und wird weiterhin debattiert, den Brith am 8. Tag zu verbieten, was selbst im KZ erlaubt war.
        Gut, dass Gerd in Köln agiert! Ohne ihn, den Gerechten, wäre die Stadt schon längst untergegangen.

    • Dante schreibt:

      Jüdische Feiertage sind weder in NRW, noch in Belgien geschützt, Juden auch nicht.

      Deshalb ist mein allererster Gedanke nach jedem islamistischen Anschlag eine Abwandlung eines Spruchs von Martin Niemöller (der dabei übrigens auch ausgerechnet die Juden unerwähnt gelassen hat, der Sack):
      Als die Islamisten die Juden abstachen, hab ich geschwiegen, denn ich war ja kein Jude.
      Als die Islamisten mich abstachen, war niemand mehr übrig, der hätte protestieren können.

Seid gut zueinander!

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