Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft reicht Beschwerde gegen die Tagesschau ein

Der Journalist und Autor, Daniel Killy, hat eine offizielle Beschwerde bei der ARD eingereicht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lege ich Beschwerde ein gegen Ihre Beiträge vom 14.08.2016 in der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau sowie, in leicht modifizierter Form, in den nachfolgenden Tagesthemen desselben Abends. Ich beziehe mich auf den Bericht Ihres Korrespondenten Markus Rosch zum vorgeblichen Wassermangel in Westjordanland.

Abgesehen davon, dass der gesamte Bericht auf einer seit Jahren widerlegten Propaganda-Lüge der terroristischen Fatah fußt, verletzt der Beitrag fundamentale journalistische Grundregeln:

1. wird nur eine Seite gehört, es werden Behauptungen aufgestellt und pauschale Anklagen gegen die Demokratie Israel gerichtet, ohne, dass die israelische Seite im Beitrag zu Wort kommt.

2. Dem Beitrag fehlt jegliche Aktualität und jeglicher Nachrichtenwert. Gerade im Hinblick auf die Bedeutung und Reichweite der 20-Uhr-Tagesschau erstaunt die Tatsache, dass außer der Feststellung, dass es im Sommer heiß sei im Nahen Osten ein nachrichtlicher Bezug gänzlich fehlt.

3. Neutralität, Ausgewogenheit und handwerkliche Genauigkeit sind das Primat der Tagesschau. Dieses wird auch durch die Wahl des vorgeblich neutralen „Wissenschaftlers“ aufs gröbste verletzt. Der im Beitrag zu Wort kommende Clemens Messerschmid ist ein langjähriger Anti-Israel-Aktivist, der unter anderem der vom Verfassungsschutz als islamistisch und „Integrationshemmnis“ eingestuften Website „Muslim-Markt“ ein zutiefst tendenziöses Interview zum Thema Wasser gegeben hat. Messerschmid war auch derjenige, der im Dezember 2014 die „Staudämme“ erfand, mit denen Israel angeblich den Gazastreifen überschwemmt hatte.

4. Weiterer handwerklicher Fehler: Während aus dem Off behauptet wird, die als Beispiel für Israels restriktive Wasser-Politik herangezogene arabische Familie esse nur noch von Papptellern, da es an Wasser mangle, ist neben der Spüle normales Geschirr zu sehen.

5. Tendenziöse Anmoderation von Herrn Hofer: „Im Westjordanland leiden viele Palästinenser unter Wassernot. Die Ressource ist knapp und wird von den Israelis streng rationiert. Kritiker werfen Israel vor, eigene Siedlungen bevorzugt zu versorgen. Verschärfend komme hinzu, dass Palästinenser keine Baugenehmigungen für Brunnen erhielten, um sich selbst zu versorgen.“

Fakten: Die Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten obliegt der Palästinensischen Autonomiebehörde. Nach Angaben der Water Authority hatten Palästinenser in der Westbank 2009 rund 127.000 Liter Frischwasser pro Kopf zur Verfügung, während Israelis 154.000 Liter pro Kopf und Jahr zur Verfügung standen. Von der verfügbaren Menge wurden nach Angaben der Water Authority von Palästinensern in der Westbank 95.000 Liter pro Kopf und Jahr konsumiert, während Israelis 137.000 Liter pro Kopf und Jahr verbrauchten. Die scheinbare Divergenz in den Zahlen hat vor allem damit zu tun, dass die Bevölkerungszahl eine wesentliche Größe bei der Berechnung des Wasserverbrauchs ist. Schließlich ist es gerade bei der Kalkulation der Pro-Kopf-Menge erheblich, von wie vielen Bewohnern man eigentlich ausgeht. Das Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS) verzeichnet mehr als 2,4 Millionen Palästinenser in der Westbank, während die American- Israel Demographic Research Group (AIDRG) nur auf 1,4 Millionen kommt.

Diese große Differenz resultiert aus unterschiedlichen Definitionen der De-facto-Einwohner. Die Berechnung des PCBS umfasst beispielsweise auch die 250.000 Palästinenser in Ostjerusalem und die 150.000 Palästinenser, die durch Heirat und das Zusammenführungs- Programm für Familien nach Israel eingewandert sind. Die AIDRG zählt diese 400.000 Personen dagegen nicht mit, da sie an die israelische Wasserversorgung angeschlossen sind und damit als Teil der israelischen Bevölkerung gezählt werden. Darüber hinaus hat das PCBS die Zahl der palästinensischen Einwohner um weitere 400.000 erhöht, indem es diejenigen, die viele Jahre im Ausland gelebt haben, mit eingerechnet hat, während die AIDRG diese Gruppe nicht miteinschließt, da sie keinen Verbrauchsanteil an der palästinensischen Wasserversorgung hat. Die restliche Differenz von 200.000 Personen ergibt sich aus unterschiedlichen Berechnungen und Prognosen, was Geburt, Tod und Einwanderung betrifft.

Zusammengefasst lassen diese paar Zahlen und Daten die gesamte Berichterstattung in sich zusammenfallen. Ich fordere deshalb eine Stellungnahme des Autors, der Redaktion und der Verantwortlichen zu diesem ungeheuren Vorgang, der dem öffentlich-rechtlichen Auftrag so diametral zuwiderläuft.

Hamburg, 15.08.2016
Daniel Killy

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19 Antworten zu Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft reicht Beschwerde gegen die Tagesschau ein

  1. Laurenz Kambrück schreibt:

    Wenn man kein Wasser hat, um Geschirr zu spülen, lässt man es wohl neben der Spüle stehen. Ist es schmutzig, benutzt man es nicht, ist es sauber, will man es wegen fehl. Reinigungsmöglichkeit nicht verschmutzen – und nimmt Pappteller.
    (4) ist also ein sehr schwaches Argument.

  2. Pingback: Zum israelisch-palästinensischen Wasserkonflikt | israelkompetenzkollektion

  3. caruso schreibt:

    Am schlimmsten ist m.E. daß die Leute es oft gar nicht merken, wie judenfeindlich sie sind. Alles, was man seit über zweitausend Jahren über die Juden hört, ist so selbstverständlich wahr, daß es kaum einem einfällt nachzuschauen, ob die Sachen stimmen oder nicht. Man saugt die Judenfeindschaft sozusagen mit der „kulturellen Muttermilch“ ein. Das ist sicher mit ein Grund, warum Leute sich wehren, wenn man sie damit konfrontiert.
    lg
    caruso

  4. Praecox schreibt:

    „Clemens Messerschmid arbeitet seit fast 20 Jahren vor Ort als Hydrogeologe für viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN). Er berät auch z.B. Landeszentralen für politische Bildung, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen. In Artikeln unter anderem z.B. für die SZ (10.3.2014, „Wasser und Krieg“) hat er sich mit der Wasserproblematik intensiv auseinandergesetzt.“

    http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/08/15/stellungnahme-zur-kritik-am-tagesthemen-beitrag-vom-14-08-2016.html

    Mir scheint, der Herr Messerschmid bzw. sein Einfluss ist ein großes Problem und das größte in diesem SKANDAL.

  5. bruriah schreibt:

    Gestern abend maulte der WDR in der „Aktuellen Stunde“ herum, dass ihn via Facebook und Twitter und anderer sozialer Medien soviele Zuschriften erreichen würden, in denen der Wahrheitsgehalt ihrer Berichte in Frage gestellt würde. Aufhänger dafür war der Bericht über einen Flüchtling, der eine gut gefüllte Geldbörse gefunden und bei der Polizei abgegeben hatte, anstatt sie einzusacken.
    Nun, die Geschichte mag wahr gewesen sein, aber ich habe schon mehrfach erlebt, dass die Herren (und Damen) vom „Rheinischen Klatschfunk“ allerlei Spökes verbreitet – und das nicht nur in Bezug auf Israel. Da allerdings besonders heftig. Derzeitiger Renner in der Mediathek: „Kinder der Steine, Kinder der Mauer“. Nach 5 Minuten hatte ich den Kanal voll und ärgerte mich erneut, dass ich mit meinem Geld zwangsweise so einen Sch… finanziere. Aber am 9.11. stehen wieder alle gaaanz betroffen in den Synagogen und intonieren das alte Lied vom „Nie wieder“ …

  6. cm schreibt:

    Zu Punkt 2, der Aktualität: Ach wenn man geschickt ist, schafft man es aktuelle Bezüge herzustellen. In den Tagesthemen vom 17.08. wird ein „Experte“ zu dem BND Bericht über die Türkei und Erdogan befragt, und schauen sie mal Herrschaften, wie der Zauberer plötzlich „Blockade Gaza“ aus dem Hut zaubert. Und dann die Schlussfolgerungen.

    Ab Minute 7:https://www.tagesschau.de/sendung/tagesthemen/index.html

  7. Bettina Knust schreibt:

    Es darf vor allem nicht der Eindruck bleiben, es handle sich um einen Einzelfall. Hass auf Israel und Desinformation kommen bei der ARD und den ihnen angschlossenenen Radiosendern ständig vor. Geht es um das Thema Israel, werden grundsätzlich nur bekannte fundamentaloppositionelle Israelis befragt. Die pro-israelische Seite bekommt grundsätzlich keine Plattform. Und sollte es doch einmal passieren, wird der Ton des Moderators schnell unverschämt. Wer nach Ursachen für Antisemitismus in Deutschland sucht, braucht nur regelmäßig WDR zu hören.

  8. Yvonne Perle schreibt:

    Danke Daniel Kily, ich dachte schon es macht keiner….
    Es sollte aber unbedingt eine offizielle Richtigstellung in der ARD gefordert werden, denn diese dreiste Lügen haben Millionen Menschen in Deutschland gesehen und im Vertrauen zur Institution ARD geglaubt. Solche „Propaganda“ erzeugt und schürt Israelhass und Judenfeindlichkeit auch da, wo sie nicht vorhanden waren.

    Ich grüße Sie sehr herzlich

    Yvonne Sattelberger

  9. Ralf Weber schreibt:

    Hier auch zum aktuellen Thema „Antisemitismus“:

    Jesus war ein Jude sowie auch Abraham, Isaak, Jakob, Moses und die biblischen Propheten. Dazu seine Jünger, Apostel und auch die erste Gemeinde. Die komplette Bibel wurde von Juden geschrieben (abgesehen vom Lukas). Jesus ist der jüdische Messias und die Juden sind das in alle Ewigkeit von unserem Gott erwählte Volk seines Eigentums. Unser Heil kommt von Ihnen. Dieses läßt sich noch weiter fortsetzen.

    Daher habe ich folgende Petition unterschrieben:

    https://www.change.org/p/remove-the-wittenberg-judensau

    • Sophist X schreibt:

      Zur Schande, nicht der Juden, sondern der Kirche, sollte die Sau bleiben, wo sie ist.

    • Ralf Weber schreibt:

      Dazu zu meinem vorherigen Beitrag auch Johannesevangelium 4:22:
      „Denn das Heil kommt von den Juden.“

      Jesus starb wegen der Schuld aller Menschen durch eine römische Hinrichtung. Ja, die bestimmende jüdische Führung wollte auch wie die anderen Nationen sein mit einem im weltlichen Sinn starken Herrscher. Aber diesen Weg hat die römisch geleitete christliche Kirche auch gewählt, als sie sich mit dem römischen Reich „vermählte“, für das in der Offenbarung des Johannes der Begriff „Babylon“ verwendet wird. Mit allen schrecklichen Konsequenzen. Wir haben deswegen kein Recht zu Vorhaltungen gegenüber unseren älteren Brüdern und Schwestern, den Juden

  10. Citoyenne schreibt:

    Ist das Internet nicht großartig? Die Vernetzung, die in diesem Fall möglich war und diese skandalöse Berichterstattung der ARD aufgezeigt hat, gibt mir – jenseits der deutschen und österreichischen Mainstream-Medien – wieder richtig Mut! Gut gemacht, Gerd Buurmann und alle anderen, die sich so kompetent und vehement zu Wort gemeldet haben!

    • k.knerzje schreibt:

      Soll jetzt alles vernichtet werden was Juden verunglimpft hat?
      Das wäre Geschichtsfälschung und käme einer Bücherverbrennung gleich.
      Wichtiger ist es diese Dinge richtig einzuordnen

      • k.knerzje schreibt:

        Mein Kommentar ist an die falsche Stelle gerutscht!
        War Antwort auf
        Ralf Weber schreibt:
        August 17, 2016 um 8:59 pm

      • Sophist X schreibt:

        Sie haben es durchaus richtig, aber konziliant formuliert.
        Wenn man die Judensäue entfernen wollte, dann bitte nur, um sie den israelkritischen, islamophilen Pfaffen hochkant ins verlogene Maul zu schieben.

  11. Ralf Weber schreibt:

    Erschreckend, wenn es statt um sachliche Information und Wahrheit darum geht mit unzutreffender Darstellung bestimmte Meinungen zu erzeugen. Hier bedarf es unserer Aufmerksamkeit, um uns nicht manipulieren zu lassen. Traurige Entwicklung in den Ōffentlich-Rechtlichen Medien.

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