Meine Meinung muss noch lang nicht Deine Meinung sein! Meine Meinung: Ja! Deine Meinung: Nein!

Am 21. Januar 2010 ging ich mit meiner Frau durch Köln spazieren. Am Dom entdeckten wir einen Rentner, der dort eine Galerie aufgestellt hatte, an der er den Passanten unter anderem eine Karikatur zeigte, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind aß und sein Blut trank. Ich war von der Karikatur so entsetzt, dass ich sofort die Polizei anrief und eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung nach §130 StGB stellte. Das Simon Wiesenthal Center applaudierte mir damals zu diesem Schritt. Die Kölner Staatsanwaltschaft entschied jedoch, die Karikatur sei nicht antisemitisch, da die dargestellte Person auf der Karikatur nicht als Jude erkennbar sei, da sie keine „Krummnase“ habe:

„Typisch für antijüdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale überzeichnet, um den Juden als hässlich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jüdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“

Wo keine Krummnase, da kein Jude!

Der Rentner vor dem Kölner Dom tat sich bis zu seinem Tod im Jahr 2016 immer wieder mit hasserfüllten Aussagen hervor. An seiner Galerie behauptete er zum Beispiel, das israelische Volk erpresse bereits seit Jahrhunderten die Welt, womit er klar machte, dass er nicht das Volk des Staates Israel meinte, das es schließlich erst seit dem Jahr 1948 gibt, sondern das israelische Volk, das es bereits seit Jahrhundert gibt: Juden. Zudem verglich der Rentner Israel mit Hitler und behauptete: „Wie früher die Deutschen mit den Juden – so heute die Israelis mit den Palästinensern.“ Da die Holocaustleugnung und die Billigung, Leugnung und Verharmlosung des Nationalsozialismus laut §130 StGB ebenfalls eine Straftat ist, erstatte ich aufgrund dieser Parolen erneut Anzeige, da die Behauptung, die Nazis damals seien so gewesen wie die Israelis heute, eine klare Verharmlosung des Holocausts darstellt. Wieder enstschied die Kölner Staatsanwaltschaft, bei der Aussage handele es sich um erlaubte Kritik am Staate Israel:

„Ferner bleibt entscheidend zu berücksichtigen, dass im Falle einer Mehrdeutigkeit des Erklärungsgehalts solange nicht von einer allein strafrelevanten Deutung auszugehen ist, bis andere Deutungsmöglichkeiten auszuschließen sind.“

Im Jahr 2014 schließlich, erklärte der Rentner den Völkermord an Juden als legitimen Widerstand, indem er titelte: “HAMAS = Volks-Widerstand”. Mehrere Juden erstatteten daraufhin Anzeige. Eine Anzeige las sich wie folgt:

„Die Hamas fordert meinen Tod! Artikel 7 der Gründungscharta der Hamas fordert den Tod aller Juden weltweit, also auch in Deutschland. Das ist der Grund, warum die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird. Ich bin Jüdin! Die Hamas fordert meinen Tod. Vor dem Kölner Dom wird diese Forderung als legitimer Widerstand verharmlost. Ich erstatte daher Strafanzeige. So lange vor dem Kölner Dom der Aufruf zum Judenmord als Widerstand bezeichnet wird, werde ich in Köln als Jüdin beleidigt, bedroht und verfolgt.”

All diese Anzeigen wurden von der Kölner Staatsanwaltschaft abgelehnt!

Die ständige Ablehnung der Kölner Staatsanwaltschaft, brachte mich im Jahr 2014 dazu, einen Test zu starten. Für meinen Blog Tapfer im Nirgendwo schrieb ich eine Glosse, in der ich die Parolen des Rentners vor dem Kölner Dom nahm und lediglich das Wort Israel mit dem Namen des Rentners austauschte. Ich wurde daraufhin von dem Rentner angezeigt und siehe da, die Kölner Staatsanwaltschaft forderte prompt 100,- Euro von mir, damit kein Verfahren wegen Beleidigung gegen mich eingeleitet wird.

Ein weiterer Test von mir nahm die Kölner Polizei unter die Lupe. Am 9. Juli 2011 rief ich bei der Polizei an, weil der Rentner seine abscheulichen Parolen an Laternen vor dem Kölner Dom befestigt hatte und niemand das Recht hat, wild zu plakatieren, schon gar nicht mit politischen, propagandistischen und aufstachelnden Plakaten. Die Polizei erklärte mir, dass das Ordnungsamt zuständig sei. Dort erklärte mir eine Dame, dass Wildplakatieren verboten sei. Daraufhin schlug ich vor, zum Domkloster 4 zu kommen, da dort seit Jahren nahezu täglich politische und anti-israelische Vorurteile verbreitet würden. Die Dame erklärte mir, dass momentan keine Kapazitäten frei seien, da das Ordnungsamt damit beschäftigt sei, „wild grillende“ Menschen zu entfernen. Ich rief also wieder bei der Polizei an und berichtete, dass das Ordnungsamt nicht tätig werden könne, worauf die Polizei erklärte, dann doch mal einen Wagen vorbei zu schicken. Vor Ort wurde mir erklärt, dass des Rentners Plakate an den Laternen toleriert werden. Die Polizei sagte: „Er genießt hier nun mal Narrenfreiheit. Er wird toleriert!“

Die Narrenfreiheit des Rentners reichte weit. In einem Flugblatt, das er im April 2013 vor dem Kölner verteilte, bezeichnete er mich als „kriminellen Israel-Lobbyisten“ und holt weit aus gegen mich. Eine Anzeige meinerseits endete am 12. Februar 2014 vor dem Kölner Amtsgericht mit der Entscheidung, dass ich als „krimineller Israel-Lobbyist“ bezeichnet werden dürfe, da dies zulässige Kritik sei. Als zulässige Kritik wurde auch eingestuft, was ein Rentner aus Dortmund über mich verbreitete. Dieser Rentner stelle mich als Schwein, Terrorist und Bombenmohammed dar. Alles „legitime Kritik“.

Am 22. April 2016 wurde ein Redner auf einer Demonstration vor der türkischen Botschaft in Berlin von der Polizei festgenommen, weil er auf einer angemeldeten Demonstration einen wissenschaftlichen Vortrag über ein „Schmähgedicht“ von Jan Böhmermann gehalten und dabei zur Analyse des Gedichts zwei Zeilen daraus zitiert hatte.

Laut Polizei war das Vorgehen gerechtfertigt, da die Demonstration nur unter der Auflage genehmigt wurde, dass keine Passage aus dem Böhmermann-Gedicht ausgesprochen wird. Die Auflage der Polizei gilt inzwischen für alle Demonstrationen in Berlin. Ich lebe somit in einem Land, in dem ich als „krimineller Israel-Lobbyist“ bezeichnet und als Schwein und Terrorist dargestellt werden darf, aber eine Gedichtsanalyse verboten wird, wenn das Gedicht gegen den türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan geht. So sieht Meinungsfreiheit in Deutschland aus: „Buurmann ist ein Terrorist, Schwein und krimineller Israel-Lobbyist“ geht, „Erdogan ist ein Ziegenficker“ geht nicht.

Am 24. Mai 2014 hielt Erdoğan übrigens eine Rede in der mit 18.000 Menschen besetzten Lanxess Arena in Köln. Während der Rede riefen Teile des Publikums lautstark „Verflucht sei Israel!“. Es war der selbe Tag, an dem der Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel standfand. Kritik an Israel geht immer als Meinungsfreiheit durch. Solidarität mit Israel jedoch nicht!

Bei einer Demonstration vor dem Hauptbahnhof am 27. März 2011 entfernte ebenfalls die Berliner Polizei eine Israelfahne und nahm zwei Menschen in Gewahrsam, weil sie sich weigerten, ihre friedliche Solidaritätsbekundung mit Israel zu unterlassen. Im Januar 2009 stürmten Einsatzkräfte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen, da eine aufgepuschte Meute von israelfeindlichen Judenhassern auf der Strasse den Anblick eines blauen Davidsterns nicht ertragen konnte und in guter alter Tradition deutscher Pogrome damit begonnen hatten, das Fenster mit Steinen zu bewerfen. Die Polizei hätte zwar dafür sorgen können, dass die Meute mit ihrer Gewalt aufhört, aber stattdessen stürmte sie lieber die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung nicht nur zu Opfern der Judenhasser, sondern gleich auch zu Opfern des Deutschen Staates. Wieder einmal kapitulierte der Deutsche Staat vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse.

Im selben Monat fand in Bochum eine Demonstration von über 1500 Personen gegen den Staat Israel statt, zu der vier Moscheegemeinden aufgerufen hatten. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie „Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ laut. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass gleich jemand eine Israel-Flagge verbrennt. Als jedoch eine Studentin die Israel-Flagge herausholte und nicht verbrannte, sondern stolz schwenkte leitete die Staatsanwaltschaft später ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, das mit einer Geldstrafe von 300,- Euro gegen die Studentin endete. Die Richterin hielt der Angeklagten vor: „Das war keine ungefährliche Situation, die Sie geschaffen haben.“

Die deutsche Freiheit hat somit folgende zwei Faustregeln:

1. Nicht das Werfen von Steinen gegen ein Fenster mit Davidstern ist ungesetzlich, sondern das Fenster selbst!

2. Das Zeigen der Israel-Flagge ist in Deutschland zu gewissen Zeiten nicht erlaubt.

Es gibt jedoch Aussagen, die offensichtlich vom Recht auf freie Meinung geschützt werden, zum Beispiel: „Tod den Juden! Adolf Hitler!“ Diese Parolen wurden auf einer Demonstration gebrüllt, die im Sommer 2014 in Essen stattfand. Dort wurden Hakenkreuze in Davidsternen gezeigt, vom „Judenterror“ gefaselt und sogar behauptet, Juden seien „früher angeblich Opfer“ gewesen, ganz so, als habe es den Holocaust niemals gegeben. Die Polizei schaute bei all dem zu. Am selben Tag interviewte der WDR-Journalist Stefan Göke die Polizistin Tanja Hagelüken. Sie wusste von einer friedlichen Demonstration zu berichten und Stefan Göke fügte hinzu:

„Es hat keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich Extremisten unter diese Demonstration gemischt haben, also weder von islamistischen Seite auf der einen Seite, aber auch keine Rechtsextreme, die dann das ganze nutzen konnten als Plattform um ihren Hass aufs Judentum oder auf Israel kundzutun. Das ist jedenfalls alles nicht passiert. Und bisher ist alles ein bißchen brisant aber durchaus friedlich.“

Während Stefan Göke im WDR dieser Worte in die Kamera sprach, zeigte ein Demonstrant direkt hinter ihm ein Plakat hoch, auf dem geschrieben stand: „Israel = Terrorist“. Der Journalist vom WDR hätte sich nur umdrehen müssen und er hätte gemerkt, dass er Blödsinn redet! Im Sommer 2014 schallten die übelsten Parolen gegen Juden über deutsche Straßen:

„Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ (Berlin)

„Juden ins Gas!“ (Gelsenkirchen)

„Scheiß Jude, brenn!“ (Essen)

Am 12. Juli 2014 zog eine Menschenmenge durch die Frankfurter Innenstadt und brüllte „Allah ist groß“ und „Kindermörder Israel“. Die Polizei schritt nicht ein, im Gegenteil: Die Polizei in Frankurt stellte sogar die Lautsprecher eines Polizeiwagens zur Verfügung, damit die Hetze weithin gehört werden konnte!

Bei der Demonstration wurden Plakate mit deutlichen Aussagen gezeigt. Auf einem Plakat stand: „Ihr Juden seid Bestien“

Das alles geht in Deutschland. Auch bei Predigten ist man in Deutschland tolerant. Am 23. Januar 2015 wurde in einer Berliner Moschee eine Predigt mit diesen Worten gehalten:

„Eine Frau darf niemals das Haus ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen und unter keinen Umständen darf sie eine Nacht außerhalb des Hauses verbringen ohne Erlaubnis ihres Mannes! Nicht mal bei ihrem eigenen Vater! (…) Eine Frau darf nicht arbeiten ohne die Erlaubnis ihres Mannes! (…) Ein Mann sollte seiner Frau nie das Arbeiten außerhalb des eigenen Hauses erlauben! (…) Das Leben einer Frau muss auf das Haus ihres Mannes beschränkt sein! (…) Eine Frau muss kochen, den Boden wischen, sauber machen und sich um ihren Mann, ihre Söhne und Töchter kümmern! (…) Einer Frau ist es nicht gestattet, den Beischlaf mit ihrem Mann zu verweigern! Mit keiner Entschuldigung darf sie sich rausreden!“

Die Frage, was auf deutschen Demonstrationen geht und was nicht, kann mit folgender Formel zusammengefasst werden: „Gegen Israel geht immer!“ Sollten sie was gegen Juden haben, sagen sie nur, es sei Israelkritik, dann bekommen Sie sogar für einen Anschlag auf eine Synagoge mildernde Umstände.

Im Juli 2014 verübten gegen vier Uhr früh drei junge Männer mit sechs selbstgebastelte Molotowcocktails einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal. Das Amtsgericht Wuppertal erklärte damals, der Anschlag auf die Synagoge sei keine antisemitische Tat gewesen, da die Attentäter erklärt hatten, mit dem Anzünden der Synagoge in Wuppertal, die Aufmerksamkeit auf den Konflikt zwischen Israel und Gaza lenken zu wollen. Das Gericht verstand dieses Ansinnen und erklärte, es gäbe „keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat“!

Was wäre wohl geschehen, wenn Jan Böhmermann ein Schmähgedicht über Joachim Gauck vorgelesen hätte? Was wäre in Deutschland los, hätte er vorgelesen: “Sackdoof, feige und verklemmt, ist Joachim, der Präsident. Sein Gelöt stinkt schlimm nach Schinken, selbst sein Pfaffenmaul tut stinken.“ §90 StGB jedenfalls verbietet die Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Hätte Jan Böhmermann heute ebenfalls so viele Anzeigen am Arsch, hätte er Joachim Gauck zum Inhalt eines Schmähgedicht-Beispiels genommen? Es gibt einige Beispiele dafür, dass Menschen wegen ihrer Meinung verurteilt wurden.

Der pensionierte Mathelehrer Albert Voß zum Beispiel wurde verurteilt, weil er diese Sprüche auf die Heckscheibe seines Autos geklebt hatte:

„Wir pilgern mit Martin Luther: Auf nach Rom! Die Papstsau Franz umbringen. Reformation ist geil!“

„Kirche sucht moderne Werbeideen. Ich helfe. Unser Lieblingskünstler: Jesus – 2000 Jahre rumhängen und immer noch kein Krampf!“

„Christliche Eltern! Wenn dieser schreiende Bettnässer Euch auch noch verflucht, sollt Ihr ihn lynchen! Jesus will es! Nach Matthäus 15,4. Macht ein neues Kind!“

Dafür wurde er am 25. Februar 2016 vom Amtsgericht in Lüdinghausen verwarnt, wegen Gotteslästerung. Er musste eine Geldbuße von 500 Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar eine Geldstrafe von 3000 Euro gefordert. Die Richerin urteilte: „Das ist eine öffentliche Beschimpfung der christlichen Kirche.“

Im Februar 2006 hatte das Amtsgericht Lüdinghausen schon mal ein über die Grenzen der Provinz hinaus bekanntes Urteil gefällt. Ein Mann war zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er die Worte „Koran, der heilige Koran“ auf Toilettenpapier gestempelt hatte und diese Druckerzeugnisse dann an mehrere Fernsehsender, Moscheen und islamische Kulturvereine verschickt hatte.

Nicht nur im Iran und in Saudi-Arabien maßen sich weltliche Gerichte an, Gott zu vertreten und sein Lästern zu ahnden, auch in Deutschland wird diese Tradition gepflegt und zwar mit §166 StGB.

§166 StGB lädt notorisch beleidigte Leberwürste geradezu ein, eine Störung der öffentlichen Ruhe herbeizuführen. Was immer Fundamentalisten jedoch glauben machen möchten, Worte, Bilder, Kunstwerke und Zeichnungen vermögen es nicht, Religionsausübungen zu stören. Religiöse Menschen müssen harsche Kritik, Spott und Polemik ebenso ertragen können wie Politikerinnen, Schauspieler, Köche, Lehrerinnen und alle anderen Menschen. Warum genießen gläubige Menschen einen besonderen Schutz, kritische Menschen jedoch nicht? Albert Voß hat recht:

„Gotteslästerung ist für mich ein Menschenrecht, das muss sein, damit man alles diskutieren kann. Also Gotteslästerung so verstanden, dass man in der Gesellschaft offen über alles reden kann.“

Im Mai 2012 zeigte die deutsche Polizei jedoch, dass es dieses Menschenrecht auf Gotteslästerung in Deutschland nicht gibt und verbat das öffentliche Zeigen eines religionskritischen Kunstwerks. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger von der SPD erließ in dem Monat hat eine Auflage an die Polizei, wonach auf einer Demonstration das Zeigen der berühmten Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard untersagt wurde. Der Innenminister begründet sein Handeln mit folgenden Worten: „Die Beamten dürfen nicht gefährdet werden.“

Es war damals bereits der zweite Versuch des Innenministers, das Zeigen der Karikatur zu unterbinden. Beim ersten Mal hatte die Partei ProNRW die Präsentation der Karikatur vor den Verwaltungsgerichten durchsetzen können, als siein Bonn gegen Salafisten demonstrieren wollten. Als ProNRW-Anhänger jedoch die Karikatur des dänischen Zeichners zeigten, kam es zu einer „Explosion der Gewalt, die wir lange nicht mehr erlebt haben“, wie es die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa beschrieb. Ein 25-Jähriger griff mit einem Messer drei Beamten an. Dabei wurde ein 30-jährige Polizeikommissarin und ihr 35 Jahre alter Kollege schwer verletzt. Es flogen Flaschen und Steine auf die eingesetzten Beamten. Einige Salafisten schlugen mit von Zäunen abgebrochenen Latten auf die Polizisten ein. Insgesamt 29 Beamte erlitten bei der Auseinandersetzung Verletzungen. Das Handelsblatt titelt: „Mohammed-Karikatur sorgt für „Explosion der Gewalt.“

Mich schockierte die Überschrift des Handelsblatts damals sehr. Salafisten marodierten durch die Straßen Bonns, aber das Handelsblatt erklärte, eine Zeichnung von Kurt Westergaard sei dafür verantwortlich gewesen, weil Mitglieder einer recht unsympathischen Truppe diese Karikatur bei einer angemeldeten Demonstration hochgehalten hatten. Für die Eskalation waren jedoch einzig und allein die Salafisten verantwortlich. Sie hatten mit Steinen geworfen, mit Zaunlatten geschlagen und mit Messern zugestochen.

Kurt Westergaards Karikatur verbieten zu wollen ist genauso falsch wie den Bau einer Moschee verbieten zu wollen!

In Deutschland ist die Meinung weniger frei, als gemeinhin gedacht. Am 15. Juni 2012 nahm Jakob Augstein in der phoenix-Sendung Jetzt aber wirklich – Endspiel um den Euroaus der Reihe „Augstein und Blome“ eine Deutschlandfahne und putzte sich damit die Nase. Zu seiner Aktion sagte er, wenn er dies in Amerika täte, würde er dafür nach Guantanamo geschickt werden.

Jakob Augstein hatte Unrecht! In den USA ist das Verbrennen, Schänden, Vernichten und Verächtlichmachen der eigenen Flagge selbstverständlich erlaubt und vom 1. Verfassungszusatz geschützt! Sogar das Oberste Gericht der USA hat die Verunglimpfung der Symbole der Staates als schützenswert im Sinne der freien Meinung erklärt. In Deutschland ist das jedoch nach §90a StGB verboten.

Ich habe mich nun über sechs Jahre mit den Gesetzen, die die Meinungsfreiheit in Deutschland einschränken beschäftigen und muss feststellen. All diese Gesetze schützen nicht! Sie schützen mich nicht davor, als Schwein bezeichnet zu werden und sie schützen Juden nicht davor, dass ihre Vernichtung als „Widerstand“ verharmlost wird. Stattdessen verbieten diese Einschränkungen das Zeigen der Fahne Israels, das Kritisieren von Religionen und die Schmähung von Diktatoren!

Wenn ein Gesetz dazu führt, dass ein Gedicht nicht mehr analysiert oder die Fahne des Staates Israels nichts mehr gezeigt werden darf, dann ist das Gesetz falsch, dann wird die Freiheit der Meinung, Kunst und Wissenschaft mit Füßen getreten. Solche „Auflagen“ dürfen nicht hingenommen werden, schließlich sind es auch solche „Auflagen“ der Türkei gegen die die von der türkischen Polizei zusammengetretenen und geschundenen Demonstranten in Istanbul und Ankara verstoßen haben.

All die deutschen Paragrafen, die die Meinungsfreiheit einschränken, müssen verschwinden! Ich lebe lieber in einem Land, in dem Gott, der Präsident und eine Fahne geschmäht werden können, es aber wenige tun, als in einem Land, wo es verboten ist, Gott, den Präsidenten oder die Fahne zu schmähen, aber sich unzählige Unterdrückte danach sehnen, es zu können! Der Staat hat nicht zu entscheiden, was ich über Gott, einen Präsidenten, eine Fahne, ein Land, einen Prophet, einen Bürger oder einer Bürgerin sage. Ich habe in den letzten Jahren erkennen müssen, dass sämtliche Gesetze, die dem Staat die Macht geben, darüber zu entscheiden, was angemessene Meinung ist, letztendlich missbraucht werden. Das hat dazu geführt, dass ein Beamter, eine offenkundig judenfeindliche Karikaturen zugelassen hat, während eine andere Beamtin, das Zeigen der Israelfahne unter Strafe gestellt hat. Kein Staat darf Menschen verbieten, ihre Gedanken auszusprechen! Und ja, es gibt widerliche Gedanken, das weiß ich aus eigener Erfahrung!

Dennoch, die Paragrafen 90, 103, 130 und 166 müssen verschwinden. Sie schützen weder mich, noch Juden, Satiriker, Israelfreunde oder Religionskritiker, dafür aber Fundamentalisten und Diktatoren. Wenn der Judenhass nicht mit §130 StGB verhindert werden kann, wenn §166 StGB dazu führt, dass aufgeklärte Religionskritik nicht mehr möglich ist, wenn Diktatoren Dank §103 StGB Satiriker in Deutschland bedrohen können und §90 StGB erklärt, in Deutschland gäbe es noch Majestäten, die zu schmähen schlimmer ist als Bürgerinnen und Bürger zu schmähen, dann müssen all diese Paragrafen schleunigst verschwinden!

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8 Antworten zu Meine Meinung muss noch lang nicht Deine Meinung sein! Meine Meinung: Ja! Deine Meinung: Nein!

  1. Sophist X schreibt:

    Kurt Westergaards Karikatur verbieten zu wollen ist genauso falsch wie den Bau einer Moschee verbieten zu wollen!

    Darf man den Bau eines Gotteshauses verbieten wollen, wenn Anhänger des betreffenden Kultes zum Mord an Karikaturisten aufrufen und auch wirklich Menschen ermorden? Mal ganz theoretisch gefragt.

  2. Eliyyahw schreibt:

    Wieder ein sehr gelungener Beitrag, Herr Buurmann. Deutschland wird leider immer gefährlicher, besonders für Juden, denn die Judenhasser genießen eine unglaubliche Narrenfreiheit. In Duisburg wurde ich Opfer eines antisemitischen Übergriffs (siehe meinen Artikel: https://derwanderprophet.wordpress.com/2016/05/28/du-judensohn-judenhass-inmitten-unserer-gesellschaft/), wobei auch die zivile Gesellschaft versagte (Zivilcourage gab es nicht). Die Polizei kann und will, ähnlich der Justiz, nichts tun. Lichtblick war der Prozess in Essen nach den antisemitischen Demos im Sommer 2014, denn dort wurde durchgedrückt, dass mit »Tod den Zionisten« auch immer Juden gemeint werden.

    Machen Sie weiter mit der Arbeit, denn sie leisten uns einen großen Dienst!

    Shalom

  3. Kanalratte schreibt:

    Buurmann, Sie schäbiger Lump! Wie können Sie es nur wagen die deutsche Justiz zu hinterfragen? Immerhin hat sie Leute wie Roland Freisler hervorgebracht…;)

  4. Paul schreibt:

    Danke, lieber Gerd,
    für die zusammenfassende Darstellung Deines Kampfes, insbesondere Deines Kampfes gegen Judenhass und für Israel.
    Habe Deinen Artikel zur weiteren Verwendung in meine Waffenkammer gelegt.
    Dir wünsche ich weiterhin Gesundheit, viel Kraft und Ausdauer sowie immer einen klaren Kopf, damit Du diesen Kampf weiter führen kannst.

    Herzlich, Paul

  5. sandra schreibt:

    Der Vollständigkeit halber möchte ich nur erwähnen, dass der Titel eine Verballhornung eines Liedes von Georg Kreisler ist, statt „Meinung“ wird im Original „Freiheit“ gesagt. 🙂

  6. Peter Pöpl schreibt:

    Deutschland und sein Antisemitismus. Das ist doch „liebgewonnene“ Tradition. Nur zwischenzeitlich dürfen viele antisemitische (oder richtiger antijüdische) Hassparolen in Deutschland wieder offen ausgesprochen werden. Die Ordnungsmacht sieht oft (besonders in NRW?) weg. Ich habe vieles von dem oben beschriebenen selbst erlebt. Vielleicht wird diese Entwicklung auch gefördert durch die Zuwanderung von Menschen mit vielen Vorurteilen gegen Juden und Israel.
    Schön ist es jedoch zu sehen, dass es auch heute anständige und mutige Bürger gibt, die gegen Unrecht kämpfen (diese Minderheit gab es ja auch zwischen 1933 und 1945 in Deutschland)

  7. caruso schreibt:

    Deutschland wird mir immer sympathischer. (Ironie off).
    lg
    caruso

  8. Hessenhenker schreibt:

    Ich mißbillige, daß der immer gegen Israel stimmende Abgeordnete Bartol von der SPD (Kumpel vom Nichtvisa-Steinmeier) sagt, daß ausgerechnet ein Visum für MEINEN Schatz „sinnlos“ sei.

    Aber niemals würde ich mit meinem Leben „sein Recht“ verteidigen, so einen Scheiß zu sagen!

Seid gut zueinander!

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