„War Luther Antisemit?“

Am 27. August 2015 fand ein äußerst kurioser Vortrag in der Kölner Melanchthon-Akademie in Zusammenarbeit mit der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit statt. Prof. Dietz Bering referierte zu dem Thema: „War Luther Antisemit?“

Mich erinnerte die Veranstaltung ein wenig an ein Titelbild der Titanic. Eigentlich hätte der ganze Vortrag nur zwei Buchstaben lang sein müssen, „Ja“, aber die Einladung zum Vortrag versprach mehr:

„Sind die großen Verdienste Luthers unbestritten, so sind seine Beziehungen zu den Juden zweifelhaft. War er nun Antisemit oder nur – wie damals geradezu alle – ein schlichter Judenfeind? Diese Frage wird von Dietz Bering aufgearbeitet, indem er als erster eine tief gestaffelte Definition des Antisemitismus vorlegt und Luther an ihr systematisch misst.“

Entwarnung! Luther war kein Antisemit. Er war nur ein „schlichter Judenfeind“. Um genau zu sein, seine Beziehung zu Juden war lediglich „zweifelhaft“. Glück gehabt. Das Lutherjahr kann kommen!

Tapfer im Nirgendwo zitiert ein paar Monate vor dem Lutherjahr ein paar Passagen aus „Von den Juden und ihren Lügen“ von Dr. Martin Luther, erstmals gedruckt zu Wittenberg im Jahr 1543:

„Wisse du, lieber Christ, und zweifle nicht daran, dass du nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“

„Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, dass es nicht aus Liebe, noch dir zugute geschieht, sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus Not etwas tun, aber das Herz bleibt und ist, wie ich gesagt habe.“

„Sie sind eitel Diebe und Räuber, die täglich nicht einen Bissen essen noch einen Faden am Leibe tragen, den sie uns nicht gestohlen und geraubt hätten durch ihren verdammten Wucher, leben also täglich von eitel Diebstahl und Raub mit Weib und Kind, als Erzdiebe und Landräuber, in aller unbussfertigen Selbstsicherheit. Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der billig am Galgen siebenmal höher als andere Diebe hängen sollte.“

„Sie sind uns eine schwere Last, wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück in unserm Lande.“

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich (…) Zum zweiten: dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre, denn sie treiben ebendasselbe darin, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf dass sie wissen, sie seien nicht Herren in unserm Lande, wie sie rühmen, sondern in der Verbannung und gefangen, wie die ohne Unterlass vor Gott über uns Zeter schreien und klagen. Zum dritten: dass man ihnen alle Betbüchlein und Talmudisten nehme, worin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird. Zum vierten: dass man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren, denn solches Amt haben sie mit allem Recht verloren (…) Zum fünften: dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler noch desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben (…) Zum sechsten: dass man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege. Und dies ist die Ursache: alles, was sie haben, haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst kein andres Gewerbe haben. Solches Geld sollte man dazu brauchen (und nicht anders), wenn ein Jude sich ernstlich bekehrte, dass man ihm davon vor die Hand hundert, zweihundert, dreihundert Gulden je nach der Person gebe, womit er ein Gewerbe für sein arm Weib und Kindlein anfangen möge und die Alten und Gebrechlichen damit unterhalte, denn solch böse gewonnenes Gut ist verflucht, wenn man’s nicht mit Gottes Segen zu gutem nötigem Gebrauche wendet. Zum siebenten: dass man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase. Denn es taugt nicht, dass sie uns verfluchte Gojim im Schweiß unseres Angesichts wollten arbeiten lassen, und sie, die heiligen Leute, wolltens hinter dem Ofen mit faulen Tagen und Feisten verzehren und darauf lästerlich rühmen, dass sie der Christen Herrn wären von unserm Schweiß, sondern man müsste ihnen das faule Schelmenbein aus dem Rücken vertreiben.“

„Man möge sie, wie gesagt, zum Lande austreiben und ihnen sagen, dass sie in ihre Lande und Güter gen Jerusalem hinziehen und daselbst Lügen, Fluchen, Lästern, Speien, Morden, Stehlen, Rauben, Wuchern, Spotten und alle solche lästerliche Greuel treiben, wie sie bei uns tun, und uns unsre Herrschaft, Land, Leib und Gut lassen.“

Wenn das mal nicht zweifelhaft und schlicht ist. Ich wünsche allen Christinnen und Christen ein frohes Lutherjahr!

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44 Antworten zu „War Luther Antisemit?“

  1. Ralf Weber schreibt:

    Jesus (hebräisch Jeschua) war ein Jude sowie auch Abraham, Isaak, Jakob, Moses und die biblischen Propheten. Dazu seine Jünger, Apostel und auch die erste Gemeinde. Die komplette Bibel wurde von Juden geschrieben (abgesehen vom Lukas). Jesus selbst ist in Person der in der Schrift vorhergesagte jüdische Messias aus dem Stamme Davids. Wer dem vertraut und zu ihm gehört, der ist vor unserem liebevollen Gott gerechtfertigt.

    Die Juden sind das in alle Ewigkeit von unserem Gott erwählte Volk seines Eigentums. Dazu Johannesevangelium 4:22: „Jesus: Denn das Heil kommt von den Juden.“ Sehr zu lesen empfehle ich hierzu auch den Römerbrief Kapitel 9-11.

    Jesus starb wegen der Schuld aller Menschen durch eine römische Hinrichtung. Ja, die bestimmende jüdische Führung wollte auch wie die anderen Nationen sein mit einem im weltlichen Sinn starken Herrscher. Aber diesen Weg hat die römisch geleitete christliche Kirche auch gewählt, als sie sich mit dem römischen Reich „vermählte“, für das in der Offenbarung des Johannes der Begriff „Babylon“ verwendet wird. Mit allen schrecklichen Konsequenzen. Wir haben deswegen kein Recht zu Vorhaltungen gegenüber unseren älteren Brüdern und Schwestern, den Juden.

  2. Lusru schreibt:

    @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 28, 2016 um 12:26 pm
    Ja:
    „Das Motto hier lautet: Seid gut zueinander! Das ist auch mein Motto, :::“
    Hm, das waren Und sind) wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem Sie von der Ihren abweichende Meinung als „Relativierung“ bashen wollten, sprich: als nichtdiskutierbar ausgenzen wollten.
    Über längere Zeit habe ich das ignoriert und Ihnen versucht, im Geiste von „seid nett zueinander“ zu vermitteln, was es mit meiner Sicht auf sich hat – was Ihnen aber wohl nicht reichte oder nicht passte.
    Und als ich dann auch noch konstatierte, was die seriöse Wissenschaft seid über 85 Jahren als biologischen Fakt ermittelte, dass „es keine menschlichen Rassen gibt“, da war bei Ihnen der Ofen ganz aus, das ist wohl die Meinung, ich „behalten“ soll, die Sie nicht haben wollen.
    Nun gut, ich erfülle Ihnen diesen Wunsch: Ich behalte diesen wissenschaftlichen Standard als meine Meinung und darf darauf nebenher verweisen, dass der amerikanische Begriff „race“ nichts mit der biologischen Rasse sondern nur mit einer Gruppe, einer sozialen Gruppierung zu tun hat und mitnichten die Theorie stützt, dass es in der menschliche Art biologische Rassen gäbe.
    In diesem Sinne dürfen Sie nun gern auch erneut prüfen, ob die Judenschmähausbrüche des Herrn Luther tatsächlich von ihm in einem Verständnis der biologischen Rassentheorien oder sogar im Verständnis heutiger moderner „Sozialrassen“-Theorien erfolgten, obwohl ihm das so vor hunderten Jahren kaum bekannt gewesen sein dürfte – womit wir wieder bei der unverwendbaren katachronistischen Zuordnung heutiger Erkenntnisse zu lange zurückliegenden historischen Ereignissen, eine in der Tat „grenzwertige Diskussion“, wären. Und ja,
    „Wir sind damit eh längst (in und bei) tapfer im Nirgendwo“, immer noch, falls Sie das Zimmer nicht inzwischen doch verlassen haben, um Ihre ernsthaft zu hinterfragende postum-Zuordnung „Luther Antisemit“ nicht zu gefährden, der ja so oder so das selbe bleibt: ein ekliger Judenhasser.
    Ist halt so eine Sache, wenn ich dem verstorbenen Grossvater postum unterstelle, seinerzeit die Grossmutter geheiratet zu haben, nur weil ich deshalb (!!) heute als Enkel moderne Eheschiessungen befürworte ….
    Katachronismus eben

  3. Lusru schreibt:

    @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 25, 2016 um 12:59 pm
    Verehrter Herr Bernd Kammermeier, woher nehmen Sie die Sicherheit, dass unter dem Begriff SEMIT zu allen Zeiten das Gleiche verstanden wurde und so Ihr Vergleich mit dem Genozid und dem Völkermord hier greifen könnte: Allzeit das Gleiche?
    Entstanden ist dieser Begriff „Semit“ als Kategorie der europäischen Sprachwissenschaft für alle Menschen, die als Angehörige der semitischen Sprachfamilie eine der vielen semitischen Sprachen sprechen, real sprechen, unabhängig von lokaler oder ethnischer Herkunft, von biologischen (Bluts-)Verwandtschaften und Völkervermischungen und -Wanderungen aller Art.

    Dieser Sinn wurde erst (!) im Zuge nationalistischer Rassenvorstellungen in eine angeblich biologische Kategorie der „Rassenlehre“ willkürlich auf JUden begrenzt – nun völlig unabhängig davon, ob sie eine semitische Sprache sprachen oder nicht, sehr wohl aber gezielt beschränkt auf Juden, die als Rasse bezeichnet wurden, die mit schmähenden Begründungen und nun nur noch nebensächlich christlich motiviert als minderwertig bezeichnet wurde,.
    Und alle, die diese „Rasse“ ablehnten, nannten sich von nun ab (1860 !!!) Antisemiten – eine Eigenbezeichnung, beginnend in der Öffentlichkeit mit einem Polittouristen Herrn Marr.
    Damit bezeichnete der Begriff SEMIT (auch in Antisemit) nach Marr etwas völlig anders als davor – womit Sie Ihren Vergleich mit Genozid und Völkermord wieder zurück in Ihre Mappe stecken können als Fehlbesetzung und gern auf den Katachronismus bei „Antisemitismus“ abstellen können.

  4. mattie schreibt:

    Wagnerjahr, Lutherjahr, Deutschland feiert gerne seine Helden und beschönigt gerne deren ausuferneden Atisemitismus, der das Denken der Nazis aber auch ihren Rückhalt prägte. Immer schön relativieren und schönreden… „So schlimm antisemitisch war er gar nicht…“, „Das war zu der Zeit ganz normal…“ bis man am Ende beim „Steckt ja vielleicht auch etwas Wahrheit dahinter“ angelangt ist und die ererbte moralische Verkommenheit des Antisemitismus offenlegt.
    Wagner und Luther sollten spätestens nach dem Nationalsozialismus und mindestens in Deutschland Personen sein, die man weder feiert noch verehrt, sondern lediglich in ihrem jeweiligen historischem Kontext erwähnt. Menschen die das größte Verbrechen des letzten Jahrhundert inspiriert haben können keine Vorbilder mehr sein.

    • Lusru schreibt:

      @mattie schreibt: Juli 26, 2016 um 12:38 pm
      Bitte @mattie, woher haben Sie diese bildungsfernen Ansichten?
      Und meinen Sie mit „Deutschland“ denn da nun die Schwaben, Thüringer, Noordseefischer, Bayern usw., alle?
      Oder die Sozis, die Christdemokraten, die (noch vorhandenen) Liberalen, die Linken, die Konservativen, die Rechten oder was es noch alles gibt, alle?
      Oder die Katholiken, Muslime, Protestanten, Lutheraner, usw. usw., einschliesslich der Juden, alle?
      Ja, meinen Sie diese auch alle mit „Deutschland feiert gerne seine Helden und beschönigt gerne deren ausuferneden Atisemitismus“?

      Und wo bitte lässt sich nachlesen, dass eine Geisteshaltung (gleich ob fies und mies oder protzig trotzig) vererbbar sei? Sind Sie ein Anhänger des sich als Evolutionsbiologen ausgebenden R. Dawkins („das egoistische Gen“) und seiner „vererbbaren Meme“ (Geistesprodukte)?
      Wenn ja, dann sollten Sie acht geben darauf, dass bestimmte als „antideutsche Gene“ bekannte Meme nicht in ihre Familie gelangen, denn: einmal vererbbar – immer vererbbar – falls überhaupt vererbbar, gelle?
      Ach ja, Deutschland ist keine Person, sondern ein Territorium und kann leider gar nichts feiern.

      Und die zu recht von Ihnen als „moralische Verkommenheit des Antisemitismus“ angeprangerte Eigenschaft ist leider lange bevor sie in Deutschland sich als üble Rassendiskriminierung im 19. Jahrhundert etablierte sehr wohl auch bekannt aus dem Mutterland der Demokratie und des Rassismus: Den Staaten, den vereinigten – nicht gewusst?
      Es soll nach USA auch in Schweden, Belgien, Norwegen und vielen anderen Staaten dieser Welt miserable antisemitische Vorgänge und „Berühmtheiten“ gegeben haben, denke nur an den Obervorzeigekapitalisten Henry Ford, der „Sein Bestes“ gab, um dem noch „kleinen“Adolf antisemitisch so richtig auf die Beine zu helfen ….
      Wenn das da nun aber von Ihnen alles als „vererbbar“ angesehen wird, wer mag da wem wohl was „vererbt“ haben?
      Nein, @mattie, so billig und bildungsfern geht das nicht, vor allem nicht weg, der Judenhass …
      Und was nun, wenn Wagnermusik von Juden gemocht wird, auch alles Antisemiten?

      Im übrigen darf ich Sie höflichst daran erinnern, dass Sie gerade mit Ihrem Kommentar und sicher auch sonst täglich das wesentlichste Werkzeug und Produkt eines Herrn Luther benutzen, z.B. um sich verständlich zu machen – die von Luther begründete einheitliche deutsche Sprache – und mitzuteilen, dass die, die das machen alle Antisemiten sind?
      Sind Sie nun damit selber ein Luther achtender Antisemit?
      Eventuell überlegen Sie sich mal, was Sie hier so meinten, es fällt mir schwer, das ernst zu nehmen, weil es vom eigentlichen Problem, dem Judenhass, so weit weg führt und nichts leistet, um ihn zu beenden.

      • mattie schreibt:

        Auf Ihre zahlreichen Relativierungen, verbale Verschwurbelungen und ad-hominem-Attacken möchte ich gar nicht erst eingehen. Die lasse ich gerne so stehen und für sich selbst sprechen. Nur ein kleiner Hinweis: vererben kann man vieles auf viele Weisen. Sogar Geld, Immobilien, genau wie Phobien und Weltbilder. Unglaublich, nicht wahr?

        • Lusru schreibt:

          @mattie schreibt: Juli 26, 2016 um 10:22 pm
          „Vererben kann man (?) vieles“ …??
          Man?
          „Man“ kann nur Güter, Gegenstände, Papiere, Vermögen oder ZUgriffsberechtigungen usw. vererben, das jedoch in keiner Weise biologisch!

          Und „sich vererben“ kann „man“ leider nicht, das können nur biologische Faktoren.

          Wenn Sie nun der Meinung sind, dass „Güter, Gegenstände, Papiere, Vermögen oder ZUgriffsberechtigungen usw. “ (die, die von „man“ vererbbaren) auch biologisch vererbbar seien, ist das der Boden für eine neue Rassentheorie, allerdings eine ungeheuerliche, in der nach Ihrer fragwürdigen VererbungsRelativierung auch Anerzogenes und Erlerntes, sprich KULTUR, z.B. jüdische, vererbbar wäre.
          Genau diese Position war die Basis der nationalsozialistischen Rassentheorien, wozu sie als Semit nur noch Juden bezeichneten, um deren „Erlerntes“ und „anerzogenes Kulturgut“ als vererbbar und minderwertig klassifizieren zu können, um so besonders für „einfache Gemüter“ (Volk) den „deshalb erforderlichen“ Ausschluss der Juden aus dem Kreis der „wertigen Menschenrassen“ und damit deren Vernichtung begründen zu können – DAS, verehrteR @mattie, relativieren SIE hier mit Ihren eigenartigen Ausführungsbruchstücken.
          Machen Sie sich kundig, erneuern Sie Ihre fragwürdigen Vorurteile und unbrauchbaren Kenntnisse dazu und denken Sie vor allem darüber nach, WARUM gerade SIE mit dieser Ansicht die Strategie der Nationalsozialisten und deren Staatsdoktrin Antisemitismus RELATIVIEREN.
          Judenhass ist eine ander Kategorie, als so ein bischen mal „antisemitisch“ (das nur bei Anerkennung der nationalistischen Rassentheorien verständlich ist).
          Judenhass ist gefährlich und menschenfeindlich, und wer dagegen wirken möchte, benötigt das passende Werkzeug, das passende, @mattie, und keine Stammtischparolen, die alles nur lächerlich erscheinen lassen.
          Werk- und Denkzeug, dass das (biologische) Vererben kultureller (menschgemachter) Eigenschaften und Erscheinungen als Grundlage hat, sind Rassentheorien, untaugliche, gleich welcher Richtung und leisten dem Judenhass Vorschub, denn bekanntlich sind weder Juden noch andere Menschen irgendwelchen imaginären Rassenphantasieen zuzuordnen, da es keine Menschenrassen gibt.

          • mattie schreibt:

            Ich habe keine Ahnung, wem sie hier antworten: mir oder einem Fantasiegebilde aus allen Personen mit denen sie im Internet diskutiert haben. Sicher ist, sie bauen gerne absurde gendankenkonstrukte aus Wortklauberei und unterstellten Ansichten auf die ich mir wieder mal nicht die Mühe machen werde zu antworten. Ich habe nie von biologischer Vererbung gesprochen und der Rest ihres – mit Verlaub – Geschwafels ist auch unterschoben. Das nennt man Projektion und das Ziel ist wahrscheinlich ein mangelndes Selbstbewußtsein dadurch zu kompensieren, dass andere zu Idioten verklärt werden, indem man eben allen Möglichen Unsinn in sie hineindeutet.
            Wenn sie vernünftig diskutieren bekommen sie auch venünftige Antworten: ich glaube jedoch nicht, dass Ihnen das Freude bereiten würde. Lernen sie erstmal ihre Mitdiskutierende zu achten und nicht zu degradieren und zu einem Zerrbild deformieren, dann sehen wir weiter. Letzteres ist übrigens genau, was ein Antisemit mit Juden macht. Sehen sie: auch ich kann projizieren. Bäm!

          • Lusru schreibt:

            @mattie schreibt: Juli 28, 2016 um 8:32 am
            „Ich habe nie von biologischer Vererbung gesprochen …“
            Das ist so in der Tat wahr, nur es hilft Ihnen nicht aus der Patsche, denn das verbleibende Fazit Ihrer Ausführungen lässt nur diese Variante zu – oder vergilbt im Unsinn, was ich Ihnen nicht unterstellen möchte.
            LÖsen Sie sich einfach von der naiven Variante: Wwer anders denkt als ich (MEINS nicht teilt) muss ein Pfarrer sein, und dann lesen Sie meine Ausführungen von vorn, und Sie werden erstaunt sein, wie man die noch begreifen kan, wenn man will.
            Und „Projektion? Wer das anderen vorwirft, gibt zu, ihn nicht verstehen zu wollen, ist also eine Art Offenlegung.
            Und
            „Letzteres ist übrigens genau, was ein Antisemit mit Juden macht. Sehen sie: auch ich kann projizieren.“ – Mit diesem Satz disqualifizieren Sie sich aber:
            Da ist etwas weiss, weil es weiss ist ….
            Puh.

            Auch wenn mir so wäre – ich würde mir nie erlauben, Ihre Texte als Geschwafel zu bezeichnen, das überlassen wir dann doch mal lieber Ihnen, wenn Sie meinen, dass das Ihr Stil so ist.
            So ist das halt, wenn man keinen Widersopruch gewohnt ist und damit nicht umgehen kann, weil da Autoritäres und totalitäres nicht zieht, überflüssiges Gebaren ist.

            Und was ist dabei nun „B ä m “ – steht da ein Schäflein neben Ihnen?

          • mattie schreibt:

            Ach je, ach ja, meintetwegen. Ich bin es Leid, Ihren eitlen Selbstgesprächen zu anworten. In Ihrer Welt, in der Sie alles vermischen und nicht einmal mehr wissen, welchem Kommentator Sie antworten (wann habe ich ihnen untergeschoben, sie seinen Pfarer?) haben Sie eh immer Recht. Das Gossenniveau auf das Sie die Diskussion zerren ist nicht meins. Sicher finden sie dafür genügend Gesprächspartner im weiten Netz.

    • Lusru schreibt:

      @mattie
      Nun, Sie wollen evtl. nicht wissen, wem ich antworte, bzw. worauf:
      Es ist dieser Ihrer Kommentar:
      @mattie schreibt: Juli 26, 2016 um 12:38 pm
      Und da ich annehme, dass Sie die Diskussion verfolgt haben, in der ein Herr Kellermeier meint, ich könne nur Pfarrer sein, werden Sie meine Antwort dazu in Verbindung mit Ihrem doch reichlich von Selbstüberschätzung bewegten Kommentar noch einordnen können. So schwer dürfte das nicht sein.

  5. S. B.-H. schreibt:

    @Bernd Kammermeier
    „Ich kann wirklich guten Gewissen sagen, dass Luther ein faktischer Antisemit war (im völkisch-rassistischen Sinne)“

    So, so, Luther war also faktisch Antisemit im völkisch-rassistischen Sinne…

    Das glaube ich nicht! Er war Antijudaist, Ein Judenhasser, durch und durch. Die völkisch-rassistische Komponenten, Hr. Kammermeier ist im Selbstkonzept des Judentums inherent verankert. Dabei gibt es im Judentum zig Ethnien, die will ich alle gar nicht aufzählen. Nach der Theorie des Judentums haben sie alle ihre Wurzeln in den 12 Stämmen (Tribes) der Israeliten. Was natürlich völliger Quatsch ist, da auch das Judentum in seiner 5000-jährigen Geschichte Konversion (Proselytentum) kannte. Das wird immer gerne ausgeblendet. Aber das (talmudische) Judentum hat diese biologistische Blutsverwandschaft gerne verbreitet (Stichwort Gojim, ähnlich der Dhimmi im Islam).

    Dieser Kommentar geht wahrscheinlich eh nicht durch, weil ich Buurmann nerve: Aber ich habe hier schon oft das Zitat von Albert Einstein gebracht, was sein Verhältnis zu seiner Religion/ Herkunft betrifft. „Es ist und bleibt ein Phänomen zwischen Religion und völkisch/ ethnischer Überzeugung.“, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Mehr möchte ich hierzu nicht anmerken.

    S. B.-H.

    • S. B.-H. schreibt:

      Und nachdem Gerd diesen Kommentar doch glatt durchgehen lassen hat setze ich zur Diskussion noch einen drauf:

      Was unterscheidet einen Juden von einem Nichtjuden? Richtig: Seine Religion
      Was unterscheidet einen Muslim von einem Nichtmuslim? Richtig: Seine Religion
      Und was unterscheidet einen Christen von einem Nichtchristen? Richtig: Seine Religion

      Ende der Durchsage

      S. B.-H.

  6. Lusru schreibt:

    Sagen wir doch mal so:
    Der Herr Luther mochte da wohl (irgend)etwas reformieren wollen, was er selber nit so in seinem vollem Umfang und seiner inhaltlich einst gedachten Tragweite begriffen hatte, auch wenn er dies und jenes im verkatholten KirchenSTAAT als mächtige Sauerei erkannte, und, um dieses aufzudecken, die deutsche Sprache mal zu dieser machte, auf das nun viele und alle ihn besser verstehen mögen.
    Insgesamt ist auch er nur das altbekannte Bild vom öffentlich Wasser (Christenliebe als Nächstenliebe) predigenden und zugleich bitteren Wein (Judenhäuser verbrennen usw.) verteilenden Pfaffen, also von jemandem, der die here Christliche Lehre irgendwie weder verstanden noch verinnerlicht hatte und allein schon deshalb sich die Frage, ob er ein Antisemit gewesen sein könnte auch aus diesem Grunde von selbst vertreibt.
    Es reicht bereits infrage zu stellen, ob er als christlicher Reformator mit seinem solch einen Judenschmäh überhaupt noch als ein Christ durchgeht, z. B. für einen, der auszog, das Christentum als Krone der Menschlichkeit zu begreifen.
    Das ist das eigentliche zu diskutierende Thema, mit dem dann die Scheindiskussion um den verkorksten gegenwärtigen Begriff „Antisemit“ allein sich zur unbedeutenden Nebensache vertrollt.
    Und komme mir niemand und sage, der Lutherische Judenhass sei „Zeitgeist geschuldete tradierte christliche Nachlässigkeit“, denn dann müsste man fragen, was es wohl bis dahin und seither mit solch einem „tradierten Zeitgeist“ im Wesen auf sich hat, da Zeitgeist bekanntlich zu allen Zeiten Menschgemachtes ist – von welche Art Mensch da wohl der „tradierte Judenhass“ benötigt wurde, um sich selber zu etablieren?

  7. American Viewer schreibt:

    In der Woche drauf kommt dann wirklich Hitler dran. Oder der „sogenannte“ IS.

    • Lusru schreibt:

      @American Viewer schreibt Juli 22, 2016 um 11:20 pm

      „In der Woche drauf kommt dann wirklich Hitler dran. Oder der „sogenannte“ IS.“
      ???
      Selten solch eine dusslige Bemerkung vernommen, denn:
      Der „IS“ ist auch in „America“ kein „sogenannter“ – noch nicht bemerkt? Dann wäre es Zeit dafür …
      Und
      „kommt dann wirklich Hitler dran“ – ne, mei Gutscher, der ist tot, noch nicht gehört?
      Allerdings sollten Sie dessen (!!) Staatsdoktrin „Antisemitismus“ meinen, liegen Sie ebenfalls falsch, dieser ist bereits von Anbeginn in diesem Threed „dran“, denn:
      EINE dieser Quellen und Ursachen für diese „Doktrin Antisemitismus“ und deren Einfluss „auf’s Volk“ (für hunderte Jahre) war der lutherische Judenhass (von dem hier übrigens grad mal die Rede ist…), von ihm persönlich für Generationen nur christlich-religiös leben wollender protestantischer Christen in seinen Reformationsschriften säulenartig verschriftlicht, damit auch Jahrhunderte später noch diese Saat damit verbreitet werden kann.
      So ist es auch völlig verständlich, dass zur NS-Zeit die meisten deutschen protestantischen Christen gegen die Hitlersche „Staatsdoktrin Antisemitismus“ gar keine Resentiments entwickelten, gegen Judenvernichtung, gegen Judenverbrennung, kannten sie das doch zu dieser Zeit bereits aus ihren lebenslang benutzten lutherischen „Schriften“ recht gut …

      Also, American Viewer, das, was du befürchtest, dass als die „Sau der nächsten Woche“ „dann Hitler dran kommenm würde“, ist längst Gegenstand dieses Textes – etwas mehr Aufmerksamkeit und weniger Denkfaulheit stände Ihnen als „Viewer“ doch besser zu Gesicht, oder was meinen Sie wohl, WARUM diese Frage „war Luther ein Antisemit“ uns heute immer noch und wieder beschäftigt?
      Etwa weil auch er einer von den schärfsten Vorbereitern und Verbreitern des Judenhasses und der symbolischen Judenverbrennung war, auch wenn er zu seiner Zeit keinesfalls schon als „Antisemit“ geschichtskundig eingeordnet werden kann?
      Antisemiten sind bewusst den Judenhass schürende und lebende Leute, die DAMIT die Vorrangstellung einer angeblichen „arischen Rasse“ im Geiste der nationalistischen Rassentheorien befördern hoffen.
      Das war Luther mitnichten, konnte er nicht, da er diese nationalistischen Rassentheorien nicht kennen konnte, ihn „Rassen“, erst recht nicht eine „arische“, überhaupt nicht interessierte, da er fixiert war auf ein „reines Christentum, in dem Juden den Christusmord betrieben haben müssen“ – Das war sein Beweggrund, verbrämt mit Stigmen aller Art, sich mit Vehemenz gegen Juden zu wenden.
      Um es deutlich zu sagen:
      Nähme man dem Luther in seinem Denken den Hass auf Christusmordende Juden, die (aufgrund jahrhunderte langer Zwangsisolation) gezwungen waren, in einer eng begrenzten Diaspora zu überleben und dazu andere (auch eigene religiöse) Erscheinungen des täglichen Lebens mitbrachten, nähme man dies dem Luther weg, bliebe von seinem Christentum nur noch die berechtigte Kritik am Ablasshandel des Pabstes.
      Und, das auf die Gewgenwart bezogen, also ohne Ablasshandel – was bliebe dann noch wesentlich anderes, als die katholische Kirche sich in Jahrhunderten der Repression kluger Vordenker als Herätiker etc. und durch sog. Kanonisierungen (Diktat) dessen, was zu glauben ist, selber noch immer betreibt?
      Auch für die Gegenwart gilt:
      Lutherismus ohne Judenhass ist nur schwer verständlich, und das erklärt allerhand, wenn und wie darüber heute noch immer disputiert wird, völlig egal, was „nächste Woche dran“ ist, verehrter American Viewer …

  8. Heimchen am Herd schreibt:

    Mal etwas zur Auflockerung: 😉

    Vielleicht hätte ich da was für Ihre Gerüchteküche: „Was rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?“ – Luther-Zitat oder nicht? Volkmar Gross, Bremen

    Eine Menge Sprüche sind angeblich vom Reformator überliefert. Doch die meisten wurden ihm erst nachträglich zugeschrieben. So ist es mit den Worten „Hier stehe ich und kann nicht anders!“, die er angeblich auf dem Reichstag zu Worms ausgerufen haben soll, als er sich weigerte, seine Thesen zu widerrufen. So ist es mit dem Ausspruch „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen“, der erst seit dem vergangenen Jahrhundert kursiert. Und so ist es mit dem deftigen Tischspruch. Damit wollten offenbar „manche Kreise ihren Lebensstil mit Luther-Zitaten belegen“, sagt Helmar Junghans, emeritierter Luther-Experte von der Universität Leipzig.

    Wer nach einem deftigen Luther-Spruch sucht, der tatsächlich belegbar ist, der findet vielleicht an diesem Gefallen: „Wenn ich hier einen Furz lasse, dann riecht man das in Rom.“

    http://www.zeit.de/2001/06/200106_stimmts_luther.xml

    Herrlich… 🙂

  9. Kanalratte schreibt:

    Der Titel ist doch sicherlich vom großartigen Titelblatt der Titanic: „War Hitler Antisemit“ abgekupfert und so versteht er sich dann auch. War Luther Antisemit? Ja, sogar ein ganz großer.

    Für „uns“ Katholiken hat dieser Mann aber keine große Bedeutung.

  10. Lusru schreibt:

    „Seid gut zueinander!“
    fordert Tapferimnirgendwo hier die Kommentatoren seiner Texte auf.

    Luther war nicht „gut zueinander“!
    Er selektierte diese „einander“ in Menschen und Juden – und das war zu seiner Zeit nicht gut, und zur heutigen erst recht nicht, denn was er von Juden hielt und wie die „Menschen“ laut seiner anweisenden Empfehlung mit den „Juden“ zu verfahren hätten, reicht noch heute aus, um in über 100 Staaten der Welt umgehend wegen Verletzung elementarer Menschenrechte vor ein Schnellgericht gestellt und entsprechend verurteilt zu werden, inclusive der BRD, ohne Rücksicht darauf, dass er uns letztlich die gemeinsame deutsche Sprache geschenkt und die Kenntnisnahme der Bibeltexte in dieser Sprache ermöglicht hat.

    Nein, Luther war kein Antisemit.
    Und zwar aus dem gleichen Grunde, aus dem Napoleon kein Antikommunist sein konnte: Zu Napoleons Zeit war der Kommunismus nicht bekannt, weil noch nicht „geboren“ – und Luther? Zu dessen Zeit war der „Antisemitismus“ noch nicht „geboren, also konnte Luther zu keiner Zeit Antisemit sein.
    Was jedoch Luther war, ist durch seine eigenen Bekundungen reichlich bekannt, auch wenn alle Protestanten, besser „Lutherianer“ heute verschämt das alles in ihren Predigten verschweigen und durch Veranstaltungen wie die im obigen Text erwähnten nur versuchen, zu RELATIVIEREN, ist klar:
    Luther war nicht nur JUDENFEIND, sondern ein exaltierter Judenhasser.

    Wieso unter diesen beiden Gesichtspunkten nun ein „Antisemit Luther“ (den es nicht gab, geben konnte), die „schärfere Verurteilung“ sein sollte, als ein „Blosser“ Judenhasser ist wohl purer Gurkenlsalat im Geiste.

    Es gibt nichts Schlimmeres, als Judenhasser, weil das letztlich Menschenhasser sind.

    Auch nicht mit dem wissenschaftlich wie politisch verquasten Vorwurf des „Antisemiten“, der in eine völlig andere Zeitepoche und damit in völlig andere Kontexte gehört, bezogen auf die Zeit, die den Antisemitismus erst seit Marr – Erfinder des Begriffes Antisemitismus im 2.Drittel des 19. (!!!) Jahrhunderts als religiös verbrämte Weltanschauung und spätere Staatsdoktrin der Nazis – kennt, und Luther agiert bekanntlich nicht nach Marr, sondern hunderte Jahre vor diesem.
    Allerdings dürfte sich bei dem Fundament des Judenhasses, auf dem Luther nachweislich „die Welt veränderte“, wohl die Frage nach seinem Einfluss auf die Behandlung der Juden als „zu Beseitigende“ in den Jahrhunderten nach ihm von selber beantworten.
    Und diese Frage ist es, die allein zu diskutieren und zu verdammen (!!) ist, BEVOR eine andere Leistung dieses seltsamen „Reformers“ Luther erörtert wird.
    Solange die protestantischen Christen, besser die Lutheraner, sich nicht verbindlich öffentlich und permanent von solch einem Unhold der Unmenschlichkeit als Reformer distanziert haben,
    nutz es auch nichts, ihn, der Menschen als Juden aus ihren Häusern jagen und verbrannt sehen wollte, NUR als „Antisemiten“, als versehentlichen dem Zeitgeist geschuldetem Juden „ablehnenden“ Tintenfasswerfer verschrauben zu wollen.

    Nein, Luther war nie Antisemit, sondern auf das Schändlichste den Judenhass verbreitender Menschenfeind, denn:
    Juden waren auch zu seiner Zeit MENSCHEN.
    Eine Theologie, die noch immer mehr oder weniger unbesehen auf diesem Gerüst zu verbrennender Juden fusst, hat sich selber in Frage zu stellen, und nicht zu diskutieren, ob „Luther ein Antisemit“ war, ebenso könnten wir auch diskutieren, ob der allein von Kaiser Konstantin (!!) zum Stellvertreter Gottes auf Erden ernannte Pabst der kathoischen Kirche seine nur dadurch begründete religiöse Legitimität nun aus der Hand Gottes oder aus der schnöden Hand eines irdischen Imperators erhalten hat und so zu fragen ist, ob er denn deshalb bereits zur damaligen Zeit (und seither) als Antikommunist zu verstehen ist oder nicht…
    Nein, Luther war nicht nur mainstreamig „Antisemit“, sondern
    ein gewaltiger Juden- und damit Menschenhasser,
    der dies wörtlich wie inhaltlich zu einer Säule seiner „Reform“ verschriftlichte für die Nachwelt,
    und das, ohne durch Judenhasser vor ihm dazu genötigt zu werden, obwohl seine Zeit eigentlich doch die einer Renaissance war, oder wie???

    Seltsame Renaissance, seltsame Reform, seltsame ERÖRTERUNGEN mit „Weiche zum Antisemiten“ …. – aber keine laute amtliche Distanzierung von dieser in dieser Reform noch immer steckenden Ideologie – oder kennt jemand eine andere Verfahrensweise, als verschleierndes Herumdrucksen?

    • Kanalratte schreibt:

      Man möge nicht vergessen, dass sich die Protestanten in der Nazizeit fast gänzlich den nationalsozialistischen Machthabern anpassten, im Gegensatz zu den Katholiken.

      • Praecox schreibt:

        „Die Protestanten“ passten sich nicht an und „die Kazholiken“ passten sich nicht nicht an. Es gab solche und solche.
        Was die kath. Kirche betrifft, so hatte sie schon in den Jahrhundertern vor dem 3. Reich Zeit genug, sich antisemitisch zu betätigen.

  11. Sophist X schreibt:

    „Man möge sie, wie gesagt, zum Lande austreiben und ihnen sagen, dass sie in ihre Lande und Güter gen Jerusalem hinziehen und daselbst Lügen, Fluchen, Lästern, Speien, Morden, Stehlen, Rauben, Wuchern, Spotten und alle solche lästerliche Greuel treiben, wie sie bei uns tun, und uns unsre Herrschaft, Land, Leib und Gut lassen.“

    Luther hat indirekt das Existenzrecht Israels anerkannt. Hört ihr das, israelkritische Pfaffen?

  12. Holger schreibt:

    ich stimme dir da zu solche texte sind „gruselig“.

    aber auf einen punkt möchte ich hinweisen, christ sein bedeutet zu wissen das kein Christ perfekt ist und deshalb vergebung braucht und genau dafür steht das kreuz ja auch. jesus ist deshalb gestorben.

    Luther ist auch ein gutes beispiel für folgendes:
    1.Thessalonicher 5,21-22

    21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.
    22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.

    und zwar alles und jeden in frage zu stellen zu prüfen, jeder christ ist dazu aufgefordert blinder glauben is nich denken ist angesagt.
    und luther hat es möglichgemacht das alle das selber lesen können und danach handeln.

    frag doch mal historiker aber was ist wenn der text den du zitierst schlicht ein beispiel für damalige zeit ist. was schon schlimm genug ist….

    nur was hat das heute zu bedeuten das jeder solche texte hervorkramt aber die zentralen sachen ignoriert. aber das ist eine andere diskusion….

    • Longus schreibt:

      Welches Christentum meinst du denn? Irgendwie muss ich da eine Splittergruppe übersehen haben… Die heilige römisch katholische Kirche ist der Inbegriff des Perfektionismus, immerhin angeführt von Gottes Stellvertreter auf Erden. Da macht man nichts falsch und wenn doch war es Gottes Wille. Wofür die Protestanten gerade stehen, wissen die nicht mal selber. Erst sind schwule Menschen böse, dann aber in 18 von 20 Landeskirchen in Ordnung, vorausgesetzt der Ortspfarrer mag Schwule. Und Leute, die sich als Lutheraner bezeichnen, nehme ich genauso ernst wie Leute, die sich als Marxisten betiteln.
      Entsprechend: STEHT ZU EUREM GLAUBEN, oder lasst es. Nachträgliches Relativieren ist Blasphemie. Alles was passiert ist, ist der Wille Gottes. Luther war nur ein Judenhasser, weil sein Gott es so wollte.

    • Praecox schreibt:

      @Holger

      Für diese kleine Nichtperfektheit des Herrn Luther und der ihm folgenden Tradition ebenso christlich-nichtperfekter Judenhasser wurden ein paar Milliönchen der Hassobjekte ermordet. Und für die ist Jesus nicht am Kreuz gestorben, weil die ihn ja nicht anerkennen, nicht wahr, Holger?

    • Praecox schreibt:

      Ausserdem, @Holger, war Luther wahrlich nicht der einzige, der die Bibel „übersetzt“ hat.

      Sie aber, Holger, könnten den von ihnen zitierten Thessalonicher beherzigen und das Böse in der Gestalt Luthers meiden.

  13. Bernd Kammermeier schreibt:

    Die EKD hat nicht nur mit Martin Luther ein unlösbares Problem, sondern Luther hatte mit dem Christentum ein Problem: Er verstand nicht, worum es dabei ging. Christen sahen sich von Beginn an als legitime Nachfolger der Juden, da bereits im AT das Kommens des Messias Jesus Christus angekündigt worden sei. Folglich könnten sich nur Gläubige dieser Häresie als wahre Gottgläubige sehen, während die „verstockten“ Juden die Bibel nicht mehr verstünden.

    Dies wurde so von Paulus in das NT eingebaut und Augustinus lief zur Hochform im Judenhass auf. Die oft propagierte Nächstenliebe ist eindeutig nachrangig im Christentum und gereicht nur jenen zum Vorteil, die sowieso Mitglieder im Club sind. Deshalb hat Luther – ganz in Augustinischer Tradition und bar jeder Nächstenliebe – Juden zunächst auf Biegen und Brechen missionieren wollen und dann – als dies nicht fruchten wollte – mit politischen Maßnahmen gedroht. Er selbst hat direkt und indirekt Mandate und Pogrome gegen Juden angeregt. Seine Wirkmächtigkeit hat bis zu den Nazis gewirkt, wo sein „7-Punkte-Programm“ mit deutscher Gründlichkeit penibel ausgeführt wurde.

    Ich bin einer der Mitherausgeber einer Buchreihe mit sämtlichen judenfeindlichen Schriften Luthers. Anfang dieses Jahres erschien bereits „Von den Juden und ihren Lügen“, die restlichen Bände folgen Ende dieses und Anfang nächsten Jahres. Drei Kollegen und ich haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren diese abscheulichen Texte in leicht verständliches Hochdeutsch übersetzt, damit man die Gedanken dieses Antisemiten wirklich begreifen kann – zusammen mit dem Originaltext und 200 Begriffserläuterungen. Diese aufklärerische Arbeit war teilweise schwer zu ertragen, weil ich selten so viel Menschenverachtendes und gleichzeitig logisch Dummes konzentriert in Büchern gefunden habe.

    Zweck unseres Engagements, das sich finanziell nie lohnen kann, ist es, die Feierlichkeiten zugunsten dieses Unflats auf Kosten des Steuerzahlers (223.940.000,00 Euro, Stand: 26.04.2016/Quelle: Dr. Carsten Frerk) ein wenig ins wahrhaft rechte, schmierig rassistische Licht Luthers zu rücken. Wir regen uns zurecht über Neonazis auf, die Farbbeutel gegen Synagogen schmeißen, doch einen Menschen, der zum Verbrennen dieser Gebäude aufrief, feiern wir kritiklos. Das ist eine weitere Schande für die Menschen im Land des Holocaust. Wollen wir wirklich nichts lernen?

    • winnie schreibt:

      Äh, sie wissen schon, dass ein heutiger, vermeintlich gutmeinender Kontext nicht auf vergangene Zeiten gelegt werden kann?

      • Bernd Kammermeier schreibt:

        Sie sprechen von Katachronismus? Den Begriff, mit dem man Hitler in spätestens 400 Jahren auch reinwaschen könnte? Ich habe eine einfache Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einer brennenden Synagoge vor 400 Jahren und einer brennenden Synagoge heute? Richtig: Es gibt keinen! Selbst die Absicht, bzw. der Ratschlag an Johann Friederich I., dies zu tun, wäre zu allen Zeiten der gleiche gewesen.

        Und noch etwas: Angeblich ist das Christentum seit Jesus stolz auf seine „Nächstenliebe“. Jedenfalls legte man entsprechende Worte in den Mund des unfreiwilligen Religionsstifters. Und gibt es nicht sogar die Feindesliebe? Jetzt sagen Sie mir nicht, dass dies erst nach 1546 erfunden wurde. Also hatte Luther entweder keine Ahnung vom Christentum (war also theologischer Analphabet) oder das Christentum ist weder nächsten- noch feindeslieb, sondern primär antisemitisch.

        Noch ein Letztes: Selbst wenn man davon ausginge, es wäre zu Luthers Zeit unmöglich gewesen, nächsten- oder feindeslieb zu sein (obwohl es viele Zeitgenossen gab, die Luther wegen seiner Hasstiraden deutlich verurteilten), dann liefert dies noch lange keinen Grund, diesen Mann mit einem eigenen Jahrzehnt (!!!) und einen pompösen „Luther-Jahr“ zu feiern. Selbst wenn in 400 Jahren Hitlers Taten katachronistisch relativiert würden (er wuchs in antisemitischer Zeit auf, war durch den 1. WK traumatisiert, der Versailler-Vertrag war für viele unerträglich hart, etc.), dann hoffe ich doch schwer, dass man sich eine Hitler-Dekade verkneift. Das mag als Vergleich hart erscheinen, aber es zeigt Ihnen (hoffentlich), dass wir Menschen der Vergangenheit zwar durch Zeitumstände (teilweise) entschuldigen können, aber das dies niemals die große Schuld dieser Personen tilgen kann und darf.

        Luther hasste Juden, Muslime, Frauen, vermeintliche Hexen, freiheitskämpfende Bauern, Papstanhänger, behinderte Kinder, den Teufel und vermutlich sich selbst. Er hat zur Kirchenspaltung beigetragen, hat eine gefährliche fundamentalistische Lesart der Bibel propagiert und lieferte so die intellektuelle Begleitmusik für den völkischen Antisemitismus, der 6 Mio. Juden das Leben kostete (ideologisch durch evangelische Landeskirchen unterstützt, siehe Entjudungsinstitut auf der Wartburg). Sicher wollte er dies so wenig wie den 30-jährigen Krieg, aber er hat als geistiger Brandstifter an dieser Entwicklung mitgewirkt.

        Die EKD wäre gut beraten, diese Unperson im gleichen Giftschrank zu lassen, wie seine Hassbücher, die wir nun wegen der Lutherdekade der Öffentlichkeit erstmals in heutigem Deutsch zugänglich machen. Wenn Luther schon strahlen soll, dann wollen wir wenigstens beweisen, dass die Quelle dieser Strahlkraft radioaktiv ist…

        • Kanalratte schreibt:

          Zumal auch der Beitrag Luthers zur deutschen Sprache sehr marginal war.

        • Praecox schreibt:

          Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei diesem sinnvollen Projekt.
          Woe finanziert?

          • Bernd Kammermeier schreibt:

            Finanzierung? Ach, so 1/100 % von den Luther-Millionen wäre hilfreich gewesen. Aber so ist es wie immer in der säkularen Szene: Ehrenamt! Tausende Arbeitsstunden für die Ehre, etwas zur Aufklärung beigetragen zu haben. Vielleicht sollte jeder Luther-Skeptiker dem evangelischen Pfarrer seines Vertrauens ein Exemplar schenken. Nach dem Motto: „Damit Sie uns nicht hinterher kommen und behaupten, Sie hätten von nichts gewusst…“

            Aber wir gehen jetzt mit „Von den Juden und ihren Lügen“ in die 3. Auflage. Wir halten Vorträge vor teilweise entsetztem Publikum, die nicht fassen können, was Luther schrieb. Alles privat organisiert, mit ungeheurem Zeit- und Arbeitsaufwand. Nun, so kann man uns einen Vorwurf nicht machen: Wir täten es, um Geld zu machen. Das machen die anderen, die einen der wirkmächtigsten Antisemiten Deutschland feucht-fröhlich feiern. Da kommt einem wieder mal Max Liebermann mit seinem bekannten Ausspruch in den Sinn.

          • Lusru schreibt:

            @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 22, 2016 um 6:35 pm
            Ach Herr Bernd Kammermeier, da wehren Sie sich so gegen den Katachronismus, weil angeblich damit „noch in 400 Jahren der Hitler reingewaschen werden könnte“, zeigen damit, dass Sie Katachronismus nicht verstanden haben als Reziprok des Anachronismus und wenden dann den Katachronismus sogar selber völlig offensichtlich ebenso ahnungslos an in :

            „Das machen die anderen, die einen der wirkmächtigsten Antisemiten Deutschland feucht-fröhlich feiern. “
            Sie katachronisieren nicht nur Luther sondern auch „Antisemiten“ in die falschen historisch möglichen Wirkbereiche.
            Ja,
            „Da kommt einem wieder mal Max Liebermann mit seinem bekannten Ausspruch in den Sinn.“:

            „Ich bin immer noch der Meinung, daß Kunst von Können herkommt; käme es von Wollen, hieße sie Wulst.“
            oder
            „Natürlich ist Korrektheit eine schöne Sache, aber sie ist nicht das Wesen der Kunst.“
            Antisemitismus, Katachronismus sind aber keine, keine Künste

        • Lusru schreibt:

          @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 22, 2016 um 4:49 pm
          Katachronismus
          Gelegentlich empfiehlt es sich, nicht nur Fremdwörter zu benutzen, sondern auch deren klaren Inhalt mal zu benennen:
          „Manchmal bezichtigen wir unsere Vorfahren oft des Anachronismus (dass sie die heutige Zeit mit Wertvorstellungen der Vergangenheit bemessen). Katachronismus ist genau der umgekehrte Fall eines Irrtums der Perspektive, der dann vorliegt, wenn wir heutige Begriffe und Massstäbe anlegen, um die Vergangenheit zu beurteilen.“
          (http://govindaradhe.jimdo.com/religion/sanatan-dharma/)

          Ja, das gilt nicht nur für die Ausführungen in Ihrem Kommentar, sondern im zweifachen Sinne auch für „Antisemit“ und „Luther Antisemit“:
          Antisemiten sind ausschliesslich die Vertreter dieser Nationalsozialistischen Staatsdolktrin auf der Anerkennung und Grundlage allein der nationalsozialistischen Rassentheorien und nicht religiöser Vorstellungen und Entgleisungen, und zwar nur als „Staatsdoktrin“ – die es bekanntlich seit über 70 Jahren nicht mehr gibt, jedenfalls nicht in Deutschland.

          Und Luther nun nach diesem zu seiner Zeit nicht existenten Bewertungkriterien zu bewerten und zu bezeichnen wäre der zweite Katachronismus, was zusammen nichts anderes ergibt, ernst genommen, als einen Anachronismus, eine unhaltbare These aus zwei unhaltbaren Thesen.
          So bleibt es bei Luther wie allen weiteren Judenhassern bis heute beim Begriff Judenhasser mit Ausnahme der Vertreter der Staatsdoktrin Antisemitismus, die mit der Selbstbezeichnung des Marr als Vorläufer begann und mit dem Ende der Hitlerei auch ihr doktrinäres Ende als Krone der immer schon falschen rassenbiologischen Theorien fand.
          Sonst:
          Katachronismus, historisch stets ungültige Fehlbewertung.
          Auch wenn noch heute diverse Wissenschaftler gewissermassen katachronistisch mit diesem Begriff Antisemitismus „herumforschen“, alein schon deshalb, weil sie davon ihren Lebensunterhalt bestreiten, sogar ihre Daseinsberechtigung damit begründen, vom eigentlich erforderlichen Kern der Sache, dem Judenhass ablenkend.

          • Bernd Kammermeier schreibt:

            So so:

            „Antisemiten sind ausschliesslich die Vertreter dieser Nationalsozialistischen Staatsdolktrin auf der Anerkennung und Grundlage allein der nationalsozialistischen Rassentheorien und nicht religiöser Vorstellungen und Entgleisungen, und zwar nur als „Staatsdoktrin“ – die es bekanntlich seit über 70 Jahren nicht mehr gibt, jedenfalls nicht in Deutschland.“

            Der Begriff Antisemitismus stammt aus dem Jahr 1860. Mir ist kein Geschichtsbuch bekannt, welches behauptet, der Nationalsozialismus sei bereits 1860 erfunden worden. Antisemitismus entstand praktisch gemeinsam mit dem Begriff des Semitismus. Natürlich gab es diesen Begriff im 16. Jh. noch nicht, doch ist der Genozid an den Armeniern etwa kein Genozid, weil dieser Begriff erst 1948 völkerrechtlich eingeführt wurde? Haben also die türkischen Historiker Recht, die so argumentieren?

            Mir persönlich ist es völlig egal, ob man Luther einen Judenhasser, Judenfeind, Antijudaisten oder Antisemiten nennt. Die EKD legt nur gesteigerten Wert auf die Bezeichnung „Antijudaist“, weil diese scheinbar harmloser klingt, ein klassischer Euphemismus. Doch für die Opfer dieses „Einstellung“ ist die Bezeichnung ihrer Peiniger völlig egal, so wie es egal ist, ob jemand wegen eines Amoklaufs oder eines Terroraktes stirbt oder verletzt wird. „Antisemit“ (als der Luther bis 1945 von den evangelischen Landeskirchen gefeiert wurde) wurde nach 1945 zum verbrannten Wort. Und eine Lichtgestalt wie Luther darf man mit so was nicht in Verbindung bringen, vor allem wenn man dreistellige Millionenbeträge vom Steuerzahler will.

            Luther mag anfangs ein Antijudaist gewesen sein, wenn ich das mal freundlich mit „Gegner des Judentums“ übersetze. Doch nachdem er merkte, dass sich dieses „durchböste Volk“ nicht missionieren lassen wollte, wurde er zum rassistischen Judenhasser. Und diese bezeichnet man seit 1860 (zunächst positiv besetzt) als Antisemiten. Für Luther, was selbst Thomas Kaufmann einräumt, blieb ein Jude ein Jude, selbst nachdem er getauft wurde.

            Seien Sie sicher: Ich beschäftige mich seit einer sehr langen Zeit mit Luther und seinen Texten. Ich habe sie Satz für Satz analysiert und weiß inzwischen recht gut, wie der Mann dachte. Da ist jedenfalls nichts von christlicher Nächstenliebe oder gar Feindesliebe den Juden oder Muslimen gegenüber zu spüren. Es ist Hass deren Person gegenüber, persönlich beleidigende Erniedrigungen, Unterstellungen und die Tradierung klassischer Legenden (Ritualmorde, Brunnenvergifter etc.).

            Es führt hier zu weit, die ganzen biografischen Details aus Luther Leben und Wirken darzustellen, aber gehen Sie mal davon aus, dass wir uns sehr intensiv und ergebnisoffen mit dem Thema befasst haben. Der Begriff „Katachronismus“ wurde übrigens von einem Pfarrer in eine Diskussion eingebracht, der hoffte, damit Luther entlasten zu können. Doch selbst zu Luthers Zeiten wurde dieser angegriffen wegen seiner schlimmen Traktate, die eine so menschenverachtende Sprache haben, die sich „nicht mal einem Schweinehirt gebührt“. Doch diese Kritik hat Luther nicht sehr beeindruckt. Noch drei Tage von seinem Tod hat er die Predigt „Ermahnung gegen die Juden“ fertiggestellt, in der er sich unverändert judenfeindlich zeigt.

            Ich kann wirklich guten Gewissen sagen, dass Luther ein faktischer Antisemit war (im völkisch-rassistischen Sinne), mindestens die Vertreibung der Juden aus allen christlichen Ländern forderte und auch an etlichen Stellen deren Tod forderte: „Man zwinge sie zur Arbeit und verfahre mit ihnen mit aller Unnachsichtigkeit, so wie es Mose in der Wüste tat, als er 3.000 totschlug, damit nicht das ganze Volk verdorben werde.“ („Von den Juden und ihren Lügen“, 2016, S. 293).

          • Lusru schreibt:

            @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 25, 2016 um 12:59 pm
            „Der Begriff Antisemitismus stammt aus dem Jahr 1860. Mir ist kein Geschichtsbuch bekannt, welches behauptet, der Nationalsozialismus sei bereits 1860 erfunden worden. Antisemitismus entstand praktisch gemeinsam mit dem Begriff des Semitismus. “
            Das, verehrter Herr Kammermeier, ist grässlichst falsch, zumal das gemäss ihrem Zitat nicht gesagt wurde, da anfangs bei mir von nationalistisch und erst später von nationalsozialistisch die Rede war, und der feine UNTERSCHIED ist Ihnen doch sicher geläufig.
            Solange, wie es den Begriff Semit nicht gab, konnte es logischerweise nicht den des Antisemiten geben.
            Nicht der „Semitismus“ (zur Beachtung: ein -ismus!) spielt hier zunächst die Rolle, sondern der des SEMITEN als Angehöriger einer semitischen Sprachfamilie. Erst davon lässt sich SEMITISMUS als r e i n e SPRACHEIGENSCHAFTSMERKMALE ableiten:
            „Mit dem Ausdruck Semitismus bezeichnet man sprachwissenschaftlich eine Anleihe an Konstruktions- oder Ausdrucksweisen, wie sie in semitischen Sprachen üblich ist. Diese Verwendung ist analog z. B. zu Germanismus, Anglizismus usw. – von ungefähr 1860 bis ungefähr 1920 auch verwendet, um das „ausschließlich vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtete Judentum“ zu bezeichnen.[1]“ (Wikipedia)
            Halten wir fest:
            Semitismus ist eine rein sprachlich relevante Gruppierung von Merkmalen aller semitischer Sprachen, die ab ca. 1860 verwendet wurden, um AUCH (also nach und nach)
            das „ausschließlich vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtete Judentum“ zu bezeichnen, auch als einer der Anfänge der nationalistisch (!) geprägten allmählichen Konzentration auf Juden unter den Semiten, und zwar zunächst auf deren kulturelle (Sprach-)Merkmale, ausgehend von:
            „Der Begriff Semitismus wird auch im Sinne einer Gesamtheit (!) orientalischer(!) Kultur (!) gebraucht.“(Wikipedia) –
            Was wohl nicht die Bohne etwas mit dem Semit-verständnis im Begriff Antisemit zu zun hat.

            Hinzu kommt dies:
            „Darüber hinaus wurde der Ausdruck (Semitismus) verwendet für „alle negativ bewerteten Komponenten der Moderne, für den Kapitalismus, die Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft und ihren pluralistisch-antagonistischen Charakter, das traditionskritische Literatentum, aufklärerische Ideen oder die ‚Veräußerlichung‘ der Zivilisation.“[2]
            DIESE Verwendungsweise hat ihren Ursprung in der Einführung des Begriffs Semiten durch August Ludwig von Schlözer (1781), seiner Einführung in die Sprachwissenschaft durch J. G. Eichhorn (1787) und in die Völkerkunde, schließlich in der naturalistischen Rassentheorie von Gobineau sowie in einem nicht mehr an die Religion gebundenen Gebrauch des Begriffs „Jude“.[3] Diese Entwicklung bildete den Hintergrund für die antijüdische Konstruktion eines „Geistes des Judentums“ z. B. bei Hegel und Junghegelianern, die das Judentum als „Selbstentfremdung“ des Menschen beschreiben, schließlich bei Karl Marx und den Frühsozialisten, die ihm einen „kapitalistischen Geist“ zuschreiben.[4] (Wikipedia)

            So, so, Herr Kammermeier, da gibt es gleich ein „volles Haus“ an Hintergründen, wie sich nach und nach (!) der Inhalt von SEMIT und SEMITISMUS mit Hilfe des „Geistes“ der „grössten deutschen Geisteswissenschaftler“ von Aufklärung bis zur Gründerzeit und der erst „patriotischen“ und dann nur noch nationalistischen Politszenerie schliesslich in den von mir bereits bezeichnete Begriffswandel vom wissenschaftlichen Sprachwesen zur unwissenschaftlichen biologistischen Rassen- und Ethnomüll des Nationalsozialismus vollzog.
            Fazit:
            Mitnichten war Semit zu allen Zeiten das Gleiche, war Semitismus zu allen Zeiten das Gleiche und war Antisemitismus bereits mit dem Semitismus in dem Verständnis entstanden, den wir hier behandeln, denn
            „Die frühste bekannte Verwendung des Begriffes „Antisemitismus“ stammt von 1860, als der Bibliograph Moritz Steinschneider dem Historiker Heymann Steinthal attestierte, in einer Kritik an Ernest Renan die „Consequenzen, oder richtiger Inconsequencen seiner antisemitischen Vorurtheile“ aufgedeckt zu haben“ (Wikipedia) –
            welche das wohl zu dieser Zeit waren?

            Nun zu DEM ANTISEMITISMUS,
            weiter (Wikipedia) zum EIGENTLICHEN verwerflichen Inhalt von „Semitismus“ / „Antisemitismus:
            „Seit 1879 (!! und nicht zu Luthers Zeiten/Lu.) wurde der Begriff „Antisemitismus“ für eine rassistisch begründete Judenfeindlichkeit im Deutschen Kaiserreich populär, ausgelöst durch Polemiken des Historikers Heinrich von Treitschke, des Hofpredigers Adolf Stoecker und des Journalisten Wilhelm Marr. In dem 1879 erschienen Pamphlet Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum hatte Marr (!!) weiterwirkende Vorurteile gegen Juden durch ihre Einordnung in eine angebliche Rasse von Semiten begründet. Um die rechtliche Gleichstellung der Juden zu revidieren und sie aus der Gesellschaft auszugrenzen, unterstellte Marr dem Judentum einen kulturell durchGEsetzten „Semitismus“. Als offizielle Bezeichnung wurde der Begriff erstmals im Namen der Ende 1879 von Marr gegründeten „Antisemitenliga“ verwendet.[5]
            In dieser Verwendung bezieht sich der Ausdruck Antisemitismus auf die durch den Ausdruck Semitismus bezeichnete fiktive, antijüdische Konstruktion.[5]“
            Ja, erst „in DIESER Verwendung“ …

            Erkennen Sie den qualitativen Wechsel der Begriffsinhalte von SEMIT, SEMITISMUS und später in AntiSEMIT im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die letztliche gefährliche nationalistische Ausprägung ab Wilhelm Marr und deren niederträchtige Frucht im Antisemitismus als Staatsdoktrin des Nationalsozialismus, Herr Kammermeier?

            Nun sind Sie dran, belegen Sie, dass Luther DIESE antisemitischen Rassentheorien und Rassezuweisungen an Judenvon 1878 (Marr) kannte und zur Säule seiner Reformen machte, oder ob er nur einer von vielen Wegbereitern dieser Entwicklung aus unmenschlicher aber rein religiöser Zweckschmähung war.

          • Bernd Kammermeier schreibt:

            Sie können eindeutig gut googlen, aber zum Verstehen gehört mehr. Dazu gehört, geschichtliche Zusammenhänge zu verstehen.

            Aber ich vermute, Sie sind Pfarrer, der es gelernt hat, mit Worten Nebel, verbale Weihrauchschwaden, zu verbreiten.

            Da Sie zu 100% am Thema vorbeigegooglet haben, erspare ich mir eine Erwiderung.

            Ich habe Luthers Texte gelesen. Ich verstehe sein Frühneuhochdeutsch. Ich weiß wie er über die Juden dachte. Das empfehle ich ihnen auch, dann würden Sie vielleicht das eine oder andere geschichtlich ein wenig besser sortieren können.

          • Lusru schreibt:

            @Bernd Kammermeier schreibt: Juli 27, 2016 um 6:54 pm

            „Sie können eindeutig gut googeln ..“ –
            Was soll uns das sagen, Sie nicht?

            Doch, was ich finde (eigentlich schon weiss, aber nicht erneut in gute Worte fassen möchte) – das könn(t)en Sie doch auch, warum tun Sie es nicht, es ersparte uns doch diesen mühseeligen Dialog.
            Und „Man muss es auch verstehen ….“
            Ja haben Sie denn alles gelesen, was da von mir hier fallen gelassen wurde – oder eben nur nicht verstanden?
            Wer meine Texte liest, weiss eines mit Sicherheit: Diese Person Lusru ist alle mögliche, aber eines keinesfalls: Ein PFARRER !
            Sie müssen das Verstehen lernen, dann hätten Sie längst bemerkt: Lusru ist ein atheistisch lebendes Mensch, durch und durch atheistischer Knochen, der sehr wohl andere Menschen mit anderen Lebensmaximen aber mit der gleichen Ehrlichkeit und Konsequenz denkende und handelnde Menschen gelernt hat, zu achten und mit ihnen nach den immer gegebenen Gemeinsamkeiten zu suchen.
            Tut man das nicht in Ihrer Welt?
            Eventuell lesen Sie doch ausser den unerträglichen Judenschmähungen des M. Luther auch mal wieder was anderes? Oder wollen Sie darin verweilen,?
            Es ist doch längst (auch hier und von Gerd Buurmann) alles gesagt dazu, nur eben noch nicht überall gehört …?

          • Bernd Kammermeier schreibt:

            Das Motto hier lautet: Seid gut zueinander!
            Das ist auch mein Motto, deswegen verlasse ich diese unfruchtbare und grenzwertige Diskussion. Wir sind damit eh längst tapfer im Nirgendwo. Behalten Sie Ihre Meinung. Ich will sie nicht haben.

Seid gut zueinander!

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