In Sachen Böhmermann

„Satire darf alles“, sagen jene, die Tucholsky nicht gelesen haben, mit etwas mehr Vehemenz als jene, die ihn gelesen haben. Ich aber sage, es gibt eine Sache, die Satire nicht darf: sich entschuldigen!

Erinnern Sie sich noch an den Film „Innocence of Muslims“? Ausschnitte dieses laienhaft produzierten Films wurden im Jahr 2012 auf YouTube geteilt. Das Teilen des Films führte zu gewalttätigen Demonstrationen in mehreren arabischen Ländern. Militante Extremisten verübten Angriffe auf Botschaften und Konsulate der USA und erklärten, die Anschläge seien von dem Film provoziert worden, da der Film den Propheten und somit alle Muslime beleidigt habe. Im Verlauf der Ausschreitungen wurden mindestens dreißig Menschen getötet, darunter der US-amerikanische Botschafter in Libyen, J. Christopher Stevens. Alles nur wegen einer Satire, die meiner Meinung nach nicht eine einzige zündende Pointe hatte. Zündeln taten Islamisten!

Und was tat die westliche Welt? Sie entschuldigte sich!

Als Reaktion auf den Film produzierte die amerikanische Regierung zum Beispiel einen Entschuldigungsfilm, kaufte Sendezeit in Pakistan und ließ die Entschuldigung dort senden. Auf sieben Stationen lief der Spot der US-Regierung, in dem die damalige Außenministerin Hillary Clinton betonte, die Regierung der USA habe mit dem „islamfeindlichen“ Video “absolut nichts” zu tun. Sie fügte hinzu: “Wir lehnen den Inhalt und die Botschaft absolut ab.” Der Spot endet mit dem US-Wappen, um den offiziellen Charakter des Spots zu unterstreichen.

In einer Stellungnahme bezeichnete Hillary Clinton den Film zudem als „widerlich und verwerflich“ und fügte hinzu: „Es scheint eine zutiefst zynische Absicht zu haben, eine große Religion zu verunglimpfen und Wut zu provozieren.“

Kennen Sie dieses Kunstwerk?

20120924-113724.jpg

Es heißt „Piss Christ“ und stammt aus dem Jahr 1987. Es wurde von dem amerikanischen Künstler Andres Serrano gemacht und zeigt ein Kruzifix, das in einem Glas mit Urin schwimmt. Kein amerikanischer Präsident produzierte einen Film der Entschuldigung, um Christen zu beruhigen und keine amerikanische Außenmisinsterin fühlte sich genötigt, die Verunglimpfung des Christentums anzuprangern. Stattdessen gewann das Kunstwerk den „Awards in the Visual Arts“. Er wird vom Center for Contemporary Art’s vergeben. Dieses Zentrum wiederum wird von der USA mit staatlichen Mitteln gefördert. Man stelle sich mal vor, was passiert wäre, hätte es einen „Piss Mohammed“ gegeben.

In Deutschland lobte die SPD die Entschuldigung von Obama und Clinton für den Film „Innocence of Muslims“. Auch viele Journalisten in Deutschland gaben der Satire eine Mitschuld an den Morden. Die ZEIT schrieb:

„Zu dem Film, der den Anlass für den Mord an Stevens hergegeben hat, fällt mir nichts ein. Die Redefreiheit zu verteidigen, kann nicht heißen, dass man diesen Schwachsinn auch verteidigen muss. Natürlich handelt es sich um eine gezielte Hassattacke (…) Denn in unseren Zeiten hat auch ein solcher unspeakable idiot die Möglichkeit, die Welt in Brand zu stecken.“

Die Süddeutsche Zeitung erklärte sogar:

„Es ist müßig, hier nach Tätern und Opfern zu unterscheiden. Diesmal ging die Provokation von amerikanischen Extremisten aus, islamistische Fanatiker haben sie angenommen und nicht minder radikal zurückgezahlt.“

Sich entschudligen ist die Beschwichtigungspolitik des 21. Jahrhunderts. Nachdem am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten zwölf Mohamed-Karikaturen gedruckt wurden, kam es in vielen Ländern der Welt zu Demonstrationen und islamisch motivierten gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen mehr als hundert Menschen getötet wurden. Damals weigerte sich die deutsche Regierung noch, sich zu entschuldigen. Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble sagte am 2. Februar 2006 in der Welt:

„Warum sollte sich die Regierung für etwas entschuldigen, was in Ausübung der Pressefreiheit passiert ist? Wenn sich da der Staat einmischt, dann ist das der erste Schritt zur Einschränkung der Pressefreiheit.“

An anderen Orten jedoch war die Beschwichtungspolitik der Entschuldigung bereits eingezogen. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, die „Pressefreiheit sollte immer in einer Weise angewendet werden, die den Glauben und die Lehren aller Religionen vollständig respektiert.“ Ein paar Jahre sollte die Beschwichtungspolitik noch schlimmer werden.

Nachdem Satiriker in der Redaktion von Charlie Hebdo von islamischen Terroristen ermordet worden waren, weil sie Mohamed verarscht hatten, schrieb Bernd Matthies vom Tagesspiegel, an der Behauptung, der ermordete Chefredakteur von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier, sei ein sturer Dickkopf, der seine Redaktion in den Tod getrieben habe, sei „irgendwie was dran“. Er erklärte zudem, die Redaktion Charbonniers habe „zur Eskalation beigetragen“, indem sie „auf jeden Protest, jede Drohung und schließlich den Brandanschlag 2011 mit neuem, schärferem Spott“ geantwortet habe.

Im April 2016 machte sich der Satiriker Jan Böhmermann auf, in seiner Show Neo Magazin Royale zu zeigen, „wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind.“ Hintergrund der Satire von Jan Böhmermann war ein NDR-Beitrag der Show extra 3, in dem der türkische Präsident kritisiert wurde. Kurz nach der Ausstrahlung hatte die türkische Regierung den deutschen Botschafter einbestellt und die Löschung des Beitrags verlangt. Jan Böhmermann las daraufhin in seiner Show folgendes Gedicht, mit der Betonung, das Gedicht sei eine Schmähkritik und daher in Deutschland nicht erlaubt:

„Sackdoof, feige und verklemmt,
ist Erdoğan, der Präsident.
Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner,
selbst ein Schweinefurz riecht schöner.

Er ist der Mann, der Mädchen schlägt
und dabei Gummimasken trägt.
Am liebsten mag er Ziegen ficken
und Minderheiten unterdrücken;
Kurden treten, Christen hauen
und dabei Kinderpornos schauen.
Und selbst abends heißt’s statt schlafen
Fellacio mit hundert Schafen.

Ja, Erdogan ist voll und ganz
ein Präsident mit kleinem Schwanz.
Jeden Türken hört man flöten:
„Die dumme Sau hat Schrumpelklöten.“
Von Ankara bis Istanbul
weiß jedermann, der Mann ist schwul,
pervers, verlaust und zoophil,
Recep, Fritzl Přiklopil.

Sein Kopf so leer wie seine Eier,
der Star auf jeder Gangbang-Feier.
Bis der Schwanz beim Pinkeln brennt:
Das ist Recep Erdoğan, der türkische Präsident.“

Keine Frage, das Gedicht an sich lässt jedes türkenfeindliche Neonaziherz höher schlagen und wird bestimmt in einschlägigen rechten Foren eifrig geteilt, aber nur, wenn man den Kontext wegschneidet, wie es leider in vielen YouTube-Kopien geschehen ist.

Jan Böhmermann hat das Gedicht allerdings in einen deutlichen Kontext gestellt. Er persifliert die Vorurteile und Ressentiments. Er verhandelte anhand eines Schmähgedichts die Frage, die schon Kurt Tucholsky im letzten Jahrtausend umtrieb: „Was darf Satire?“ Das ZDF beantwortete die Frage auf seine Weise und löschte das Video aus seiner Mediathek. Die Mainzer Staatsanwaltschaft beantwortete ebenfalls die Frage und leitete Ermittung gegen Jan Böhmermann ein und zwar wegen des Verdachts der Beleidigung eines ausländischen Staatsmanns, was laut §103 des Strafgesetzbuches mit bis zu fünf Jahren bestraft werden kann. Sogar Bundeskanzlerin Angela beamtwortete die Frage mit einem Anruf beim türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu. Sie erklärte telefonisch, mit Davutoğlu einig zu sei, dass es sich bei dem Gedicht über Staatschef Recep Tayyip Erdoğan um einen „bewusst verletzenden Text“ handele.

Mehr offizielle Antwort kann es kaum geben auf die Frage „Was darf Satire?“

Erdogan liebt es, gegen deutsche Satire vorzugehen, möge es nun Jan Böhmermann, extra 3 oder der Düsseldorfer Karneval sein! Im Frühjahr 2016 sorgte ein Mottowagen von Jacques Tilly im Düsseldorfer Karneval für einen politischen Eklat. Zu sehen war Erdogan wie er zusammen mit einem Terroristen vom Islamischen Staat auf das vergossene Blut von Kurden anstößt. Die Generalkonsulin der Türkei, Sule Gürel, verlangte daraufhin, dass der Karnevalswagen über den türkischen Präsidenten Erdogan entweder entfernt oder „verhüllt“ wird.

Mir persönlich hätte das gefallen. Zwei Männer, die sich unter einer Burka verstecken. Das sieht man auch nicht alle Tage! Verhüllt hätte der Wagen gezeigt, dass Erdogan und der Islamische Staat unter einer Decke stecken. Spannend, dass die Generalkonsulin der Türkei genau diese Metapher produzieren wollte. Augrund eines Sturmes fuhr der Wagen nicht zu Rosenmontag, sondern ein paar Wochen später bei einem Nachholtermin im März und da dann tatsächlich verhüllt.

Die Verhüllung war nichts weiter als eine weitere Überspitzung durch Jacques Tilly. Nichts anderes machte Jan Böhmermann mit seinem Vorlesen eines Schmähgedichts über Erdogan. Die Reaktionen darauf sind alle akzeptabel. Das ZDF darf löschen was es will (Perssefreiheit), die Mainzer Staatsanwaltschaft muss ermitteln lassen, wenn Anzeige erhoben wird (Rechtssicherheit) und die Menschen können über Jan Böhmermann sagen, was sie wollen (Meinungsfreiheit). Eine Sache geht jedoch nicht: Eine Bundeskanzlerin, die bei Erdogan anruft und sich für die Satire eines deutsches Mediums entschuldigt. Dafür wurde sie nicht gewählt. Satire darf alles, außer sich entschuldigen.

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Kunst, Liberalismus, Politik, Spaß veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

36 Antworten zu In Sachen Böhmermann

  1. O.Paul schreibt:

    Insgesamt betrachtet finde ich es so richtig putzig, wer sich so alles zum Thema Böhmermann zu Wort meldet. Viele von denen haben diesen Heinz wahrscheinlich noch im TV wahrgenommen.
    Ich für meinen Teil finde seine Art arbeiten meist zum Kotzen, weil er Dinge, die er schlecht recherchiert hat, ins Lächerliche zieht unter dem Decknamen Satire, das Thema Erdogan jetzt mal ausgenommen.
    Und das Schlimmst daran ist, dass man mit den Rundfunkgebühren so etwa noch mitfinanzieren muss!

  2. Praecox schreibt:

  3. Praecox schreibt:

    Von den 30 Antworten sind 15 verschwunden? Wie das?

  4. Paul schreibt:

    Hallo Gerd,
    habe gerade den Song von Didi gehört, den er aus Solitarität und im Kampf um die Meinungsfreiheit der Satire eingespielt hat.

    Leider habe ich nicht diese Begabung, sonst würde ich sowas auch machen. Wenigstens ein Gedicht wäre er mir wert.

    Aber Dir traue ich sogar einen Song zu.

    Nur zu Gerd, lass ihn uns hören.

    Herzlich, Paul

  5. O.Paul schreibt:

    In der gegenwärtigen Zeit ist Satire so oft unterhalb der Gürtellinie, dass es mir schon keinen Spass mehr macht, so etwas im TV anzuschauen. Zoten kloppen kann ich och alleene.

  6. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    „Satire darf alles, außer sich entschuldigen.“

    Es war ja auch nicht die Satire, die sich entschuldigt hat, sondern das politische Arschkriechertum im Hintergrund.

  7. DuDu schreibt:

    …und wo findet man da jetzt die „Satire“ in dieser ekelhaften Zeichnung?

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @DuDu

      Für mich besteht die Satire darin, dass sie ihre Absicht so herrlich verfehlt. Zumindest aus meiner Sicht.
      Ein ärgerlicher, nunmehr wachsam gewordener Netanjahu, wie ein einfacher Hausvater dargestellt, vermauert abstoßende Kreaturen, weil er ihrer Angriffe überdrüssig ist.

      • Praecox schreibt:

        Lustig neu interpretiert. Würde ich auch so sehen.

        Funktioniert allerdings nur unter Weglassung des Blutmörtels, mit dem der verärgerte Nachbar die „abstoßenden Kreaturen“ vermauert.

        Im Übrigen leisten Sie, @GG, mit der Pauschalierung „abstoßende Kreaturen“ jenen Israelkritikern einen Bärendienst, die zwischen den Mauersteinen unschuldige Frauen und Kinder sehen wollen.

        • Gutartiges Geschwulst schreibt:

          @Praecox: „Im Übrigen leisten Sie, @GG, mit der Pauschalierung “abstoßende Kreaturen” jenen Israelkritikern einen Bärendienst, …“

          Natürlich hätte ich auch „sympathische Kreaturen“ schreiben können. Allerdings wäre dies eine weitere Satire gewesen.
          Besagte Israelkritiker haben ohnehin eine feststehende Meinung, die von Tatsachen unabhängig ist.

        • Praecox schreibt:

          Es sind weder sympathische, noch abstoßende Kreaturen.

        • Praecox schreibt:

          Außerdem erinnert die „Kelle“ mehr an ein Messer, denn an eine Maurerkelle.

      • ceterum censeo schreibt:

        Gut, daß Ihr auch etwas ratlos wegen des Blutes seid. Hab mich schon gewundert, warum ich nicht eindeutig erklären kann, wer nun beleidigt werden soll. Eine Erklärung fiel mir aber ein: die Art zu zeichnen kommt mir sehr bekannt vor. Es sieht genau so aus, wie die üblen antisemitischen „Karikaturen“ in arabischen Zeitungen. Ich vermute daher einen moslemischen Zeichner, der nur häßliche Judenfratzen und heldenhafte Palikämpfer kritzeln kann und mit der Aufgabe einfach überfordert war. Dünn verdrahtet eben.

        • Praecox schreibt:

          Auch mir kam die Art zu zeichnen, sehr bekannt vor und ich weiß jetzt auch, woher!
          Bitteschön:

          (Unnötig zu erwähnen, dass Roger Waters ein Antisemit usw……….)

          Wer sich einmal mit Mauern beschäftigt hat, tut’s immer wieder. Nicht wahr, Herr Censeo?

          Es handelt sich bei Scarfe also mitnichten um einen „moslemischen Zeichner“, der „mit der Aufgabe einfach überfordert war“, wie Sie mal wieder im Brustton der Lügenkommentatoren-Überzeugung behaupten, @Zeterum.

    • Kanalratte schreibt:

      Bei den Äpfeln im Birnenkasten

  8. DuDu schreibt:

    Vorweg, ich halte Erdogan und seine Unterstützer (vor allem auch in Deutschland) für äusserst gefährlich, eine widerliche Suppe aus islamischen und türkisch/arabischen Herrenmenschentum,

    aber

    was der Böhmermann da auf Papier gebracht hat, ist KEINE Satire, sondern eine billige Aneinanderreimung von Beleidigungen (unterster Schubalde). (im übrigen genauso billig wie, wenn eine Vollverschleierte einem alten weissen (deutschen) Opa eine Kartoffel an den Kopf wirft),

    aber

    was gar nicht geht, ist eine Bundekanzlerin die diesem Dispoten in Ankara dafür in den „Arsch kriecht“ und „um Vergebung bittet“. (übrigens hätte sie sich auch damals ihr „nicht hilfreich“ sparen können).

    Zwei sehr gute Artikel zum Thema, die weniger die geschmacklose „Satire“ im Blick haben, sondern vielmehr welches „Geschmäckle“ die Entschuldigung Merkels hat:

    http://www.welt.de/vermischtes/article154168823/Boehmermann-und-die-Guertellinie-des-ZDF-Geschmacks.html

    http://www.achgut.com/artikel/frau_merkel_akzeptiert_die_spielregeln_eines_neo_sultans

  9. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Liegt es wirklich nur an mir, dass Netanjahu der Einzige ist, den ich auf diesem Bild sympathisch finde?

  10. bergstein schreibt:

    Ist es Satire ? – nein.
    Darf eine Zeitung Derartiges veröffentlichen? – ja, selbstverständlich.
    Ist die Karikatur antisemitisch? – zweifelsohne.
    Sind die Menschen in der Redaktion Antisemiten? – wahrscheinlich.
    Musste sich die britische Regierung dafür entschuldigen? – nein.
    Sollte sich die Redaktion dafür entschuldigen? – ist ihrem Gewissen überlassen.

    • Praecox schreibt:

      Selbstverständlich arbeitet Satire mit allerhand Stilmitteln. Das nimmt ihr aber nicht den Realitätsbezug. Realsatire ist dennoch etwas anderes. Davon spreche ich nicht.

      Für Sie nun die Erklärung des Unterschieds zwischen dem „Schmähgedicht“ auf Erdogan und der Karikatur Netanjahus:

      Erdogan ist ein bigotter, hasserfüllter, primitiver Diktator und Antisemit.

    • Praecox schreibt:

      Sie einen also, Satire sei die Vorstufe zum Genozid?
      Oder sehen Sie noch Spielraum?

    • Bergstein schreibt:

      Wie Sie in meiner weiter unten befindlichen Stellungnahme lesen können, halte ich den Beitrag von Herrn Böhmermann keineswegs für Satire.

      Ansonsten wurde mir in meinem Leben schon einiges unterstellt aber ein deutsches Gewissen war noch nicht dabei. Zwar habe ich einen deutschen Pass, aber soweit bin in BRD nicht sozialisiert, dass in mir plötzlich ein deutsches Gewissen entsteht. Wenn überhaupt (ich bin schließlich Rechtsanwalt :)) besitze ich ein jüdisches Gewissen.

  11. American Viewer schreibt:

    Böhmermann und die Medien tun Erdogan mal wieder einen großen Gefallen. Erdogan hatte sich mit seiner Reaktion auf die harmlose extra-3-Satire wunderbar vergallopiert. Die ganze Welt konnte sehen, was für ein Faschist er ist.

    Dann kam Böhmermann und beleidigte Erdogan unnötigerweise wirklich. Und die Medien verteidigen das auch noch.

    Jetzt kann Erdogan sich als Opfer darstellen und mit dem Verweis auf dieses Schmähgedicht behaupten, er habe schon immer recht gehabt.

  12. Paul schreibt:

    Entschuldigung, lieber Gerd,
    habe vergessen Dich für Deinen Beitrag zu loben.
    Alle Daumen sind oben!!

    Herzlich, Paul

  13. Paul schreibt:

    Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen ZDF-Verantwortliche

    Satire agiert oft im Grenzbereich zwischen Meinungsfreiheit und Strafbarkeit, erlaubtem Spott und verbotener Beleidigung. Auch wird sie unterschiedlich bewertet, beeinflusst von der Meinung des Zuhörers bzw. -sehers.

    Den Song in „extra 3“ bewerte ich als Satire. Das Gedicht von Böhmermann, ich habe es gelesen, kann ich nicht als Satire begreifen. Diese Fäkalsprache widerspricht auch meinem ästhetischen Empfinden (wie auch die Karikatur des befleckten Papstes).

    Ob Böhmermanns Gedicht einen Straftatbestand erfüllt, vermag ich mangels juristischem Fachwissens nicht zu beurteilen. Das mag vor Gericht geklärt werden. Das werde ich mit Geduld abwarten.
    Das „Gesunde Volksempfinden“ ist für mich kein Bewertungsmaßstab.

    Ich kann nur feststellen, dass ich das „Gedicht“ unappetitlich und der Sache nicht dienlich finde.

    Das habe ich geschrieben, bevor ich doch noch fündig wurde und die gesamte Sendung von Böhmermann ansehen konnte.

    Das hat bewirkt, dass ich meine Meinung komplett geändert habe.
    So wie Böhmermann das Gedicht in die Sendung eingebettet hat, hat es für mich viel von seiner Unappetitlichkeit verloren.
    Er hat mit seinem Beitrag das dünne Seil zwischen erlaubter Satire und nach §103 StGB strafbarer Beleidigung betreten.

    Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob er den Straftatbestand erfüllt. Nach meinem Empfinden ist er bis an die Grenze des Erlaubten gegangen.
    Die Beurteilung des Sachverhaltes durch ein Gericht würde mich schon interessieren.

    Bis dahin heißt es für mich: Abwarten und auf keinen Fall ein vorschnelles abschließendes „Urteil“ fällen.

    Das ist mein Kommentar, den ich vor einigen Tagen beim TSP geschrieben habe.

    Ganz bewusst stelle ich ihn hier ein, weil ich damit dokumentieren will, welche Auswirkungen die Unterdrückung der Veröffentlichung der Sendung in der Mediathek durch das ZDF gehabt hat.
    Gott sei Dank hat ein anderer User die Sendung irgendwo aufgestöbert und der TSP hat den Link erlaubt.

    Diese Löschung in der Mediathek sehe ich als eine Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit. Das ZDF behindert damit die Meinungsbildung einer breiten Öffentlichkeit. Als ÖR Sender ist er aber verpflichtet die Öffentlichkeit zu informieren.

    Inzwischen habe ich mir die entsprechende Passage mehrmals angesehen und bin zu der Meinung gelangt, dass Böhmermann eine Satire über die Satire von extra3 gemacht hat.
    Dabei hat er sich des Stilmittels der Praeteritio (https://de.wikipedia.org/wiki/Praeteritio) bedient.
    Das wird ganz besonders deutlich am Zusammenspiel mit seinem „Echo“.

    Eine Prognose will ich zum Schluss doch noch wagen:
    Das Ganze wird nach wenigen Wochen im Abgrund der Vergessenheit gelandet sein. Dort sammeln sich alle „Aufreger“. Was ist eigentlich aus Pirinçcis KZ-Zitat in der Rede auf der PEGIDA-Demonstration in Dresden geworden? Ermittelt der Staatsanwalt noch immer?

    Herzlich, Paul

  14. Bergstein schreibt:

    Ob, Satire alles darf, muss ich an dieser Stelle, nicht beurteilen, da der hier maßgeblicher Beitrag beim besten Willen keine Satire darstellt, anders als der ebenfalls angesprochene Karnevalwagen. So wenig Sympatien ich für den Herrn Erdogan verspüre, so muss ich doch als Jurist feststellen, dass es sich im strafrechtlichen Sinne um eine Beleidigung handelt. Allerdings ist eine Entschuldigung der Frau Merkel nur dann angebracht, wenn sie ZDF als Staatsfernsehen ansieht.

    • Paul schreibt:

      Hallo Bergstein,
      Sie schreiben:

      So wenig Sympatien ich für den Herrn Erdogan verspüre, so muss ich doch als Jurist feststellen, dass es sich im strafrechtlichen Sinne um eine Beleidigung handelt.

      Als Nichtjurist kenne ich den Spruch: „Zwei Juristen – Drei Meinungen“, der Ihnen auch bekannt sein dürfte. Dass es sich um eine Beleidigung handelt, ist schnell dahin geschrieben. Jeder, der ein wenig in diesem „weiten Feld“ herumgelaufen ist, weiß, dass es nicht ganz so einfach ist. Habe woanders, auch von einem Juristen die genau gegenteilige Meinung, sogar mit entsprechender Begründung gelesen. Auch ein Urteil des BGH, dass mit einer Verweisung an das erstinstanzliche Landgericht endete, habe ich gelesen. (Ein im Rechtsverfahren unterlegener hat nachträglich schriftlich die Richterin „beschimpft“.)
      Ich erspare mir die Sucherei nach dem Link, weil Sie als Jurist zu diesen Dingen einen besseren Zugang haben werden als ich.

      Meine Prognose ist oben zu lesen.
      Ansonsten warte ich geduldig die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und das Gerichtsurteil ab.

      Vermutlich wird Kohl recht behalten, der mal sagte:
      „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“

      Herzlich, Paul

  15. Lusru schreibt:

    @gerd Buurmann
    Du täuscht dich – und uns!
    Ich würde dir in jedem Punkte (!) zustimmen, wenn der Herr Böööhh_mermann nicht wie ein Schaf geblökt, sondern Satire sprich Kunst vorgelegt hätte.
    Wenn er das dann irgendwann mal macht (fertig bringt), ohne dass Mistgabel und Reissbrett zum Konsumieren erforderlich ist, ohne seine Intelligenzpartikel als Ziegenbohnen zu entblössen, ohne dass der Leser sich sich stundenlang hernach das Maul ausspülen muss.
    Wer derart primitiv nur promitief meint GEGEN Erdogan zu sagen, was da gesagt werden muss, muss wohl noch mal eine Generation auf die Satireweide oder hatte gerade mal was genommen, was reichlich übermässig Grimmig ihm nicht so bekam.
    Da hilft auch kein Bauer, die sich vor diesen Karren spannen lässt, es sei denn: Geschwister in diesem Ziegengeiste
    Es diese Art von schlüpfriger Pseudoagitation, die mit viel Lärm nichts anderes bewirkt, als dem Herrn Erdogan neuen Zuspruch zu zuführen, ein Satiriker hätte dies jedoch vorab abschätzen können.
    So steht der Bööhhh_mermann schliesslich selber als das Stück SchafsFleisch in der Ecke zu dem er den Erdogan machen wollte.
    Wie immer:
    Zuviel zerreisst den Sack, und die Frage dabei ist immer:
    Welchen wohl…
    Und das hat mit dürfen müssen nichts zu tun, sondern nur mit können können, wer letzteres kann, darf dann auch Satire, und nur die – nur die !!! – darf alles, und nicht jedes Schafsgerblöke. So lassen sich halt nur Schafsköpfe auf Ziegen ein, wenn ihr wisst, was damit nicht gesagt wurde.
    Erdogan ist wohl weniger den Ziegen als dem Erdoganismus ALS FASCHISMUS verbunden, und wenn der blökende Schafs_mann (Kopf) DAS mal erkannt hat, darf er wieder, nur Ziegendreck wird da nicht viel ausrichten, da sollte dann schon eher Satire ran, denn nicht alles was ein Böööhh_merman so hinten fallen lässt, ist deshalb Satire – auch die hat einen Ruf zu verlieren,.
    Und das solltest gerade du, Gerd Buurman , wissen , bevor du wieder mal einen warmen Schal als Windel für einen abgestunkenen Kollegen strickst oder „in Sachen Bööhh_mermann“ unterwegs sein möchtest: Sie sind dir um ein gewaltiges Stück zu klein, was du doch mitnichten nötig hast. Offenbar hast du hier wohl mal selber deinen lieben Spruch über der Kommentarspalte völlig falsch verstanden, dass mit dem „Seid gut zueinander! “ – oder wolltest du das „den Sachen Bööhhmermann“ etwa vorenthalten?

    • erwin schreibt:

      Ob nun Kunst/Satire oder nicht, daher sehe ich es nicht ganz so die du, @Lusru, denn hier legt jemand eine Herrschaftstechnik bloß.

      Mittlerweile wird das Thema so hochgekocht, dass sogar führende Regierungsmitglieder (mit Merkel an ihrer Spitze) darüber beraten, wie denn das innen- und außenpolitische Spagat auszuführen ist.
      Erdogan überreizt sein Blatt, denke ich.
      Sicher, die Bundesriegierung hat sich durch Merkel in ein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der Türkei begeben. Andererseits kann sie es sich innenpolitisch nicht leisten, sich weiter von Erdogan vorführen zu lassen.
      Egal, ob Böhmermann das so geplant hat: Letztendlich hat er einen riesen Coup gelandet.
      Er hat Erdogan vorgeführt (der bereitwillig in die Falle tappt) und en passant die Regierung gleich mit.

  16. unbesorgt schreibt:

    Was Frau Merkel in Ankara hätte tun dürfen ist jedoch nachfragen, ob Herr Erdogan überhaupt Rundfunkgebühren zahlt. Denn schließlich richtet sich das ZDF an eine zwangsweise rekrutierte Zuschauerschar von eher deutschen Gebührenzahlern – nicht an Schwarzseher irgendwo zwischen Balkan und Hindukusch. Empören ohne zu zahlen, das geht schon mal garnicht!

Kommentare sind geschlossen.