Erst kommt das Fressen

Am 11. Mai 2016 stand ich mit meiner Frau und einem Freund um punkt zwölf Uhr mittags an der Roonstraße in der Nähe der Kölner Synagoge vor dem Restaurant „Urban Burgery“, um bei der Wiedereröffnung dabei zu sein. Der Laden hatte für ein paar Tage schließen müssen, alles nur wegen eines Burgers. Das Team der „Urban Burgery“ hatte nämlich zuvor einen neuen Burger kreiert und wie folgt präsentiert:

„Saulecker, saftig und der Burner ist Erdogan, der Burger. Der Erdogan Burger – Natürlich mit Ziegenkäse!“

Der Inhaber des Ladens, Jörg Tiemann, bezeichnete die Erfindung als „lukullisches Bekenntnis zur Meinungsfreiheit“. Das war jedoch zu viel für einige Leute und so schlug dem Restaurant in den sozialen Medien nicht nur Zustimmung entgegen, sondern auch blanker Hass. In der Folge sah sich Tiemann genötigt, „Urban Burgery“ für ein paar Tage zu schließen.

Am 11. Mai um 12 Uhr mittags machte das Restaurant wieder auf, mit der Ansage, den Erdogan Burger solange anzubieten, wie die Kunden ihn haben wollen und Erdogan seine menschenrechtsverletzende Politik fortsetzt. Was sich vor und in dem Restaurant abspielte war eine Farce. Sämtliche Medien der Republik waren da, das ZDF, RTL, der WDR, die Bild, Express, Sat 1, RPR 1, der Kölner Stadtanzeiger und Tapfer im Nirgendwo, um zu dokumentieren, wie Burger gebraten und gegessen werden. Am 11. Mai kam das Fressen mit der Moral!

Da nennt jemand einen Burger nach einem türkischen Staatsmann und die deutschen Medien werden verrückt. Ich muss gestehen, mir gefällt das. Es ist so herrlich albern.

Deshalb bestellten wir am 11. Mai drei Burger, einen Erdogan Burger, einen BBQ Burger, den wir Barack Obama tauften und einen veganen Burger, den wir Claudia Roth nannten, aßen und gaben fleißig Interviews. Am leckersten war übrigens Obama. Erdogan schmeckte besser als Diktatur.

Es ist wunderbar, in einem Land zu leben, in dem man einen Burger essen und sich dabei gut fühlen kann. Das ist Freiheit und auf wunderbare Weise kapitalistisch. Jörg Tiemann nimmt, was ihm gefährlich werden möchte und macht damit Geld. Glückwunsch Mr. T, so geht das!

Jörg Tiemann hat jetzt noch weitere Aktionen angekündigt. Ab nächster Woche möchte er einen „Böhmermann-Cookie“ in die Speiskarte aufnehmen und den Erlös an Familien von inhaftierten Journalisten in der Türkei spenden. Für diese Aktion hat er Kontakt mit „Ärzte ohne Grenzen“ aufgenommen.

Laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung denkt das Restaurant auch darüber nach, bald einen AfD-Burger ins Programm zu nehmen. In dem Burger soll dann eine Stange Spargel stecken, damit der Burger aussieht wie eine Moschee mit Minarett. Da wollen wir nur hoffen, dass kein Schwein in dem Burger ist, sonst wird sich eine Koalition aus AfD und Islamisten gegen den Laden erheben und so eine Front will niemand gegen sich haben.

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12 Antworten zu Erst kommt das Fressen

  1. Schiller schreibt:

    Super Sache! Schade, dass Köln so weit ist. Versendet Urban Burgery ihre Burger auch? Ich würde einen Erdogan-Bürger sofort bestellen!

  2. Nordland schreibt:

    Also den AfD-Burger würde ich bestellen. Denn wenn er hält, was der Name verspricht, schmeckt er nicht so abgestanden wie die anderen Burger, die schon seit Jahren auf der Karte stehen, immer seltener gewählt werden und allesamt gleich schmecken, weil sie nach dem selben althergebrachtem Rezept zubereitet werden.

    Auch glaube ich, dass der AfD-Burger keinen Aufschrei verursachen und schon gar nicht zu Bedrohungen führen würde. Denjenigen, die beim RTE-Burger eine solche Reaktion gezeigt haben, möchte ich nur eines sagen: Bitte geht zurück in das Land eures Vorbilds. Ob es euch wirklich so gut ergeht, wie ihr glaubt, weiß ich nicht. Aber bitte geht dorthin. Und zwar lieber heute als morgen.

  3. Kanalratte schreibt:

    Sehr originelle Idee. Jeder bekommt sein Fett weg. Auch der AfD-Burger ist eine lustige Idee.

  4. unbesorgt schreibt:

    Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass in der Tierzubehörhandlung ein Keuschheitsgürtel „Erdogan“ für Ziegen angeboten wird – dann haben wir, glaube ich, alles durch.
    Aber sicher ist das ganze am Ende doch nur das türkisch/deutsche Joint-Venture einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für mittel- und talentlose Juristen.

  5. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    „Da wollen wir nur hoffen, dass kein Schwein in dem Burger ist, sonst wird sich eine Koalition aus AfD und Islamisten gegen den Laden erheben und so eine Front will niemand gegen sich haben.“

    Glauben Sie völligen Ernstes, dass die AfD in diesem Falle auch nur die geringsten Schwierigkeiten machte? So sehr ich Ihre Artikel schätze, Gerd Buurmann, (übrigens auch diesen) glaube ich, dass Sie diesmal gegen besseres Wissen schreiben. 🙂

    • Kanalratte schreibt:

      Die AfD hat mittlerweile tatsächlich sehr viele Dumpfbacken angezogen, das muss man ehrlich sagen.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @Kanalratte
        Zweifellos! Allerdings nicht mehr als die kritisierenden anderen Parteien. Das muss man auch ehrlich sagen.

  6. Susanne G. schreibt:

    In anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit:
    http://www.theguardian.com/us-news/2016/jan/27/trump-burger-iowa-cafe-northside-diner
    http://burgerurge.com.au/new-headline-1/
    http://abcnews.go.com/GMA/recipe?id=10740861
    Und ich kann mich nicht erinnern, dass es dort irgendwelche Aufregung gegeben hat.
    Übrigens hören sich für mich obrige Burger-Versionen sehr lecker an. 😉

  7. anti3anti schreibt:

    Hat dies auf Numeri 24:9 rebloggt.

  8. Sophist X schreibt:

    Ich bin kein ausgesprochener Fan der Afd, aber bevor man die AfD basht, sollte man mit dem Bashing aller (aller) anderen Parteien fertig sein. Spargel als Minarett ist aber eine gute Idee. Ich mag beides nicht.

  9. Heimchen am Herd schreibt:

    „Der Inhaber des Ladens, Jörg Thiemann, bezeichnete die Erfindung als „lukullisches Bekenntnis zur Meinungsfreiheit“. Das war jedoch zu viel für einige Leute und so schlug dem Restaurant in den sozialen Medien nicht nur Zustimmung entgegen, sondern auch blanker Hass. “

    „Für einige Leute“:
    Köln: Lokal nach türkischen Drohungen geschlossen.

    Immer schön Ross und Reiter nennen! 😉

  10. Hessenhenker schreibt:

    Deutschland ist ein Irrenhaus, also ist Köln bloß eine Gummizelle.

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