Wenn Journalismus Propaganda ermöglicht

Die ZEIT fragte im Oktober 2016 ihre Leserinnen und Leser, wen sie bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl wählen würden. Das Zwischenergebnis am 25. Oktober 2016 sah wie folgt aus:

Über 64% stimmten für Donald Trump! Donald Trump gewinnt so gut wie alle Internetumfragen von FOX bis NBC. Ich fragte daher meine Facebookfreunde, wie es sein könne, dass Donald Trump so gut wie alle Internetabstimmungen gewinnt. Kirill Pomogajko antwortete prompt und kurz: „Bots!“

Bots sind Computerprogramme, die weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet, ohne dabei auf die Interaktion eines menschlichen Benutzers angewiesen zu sein. Kirill erklärte mir, mit Sicherheit seien Bots programmiert worden, die Ergebnisse zu Gunsten Donald Trumps zu verändern.

Ich war ein wenig skeptisch, ob das wirklich so einfach sei und stellte Kirill daher diese Aufgabe: Bitte verändere das bisherige Ergebnis der folgenden Umfrage zu Gunsten von Hillary Clinton:

„Nichts leichter als das“, sagte Kirill. Nur ein wenig später sah das Ergebnis so aus:

„Wie kompliziert war das“, fragte ich ihn. „Gar nicht kompilziert“, sagte er. „Ich habe die Umfrage mit nur einem Gerät manipuliert. Stell Dir vor, was einer mit einer Armee an Geräten machen kann, die man ohne Probleme für ein paar Bitcoins für mehrere Stunden mieten kann. Geld und Erfahrung oder Macht, mehr brauchst Du nicht, um jede Internetumfrage zu manipulieren. Für manche Umfragen reicht schon ein einziger billiger Bot und das Ergebnis kann nach Wunsch manipuliert werden.“

Wenn man von dieser einfachen Möglichkeit der Manipulation weiß, ist es erschreckend, dass die ZEIT ihr Ergebnis mit den Worten versieht: „So steht es in Deutschland!“

Nein, so steht es nicht in Deutschland! Eine Internetumfrage sagt nichtd aus. Stattdessen öffnet sie der Propaganda Tür und Tor. Donald Trump nämlich wird nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er so gut wie alle Internetumfragen gewinnen würde, was angeblich beweise, dass die Medien gegen ihn seien, aber das Volk auf seiner Seite stünde. Wie kann ein anständiges Nachrichtenportal zulassen, derart missbraucht zu werden? Die ZEIT hat mittlerweile reagiert ubd erklärt:

„Wir überarbeiten aktuell die Filtermechanismen gegen Manipulationsversuche der Befragung. Dabei gehen keine korrekt abgegebenen Stimmen verloren, allerdings kann sich das vorläufige Abstimmungsergebnis noch einmal ändern.“

Kirill Pomogajko sagte dazu nur: „Ich hab es mir angeschaut. Es ist nicht so trivial. Es sieht so aus, als hätte die ZEIT kryptographische Maßnahmen ergriffen. Das kann man reverse engineeren. Einen Fachmann schreckt das nicht ab. Das Ergebnis von Hillary Clinton ist jetzt jedenfalls besser, was jedoch nicht unbedingt bedeutet, dass die Maßnahmen geknackt wurden, es kann auch bedeuten, dass die Maßnahme pro Clinton geknackt wurde.“

Am Abend des 26. Oktobers sah das Ergenbis so aus:

Ob die Filtermechanismen bei der ZEIT besser geworden sind oder ob jetzt mehr Bots für Hillary Clinton stimmen, das weiß natürlich niemand. Vielleicht war Kirill ja tätig.

Ich erwarte daher von jedem anständigen journalistischem Medium, eine solche Umfrage nicht mehr zu starten. Umfragen dieser Art sind nämlich offenkundig ohne Aussage, dafür aber nicht bedeutungslos. Sie bedeuten Propaganda, die so ermöglicht wird! Kein anständiges Medium sollte sich dafür hergeben! Kirill Pomogajko sagt dazu nur: „Soviel zu der Aussage: ‚This election is rigged'“

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27 Antworten zu Wenn Journalismus Propaganda ermöglicht

  1. Anonymous schreibt:

    Herr Buurmann, warum haben Sie immer noch diese bescheuerten „Daumen hoch“ und „Daumen runter“, die für alle offensichtlich immer wieder massiv manipuliert werden? Da Ihnen doch nach Lektüre Ihres eigenen Artikels klar sein muss, wie simpel das geht?

  2. American Viewer schreibt:

    „das Zwischenergebnis am 25. Oktober 2016 sah wie folgt aus:“

    Woher wissen Sie denn, dass das erste Ergebnis ein Bot war? Ich habe damals abgestimmt und mich dann noch gewundert, dass es am anderen Tag plötzlich spiegelverkehrt war. Bin allerdings von der ZEIT auch nichts anderes gewohnt.

    Die Manipulation, die Sie hier nachweisen, ist bisher nur ihre eigene.

  3. Pierre Mogel schreibt:

    Natürlich sind sie gegen ihn.

    Hillary sagte schon vor Jahren das sie den Iran bombardieren will wird aber als Friedensengel hingestellt.Das sie darüber lachte das ein Kindesvergewaltiger den sie Verteidige,wen int.?

    Das sie zig Millionen von Arabischen Diktaturen bekommen hat?Wen störts?

    Das email Leaks belegen das sie nur spielt was sie vorgibt zu sein,na und?

    Das sie Mitarbeiter aufs übelste beleidigt(bad cocksucker…),die darf das wohl.

    Rapper für Trump-

    sond das auch Bots?

    Achja sogar Führer der Black Panther rufen sogar auf Trump zu wählen und nicht zu vergessen
    Obamas Bruder(dazu noch Moslem).Warum?Weil Obama nichts gehalten hat,merh Schwarze sind Arbeitslos wie früher.

  4. Bruno Becker schreibt:

    Dass Internetumfragen in der Regel nicht repräsentativ sind, ist eigentlich bekannt. Was speziell diese Umfrage angeht: Der weitaus grössten Mehrheit dürfte es wohl vollkommen schnurz sein, ob nun die Pest oder die Cholera amerikanischer Präsident wird.

  5. Markus Leuthel schreibt:

    Aus dem Tagebuch eines jungen Schriftstellers aus der Provinz
    May 7th to 9th, 1939

    Gestern war ich mit einer der Baldwin-Schwestern (Miss Emily) in Ike Godsey’s Laden.
    Sie hatte mir zugesagt, mich per kurzfristigem Kredit ($5; der berühmte Michael-Mittermeier-Kaufpreis) beim Kauf einer zweiten Schreibmaschine zu unterstützen.
    Denn als ich gestern Nacht nach dem großen Stromausfall in ganz Virginia bei Laternenlicht an meinem nächsten Roman „Internationaler Verschlüsselungs-Briefverkehr in unserer Zeit – am Beispiel von Spencer’s Mountain, Wyoming sowie bezugnehmend auf die ionosphärische Quanten-Phasentheorie des Earl Hamner Jr.“ auf S. 427 angelangt war, erzeugte meine geliebte, alte Schreibmaschine mit einem Mal nur noch seltsame Zeichen. Erst dachte ich, es sei Altgriechisch, denn die Schriftzeichen hatte ich schon im Regierungsbunker unterhalb Walton’s Mountain auf einem sogenannten „Bildschirm“ gesehen, aber ich hatte mich wohl geirrt. Zum Glück konnte ich im Verlauf der nächsten paar Stunden einen Teil der seltsamen Schreibweise mit Hilfe von Grandpa’s zerfleddertem Russischlexikon entziffern. Also setzte ich ganz in Gedanken aus den noch verbliebenen, lesbaren Schriftzeichen einige vielversprechende Worte zusammen, und aus diesen erstellte ich wiederum ganze Sätze. Ein Satz schien nichts Besonderes auszusagen, so in etwa Folgendes: „Don, das ist die Liste für HRC. Bitte vierzehn Flaschen von dem farblosen Schnaps,,50 Dosen grüne Linsen, zwanzig Kilogramm Salami, zehn Schlafsäcke, vier Taschenlampen, jeweils ein doppelter Satz Batterien, ein Radio, ein Bergmannshammer, zehn Regencapes, zehn Motorradhelme, ein Geigerzähler, ein Baseballschläger, 1 Döschen Chinin“. Eine Art Einkaufsliste? Aber ein anderer Satz ließ mich doch stutzig werden. Er lautet (vorläufig): „Lieber J.-B., diese Schreibmaschine wurde geentert, und gehört jetzt mir. Bitte sag mir, welche Geschichten ich für dich schreiben soll. Dein Kirill P.“ Eigenartig, nicht wahr?
    Es ist kaum zu glauben, aber ich seit 5:13 p.m. habe ich endlich die neue Schreibmaschine (danke, Miss Emily! Ich gebe das Geld zurück, sobald mein anderes Buch sich verkauft. versprochen!).
    Allerdings hatte ich die neue Olympia Model 6 erst angefaßt, als ich mir sicher war, daß der Stahlblech-Holz-Sitzkoffer, in dem ich vorerst zum Schreiben sitzen muß, vollständig Ionosphärensicher ist.
    Nun ist es doch wieder etwas später geworden, und ich gehe zu Bett.

    Gute Nacht, Grandpa. Es war tatsächlich Russisch!
    Gute Nacht, John-Boy.
    Gute Nacht, Elizabeth, und danke für die Kiste!
    Gute Nacht, John-Boy!
    Gute Nacht, Kirill, und bitte sei vorsichtig.
    Spasibo, John-Boy. 😉

  6. Kanalratte schreibt:

    Wer interessiert sich für eine Umfrage auf der Online-Plattform einer linken Wochenzeitung? Ich würde mal sagen, weder Trump noch Clinton.

    Was ist eigentlich lächerlicher? Donald Trump oder die ganzen Anti-Trump Gestalten, die in den USA schikanierend durch die Straßen ziehen und Republikaner-Anhänger jagen?

  7. ceterum censeo schreibt:

    Gott sei Dank war die erste Umfrage falsch. Ich dachte schon, ich müßte Trump wählen. Ab wann haben übrigens die Wahllokale bei uns noch mal geöffnet?

  8. holger schreibt:

    möglichkeiten über möglichkeiten.
    eine naheliegende möglichkeit ist das menschen die pro trump abstimmen schlicht mit mehr elan bei der sache sind.
    bei den wahlveranstaltungen wird das deutlich: trump füllt ganze stadien und für clinten interessiert sich keiner. (war jetzt auch ein stream aus ohio wo clinten ca. 4k zuschauer hatte und trump mit 1.7mio)

    und wer wissen will was in sachen manipulation abgeht der sollte sich die „veritas videos“ anschauen. verkürtzt geasgt: erzählen da „demokraten“ wie sie gezielt gewalt provozieren oder seid 50 jahren wahlbetrug begehen….

                                            „Soviel zu der Aussage: ‚This election is rigged'“
    
  9. Philipp schreibt:

    Tut mir leid Gerd. Ich schätze deine Artikel immer sehr, aber dieser hier ist meiner bescheidenen Meinung nach zu spekulativ. Und in diesem Fall solltest du wohl aufpassen, dass du nicht selbst zum „pro-Clinton-Propagandisten“ wirst. Denn im Grunde unterstellst du dem Trump-Lager – ohne Beweise vorzulegen – Umfragen zu manipulieren, weil dir ihr Ergebnis nicht gefällt (und ich sollte an dieser Stelle noch betonen, dass ich absolut kein Trump-Fan bin). Du hast ja schon oft betont, dass du dir einen Sieg Clintons wünschst und daran ist auch nichts auszusetzen. Ich gehe jetzt aber mal davon aus, dass du keine Sekunde an „Bots“ gedacht hättest, wenn Clinton in einem ähnlichen Verhältnis die Umfragen anführen würde wie Trump – einfach, weil es auch deine eigene Meinung wiederspiegeln würde.

    Die Sache ist nur die: So verrückt Trump auch rüberkommen mag (und ich halte ihn für sehr verrückt), so zurückhaltend scheint seine Außenpolitik zu werden, sollte er Präsident werden – zumindest im Vergleich zu Clinton. Denn die verspricht ganz offen eine aggressivere Außenpolitik als Obama und scheint sich auch in der (ihr sehr wichtigen) Frage einer Flugverbotszone in Syrien nicht vor einer Konftontation mit Russland zu scheuen. Der Spiegel wies auf das Paradoxon hin, dass Clinton außerhalb der USA zwar deutlich beliebter scheint als Trump (zumindest erwecken die Medien diesen Eindruck, vonen denen die meisten ja ganz offensichtlich Clinton pushen), aber eine Außenpolitik verspricht, die weit gravierendere Folgen für die Welt haben könnte als jene Trumps, der eigentlich einen Rückzug der USA aus der Rolle der Weltpolizei zu präferieren scheint und sich eher um die USA selbst kümmern möchte (was natürlich nicht bedeutet, dass er nicht auch außenpolitisch irrational auf irgendwelche Entwicklungen reagieren könnte. Ich möchte zum Beispiel nicht wissen, was passiert wäre, wenn Trump während 9/11 Präsident gewesen wäre – als ob unter Bush nicht schon genug passiert wäre…)

  10. skl schreibt:

    Das müssen nicht immer Bots sein. Oft machen rechtsradikale Hetzseiten, wie pi-news und die Nachfolger von kreuz.net ihre Gefolgschaft auf solche Umfragen aufmerksam, um sie zu manipulieren.

    Dann kommen sie in Scharen, häufig auch zu News-Beiträgen mit Kommentarfunktion, um menschenverachtende Kommentare zu posten, als ginge es um einen Wettbewerb, das geistige Erbe von Julius Streicher antreten zu dürfen.

    Ganz beliebt ist das Fertigmachen von „Aussteigern“:

    http://www.nationalreview.com/article/441319/donald-trump-alt-right-internet-abuse-never-trump-movement

    Zitat:
    I saw images of my daughter’s face in gas chambers, with a smiling Trump in a Nazi uniform preparing to press a button and kill her. I saw her face photo-shopped into images of slaves. She was called a “niglet” and a “dindu.” The alt-right unleashed on my wife, Nancy, claiming that she had slept with black men while I was deployed to Iraq, and that I loved to watch while she had sex with “black bucks.”

    Diese Internetgemeinschaften nutzen aus, dass sie Massen mobilisieren können, um Leute fertigzumachen und Umfragen zu manipulieren. Zumindest bei Umfragen kann man das auch nicht filtern. Parallelen zur SA sind natürlich rein zufällig.

    • skl schreibt:

      Falls noch jemand geglaubt hat, der SA-Vergleich geht zu weit:

      http://www.salon.com/2016/10/14/armed-donald-trump-supporters-caught-menacing-democratic-campaign-office/

      Wir erleben eine faschistische Bewegung in ihrer Entstehung. Und am Ende will keiner jemals für Trump gewesen sein. Das kennen wir ja alles schon.

    • Kirill Pomogajko schreibt:

      Die Essenz des Artikels ist nicht, dass es Bots waren (wobei in diesem Fall es sehr offensichtlich ist, das sage ich Ihnen als jemand der seit 2 Jahren Bots bekämpft), sondern dass diesen Umfragen nicht zu trauen ist, auch wenn sie bei namhaftem Zeitschriften gepostet werden. Es muss auch nicht von Trump gelenkt werden, es kann irgendein Troll, der die Umfrage gesehen hat, gemacht haben. Ich habe demonstriert wie einfach das ist, als proof-of-concept auf tapferimnirgendwo. Tatsächlich bin ich auf den Geschmack gekommen und habe heute schon die ein oder andere sinnlose „lifestyle“ Umfrage bei namhaften Zeitschriften manipuliert, einfach so, weil’s Spaß macht wenn’s klappt und um das Bewusstsein der Leute dafür zu schärfen.

  11. Sophist X schreibt:

    Und Trumps Hackerarmee soll sich ernsthaft wegen einer Umfrage eines Wurstblattes in Übersee die Stiefel angezogen haben?
    Lachen Sie bitte jetzt.

    • besucher schreibt:

      Trump hat hier genug Fans die nur darauf warten in die Tasten zu hauen.
      Da brauch Mister Breitbart keine Kampagnen zu bemühen.

      • Sophist X schreibt:

        .>Trump hat hier genug Fans

        Konservative Hacker in der Überzahl? Dann ist das Ergebnis der Umfrage ja sogar getürkt repräsentativ. Tagesaufgabe gelöst.

    • Kirill Pomogajko schreibt:

      Sophist X, hahaha, lustig. Ich werde ab heute alle Umfragen die ich im Internet sehe fälschen, einfach so. In der Tat habe ich das heute schon gemacht, weil ich gestern Gefallen daran gefunden habe. Ich denke ich bin nicht der Erste. Unterschätzen sie nicht wie einfach es für eine Person mit hinreichend Kenntnissen (es braucht nicht viel) ist so was zu machen und wie viele Menschen es machen (es braucht nicht viel). Es muss nicht unbedingt von Trump gelenkt sein. Und wenn sie nicht glauben, dass es im Internet einen Kampf um Informationen mit unkontrollierbaren „Hacker“ Armeen gibt, dann konsumieren sie alles naiv weiter wie gehabt, uns freut es.

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