Entscheidung zu Karfreitag – Bundesverfassungsgericht verteidigt Respekt

An Karfreitag erinnern Christen der Menschwerdung ihres Gottes. Er wurde Mensch, indem er litt, starb und im Sterben an Gott, also an sich selbst, zweifelte. In den Evangelien des Markus und Matthäus finden sich folgende letzte Worte von Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ Der Zweifel macht den Menschen aus. Jesus hadert mit Gott. Gott zweifelt an Gott. Da muss man erst einmal drauf kommen!

An Karfreitag hören Christen keine Musik, tanzen nicht und die Kirchenglocken werden nicht geläutet. Karfreitag ist für Christen ein besonderer Tag, der in Stille begangen wird. Es gibt jedoch Bundesländer, da halten nicht nur Christen inne. In dieseb Ländern werden alle Menschen gezwungen, sich der chistlichen Tradition zu unterwerfen. Bayern untersagt es allen Bürgerinnen und Bürgern, mögen sie nun christlich sein oder nicht, an Karfreitag Theater zu spielen oder öffentliche Tanzveranstaltung zu besuchen. In NRW sind bis zum Samstag um 6 Uhr morgens, also ganze 30 Stunden, folgende Aktivitäten untersagt: Märkte, gewerbliche Ausstellungen, Sportveranstaltungen einschließlich Pferderennen, Zirkus, Volksfeste, Freizeitanlagen, soweit dort tänzerische und artistische Darbietungen erfolgen, alle Unterhaltungsveranstaltungen einschließlich sämtlicher, auch klassischer, Theater- und Musikaufführungen wie Opern, Operetten, Musicals, Puppenspiele und Ballett, Spielhallen, Wettannahme, musikalische sowie sonstige unterhaltende Darbietungen in Gaststätten sowie alle anderen der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz. Mit anderen Worten: Karfreitag ist NRW ein Gottesstaat!

Das Bundesverfassungsgericht hat diesem Gottesstaat nur einen Riegel vorgeschoben und entschieden: Der ausnahmslose Schutz des Karfreitags verstößt gegen das Grundgesetz (Az. 1 BvR 458/10). Die Karlsruher Richterinnen und Richter gaben einer Verfassungsbeschwerde des Bundes für Geistesfreiheit statt. Die anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft vertritt die Interessen konfessionsloser Menschen und will die strikte Trennung von Kirche und Staat.

Das Bundesverfassungsgericht erklärt, es sei zwar grundsätzlich gerechtfertigt, für bestimmte, auch christliche Feiertage einen „qualifizierten Ruheschutz“ zu schaffen, heißt es in dem Beschluss. Gar keine Ausnahmen zuzulassen, sei aber mit der Weltanschauungs- und Versammlungsfreiheit unvereinbar. Der Beschluss weist insbesondere darauf hin, dass dies besonders dann gelte, wenn eine Veranstaltung in einem geschlossenen Raum stattfindet! Im Zweifel müsse man Auflagen machen, statt zu verbieten!

Mit der Entscheidung hat sich das Bundesverfassungsgericht für Respekt ausgesprochen. Respekt kann nicht erzwungen werden. Respekt ist eine Form der Wertschätzung, ein Geschenk der Aufmerksamkeit und der Ehrerbietung. Respekt ist nur da möglich, wo sich ein Mensch frei dazu entscheidet, seine Wertschätzung und seine Aufmerksamkeit zu schenken. Alles andere ist Zwang. Es ist wie ein Kind, das von der Mutter gezwungen wird, Danke zu sagen. Ein erzwungenes Danke ist kein Dank und erzwungener Respekt ist kein Respekt!

Mit der Entscheidung hat sich das Bundesverfassungsgericht ebenfalls gegen staatlich vorgeschriebene Gotteslästerung ausgesprochen, denn genau das ist das Karfreitagsgesetz! Es ist gotteslästerlich zu glauben, der allmächtige Gott brauche menschliche Institutionen und Regierungen, um seine Macht zu bezeugen. Ein Staat, der sich so etwas anmaßt, reduziert den Allmächtigen zu einem Wesen, so schwach, so mickrig und so unbedeutend, dass er sogar der Hilfe der Landesregierung NRW bedarf. Respekt und Ehrfurcht vor Gott sehen anders aus!

Ein Glaube, der es nicht schafft, die Herzen seiner Anhänger ohne staatlichen Zwang zu erreichen, ein Glaube, der nicht stark genug ist, dass er sich auch unter Nachbarn mit fremden Sitten und Gebräuchen entfalten kann, ein Glaube, der nur leben kann, wenn er anderen Menschen Fesseln anlegt, ist ein schwacher Glaube. Ein Gott, der auf Staatsdiener angewiesen ist, um seinem Wort Nachdruck zu verleihen, ist ein armseliger Gott!

Das Bundesverfassungsgericht hat nun erklärt, dass Gott keine staatlichen Gesetze braucht und Respekt nicht erzwungen werden darf! Eine gute Entscheidung!

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14 Antworten zu Entscheidung zu Karfreitag – Bundesverfassungsgericht verteidigt Respekt

  1. davboe schreibt:

    „Er wurde Mensch, indem er litt, starb und im Sterben an Gott, also an sich selbst, zweifelte.“

    Lieber Herr Buurmann,
    eine recht eigenwillige Deutung des ‚incarnatus est‘ 😊 die aber kaum einen der bestallten „Thea-/Theolog*Innen“ in dem Bedford-Verein und Kässmann-Club beunruhigen dürfte; findet man doch die besten Atheisten in hohen Kirchenämtern.

    Ansonsten: Volle Zustimmung. Was der liebe Herr Jesus so alles an staatlichem Schutz und Zuwendung nötig zu haben scheint, ist eines Gottes doch wirklich unwürdig.
    Vale!

  2. Jens schreibt:

    Wenn die Özoguzes, die Göring-Eckardts und die Käßmanns erst den Umbau Deutschlands vollendet haben werden, werden sich Christen, Nicht-Christen und Atheisten wehmütig an diesen einzigen Tag erinnern, and diesen Karfreitag, an diesen einzigen Tag ohne Fun, an diesen einzigen Tag, der eben dadurch daran erinnerte, dass man noch in den Restbeständen eines einst christlich geprägten „Abendlandes“ gelebt hat. Wenn erst der Umbau vollendet sein wird, wird es unter dem Halbmond nur noch Karfreitage geben. Freudlose.

  3. Heimchen am Herd schreibt:

    „Das Bundesverfassungsgericht hat nun erklärt, dass Gott keine staatlichen Gesetze braucht und Respekt nicht erzwungen werden darf! “

    Ob es Gott wohl interessiert, was das Bundesverfassungsgericht entschieden hat??
    Wohl kaum!

    Das Bundesverfassungsgericht ist NICHT Gott und das ist auch gut so!

  4. Sophist X schreibt:

    Leute, die eine Sekunde in so ein sinnloses Nebenthema investieren, haben mein Beileid.
    Die Sache wurde von Brüdern im Unglauben ohne jeglichen Anlass ins Rollen gebracht (soweit es meine gelangweilte Kenntnisnahme hergibt).
    Ich distanziere mich ausdrücklich von diesen Tölpeln.

  5. Adolf Breitmeier schreibt:

    Wieso darf dann der Muezzin täglich (bis zu) fünfmal am Tag die Überlegenheit des Islams und seines Gottes verkünden? Da werden doch ganze Stadtviertel, die nichts mit dem Islam am Hut haben, gezwungen, dem Mondgötzen Allah, Herr des Sirius und Vater von drei Töchtern zuzuhören, ob sie wollen oder nicht.

    • M.S. schreibt:

      In meinem Stadtviertel mit hoher Kirchendichte werden Leute wie ich, die nichts mit irgendeiner Religion am Hut haben, tagein, tagaus zu jeder vollen Viertelstunde durch Glockengebammel behelligt, dem sie zuhören müssen, ob sie wollen oder nicht. Gleich biegt bestimmt @Kanalratte mit seinen üblichen Doppelstandards ums Eck, und @A.S. merkt an, dass derlei Kommentare der AfD Zulauf bescheren… Auch Sie, @Gerd Buurmann, haben mit Ihrem deutschbrauchtumskritischen Text nun den Untergang des Abend-, zumindest aber des Vaterlandes befördert – tz tz tz!

      • M.S. schreibt:

        „Die Glocke stört, es stört der Muezzin, / Man bringe sie zum Schweigen, die wie ihn.“ -Peter Hacks

        • Thomas ex Gotha schreibt:

          Seien Sie bedankt dafür, dass man hier, in diesem Meer von Unvernunft, in dem sich die Paranoiker und anderweitig Gestörten tummeln, diese Verse von Hacks lesen darf.

          • M.S. schreibt:

            @Thomas ex Gotha: Da nicht für, Thomas. Wohltuend, mal wieder etwas von Ihnen zu lesen, auch wenn’s kurz war. Mittlerweile ist dieses Blog ja kaum noch von virtuellen Tollhäusern wie „pi“, „quotenqueen“ u.Ä. zu unterscheiden. Das hat Buurmann nicht verdient – oder doch? Schließlich lässt er, konsequent Liberaler, der er ist, es zu, dass alles, was da will, sich in seinem Salon breitmacht.

  6. Dante schreibt:

    Er wurde Mensch, indem er litt, starb und im Sterben an Gott, also an sich selbst, zweifelte. In den Evangelien des Markus und Matthäus finden sich folgende letzte Worte von Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“

    Was freilich auch ohne das folgende Hintergrundwissen bedeutet, dass er keinesfalls an der Existenz Gottes zweifelt, sondern sich gerade an diesen wendet, nicht ganz ohne Vorwurfsvollen Unterton, den sein »warum« enthält.
    Mit »Hintergrundwissen« meine ich, dass dies ein Zitat aus Psalm 22 ist, der eine dem Volk Israel allzu bekannte Situation wiedergibt. Indem Jesus diesen Psalm zitiert, erweist er sich einmal mehr als wirklicher Jude.

  7. ceterum censeo schreibt:

    Nichtmitglieder einer christlichen Kirche sollten nicht mit christlichen Feiertagen behelligt werden, sondern arbeiten gehen. Nach Feierabend sollen sie auch ruhig tanzen und Theater spielen .
    Amen.

  8. Hein schreibt:

    „Ein Staat, der sich so etwas anmaßt, reduziert den Allmächtigen zu einem Wesen, so schwach, so mickrig und so unbedeutend, dass er sogar der Hilfe der Landesregierung NRW bedarf.“
    Ja, dann wäre er wirklich auf den Hund gekommen.

Seid gut zueinander!

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