Wahre den Glauben! Wahre das Gesicht!

Wer hat Dir gesagt, Dich hinter einem Schleier zu verstecken? Wer hat Dir gesagt, aus dem Weg zu gehen? Lass es nicht zu, dass sie Deine Träume stehlen. Habe Mut. Breite Deine Flügel aus und atme. Wer hat Dir gesagt, dass ich den Punkt erreicht habe, wo ich nichts mehr bedauere? Wer hat Dir gesagt, dass mein Leben ein Buch voller Märchen ist? Ich habe viele Male verloren, aber ich habe nie meine Hoffnung verloren. Wahre den Glaube. Wahre das Gesicht. Denk daran, dass du nicht alleine bist. Halte meine Hand und komm mit. Du bewahrst Dir den Glauben, bewahrst das Gesicht. Lass Dich nicht unterkriegen, auch wenn die Welt hart ist. Du musst aus eigener Kraft stehen.

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Diese Worte sind lediglich eine Übersetzung von mir. Das Original ist englisch und stammt von Tako Gachechiladze. Sie wird damit Georgien beim Eurovision Song Contest 2017 vertreten.

Den Satz „Keep the Faith“ habe ich nicht nur mit „Wahre den Glauben“ übersetzt, sondern auch mit „Wahre das Gesicht“, denn der Satz „Keep the faith“ kann auch als „Keep the face“ ausgesprochen werden. Mit Doppeldeutigkeiten kennt Tako Gachechiladze sich schließlich aus. Beim 54. Eurovision Song Contest im Jahr 2009 in Moskau wurde das Lied „We Don’t Wanna Put In“ von Stephane & 3G, bei dem sie mitsang und das ebenfalls für Georgien antrat, disqualifiziert. Georgien und Russland befanden sich damals in einem militärischen Konflikt und der Titel des Lieds war zweifach zu verstehen, nämlich „Wir geben nicht auf“ (We don’t wanna put in), aber auch „Wir wollen Putin nicht“ (We don’t wanna Putin). Zudem machten die Sängerinnen mit der Hand die Bewegung eines Kopfschusses und sangen dabei: „Er tötet den Groove. Wir wollen ihn erschießen!“

Doppeldeutigkeiten haben beim Eurovision Song Contest Tradition. Beim 52. Eurovision Song Contest in Finnland zum Beispiel schaffte es ein Lied aus der Ukraine auf Platz 2, was damals in Russland für Verstimmung sorgte. Das Lied hieß „Dancing Lasha Tumbai“. „Lasha Tumbai“ bedeutet Schlagsahne auf Mongolisch. Es war das erste Mal in der Geschichte des Eurovision Song Contest, dass Mongolisch gesungen wurde. Die Sängerin des Liedes, Verka Seduchka, sang bei der Aufführung des Lieds die Worte „Lasha tumbai“ jedoch so, dass sie sich anhörten wie „Russia goodbye“ (Russland Leb Wohl). Dazu machte sie eine Handbewegung des Winkens.

In Russland sah man darin eine Anspielung auf die sogenannte Orangene Revolution in Ukraine aus den Jahren 2004/05, in der von dem Revoltierenden eine stärkere Distanzierung von Russland gefordert wurde. Jetzt singt Tako Gachechiladze über den Glauben und das Wahren des Gesichts und beginnt das Lied mit den Worten „Wer hat Dir gesagt, Dich hinter einem Schleier zu verstecken?“ Bei dem georgischen Vorentscheid wurden während des Liedes im Hintergrund neben Bildern von Flüchtlingen, Kriegen und Hungersnöten auch das Bild einer vollverschleierten Frau und ein Video von maskierten islamischen Terroristen gezeigt.

Ich bin mal gespannt, wie dies von den Verantwortlichen aufgenommen wird, denn im Regelwerk des Eurovision Song Contest von der European Broadcasting Union heißt es recht deutlich im Abschnitt 1.2.2.h:

„Die Texte und Aufführung der Lieder dürfen weder den Eurovision Song Contest als solchen noch die European Broadcasting Union in Misskredit bringen. Keine Texte, Reden, Gesten politischer oder ähnlicher Art sind während des Eurovision Song Contest zulässig. Fluchen oder in anderer Form nicht akzeptabel Sprache in den Texten oder in den Aufführungen der Lieder sind nicht erlaubt. Keine Botschaften einer Organisation, Institution, politischer Angelegenheit oder von Unternehmen, Marken, Produkten oder Dienstleistungen dürfen gefördert werden, weder in den Shows selbst, noch innerhalb des offiziellen ESC Geländes, (das heißt an der Abendkasse, im Eurovision Dorf oder im Presse-Center, usw). Ein Verstoß gegen diese Regel kann zur Disqualifikation führen.“

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2 Antworten zu Wahre den Glauben! Wahre das Gesicht!

  1. Melanie schreibt:

    Danke für ein weiteres Video.

    Und ich glaube, Faith bedeutet in diesem Lied auch Faith, und nicht Face. Nicht zu viel überinterpretieren 😉

    Aber ich finde, dieser Beitrag fällt doch hinter „Italien“ zurück. Melodramatische Lieder mit langer Haarmähne (immerhin hier noch auf Windmaschine verzichtet) sind eigentlich immer diejenigen, bei denen wir uns noch was vom Buffet holen/auf dem Balkon eine rauchen/Pi…pause einlegen :-).

    Aber wer weiß, denn letztes Jahr hat ja auch ein „Melodramatisches“ gewonnen 🙂

    Ich bleibe weiter gespannt auf was da kommt, und freue mich immer über Austausch. (Denn so Fan ist niemand von meinen kommenden Gästen wie ich, dass sich jemand das im Vorfeld mit mir angucken würde 🙂 )

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