Die Auschwitzkeule

Am 17. Januar 2017 hielt Björn Höcke im Dresdner Ballhaus Watzke eine durch und durch widerliche Rede im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dresdner Gespräche“ organisiert vom Jugendverband der Alternative für Deutschland. In dieser Rede nannte Björn Höcke das Holocaustmahnmal in Berlin ein „Denkmal der Schande“. Einen Tag später erklärte er:

„Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Rede Martin Walsers vom 11. Oktober 1998 anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche erinnern. Damals sagte Walser: ,In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.‘ Er sprach sogar von einer ,Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken‘.“

Björn Höcke gräbt also die Auschwitzkeule wieder aus. Tapfer im Nirgendwo veröffentlicht daher erneut und überarbeitet den Artikel „Die Auschwitzkeule“ aus dem Jahr 2010.

Tapfer im Nirgendwo

und wie sie entdeckt wurde.

Am 11. Oktober 1998 wurde in Frankfurt am Main eine der bedeutendsten Funde in der Geschichte Deutschlands gemacht. Unter allgemeiner Begeisterung grub Dr. Martin Walser in der Paulskirche die Auschwitzkeule aus. Seit dieser Entdeckung, die in ihrer Bedeutung der Entdeckung Trojas in nichts nachsteht, hat die Auschwitzkeule einen Siegeszug durch ganz Deutschland angetreten. Heute gibt es kaum noch eine Person in Deutschland, die sich vor der Auschwitzkeule nicht fürchtet. Was in Walsers Worten noch so klang: „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule“, hörte sich später bei dem TAZ-Journalisten Bodemann wie so an: „Vor allem in Deutschland kann der Antisemitismusvorwurf tödlich sein, und so hüten sich viele Juden wie Nichtjuden davor, den Mund aufzumachen.“

Die Auschwitzkeule hat gesiegt! Überall in Deutschland sitzen verzweifelte Menschen in den Exilen ihrer Deutschen Wohnzimmer. Gerne würde sie etwas Kritisches sagen, zum…

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13 Antworten zu Die Auschwitzkeule

  1. O. Paul schreibt:

    Gerade die Diskussion um Höckes Aussage zeigt doch, wie sehr die sogenannten Gutmenschen die politische Tagesordnung in Deutschland für sich beanspruchen. Jede Diskussion wird im Keim erstickt, egal mit welchen Mitteln. Auch Fake- News sind da gern gesehen.

    • bevanite schreibt:

      Was gäbe es denn zu diesem völkischen Geschwurbel so Wichtiges zu diskutieren?

      • HM schreibt:

        bevanite schreibt:
        „Was gäbe es denn zu diesem völkischen Geschwurbel so Wichtiges zu diskutieren?“

        Na zu diskutieren wäre, ob ein Land nur seine „Glorreichen“ Personen und Taten in Form von Denkmälern verewigt (wie ich es aus anderen Ländern kenne) oder in gleicher Vehemenz an die Schweinereien erinnert.

        • bevanite schreibt:

          Na zu diskutieren wäre, ob ein Land nur seine „Glorreichen“ Personen und Taten in Form von Denkmälern verewigt (wie ich es aus anderen Ländern kenne) oder in gleicher Vehemenz an die Schweinereien erinnert.

          Auch in anderen Ländern wird an die Schweinereien erinnert. Hier ein Beispiel aus Russland:

          Das hier ist die Gedenktafel für die Opfer in Srebrenica während des jugoslawischen Bürgerkrieges:

          Ähnliche Denkmäler finden Sie in vielen Ländern, und meistens sind damit auch geschichtspolitische Debatten verbunden wie sie es damals hier auch mit dem Holocaust-Mahnmal gab. Hat Höcke scheinbar alles in seiner monothematischen Sichtweise übersehen.

          • HM schreibt:

            Ihr russische Beispiel erinnert woran? Falls Sie einen link hätten der mehr Informationen bereithält, wäre das nett.

          • bevanite schreibt:

            Es ist ein Mahnmal an die Opfer das Stalinismus. Entstanden ist es durch die Initiative der Bürgerrechtsgruppe „Memorial“ (im englischen Wikipedia steht dazu etwas unter „politcal work“: https://en.wikipedia.org/wiki/Memorial_(society) ), und zwar schon 1990 (also ein ganzes Jahrzehnt vor dem Holocaust-Mahnmal). Heute beruft sich Putin ja durchaus positiv auf Stalin, aber in der Wendezeit war dies noch anders.

  2. HM schreibt:

    Ihr Walserzitat, lieber Buurmann, könnte 1.1 von Broder sein. Denn der hat auch nicht allzuviel Sympathie für dieses Denkmal

  3. HM schreibt:

    Was ist das auch für eine fragwürdige Diskussion ?
    Es wird wohl eher selten Widerspruch auftauchen, wenn man feststellt, dass so ziemlich alles und jedes auch missbräüchlich verwendet werden kann.
    Warum sollte das beim Thema „Ausschwitz“ anders sein?

  4. xtraa schreibt:

    Was kaum verstanden wird: Dieses Denkmal ist ein Denkmal für ganz Europa. Es soll halt mal zum Denken anregen. Ich kenne die Argumentation der intellektuellen sehr gut und Höcke argumentiert dies in die Richtung einer deutschen Schuldknechtschaft, natürlich ausgelöst vom allgegenwärtigen Zionismus. Dies macht er geschickt – er impliziert rechtfertigend, wo denn die Denkmäler sind in Brüssel, für den Diamantengenozid im Kongo, wo denn in England, für die Opfer der unterjochten Kolonien, usw. Damit spricht er die typische Argumentationskette eben dieser intellektuellen Rechten an. Weiterführend geht es letztendlich in die Richtung, dass Deutschland zum ersten WK genötigt wurde, vor allem durch die Entsagung vom Goldstandard und den Auflagen für internationale Banken, die Spekulationsgeschäfte durch eine lange Wiederverkaufssperre unmöglich machte. Natürlich stecken auch hier die Juden hinter allem. Als letzter Schritt der Kette kommt dann der zugegebenermaßen wirkliche Abzockvertrag von versailles dazu, und dass dann Hitler genau das richtige getan hätte. Der Holocaust wird dabei nie geleugnet, jedoch in die Kategorie „Ja, wer weiß denn schon , wie viele Tote es wirklich waren und wie es tatsächlich gewesen ist“ auch wieder impliziert in Frage gestellt.

    Das Problem: Bis auf die versuchte Schmälerung des Holocausts steckt in allen Argumenten ein Anteil historischer Wahrheit. Denn natürlich schrieben die Gewinner die Geschichts- und Schulbücher und im Rahmen der Entnazifizierung sind viele Dinge bewusst unter den Tisch fallen gelassen. Wernher von Braun und Operation Paperclip z. B. oder ob die Vergeltung mit Bomber Harris wirklich nötig war – oder eben der ungerechte Versailler Vertrag. Ja, und das Zinssystem sowieso. Da fangen sie bei Aristoteles an und trotzdem sind am Ende wieder die Juden schuld.

    Intellektuell begeisterte Historiker und Kunsthistoriker sind in der Rechten besonders gefährlich. Sie schaffen es am besten, immer passende Beispiele und Gegenbeispiele aus der Geschichte zu bringen. Und wer nicht einen Haufen Bücher dabei hat, schafft es oft nicht zu erkennen, wo dann bewusst Falschaussagen der rechten dazwischen gestreut werden. Bei öffentlichen Auftritten geschieht das natürlich nicht, man will ja keine Angriffsflächen bieten.

    • xtraa schreibt:

      Bleibt noch, kurz das Offensichtliche anzumerken: Das oben Geschriebene stellt keineswegs meine Meinung dar, sondern soll nur die Argumentationskette der so genannten „intellektuellen Rechten“ aufzeigen.

  5. Erwin9999 schreibt:

    Sie haben aber schon verstanden das er nicht meinte dass das Denkmal eine Schande sei sondern ein Denkmal der(deutschen)Schande ist.

    Eine Umfrage unter Schülern nachdem sie das 3 Reich durchgenommen haben ergab das weitaus mehr Deutsche nicht mehr als Deutsche wiedergeboren werden wollten(wenn sie die Wahl hätten) als Ausländische Schüler,diese wollten meistens wieder im als X geboren werden.

    Das zeigt doch das hier etwas nicht stimmen kann.Oder meinen sie diese psychische Folter ist ok?Das ist genau das gleiche wenn man dem Kind eineser Vergewaltigers jeden Tag sagen würde:Dein Vater ist ein Vergewaltiger,schäm dich…

    Ein Schande ist dass das Geld für dieses Mahmal nicht den Opfern des Nazi Regimes gegeben wurde.Zig Millionen für ein Denkmal.

    Wikipedia:
    Für den Bau des Denkmals wurden 27,6 Millionen Euro aus Mitteln des Bundeshaushalts ausgegeben.

    Im Oktober 2003 kam es zu einer Unterbrechung der Arbeiten, als bekannt wurde, dass von der ausführenden Firma für den Bau der Fundamente und der Stelen ein Anti-Graffiti-Schutz der Degussa AG beauftragt werden sollte. Die Degussa-Tochter Degesch hatte während der Zeit des Nationalsozialismus das Giftgas Zyklon B hergestellt, das in den Konzentrationslagern zur Ermordung von Juden eingesetzt wurde.

    Der damalige Zentralrats-Vorsitzende Ignatz Bubis distanzierte sich 1998 wie folgt:

    „Es ist Sache der Nichtjuden, ob sie in der deutschen Hauptstadt ein Mahnmal für das ermordete europäische Judentum errichten wollen oder nicht. Der Zentralrat ist deshalb auch nicht Mitglied des Förderkreises und weder in der Jury noch in einem anderen Gremium vertreten.“[19]
    

    Auch im Rahmen der Walser-Bubis-Kontroverse war das Mahnmal Thema. Martin Walser bezeichnete es als „fußballfeldgroßen Alptraum“ und „Monumentalisierung der Schande“.[20][21][22] Auch Spiegel-Gründer Rudolf Augstein wendete sich in einem Debattenbeitrag gegen das „Schandmal“, das „gegen Deutschland gerichtet“ sei.[23][20]
    https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_die_ermordeten_Juden_Europas#Kosten

  6. Lotosritter schreibt:

    Die Rede Walsers verstand ich damals so, dass er den sinngemäßen Spruch Fischers: Nie wieder Ausschwitz, nie wieder Krieg!, den dieser als Begründung für den Kosovokrieg und die Beteiligung der Bundeswehr lieferte, sanktionieren wollte. Jedenfalls hielt ich es schon für sehr infam, einen Kriegseinsatz so rechtfertigen zu wollen und hierfür die Shoa zu instrumentalisieren.

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