Bodenheimer-Wolffsohn-Museum

In Köln wird ein neues Museum gebaut, in dem die zweitausend Jahre alte Geschichte der Stadt präsentiert werden soll. Das neue Museum wird unter anderem die Ausgrabungen des Jüdischen Viertels beleuchten, das vom elften Jahrhundert bis zur Vertreibung der Juden 1424 bestand und entsteht direkt dort, wo das jüdische Viertel einst war, nämlich vor dem Rathaus. Der Arbeitstitel des Museums lautet: „Archäologische Zone mit Jüdischem Museum“. Da dieser Name „zu sperrig“ sei, wie Museumsdirektor Dr. Thomas Otten sagt, sollen jetzt die Kölner Bürgerinnen und Bürger einen Namen finden.

An der Namensfindung können sich die Kölnerinnen und Kölner bis zum 15. September 2016 beteiligen, entweder mit Brief oder Postkarte an:

LVR
„Museumsname gesucht“
Ottoplatz 2
50667 Köln

oder an das

Bürgerbüro der Stadt Köln
Stichwort „Museumsname gesucht“
Laurenzplatz 4
50667 Köln
Mail: museumsname-gesucht@lvr.de

Da in Köln viele Museen nach berühmten Kölner Persönlichkeiten benannt sind, zum Beispiel Museum Ludwig, Walraff-Richartz-Museum und Rautenstrauch-Joest-Museum, kommt für das Museum, das an dem Ort steht, wo Jahrhunderte lang das jüdische Leben in Köln stattfand, nur zwei Namen in Frage:

Bodenheimer und Wolffsohn

Die jüdische Gemeinde ist die älteste Gemeinde Kölns! Die älteste Schrift, die jüdisches Leben in Köln dokumentiert, ist ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahre 321. In diesem Dekret heißt es:

„Allen Stadträten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die Kurie zu berufen.“

In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jüdischen Versammlungsstätte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war. Das Judentum gehört zu Köln, bevor das Christentum Teil der Stadt wurde. Das Judentum brachte die Geschichten von Noah, Abraham, Sarah, Rebecca, Moses, Adam und Eva an den Rhein.

In den Jahren 1287 und 1288 kam es im Rheinland zu einer Verfolgungswelle gegen Juden. In Andernach, Altenahr, Bonn und Lechenich wurden Juden getötet und ihre Häuser geplündert. Im frühen 14. Jahrhundert wurde im Kölner Dom die sogenannte „Judensau“ auf einer der Stuhlwangen des Domchores angebracht. Sie befindet sich noch heute dort!

Im Jahr 1424 wurden alle Juden aus Köln vertrieben. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklärerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurück. Ein Jahrhundert später sollten sie jedoch wieder vertrieben werden, diesmal von den Nazis.

„Warum ist es am Rhein so schön?“ Juden wissen es länger als Christen. Sie tranken ihren Wein auf die Schönheit des Rheins bereits, bevor es Christen taten. Dennoch wurden sie mehrfach aus Köln vertrieben. Heute befindet sich an dem Kölner Rathausturm die Statue von Max Isidor Bodenheimer.

Max Isidor Bodenheimer war Jurist und Vorreiter der zionistischen Bewegung. Ende des 19. Jahrhundert, fast zwei Jahrtausende nachdem die ersten Juden nach Köln gezogen waren, entwickelte er in Köln eine tollkühne Idee, die Realität werden sollte. Bodenheimer schlug vor, da Juden viel zu oft in Europa verfolgt worden waren, das jüdische Land, das vor über eintausendneunhundert Jahren zerstört worden war, wieder am Originalort entstehen zu lassen. Über ein halbes Jahrhundert später wurde dieses moderne Israel Realität. Die Gründung Israels ist der einzige Moment in der ganzen Geschichte der Menschheit, da ein Volk, das in der Zerstreuung seine Sprache (Hebräisch), Tradition (Feiertage) und Verfassung (Tora) bewahrt hatte, seine Kultur wieder einer eigenen Nationalität zufügen konnte!

Nicht nur der moderne Staat Israel hat seine Wurzeln in Köln, auch die Fahne Israels wurde 1897 in Köln entworfen und zwar von den damals in der Domstadt lebenden Kaufmann David Wolffsohn. An dem Ort in Köln, wo der moderne Zionismus erfunden wurde, befindet sich heute ein großer Schild Davids.

David Wolffsohn lebte in Köln, arbeitete eng mit Bodenheimer zusammen und erfand die Fahne, die später die Flagge Israels werden sollte. Wir sollten daher der Stadt Köln ein weiteres Museum mit zwei Namen schenken. Nach dem Walraff-Richartz-Museum und dem Rautenstrauch-Joest-Museum kommt jetzt das

Bodenheimer-Wolffsohn-Museum

Aller guten Dinge sind drei!

Bitte helfen Sie mit, diesen Namen Wirklichkeit werden zu lassen!

Dieser Beitrag wurde unter Judentum veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.