Kommen Jan Böhmermann, Jürgen Todenhöfer und Serdar Somuncu in den selben Knast?

Vor über zehn Jahren fand eine Mutter aus dem Allgäu beim Aufräumen des Zimmers ihres Sohnes einen Katalog des Versandhandels „Nix gut“, der unter anderem Artikel mit antifaschistischen Symbolen vertreibt. Die Mutter blätterte in dem Katalog herum und fand eine Menge durchgestrichener und zerschlagener Hakenkreuze. Empört zeigte sie daraufhin die Firma an. So kam es, dass im Jahr 2006 der Geschäftsführer des Unternehmens, Jürgen Kamm, vor dem Stuttgarter Landgericht erscheinen musste, um sich wegen das Verwenden und massenhafte Vertreiben von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte mit ihrer Anklage die Frage klären, ob antifaschistische Gesinnung durch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zur Schau gestellt werden dürfe? Es wurde verhandelt, ob ein durchgestrichenes Hakenkreuz ein zulässiges Mittel ist, Distanz zu rechtsextremen Positionen zu bekunden?

Zehn Jahre später muss sich Jan Böhmermann für eine Sache verantworten, die nicht minder absurd ist. Um zu zeigen, was der Unterschied zwischen Satire und Schmähkritik ist, las er in seiner Show als Beispiel ein Schmähgedicht vor, um zu zeigen, was in Deutschland verboten ist. Er las das Gedicht somit nicht vor, um zu schmähen, sondern um zu zeigen, was eine Schmähung ist. Das Gedicht war im Kontext so eindeutig durchgestrichen wie die Hakenkreuze der Firma „Nix gut“.

Wenn es bereits Schmähung ist, das Gedicht nur zu veröffentlichen, dann muss auch Jürgen Todenhöfer angezeigt werden, da er auf seiner Facebookseite ebenfalls das Schmähgedicht veröffentlicht hat. Im Gegensatz zum ZDF, das das Gedicht mittlerweile gelöscht hat, kann man auf seiner Seite sogar noch lesen, der türkische Präsident ficke Ziegen und schaue Kinderpornos.

Bisher gehörte zum Straftatbestand der Schmähung die Absicht zu schmähen, wenn das aber jetzt geändert wird, dann muss auch Serdar Somuncu angezeigt werden, da er seit dem Jahr 1996 in über 1400 Auftritten vor mehr als eine viertel Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ vorgelesen hat. Ich frage mich, ob wohl alle drei Männer in den selben Knast kommen. Dann aber bitte mit Kamera und Liveübertragung im ZDF.

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