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„Abraham Melzer ist für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt.“

Diesen Satz hat Charlotte Knobloch getätigt. Es ist ein ganz gewöhnlicher Satz, ungefähr so wie: „Barbra Streisand ist eine schlechte Schauspielerin!“ Das kann man sagen, muss man aber nicht. Manche werden der Aussage zustimmen, andere nicht. Abraham Melzer findet dieses Satz ungeheurlich – also nicht den mit Barbra Streisand, den anderen – und er klagt. Jetzt muss das Landgericht München I. darüber entscheiden, ob die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde sagen darf, was sie gesagt hat.

Der Satz, dass Abraham Melzer für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtig sei, stand in einer E-Mail, die Charlotte Knobloch am 23. September 2016 an den katholischen Sozialverband KKV Hansa und an das Erzbistum München und Freising schrieb, da Melzer in Räumen des Verbands über den „hierzulande hysterisierten Antisemitismusvorwurf“ sprechen wollte. Da der Verband nach dem Erhalt des Schreibens seine Zusage zurückzog, sieht Abraham Melzer nun seinen Ruf geschädigt und klagt.

Jetzt sei es an Charlotte Knobloch zu beweisen, dass ihre Aussage eine „Tatsachenkern“ habe, erklärt die Vorsitzende der Verhandlung, Richterin Petra Gröncke-Müller. Charlotte Knobloch müsse Äußerungen von Melzer benennen, die sie nachvollziehbar als antisemitisch bewerten konnte. So ganz wohl ist mir bei der Sache nicht, denn am 8. Oktober 2014 definierte die selbe Richterin im Sitzungssaal 219 der Pressekammer des Münchener Landgerichts Antisemitismus wie folgt:

„Ein glühender Antisemit in Deutschland ist jemand, der mit Überzeugung sich antisemitisch äußert, mit einer Überzeugung, die das Dritte Reich nicht verurteilt, und ist nicht losgelöst von 1933-45 zu betrachten, vor dem Hintergrund der Geschichte.“

Diese Definition wurde bei der Hauptverhandlung zwischen Jutta Ditfurth und Jürgen Elsässer formuliert. Der Herausgeber des verschwörungstheoretischen Magazins Compact klagte damals gegen Jutta Ditfurth, weil sie ihn am 16. April 2014 in einem Interview der Sendung Kulturzeit auf 3sat einen „glühenden Antisemiten“ genannt hatte. Elsässer erklärte vor Gericht, dies sei „eine substanzlose Schmähung“ und ein “Killerargument”, formuliert in der Absicht der „Existenzvernichtung“, da niemand bereit sei, mit einem “glühenden Antisemiten” zusammenzuarbeiten. Killen und vernichten, darunter macht es Jürgen Elsässer nicht und zitierte direkt FOCUS-Chefredakteur „Fakten, Fakten, Fakten“ Helmut Markwort:

“Einen Deutschen einen Antisemiten zu nennen, ist die größte denkbare Diffamierung, denn sie assoziiert Rassenhass, Massenmord, Auschwitz (…) Antisemit – das ist ein Killerwort. An wem es klebt, der ist gesellschaftlich und politisch geächtet.”

Jutta Ditfurth verteidigte sich mit diesen Worten:

„Es ist die Freiheit meiner Meinung, jemanden einen Antisemiten nennen zu dürfen, der massenhaft verdeckt Antisemitisches sagt und schreibt; einen, der sich mit antisemitischen Mitarbeitern umgibt; der gemeinsam mit anderen antisemitischen Rednern auf Kundgebungen spricht und sich bei Kritik an deren Antisemitismus explizit mit ihnen solidarisiert; einen, der die Regierung Israels nicht sachlich kritisiert sondern Israel antisemitisch schmäht; einen, der sich von Antisemiten und Shoa-Leugnern zu Veranstaltungen einladen lässt; einen, der Antisemiten für seine Zeitschrift interviewt und für seinen Verlag Bücher schreiben lässt. Ja, warum sollte man den in Deutschland nicht das nennen dürfen, was er ist: einen glühenden Antisemiten?“

Die Richterin erklärte Jutta Ditfurth jedoch, dass Sie das nicht dürfe. Ein Antisemit sei man nur, wenn man sich positiv auf den NS-Faschismus bezieht. Sie kam zum vorläufigen Schluss, der Begriff „glühender Antisemit“ läge „jenseits des Hinnehmbaren“ und fügte hinzu: „Es ist ein Totschlagargument. Wer sich so bezeichnen lassen muss, steht in einer Ecke, aus der er nicht mehr rauskommt.“

Diese Definition deckt sich erstaunlich mit der Definition, die Diether Dehm einst von der Partei Die Linke wagte:

“Der Antisemitismus wurde das, was er wirklich ist: Eine massenmordende Bestie. Und deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass man den Begriff des Antisemitismus für Alles und Jeden inflationiert. Antisemitismus, das ist Massenmord! Und es gibt überhaupt keinen Anlass, wenn mein Kollege und Freund Rolf Becker hier spricht, wenn von irgendeiner Seite dazwischengepöbelt wird Antisemitismus. Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben!”

In Deutschland beginnt Antisemitismus erst mit der Vergasung von 6 Millionen Juden. Alles darunter ist eine Ordnungswidrigkeit! Jetzt ist an Charlotte Knobloch zu beweisen, dass Abraham Melzer für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt ist. Beispiele bringt Knoblochs Anwalt Nathan Gelbart einige vor. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

„Melzer habe etwa Mitarbeiter von Israels Außenministerium in Nazi-Jargon als „Blockwarte“ tituliert. Er habe Knobloch und andere als „Antisemitenmacher“ bezeichnet, ein typisches Klischee: Die Juden seien selber schuld, wenn man sie hasse. Und Melzer bezeichne Knobloch und andere als „Sayanim“, als Zuträger des Mossad. Auch diese Unterstellung sei ein gängiges Muster: Juden seien Befehlsempfänger einer fremden Macht.“

Als Abraham Melzer diese Zeilen las, muss er zum Rumpelstilzchen geworden sein, denn er setzte sich an seinen Rechner und haute einen seitenlangen Kommentar raus, aus dem ich ein paar Auszüge zitieren möchte (Rechtschreibung wie im Original):

„Als Journalist sollten Sie (…) neugierig sein und versuchen beide Seiten zu verstehen, wenn Sie Ihre Leser gut und richtig informieren wollen. Ich selber bin Journalist, Publizist und Verleger, und das schon seit mehr als vierzig Jahren. Ich will Ihnen keine Ratschläge erteilen, aber ich bin bereit; Sie in dieser schwierigen Materie zu beraten.“

Abraham Melzer will beraten. Er ist ein wahrer GröBaZ (Größter Berater aller Zeiten). Meine Oma sagte immer: „Ratschläge sind auch Schläge!“ Und Abraham Melzer schlägt um sich:

„Es ging nicht um Antisemitismus, sondern um eine Verleumdung und eine massive Behinderung der Ausübung meines Berufes, indem Frau Knobloch mich verleumderisch als „berüchtigten Antisemiten“ bezeichnet und damit Druck auf diverse Institutionen ausgeübt hat, damit ich einen Vortrag nicht halten kann. Sie hätte mich genauso gut auch als „stadtbekannten Schwulen“ oder als „fanatischen AfD-Anhänger“ verleumden können und es wäre aufs Gleiche hinausgelaufen.“

Moment mal, hier horcht die Teilzeitschwuchtel aber auf. Es soll genauso schlimm sein, ein Antisemit zu sein wie stadtbekannt schwul? Danke, Abraham Melzer für diese wunderbare Erkenntnis. Fahre er fort:

„Es geht einzig und allein darum, dass Knobloch eigentlich ein Berufsverbot für mich fordert und dass ich, wenn ich meinen Beruf nicht ausüben darf, Ihnen Herr Wetzel und allen anderen Bürger dieses Landes, zur Last fallen werde, weil Sie und alle anderen meinen Lebensunterhalt finanzieren müssten.“

Hier reicht es, nur auf das Wort „eigentlich“ zu verweisen. Was Charlotte Knobloch „eigentlich“ fordert, ist ausschließlich in Abrahams Melzers Kopf zu finden, dort wo sich Antisemiten und „stadtbekannte Schwule“ gute Nacht sagen. In dem Kopf gären auch Sätze wie diese:

„Der eiskalte Advokat Nathan Gelbart hat in der Tat versucht, es vor Gericht so darzustellen, dass nicht ich, sondern seine ehrbare und mit unzähligen Verdienstorden behängte Mandantin das Opfer ist.“

„Ich weiß, als Reporter geht man meistens den leichten und schnellen Weg, da man keine Zeit zur gründlichen Recherche hat. Aber bevor sie weiter inkompetent und naiv über Juden schreiben, sollten Sie vielleicht auch mal mit Juden reden, die anders denken als Frau Knobloch.“

„Welchen Pöbel hat sie zur Verhandlung geschickt?“

„Die restlichen Fäkalien will ich gar nicht erwähnen.“

„Frau Knobloch ist aber anders vorgegangen, was dem Gericht auch aufgefallen ist, und zog es vor, mich „platt“ zu machen und mir Redeverbot zu erteilen.“

Das sind Sätze, wie Sie nur ein GröBaZ schreiben kann. Für kurze Zeit waren diese Worte von Abraham Melzer im Internet zu finden, aber sie wurden schnell wieder gelöscht. Zum Glück vergisst das Internet nicht und so sind die Zeilen immer noch auffindbar. Es war vermutlich dieser Teil des Briefs, der zum Versuch einer Löschung geführt hatte:

„Ich sammle auch Spenden und habe Spenden von 5,00 Euro bekommen, aber auch solche von 500,00 Euro und das Geld wird nicht auf mein Konto eingezahlt, weil mein Konto kürzlich von der Commerzbank gekündigt wurde, sondern auf das Konto der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, was aber auch dazu geführt hat, dass die Bank für Sozialwirtschaft dieses Konto erst kürzlich, kaum, dass es bekanntgegeben wurde, zum Ende des Jahres gekündigt hat.“

Moment mal, es gehen Spenden für Abraham Melzer an den eingetragenen und vor allem gemeinnützigen Verein „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“? Was macht der Verein mit diesem Geld? Unter welchem Verwendungszweck werden die Gelder dort eingezahlt? Gibt der gemeinnützige Verein das Geld an Abraham Melzer weiter? Wie sieht es dann steuerlich mit diesen Geldern aus? Ich bin kein Experte in Sachen Steuerrecht, aber meine Oma sagte immer, wenn ihr was komisch vorkam: „Das riecht nicht gut, das würde ich nicht essen!“

Darf ein eingetragener Verein Spenden für private Personen annehmen? Zahlt der Verein etwa Spendengelder an Abraham Melzer aus? Beteiligt sich der Verein vielleicht sogar an seinen Prozesskosten? Dann finanziert der Steuerzahler diesen Prozess mit. Wenn der Verein privaten Pleitiers ihre Prozesse finanziert, klingt das für mich nach einem Verstoss gegen das Gemeinnützigkeitsrecht. Ich finde, da sollte mal jemand genauer nachschauen.

„Barbra Streisand ist eine schlechte Schauspielerin!“

Dieser Satz stand am Anfang dieses Artikels, nicht ganz ohne Grund. Kennen Sie den Streisand-Effekt? Vom Streisand-Effekt wird gesprochen, wenn durch den Versuch, eine Information zu unterdrücken, genau das Gegenteil erreicht wird, nämlich die Information besonders bekannt gemacht wird. Seinen Namen verdankt der Effekt Barbra Streisand, die einen Fotografen und seine Website erfolglos auf 50 Millionen US-Dollar verklagte, weil eine Luftaufnahme ihres Hauses zwischen 12.000 anderen Fotos von der Küste Kaliforniens auf besagter Website zu finden war. Damit stellte sie aber erst die Verbindung zwischen sich und dem abgebildeten Gebäude her, woraufhin sich das Foto schnell im Internet verbreitete.

Abraham Melzer will verhindern, dass Charlotte Knobloch sagt, er sei „für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt.“ Dieser Versuch einer Verhinderung scheint jetzt mehr an den Tag gebracht zu haben, als Abraham Melzer lieb sein dürfte!

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