Ohne Juden geht es besser!

Es ist einfach nur eine Farce. Jahrelang trieb ein Judenhasser vor dem Kölner Dom mit einer Installation sein Unwesen. Er verharmloste dort täglich den Aufruf zur Vernichtung des jüdischen Volkes als „Volks-Widerstand“ und relativierte sogar den Holocaust. Jetzt, nachdem der Judenhasser gestorben ist, soll seine judenfeindliche Installation in einem Kölner Museum verwahrt werden. Besonders unter Juden ist diese Entscheidung hoch umstritten. Was macht Köln? Die Karl Rahner Akademie lädt zu einer Podiumsdiskussion, bei der kein einziger Jude auf dem Podium sitzt und legt die Veranstaltung zudem auf den höchsten Feiertag im Judentum, damit auch ja kein Jude im Publikum sitzt! Bei dem Umgang mit Judenhass würden Juden vermutlich nur stören. Aber der Reihe nach:

Jahrelang wurde vor dem Kölner Dom ein Infostand betrieben, für den der Betreiber keine Platzgebühr entrichten musste, obwohl es bis zu einer Stunde dauerte, bis der Stand auf- und abgebaut war und Werbung in eigener politischer Sache machte. An dem Stand wurde massiv gegen Israel und gegen Juden gehetzt. Die Hamas zum Beispiel, die laut Artikel 7 der eigenen Gründungscharta die Vernichtung aller Juden fordert, wurde dort als „Volks-Widerstand“ verharmlost und in einer dort ausgestellten Karikatur wurde ein Jude als Kinderfresser und Blutsäufer dargestellt.

Anfang 2016 starb der Betreiber. Das heißt aber nicht, dass sein Hass mit ihm gestorben ist. Der Betreiber hat die Installation und die dazugehörenden Papptafeln testamentarisch dem Kölnischen Stadtmuseum und dem Historischen Archiv der Stadt Köln vermacht. Der Chef des Kuratoriums der Stiftung Stadtgedächtnis, Ulrich Soénius, erklärt dazu:

„Die angebliche Mahnwache bestand aus agitatorischen Vorwürfen gegen den Staat Israel, den er als einzigen Schuldigen für die Situation im Nahen Osten ausgemacht hatte und den er abgründig in seiner antisemitischen Haltung hasste.“

Er fordert Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf:

„Ich darf Sie bitten, die angedrohte Schenkung auszuschlagen. Über Jahre hat diese »Demonstration« eines Einzelnen das Image Kölns beschädigt. Eine weitere Schädigung kann nicht in Kauf genommen werden.“

CDU-Kulturpolitikerin Karin Reinhardt sagt:

„Das Zeug gehört in die Tonne.“

SPD-Fraktionsvize Monika Schultes:

„Antisemitismus und Rassismus gehören auf den Müll.“

Schon im Dezember 2010 positionierte sich der damalige Oberbürgermeister Kölns, Jürger Roters, mit deutlichen Worten zu dem Infostand und eine deutliche Mehrheit des Kölner Rats hinter eine Resolution vereinigen, in der folgendes erklärt wurde:

„Mit der in extremer Einseitigkeit gegen Israel gerichteten Dauerdemonstration sind nach unserer Auffassung die Grenzen der Meinungsfreiheit in einer Stadt, die für Toleranz und Frieden steht, schon lange überschritten. Die Dauerdemonstration vermittelt keine Botschaften des Friedens, sondern des Hasses.“

Wie wird die Stadt Köln mit dieser Schenkung umgehen. Im Wahlkampf zum Amt des Oberbürgermeisters äußerte sich das Wahlkampfbüro von Henriette Reker wie folgt:

„Frau Reker sind diese unsäglichen, abscheulichen Bilder und „Installationen“ bekannt. Sie kann nicht verstehen, warum seitens der Stadt dagegen nicht rigoros vorgegangen wird. Es ist erschreckend, dass heutzutage wieder judenfeindliche Äußerungen durch manche deutsche Stadt klingen. Wir müssen das jüdische Leben in Deutschland schützen und verteidigen, denn es steht der zivile Zusammenhalt unserer Gesellschaft auf dem Spiel, wenn es Extremisten gelingt, unter unseren Augen wieder Jagd auf Juden zu machen.

Tapfer im Nirgendwo erklärt:

„Wenn die Taten des Betreibers der „Botschaft des Hasses“ vor dem Kölner Dom unbedingt dokumentiert werden müssen, dann reicht es völlig aus, eine Auswahl der Parolen, die auf Papptafeln gekritzelt wurden, zu fotografieren und diese Fotodaten auf einen kleinen Datenstick zu speichern. Dieser Stick kann dann irgendwo in einer Schublade des Stadtarchivs verstaut werden für alle, die in Zukunft diese Daten brauchen. Die Papptafeln und der Stand selber können dann entsorgt werden. Es gibt keinen Grund, diese Schändlichkeit irgendwie anders zu bewahren, denn als Kopie. Ich fordere die Stadt Köln auf, an den Betreiber dieser „Botschaft des Hasses“ nicht stärker zu erinnern als an alle, die er beleidigt hat, denn er war ein Mann, der eine Mauer im Kopf hatte!“

Meine Geschichte mit dem Judenhasser begann am 21. Januar 2010. An dem Tag ging ich mit meiner Frau durch Köln spazieren. Am Dom entdeckten wir einen Rentner, der dort eine Galerie aufgestellt hatte, an der er den Passanten unter anderem eine Karikatur zeigte, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind aß und sein Blut trank. Ich war von der Karikatur so entsetzt, dass ich sofort die Polizei anrief und eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung nach §130 StGB stellte. Das Simon Wiesenthal Center applaudierte mir damals zu diesem Schritt und Köln geriet durch meinen Protest in die Kritik der nationalen und internationalen Presse. Die Kölner Staatsanwaltschaft entschied jedoch, die Karikatur sei nicht antisemitisch, da die dargestellte Person auf der Karikatur nicht als Jude erkennbar sei, da sie keine „Krummnase“ habe:

„Typisch für antijüdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale überzeichnet, um den Juden als hässlich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jüdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“

Wo keine Krummnase, da kein Jude!

Der Rentner vor dem Kölner Dom tat sich bis zu seinem Tod im Jahr 2016 immer wieder mit hasserfüllten Aussagen hervor. An seiner Galerie behauptete er zum Beispiel, das israelische Volk erpresse bereits seit Jahrhunderten die Welt, womit er klar machte, dass er nicht das Volk des Staates Israel meinte, das es schließlich erst seit dem Jahr 1948 gibt, sondern das israelische Volk, das es bereits seit Jahrhundert gibt: Juden. Zudem verglich der Rentner Israel mit Hitler und behauptete: „Wie früher die Deutschen mit den Juden – so heute die Israelis mit den Palästinensern.“ Da die Holocaustleugnung und die Billigung, Leugnung und Verharmlosung des Nationalsozialismus laut §130 StGB ebenfalls eine Straftat ist, erstatte ich aufgrund dieser Parolen erneut Anzeige, da die Behauptung, die Nazis damals seien so gewesen wie die Israelis heute, eine klare Verharmlosung des Holocausts darstellt. Wieder enstschied die Kölner Staatsanwaltschaft, bei der Aussage handele es sich um erlaubte Kritik am Staate Israel:

„Ferner bleibt entscheidend zu berücksichtigen, dass im Falle einer Mehrdeutigkeit des Erklärungsgehalts solange nicht von einer allein strafrelevanten Deutung auszugehen ist, bis andere Deutungsmöglichkeiten auszuschließen sind.“

Im Jahr 2014 schließlich, erklärte der Rentner den Völkermord an Juden als legitimen Widerstand, indem er titelte: “HAMAS = Volks-Widerstand”. Mehrere Juden erstatteten daraufhin Anzeige. Eine Anzeige las sich wie folgt:

„Die Hamas fordert meinen Tod! Artikel 7 der Gründungscharta der Hamas fordert den Tod aller Juden weltweit, also auch in Deutschland. Das ist der Grund, warum die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird. Ich bin Jüdin! Die Hamas fordert meinen Tod. Vor dem Kölner Dom wird diese Forderung als legitimer Widerstand verharmlost. Ich erstatte daher Strafanzeige. So lange vor dem Kölner Dom der Aufruf zum Judenmord als Widerstand bezeichnet wird, werde ich in Köln als Jüdin beleidigt, bedroht und verfolgt.”

All diese Anzeigen wurden von der Kölner Staatsanwaltschaft abgelehnt!

Die ständige Ablehnung der Kölner Staatsanwaltschaft, brachte mich im Jahr 2014 dazu, einen Test zu starten. Ich schrieb eine Glosse, in der ich die Parolen des Rentners vor dem Kölner Dom nahm und lediglich das Wort Israel mit dem Namen des Rentners austauschte. Ich wurde daraufhin von dem Rentner angezeigt und siehe da, die Kölner Staatsanwaltschaft forderte prompt 100,- Euro von mir, damit kein Verfahren wegen Beleidigung gegen mich eingeleitet wird.

Ein weiterer Test von mir nahm die Kölner Polizei unter die Lupe. Am 9. Juli 2011 rief ich bei der Polizei an, weil der Rentner seine abscheulichen Parolen an Laternen vor dem Kölner Dom befestigt hatte und niemand das Recht hat, wild zu plakatieren, schon gar nicht mit politischen, propagandistischen und aufstachelnden Plakaten. Die Polizei erklärte mir, dass das Ordnungsamt zuständig sei. Dort erklärte mir eine Dame, dass Wildplakatieren verboten sei. Daraufhin schlug ich vor, zum Domkloster 4 zu kommen, da dort seit Jahren nahezu täglich politische und anti-israelische Vorurteile verbreitet würden. Die Dame erklärte mir, dass momentan keine Kapazitäten frei seien, da das Ordnungsamt damit beschäftigt sei, „wild grillende“ Menschen zu entfernen. Ich rief also wieder bei der Polizei an und berichtete, dass das Ordnungsamt nicht tätig werden könne, worauf die Polizei erklärte, dann doch mal einen Wagen vorbei zu schicken. Vor Ort wurde mir erklärt, dass des Rentners Plakate an den Laternen toleriert werden. Die Polizei sagte: „Er genießt hier nun mal Narrenfreiheit. Er wird toleriert!“

Die Narrenfreiheit des Rentners reichte weit. In einem Flugblatt, das er im April 2013 vor dem Kölner verteilte, bezeichnete er mich als „kriminellen Israel-Lobbyisten“ und holt weit aus gegen mich. Eine Anzeige meinerseits endete am 12. Februar 2014 vor dem Kölner Amtsgericht mit der Entscheidung, dass ich als „krimineller Israel-Lobbyist“ bezeichnet werden dürfe, da dies zulässige Kritik sei.

Der Hass dieses Mannes soll jetzt in Köln zu musealen Ehren kommen. In einer Einladung der Karl Rahner Akademie zur Diskussion um diese Entscheidung heißt es:

„Der Erinnerung wert?
Die Klagemauer, der Antisemitismus und die Aufgabe historischer Archive.

Podiumsdiskussion mit Volker Beck MdB (Bündnis 90 / Grüne), Udo Behrendes (Polizeidirektor a.D.), Dr. Gisela Fleckenstein (Archivarin am Historischen Archiv der Stadt Köln), Dr. Mario Kramp (Direktor des Kölnischen Stadtmuseums), Pfarrer Franz Meurer (Pfarrer in Köln-Vingst und Höhenberg), Dr. Martin Stankowski (Publizist), Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Köln / Gesellschaft für Christl.-Jüd. Zusammenarbeit). Moderation: Joachim Frank.

Termin: Mi 12 Okt 2016 umd 19 Uhr
Ort: Karl Rahner Akademie
Gebühr: € 8 / € 4″

Da sieht man mal wieder, wie in Köln mit Judenhass umgegangen wird, nämlich am liebsten in Abwesenheit von Juden. Juden stören in Köln vermutlich nur beim Umgang mit Judenhass! Das kein Jude bei der Planung der Veranstaltung anwesend war, liegt nahe, denn wäre auch nur ein Jude bei der Planung anwesend gewesen, dann hätte er gewiss gesagt: „Oh, der 12. Oktober 2016 um 19 Uhr ist schlecht. Da geht nämlich gerade Jom Kippur zu Ende und das ist das wichtigste Fest im Judentum, bei dem sogar viele säkulare Juden eher selten ausgehen. Da wird kein Jude Zeit haben!“

Vielleicht hat sich die Karl Rahner Akademie auch zielsicher dieses Datum ausgesucht, damit kein Jude die Veranstaltung stört. Auf dem Podium ist schließlich auch kein Jude vorhanden. Das wäre vermutlich auch noch schöner, wenn bei einer Diskussion um Antisemitismus ein Jude auf dem Podium säße. Stattdessen sitzt dort Udo Behrendes, der als „Freund der Klagemauer“ bekannt ist. So jedenfalls sagte es der Judenhasser vor dem Kölner Dom selbst in einem Interview mit Djihad TV geäußert.

Weiterhin sitzt Dr. Martin Stankowski auf dem Podium. Er bezeichnete die Installation in einem Interview für den WDR so: „Facebook bevor es Facebook gab.“ Für ihn ist die Installation ein „Dokument der Zeitgeschichte“, das archivarisch gesichert werden muss. Das bedeutet also, wenn die Installation wie Facebook ist, dass auch jeder Hasskommentar auf Facebook ein Dokument der Zeitgeschicht ist. Somit sollten die Hasskommentare auf Facebook wohl besser auch nicht gelöscht werden, sondern verwahrt. Übrigens, dem EXPRESS gab Martin Stankowski einst dieses Interview:

„Den Beruf des Hundeschlägers gab es bereits im Mittelalter. Die Hundeschläger schlugen, wie ihr Name sagt, in der Stadt streunende Hunde tot. Und wenn ich mir heute unsere Straßen in Köln und ihre verschissenen Bürgersteige und Wiesen anschaue, dann sollte man diesen Beruf wieder aufleben lassen.“

Jahrelang schiss ein Judenhasser vor dem Kölner Dom den Platz mit Judenhass zu. Das war für Dr. Martin Stankowski jedoch ein „Dokument der Zeitgeschicht“. In dem selben Interview mit dem WDR erklärt er, die Chefs des Stadtarchivs und des Stadtmuseums hätten in einer offiziellen Stellungsnahme erklärt, die Installation sei ein „Teil der Kölner Protestkultur“ und daher erhaltenswert. Daher sitzen vermutlich auch Dr. Gisela Fleckenstein vom Historischen Archiv der Stadt Köln und Dr. Mario Kramp vom Kölnischen Stadtmuseum auf dem Podium. Ob sie auch die Plakate von Kögida und Pegida bei sich aufnehmen werden, so als „Teil der Kölner Proteskultur“? Der Erinnerung wegen!

Ebenfalls auf dem Podium wird Pfarrer Franz Meurer sitzen. Er ist Pfarrer in Köln-Vingst und Höhenberg und hat schon in seiner Kirche die Installation ausgestellt. Dann sitzen auf dem Podium noch Volker Beck und ein Mann von der Gesellschaft für Christlich-Jüdisch Zusammenarbeit. Warum sitze ich eigentlich nicht dort? Aber noch viel wichtiger: Warum sitzt keine Jude dort. Ach ja, hätte ich fast vergessen. Es ist ja Jom Kippur.

Das wird bestimmt ein toller Tag. Keine Juden, die sich beschweren werden. Das wäre ja auch noch schöner, wenn Juden stören, wenn in Köln darüber diskutiert wird, wie man am besten an einen Judenhasser erinnert, der so vielen Kölner Bürgerinnen und Bürgern in so liebevoller Erinnerung geblieben ist.

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