Was hängt denn da in Zürich?

Wer sich zur Zeit, im November 2016, in Zürich aufhält, sieht im Zürcher Hauptbahnhof dieses Werbeplakat der Aktion Palästina-Solidarität:

Auf dem Werbeplakat ist eine Frau zu sehen, die Europa darstellt und in gebückter Haltung die Füsse eines breit grinsenden Mannes küsst, der Benjamin Netanjahu darstellt. Dabei werden dem israelischen Premierminister diese Worte in den Mund gelegt: „Wir brechen Völkerrecht durch Landraub, Vertreibung, Apartheid … Unser Joker: Das schlechte Gewissen Europas.“ Dazu steht in großen Worten: „Wir fordern von EU und von der Schweiz: Sanktionen gegen Israel“. Die Schweizerische Bundesbahn verteigt die Werbung mit diesen Worten:

„Wir dürfen keine Zensur üben. Aus juristischer Sicht ist für uns der Inhalt des Plakats damit durch die Meinungsäusserungsfreiheit und die politischen Grundrechte geschützt.“

Moment mal, seit wann ist es Zensur, wenn Werbung nicht geschaltet wird? Das Plakat befindet sich auf einer Werbetafel und jedes Unternehmen darf doch wohl selbst entscheiden, welche Werbung es schaltet. Oder ist das in der Schweiz anders?

Was hat die Schweiz für ein bescheuertes Zensurverständnis? Betreibe ich etwa Zensur, wenn ich bei einer Werbepause im Fernsehen pinkeln gehe? Ist es mir verboten, bei einer TV-Aufzeichnung die Werbung vorzuspulen? Muss eine feministische Zeitung Werbung für den Playboy schalten? Muss eine Zeitung für VeganerInnen Bratwürste bewerben? Muss bald die Islamische Zeitung oder die Jüdische Allgemeine Werbung für Schinkenwürste schalten? 

Im selben Monat, da negative Werbung für Israel in der Schweiz zur Pflicht erklärte wurde, hing im sächsischen Döbeln eine Judenpuppe an einer Brücke. Morgens am ersten Advendtssonntag kurz nach sechs Uhr alarmierten Passanten in Döbeln die Polizei, weil sie einen Menschen an einer Brücke zwischen der Goldbornstraße und der Stadtbadstraße baumeln sahen. Wie sich herausstellte, wurde dort jedoch kein echter Mensch stranguliert, sondern eine lebensechte Reanimationspuppe aufgehängt. Diese war unter anderem mit einem Davidsstern und einem Hakenkreuz beschmiert.

War es der Polizei überhaupt erlaubt, diese Puppe abzuhängen oder war das Zensur? Vermutlich war die Puppe auch von der Meinungsfreiheit gedeckte Werbung gegen Juden, die aufgehängt werden muss. Das wird man ja noch sagen dürfen! Alles andere wäre Zensur!

Im selben Monat wurde übrigens Israel von einer Feuer-Intifada heimgesucht, die das Land in Flammen setzte und über 75.000 Menschen zur Flucht zwang. Auf Facebook freute sich auf Seiten wie „Islam Fakten“ ein hasserfüllter Mob über die zerstörerischen Flammen. Sprüche wie „Scheiß Juden“, „Israel soll brennen“ und „Verbrennt Ihr Hurensöhne“ machten die Runde.

Feuer gehörte schon immer zu den Lieblingswaffen der Nazis. Im November 2016 wurde das Feuer in Israel von vielen Leuten so gefeiert, wie Nazis einst die Brände im November 1938 feierten und zur gleichen Zeit wurde in Deutschland eine Puppe mit Davidstern und Hakenkreuz an eine Brücke aufgehängt und in Zürich lässt die Aktion Palästina-Solidarität allen Anstand fahren und die Schweizer Bundesbahn muss den abgefahren Anstand hängen lassen, weil Werbung Meinungsfreiheitpflicht ist, wenn es gegen Israel geht.

Ein trauriger November!

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