Der Iran und die Bombe

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)

Laut Verfassungsschutz soll der Iran weiter versucht haben, Material zu erwerben, das für den Bau von Atomsprengköpfen und Trägerraketen verwandt werden kann. Der Iran habe zwar im Atomvertrag „erheblichen Beschränkungen und Kontrollen seines Nuklearprogramms“ zugestimmt, schreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz in dem am 28. Juni 2016 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière präsentierten Jahresbericht 2015, es seien aber dennoch „illegale proliferationsrelevante Beschaffungsaktivitäten“ festgestellt worden. „Proliferation“ ist der Fachbegriff für die Beschaffung und Weitergabe von Technik für Massenvernichtungswaffen.

Im Jahresbericht des NRW-Verfassungsschutz‘ den Landesinnenminister Ralf Jäger vorgestellt hat, heißt es, knapp zwei Drittel der vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz „identifizierten Einkaufsversuche“ seien iranischen Programmen zuzuordnen. Insgesamt seien 141 solcher Einkaufsversuche festgestellt worden, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr sei. Da soll es nur 83 solcher Versuche gegeben haben.

Diese neuen Erkentnisse werfen ein ganz neues Licht auf das Atom-Abkommen mit dem Iran, das im Grunde auf diese einfache Formel gebracht werden kann:

„Mit viel Glück gibt es Frieden und mit etwas Pech sterben nur Juden!“

Es sind Israelis, die den Preis für ein Missgelingen des Abkommens zu zahlen haben. Darum lieben die USA, die Vereinten Nationen und Deutschland dieses Abkommen so sehr. Sie haben nichts zu verlieren! Israel muss schlimmstenfalls die Zeche zahlen und Israel saß nicht mit am Verhandlungstisch.

Es ist schon extrem komisch, wenn eine deutsche Regierung, die den deutschen Atomausstieg beschlossen hat, sich für eben jene friedliche Nutzung der Atomenergie im Iran stark macht! Nicht so komisch ist, dass Israel in dieser Farce das neue Tschechien ist!

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bekam Tschechien im Namen eines vermeintlichen Friedens das alleinige Risiko aufgebürdet, ohne dabei am Verhandlungstisch zu sitzen. In der Nacht zum 30. September 1938 wurde von den Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reichs das Münchner Abkommen unterzeichnet. Die Unterzeichner nannten das Abkommen Münchener Frieden. Aus tschechischer Sicht wurde es als Münchner Diktat bezeichnet. Mit der Unterzeichnung sollte ein für allemal die Sudetenkrise gelöst werden. Die Sudetenkrise zeigt unübersehbare Parallelen zum heutigen Nahen Osten:

Bis 1918 gehörten die Böhmischen Länder zur Donaumonarchie. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei als unabhängiger Staat am 28. Oktober 1918 proklamiert. Allen dort lebenden Nationalitäten wurde die Gleichberechtigung versprochen. Im November 1918 besetzten tschechoslowakische Truppen die ihnen zugewiesenen Gebiete. Darunter waren auch die von Deutschen besiedelten Sudetengebiete. Im Vertrag von Saint-Germain wurde die Tschechoslowakei als souveräner Staat bestätigt und sodann die Sudetengebiete, inklusive der von Deutschösterreich beanspruchten Gebiete, endgültig der Tschechoslowakei zuerkannt.

Innerhalb der Sudetengebiete kam es daraufhin zu wachsenden Autonomiebestrebungen der dreieinhalb Millionen Sudetendeutschen. 1933 gründete sich die zunehmend nationalsozialistisch orientierten Sudetendeutschen Partei (SdP) unter Konrad Henlein. Bei den Wahlen im Mai 1935 stieg die Sudetendeutsche Partei zur stärksten Partei des Landes auf. Während der ganzen Zeit berichtete die deutschen Presse ausnahmslos über tschechische Greueltaten. Am 15. September 1938 trafen sich der englische Premierminister Chamberlain und Adolf Hitler. Hitler verlangte bei diesem Treffen die Anschließung des Sudetenlandes an das Reich und berief sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Am 17. September 1938 ordnete Adolf Hitler die Bildung eines Sudetendeutschen Freikorps an.

Vom 22. bis 24. September 1938 verhandelte Chamberlain erneut mit Hitler im Hotel Dreesen in Godesberg. Hier überbrachte er ihm die Zustimmung Englands, Frankreichs und der Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes. Eine internationale Garantie solle die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei gewährleisten. Hitler lehnte diese Lösung nach kurzem Bedenken ab und verlangte schließlich in einem Memorandum ultimativ eine Lösung bis zum 1. Oktober. Daraufhin rief die Tschechoslowakei die Generalmobilmachung aus. Am 25. September lehnte das britische Kabinett die neuen Forderungen Hitlers ab und sagte der französischen Regierung Unterstützung für den Fall einer kriegerischen Verwicklung mit Deutschland zu. Am 26. September ordnete Frankreich eine Teilmobilmachung an.

Chamberlain entsandte einen Berater nach Berlin, um einen Kriegsausbruch zu verhindern. Hitler erklärte, seine Divisionen nur dann zurückzuhalten, wenn das Godesberger Memorandum von der Prager Regierung bis zum 28. September, 14 Uhr, akzeptiert worden sei. In seiner Rede im Berliner Sportpalast am 26. September bezeichnete er die Forderung nach der Abtretung des Sudetenlandes an das Reich erstmals ausdrücklich als seine letzte territoriale Revisionsforderung. An diesem Abend wurde von Joseph Goebbels auch der berühmte Slogan „Führer befiehl, wir folgen!“ kreiert. Schließlich appellierten Chamberlain und der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt an den italienischen Diktator Benito Mussolini, Hitler zu überzeugen, die Mobilmachung zu verschieben und einer Konferenz zuzustimmen. Mussolini konnte am 28. September Hitler von der Notwendigkeit einer Konferenz überzeugen. Am darauffolgenden Tag wurde er von Hitler in Kufstein empfangen.

Am 29. September 1938 dann wurde das Sudetenland unter Absegnung der großen europäischen Staaten vom tschechoslowakischen Staat abgeschnitten. Die deutschen Autonomiebehörden wurden daraufhin vom Deutschen Reich einverleibt.

Die Situation der Tschechoslowakei im Jahr 1938 ähnelt der Situation des heutigen Israels verblüffend. Es müssen nur folgende Worte ausgetauscht werden:

Donaumonarchie = Osmanisches Reich
Tschechoslowakei = Israel
Deutsches Reich = Arabische Länder
Sudetendeutsche = Palästinenser
SdP = PLO, Fatah, Hamas

Es ist spannend zu sehen, zu welchen Zugeständnissen die Tschechoslowakei bereit war, um Frieden zu erhalten. Spannend auch die einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien und das ständige Wiederholen des Begriffs „besetzte Gebiete“, wenn es um das Sudetenland ging. Die Tschechoslowakei war zudem damals eine junge und verletzliche Nation, so wie Israel heute. Auch die Begründung Hitlers lässt aufhorchen: „Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Nicht zuletzt wurde auch immer wieder über das Existenzrecht der Tschechoslowakei gestritten. Hitler meinte zwar schließlich, sie doch irgendwie anerkennen zu wollen, aber am Ende war es eine Lüge. Europa hatte erst mal Frieden. Die Zeche zahlten die Tschechen!

Als in der Tschechoslowakai Kritik über das Verhalten der anderen europäischen Staaten aufkam, war die Tschechoslowakai schnell als größte Gefahr für den Weltfrieden ausgemacht. Günter Grass war damals noch zu jung, um ein Gedicht gegen die Tschechoslowakei zu verfassen, er war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal Mitglied der Waffen-SS, dafür aber gab es einen Mann mit dem Namen Lord Trenchard. Er sagte damals, die Tschechoslowakei brauche die Sudetengebiete nicht für die Sicherheit und sprach: „Die beste Sicherheit ist Frieden!“ Jene Menschen in der Tschechoslowakei, die diesem Frieden nicht trauen wollten, wurden kurzerhand zu Störenfrieden erklärt.

„Die beste Sicherheit ist Frieden!“ Dieser Satz fällt auch im Nahen Osten immer und immer wieder. Israel ist jedoch ein Land, von dem ungewöhich viel Risikobereitschaft und noch mehr Entbehrung verlangt wird, so wie damals von der Tschechoslowakei. Tschechien kennt somit die Appeasement-Rhetorik und die damit verbundene Gefahr nur zu gut. So wie die Tschechoslowakai damals genug Grund hatte, dem Deutschen Reich zu misstrauen, so hat Israel heute gute Gründe, mit Sorge auf den Iran zu schauen.

Damals wurde Appeasement-Politik betrieben, denn es ging ja „nur“ um die Tschechoslowakei. Heute geht es „nur“ um Israel. Als Chamberlain mit dem „Münchener Diktat“ nach Hause kam, waren die Britten ganz begeister.

„Wir werden nie mehr Krieg führen“, hatte Hitler versprochen. Chamberlain glaubte ihm und opferte Tschechien dafür.

„Wir werden niemals nach der Atombombe streben“, versichert Rohani. Obama glaubt ihm und opfert dafür die Sicherheit Israels. Barack Obama ist richtig stolz auf seinen Deal:

Ich muss dabei an Bill Clinton denken, der im Jahr 1994 einen Deal mit Nord-Korea schloss. Er erklärte damals: „Wir werden niemals nach der Atombombe streben“

Heute ist Nord-Korea im Besitz der Atombombe! Seit ein paar Tagen wissen wir, der Iran strebt immer noch nach der Bombe! Die Welt bleibt erschreckend stumm dabei. Es sind ja auch „nur Juden“ in Gefahr.

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8 Antworten zu Der Iran und die Bombe

  1. Robert schreibt:

    Wieviele Atomsprengköpfe hat Isarel? Gedenktage für tote Juden, Abwehr von judenfeindlchen Aktionen in Europa gerne, aber Israel ist für mich ein normales Land, mehr nicht! Arme, Behinderte, Kranke in Europa stehen mir näher als die Probleme israels! Keine Sanktionierung des Irans, wir Europäer haben eigene Interessen. Als Neorealist kann ich dem Iran die Atombombe ( Balance Of Power ) nicht absprechen, Gott möge verhindern, dass es zu einem Krieg kommt!Will man europ. Juden vor Ort schützen, sollte man darüber nachdenken, ob man weiterhin Masseneinwanderung propagieren will!ist ein Herr Friedman nicht einer der größten Anhänger der Masseneinwanderung?

    • Robert schreibt:

      nachtrag: Natürlich hätten auch die BRD und Italien in den 60-Jahren Atomwaffen anschaffen müssen, warum von einer raumfremden Supermacht „verteidigen“ lassen?Nein, möchte keine Vernichtung Isrels, auch keine des Iran oder Angolas!

  2. Onkel Dapte schreibt:

    Natürlich will der Iran die Bombe. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sie hat. Was dann geschehen könnte, hat schon vor einiger Zeit ein Ayatollah, ich weiß seinen Namen nicht mehr, vorgedacht. Ich gebe es sinngemäß wieder:
    Israel können wir mit zwei Atombomben auslöschen. Wenn Israel dann zurückschlägt und den Iran vernichtet, spielt das keine Rolle, denn der Islam wird überleben. Israel aber ist für immer verschwunden.

    Eine größere Menschenverachtung ist kaum noch vorstellbar.

  3. guinness44 schreibt:

    Bei aller Übereinstimmung mit vielen Deiner Positionen zu Israel aber bei der Siedlungspolitik und beim Atomabkommen mit dem Iran stimme ich nicht überein.
    Das Beispiel Nordkorea zeigt, dass man die Bombe maximal verzögern kann aber nicht aufhalten. Der erwähnte Hinweis auf den Verfassungsschutzbericht zeigt, dass Iran es noch während der Sanktionen versucht hat. Des weiteren gibt es bereits islamische Länder wie Pakistan, die die Bombe haben. Saudi-Arabien wahrscheinlich auch. Von daher erscheint es mir besser diese Länder in die Gemeinschaft wieder einzubinden. Das Beispiel Tschechoslowakei ist im Sinne Deiner Argumentation zwar gut gewählt aber im Endeffekt nicht vergleichbar. Wie wäre es mit Polen? Obama hat in dem langen Interview im „The Atlantic“ es recht gut zusammen gefasst. Wenn eine Bombe vom Iran auf Israel fällt, dann steht sein Name drauf. In Israel Leben so vielen Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten, so dass alle Länder betroffen sind. Die Reaktion wäre ein Weltkrieg ungeahnten Ausmaßes. Umso einen Krieg auszulösen braucht es mindestens eines Irren. Besser man spricht mit den potentiellen Kandidaten und führt durch Handel und Integration vor Augen was sie alles verlieren würden, denn von den U-Booten kann Israel immer zurück schlagen. Ein wesentlicher Unterschied zur Tschechoslowakei oder Polen.

    • Paul schreibt:

      @guiness44 Du träumst,
      wegen Israel fängt niemand einen Weltkrieg an.
      Schon garnicht Staaten, deren Staatsbürger in Israel leben. Wenn es brenzlich wird, werden sie aufgefordert das Land umgehend zu verlassen. Wer es nicht tut – selber schuld.

      Wegen der Krim und wegen der Ukraine hat es auch keinen Weltkrieg gegeben.

      Herzlich, Paul

  4. winnie schreibt:

    Wer alle Juden ins Meer treiben will, giert nach Möglichkeiten.

  5. caruso schreibt:

    Ein wahrlich großartiger Beitrag!! Danke, lieber Gerd! —
    Für Europa wäre es besser, würde es öfters auf Israel hören und nicht nur in seinen Vorurteilen, Verleumdungen und Lügen verharren. Israel sagte schon in 2014 wie gefährlich, wie lückenhaft
    der Vertrag ist. Nur hören wollte man es nicht. Das Geschäft war wichtiger. Nun haben wir alle den Salat. D.h. der Salat beginnt. –
    Ich bin ziemlich sicher, aus Israel wird kein Opfer, auch wenn es manche freuen würde. Von dieser Rolle haben wir Juden mehr als genug.
    lg
    caruso

  6. DPNews schreibt:

    Toller Beitrag!

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