Was ist schlimmer als Judenhass? Buletten klauen!

Es ist 23:56 Uhr. Der 27. November 2016 neigt sich dem Ende. Am frühen Morgen des Tages alarmierten Passanten im sächsischen Döbeln kurz nach sechs Uhr die Polizei, weil sie einen Menschen an einer Brücke zwischen der Goldbornstraße und der Stadtbadstraße baumeln sahen. Wie sich herausstellte, wurde dort jedoch kein echter Mensch stranguliert, sondern eine lebensechte Reanimationspuppe aufgehängt. Diese war unter anderem mit einem Davidsstern und einem Hakenkreuz beschmiert.

Eine ungeheuerliche Tat mit klarem judenfeindlichen Charakter. Sie wird gewiss ein großes mediales Echo ausgelöst haben. Fehlanzeige! Am Ende des Tages, um 23:56 Uhr, suchte ich bei Google nach „Döbeln“ und bekam ein anderes Verbrechen als erste Nachricht angezeigt: „Buletten geklaut: Döbelner Dieb (71) fährt weiter“.

Ja, Buletten klauen ist wirklich schlimmer als eine Judenpuppe mit Hakenkreuz an einer Fußgängerbrücke aufzuhängen. Es ist auch deutlich wichtiger zu erfahren, dass in Döbeln ein Discounter eröffnet hat und mehrere Straßen gesperrt wurden. Ach ja, und fahrradfreundlich ist Döbeln auch! Sollte man auch wissen! Von dem judenfeindlichen Verbrechen gibt es jedoch keine Spur. Man muss auch nicht über alles berichten.

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27 Antworten zu Was ist schlimmer als Judenhass? Buletten klauen!

  1. Praecox schreibt:

    Offener Brief an Gerd Buurmann

    Lieber Gerd Buurmann,

    als regelmäßiger Nutzer Ihres Onlineangebotes möchte ich mich zunächst für Ihre wertvolle und unermüdliche Arbeit bedanken. Ohne Sie und Ihren Blog wäre die Informationslandschaft in Deutschland deutlich ärmer. Besonders hervorheben möchte dabei Ihren unerschütterlichen Einsatz für das jüdische Leben und gegen Antisemitsmus, den sich in dieser Überzeugungskraft die meisten anderen Informationsanbieter und Medien der Republik zum Vorbild nehmen sollten.

    Leider schießen Sie dabei manchmal auch über das Ziel hinaus und betreiben, um ein auch einen hier (un)beliebten Begriff zu verwenden, postfaktische Stimmungsmache. Die Gefahr ist immer da. Wer aus tiefster Überzeugung handelt und an der Richtigkeit des eigenen Projektes keinen Zweifel hat, den ergreift auf kurz oder lang auch das Gefühl der Richtigkeit. Das ist das Gefährliche! Dass sich rationale und an Fakten haltende Argumentation und Gefühle so überlagern, dass sie nicht mehr unterscheidbar sind.

    Sie, werter Herr Buurmann, müssen entscheiden, wer Sie sein wollen und welchen Zweck Ihr Blog erfüllen soll. Wollen Sie Ihre vielfach hochgelobte Freiheit und damit sich Stimmungen unter- und damit Fakten über Bord werfen? Oder wollen Sie in erster Linie der Wahrheit verpflichtet bleiben und damit Ihren Blog im besten Sinne zu einem Aufklärungsportal machen?

    Mit dem Artikel „Was ist schlimmer als Judenhass? – Buletten klauen“,

    https://tapferimnirgendwo.com/2016/11/28/was-ist-schlimmer-als-judenhass-buletten-klauen/

    haben Sie nun zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit Fakten ignoriert, um mit einer reißerischen Überschrift auf einer Stimmungswelle zu reiten. Sicher, die Überschrift selbst weist auf ein bestehendes, reales Problem hin. Nämlich eine Schieflage in der medialen Berichterstattung zum Thema Antisemitismus. Die Veröffentlichung der Überschrift hätte also genügt, um als Satire auf das Problem hinzuweisen. Sie aber werden gegenüber einer bisher unbekannten Ortschaft in Sachsen despektierlich (Fahrradwege…), obwohl diese Ortschaft mit dem genannten Vorfall nichts zu tun hat.
    Das gleiche taten Sie vor wenigen Wochen gegenüber einer bis dato unbescholtenen Familie aus dem Schwarzwald. (Siehe: https://tapferimnirgendwo.com/2016/10/30/die-landsleute-vom-mattenhof/ und https://tapferimnirgendwo.com/2016/10/31/im-schwarzwald-wird-nicht-nur-der-muell-getrennt/ ) Auch hier nutzen blieben Sie wider besseres Wissen bei Ihrer Darstellung der Dinge, die nicht den Fakten entsprechen! Sie veröffentlichen Namen und Adresse einer Familie aus dem Schwarzwald, die vom Tourismus und damit von Öffentlichkeit lebt und stellen diese Familie damit an den Online-Pranger.

    Sie müssen Sich entscheiden, Herr Buurmann. Sie sind stolz auf die mittlerweile angeblich internationale Reichweite Ihrer Veröffentlichung und Sie nennen hier alljährlich Zahlen über die Aufrufe Ihres Blogs. Sie schreiben für eine Zeitung und werden regelmäßig auch achgut.com zitiert.

    Mit vergrößerter Reichweite wird auch die Verantwortung größer! Und nicht umgekehrt. Herr Buurmann, Sie sind kein kleiner, wenig bedeutender Blogger mehr, der gegen einen (inzwischen ja verstorbenen) bornierten, judenhassenden Greis anschreibt, sondern ein Mann des öffentlichen, bundesweiten Diskurses. Im Interesse Ihrer Leser und Ihres Projektes deshalb mein Aufruf an Sie:

    Bleiben sie nur der Wahrheit verpflichtet!
    Recherchieren Sie bevor Sie schreiben!
    Haben Sie den Mut, Richtigstellungen zu veröffentlichen!
    Bleiben Sie ihren Idealen treu!

    Alles andere führt zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit.

    Mit freundlichen Grüßen
    Praecox

    • Heimchen am Herd schreibt:

      Lieber Praecox, ich wusste es, Du bist vom Wahrheitsministerium! 😉

      • Heimchen am Herd schreibt:

        „Bleiben sie nur der Wahrheit verpflichtet!
        Recherchieren Sie bevor Sie schreiben!
        Haben Sie den Mut, Richtigstellungen zu veröffentlichen!
        Bleiben Sie ihren Idealen treu!

        Alles andere führt zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit.“

        Richtig, Praecox, so ist es!

      • Praecox schreibt:

        Komm mich doch mal in meinem Büro besuchen, liebe Heimchen. Ich habe einen großen Schreibtisch. Ja, Wahrheit braucht viel Platz.

        Stockwerk 13, Zimmer 666

        Sag‘ dem Pförtner einfach das Codewort. Du weißt schon…

  2. Pingback: Bitte. Hört auf zu hetzen. – Ella & Lilou

  3. Praecox schreibt:

    Ort des Geschehens war Roßwein, nicht Döbeln.

    Döbeln ist eine Nachbargemeinde mit eigener Verwaltung. Weder die Goldbornstraße, noch die Stadtbadstrasse liegen in Döbeln. Die Roßweiner Stadtbadstrasse mündet in die Döbelner Strasse.

    Über den Vorfall berichten die Sächsische Zeitung, der MDR, die Freie Presse, Neues Deutschland, die Leipziger Volkszeitung, BILD regional und zwei impressumslose Nachrichtenportale.

    Sobald meine Copy/Paste-Fuktion wieder funktioniert, füge ich die Links ein. Kann aber auch jeder selbst bei Google eingeben. Stichworte: Roßwein News, Roßwein Puppe, Roßwein Puppe Hakenkreuz

  4. Cheesedog schreibt:

    Vielleicht stimmte diese Meldung nicht? Nach Trumps Wahlsieg gab es auch angeblich etliche Überfälle, die es dann anschließend doch nicht gegeben hat.
    http://www.breitbart.com/milo/2016/05/02/hate-crime-hoaxes-growing-epidemic/
    Ich wette, dass diese Anzeige von Linken kam und als man die Puppe gefunden hat, stellte es sich als etwas Harmloses dar. Sorry, aber ich kenne keinen Juden, der permanent über Judenhass jammert. Die meisten (Ausnahme: Avnery, Finkelstein, Blumenthal usw.) Juden wollen einfach in Ruhe leben!

    Wer jetzt anfängt, Breitbart als Quelle zu diskreditieren, dem sei es geschenkt: wie oft haben sich NYT, WAT, Spiegel, Zeit, Welt usw. geirrt? Danke!

    • Clas Lehmann schreibt:

      Permanent jammern? Vielleicht nicht.

      Aber immer im Bewußtsein haben ihn alle, die ich kenne.

  5. besucher schreibt:

    ob dieser „Künstler“ von der ArtCologne war?

  6. ellalilou schreibt:

    Reißerisch und irreführend. Mit den entsprechenden Suchbegriffen gab und gibt es eine Menge Artikel zu finden. Wenn ich nur „Picasso“ eingebe und ggf. auf der Seite eines französischen Autoherstellers lande, mache ich den auch nicht dafür verantwortlich, dass ich nicht entsprechend differenziert gesucht habe. Und zum anderen ist bei einer solchen Tat doch irgendwie auch zu erwarten, dass es länger andauernde Ermittlungen gibt, wegen der ggf. (noch) nicht viel an die Presse raus geht.

  7. klartext schreibt:

    Bitte das arg zweideutige Wort „Judenhass“ konsequent meiden. Es ist Hass gegen Juden, nicht etwa Hass von Juden. Sprache wirkt. Die antisemitischen Verbrechen fangen nicht mit Taten, sondern mit Worten an. Ansonsten ein guter Beitrag, danke dafür. Deutschland bleibt sich eben treu und die Welt braucht die Juden als Sündenböcke für alle Übel.

    • Clas Lehmann schreibt:

      Also, meinem Sprachgefühl zufolge ist das Wort Judenhass absolut eindeutig: Hass gegen oder auf Juden.

      .

  8. Sophist X schreibt:

    Verschweigen ist auch eine Form von Lügen.

    Ich finde es aber sehr beruhigend, dass man pro geklauter Bulette einen Monat Realknast bekommt. Damit gibt mir die Justiz endlich das Gefühl von Sicherheit zurück.

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