Darf Dunja das?

Die Journalistin Dunja Hayali hat der Wochenzeitung Junge Freiheit ein Interview gegeben und aus allen Ecken schallt es: „Darf die das?“

Nicht wenige Kritiker der Jungen Freiheit werfen Hayali vor, sie mache mit ihrem Gespräch ein „rechtes Organ“ salonfähig. Einige Leserinnen und Leser der Wochenzeitung wiederum werfen der Redaktion vor, Dunja Hayali mit dem Interview ein unverdientes Podium zu bieten. Wie ähnlich sich manche Gegner in der Methodik ihres Umgangs miteinander doch sind. Tuvia Tenenbom sagt in seinem Buch „Allein unter Flüchtlingen“:

„Hey, lieber weiß ich, was die Leute über mich denken, als meine Zeit mit ‚Liberalen‘ zu vergeuden, die mir Liebe schwören, mich und andere Juden aber in Wahrheit nicht ausstehen können.“

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in eine Kneipe und da sitzt ein Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie würden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trüge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten ist. Sie würden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er würde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrüßen, weil das unter Hate Speech fällt. Sie würden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das Gespräch auf ein Thema fällt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spät. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist. Ich weiß lieber, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet. Außerdem möchte ich mit einem Nazi nicht plaudern. Mit einem Nazi möchte ich ausnahmslos Klartext reden!

Ich gebe den naiven Glauben nicht auf, dass Reden, Zuhören und Streiten helfen, sich zu erkennen, unter Umständen zu verstehen und möglicherweise den Hass zu mindern! Außerdem ist Zuhören ein präventiver Schutzmechanismus. Nur so lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schützen sollte. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden!

Ich kenne Leute, die durchstöbern Facebook danach, wer die AfD wählt oder mit Pegida-Leuten diskutiert, nur um sie dann zu blockieren, ganz so, als hätten sie dadurch einen heroischen Akt des Widerstands geleistet, der sie auf eine Stufe mit der Weißen Rose stellt. Es hilft aber nichts, seine politischen Gegner als „Pack“ zu bezeichnen und ihnen den Stinkefinger zu zeigen. Im politischen Diskurs müssen wir mit ihnen reden! Wenn es Leuten schlecht geht, flüchten sie. Manche flüchten in andere Länder, andere flüchten in Ideologien. Einige Länder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer sich das Äußern einer Meinung verbittet, sorgt lediglich dafür, dass die Meinung nur noch gedacht wird! Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spät!

Wer alles ausklammert und entfreundet, was ihm nicht gefällt, wird blind für das, was wirklich in der Gesellschaft vor sich geht und wird entsetzt aus dem Sessel fallen, wenn bei einer Wahl die Menschen in der geheimen Wahlkabine ihre Meinung in ein definitives Kreuz verwandelt haben. Dann fallen sie aus allem Wolken und sagen, sie hätten all das nicht kommen sehen. Natürlich haben sie es nicht kommen sehen! Sie haben ja auch all die Menschen entfreundet. Sie konnten sich nicht mit diesen Menschen auseinandersetzen, ihnen nicht entgegentreten und ihnen nicht widersprechen. Alles nur, weil sie diese Menschen nicht kannten. Sie vermehrten sich im Verborgenen, Geheimen, Verbotenem. Andere Meinungen ausklammern ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen!

In den letzten Jahren wurde ich aufgrund meiner Verteidigungen schon in die abenteuerlichsten Ecken gestellt. Die Liste der Hasszuschriften gegen mich ist lang. Als ich die Behandlung von vermeintlichen Nordafrikanern durch die Polizei in der Silvesternacht zum 1. Januar 2017 kritisierte, wurde mir vorgeworfen, ich würde die Sicherheit der Frauen verraten. Als ich die Ausschreitung eines gewalttätigen Mobs gegen Milo Yiannopoulus kritisierte, wurde mir vorgeworfen, ich würde die Homosexuellen verraten. Immer wenn ich den Hass gegen Israel kritisiere, wird mir vorgeworfen, ich würde die Palästinenser verraten. Aufgrund meines Wahlkampfes für Hillary Clinton wurde mir Verrat an Israel vorgeworfen und wegen meiner Aussage, Donald Trump sei kein Populist, wurde ich zum Rechtspopulisten erklärt. Als ich das Recht auf Meinungsfreiheit auch für einen AfD-Politiker forderte, wurde mir vorgeworfen, ich mache Wahlkampf für die AfD. Man muss aber kein AfD-Sympathisant sein, um zu kritisieren, dass auf einen Plakatierer der AfD und auf ein Parteibüro der AfD geschossen wurde. Als ich das Recht auf Meinungsfreiheit für Jan Böhmermanns verteidigte, wurde mir vorgeworfen, ich sei ein Türkenfeind. Als ich das Recht von Chris Tall verteidigte, Witze zu machen, war ich ein weißer Rassist. Als ich auch Xavier Naidoo verteidigte, wurde mir vorgeworfen, ich sei nun völlig durchgedreht. Aufgrund meines Einsatzes für den Feminismus werde ich von einigen Leuten so gescholten wie von anderen Leuten für meinen Einsatz für Flüchtlinge.

Ich bin Feminist, streite für Israel, wirke in der FDP, verabscheue die AfD, kämpfe gegen Homophobie, kritisiere den Islam, lache über den Katholizismus und habe keine Angst vor Menschen, die ihr Meinung sagen. Ich habe Angst vor Menschen, die sich so sicher und so frei von jedem Zweifel sind, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Mir macht diese Selbstgerechtigkeit Angst, denn wer weiß, ob nicht jene Menschen, die anderen das Recht nehmen, sich am Diskurs zu beteiligen, nicht auch morgen mich aus dem Diskurs entfernen, weil sie glauben, ich sei eine Gefahr.

„Wehret den Anfängen“ brüllen die Gerechten und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht. In Deutschland findet sich diese Gewalt in manch einer Redaktionsstube. Tuvia Tenenbom schreibt:

„Die meisten deutschen Journalisten, die ich kennengelernt habe, halten den Journalismus für ein Instrument der ‚Volkspädagogik‘, bei dem Tatsachen viel weniger zählen als das ‚richtige Denken‘. In ihrer Selbstwahrnehmung stehen sie eine Stufe über den ‚Massen‘ und halten es für ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Leute das Richtige denken.“

In meinen Augen gibt es niemals einen Grund, ein Gespräch zu verweigern. Es gibt jedoch auch keinen zwingenden Grund, ein Gespräch zu suchen. Jeder Mensch ist frei, seinen Mund, seine Ohren und seinen Arsch zu öffnen, für wen und für was auch immer. Niemand muss reden. Jeder darf ignorieren. Es zeugt allerdings von sehr schlechtem Benehmen, jenen, die reden, üble Absichten zu unterstellen. Es ist auch anmaßend, einer gestandenen Journalistin die Fähigkeit abzusprechen, ihre eigenen Taten nicht abschätzen zu können. Dunja Hayali sagt: „Wir müssen reden!“ Recht hat sie. Mit Freunden kann ich schweigen. Bei Gegnern geht nur reden – oder Gewalt.

Dieser Beitrag wurde unter Liberalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

37 Antworten zu Darf Dunja das?

  1. davboe schreibt:

    Salut !
    Ich habe so meine Bedenken hier und dort – etwa dort, wo Einsicht in das Innere meines Gegenüber mir die Zeit lassen soll, mich ggfs. vor ihm zu schützen: die Zeit wird es manchmal einfach nicht geben – aber hier bin ich froh, dass einmal so verdichtet zu lesen:

    „Ich bin Feminist, streite für Israel, wirke in der FDP, verabscheue die AfD, kämpfe gegen Homophobie, kritisiere den Islam, lache über den Katholizismus und habe keine Angst vor Menschen, die ihr Meinung sagen. Ich habe Angst vor Menschen, die … so sicher und so frei von jedem Zweifel sind, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Mir macht diese Selbstgerechtigkeit Angst, denn wer weiß, ob nicht jene Menschen, die anderen das Recht nehmen, sich am Diskurs zu beteiligen, nicht auch morgen mich aus dem Diskurs entfernen, weil sie glauben, ich sei eine Gefahr.“

    Und diese Gefahr droht vielleicht von ganz unerwarteter Seite.
    Wir leben in wirren Zeiten.
    Es werden Fronten aufgemacht, diese medial aufbereitet, Menschen dadurch gegeneinander aufgebracht … und letztlich unnötig verrieben.

    Am Ende steht, so ist zu befürchten, nichts Gutes.
    Ich hoffe, wir verlieren nicht die Freiheiten, die uns der „Kampf gegen Terror“ und missliebige Meinungen noch gelassen hat. Das kann schneller gehen als uns lieb ist.

    • davboe schreibt:

      Oh, ich vergaß … Auch wenn’s in der BILD steht, aber das fiel mir ein zum Thema, denn hier geht es los mit dem „Entfernen aus dem Diskurs“: http://www.bild.de/politik/inland/verdi/mit-diesen-tricks-will-verdi-afdler-aus-firmen-vergraulen-50993872.bild.html – auch wenn ich anders ticke und die AfD nicht verteidigen will (warum schreibe ich das jetzt eigentlich reflexartig, selbst auf einem liberalen Blog?), hier ist der Rubikon überschritten.

      • Aristobulus schreibt:

        Eben, Davboe.
        À propos!, diese gewerkschaftlichen Neostategien sind alt, weil gute alte Denunziation aus Thälmanns Zeiten.

        Übrigens hat just „the war on terror“ ja nichts mit Zensur, Denunziation, herrschaftsbedingtem Meinungsaussschluss und dem Krieg gegen die Meinungsfreiheit zu tun. Gerade „the war on terror“ ist auf der Seite der Meinungsfreiheit. Ja, just seit Präsident Bush.

        • davboe schreibt:

          Finde ich schlimm.
          Wie schon beteuert, will ich „rechte Umtriebe“ (allein diese Wortkreation erinnert mich an den einen oder anderen Quellentext im Geschichte-Lk …) nicht verharmlosen.

          Man stelle sich vor, eine nicht verdi sondern eine echte rechte Partei stellte so einen Leitfaden online. Da wär aber was los in der Republik.

          Zu dem Kampf gegen Terror, den ich meinte: Den unsere / „unsere“ (sucht Euch was aus) gerne im Munde führen und damit die Einschränkung weiterer Bürgerrechte begründen. – Ich weiß nicht, was Du mir sagen willst mit dem Herrn Bush 🙂

          • Aristobulus schreibt:

            Sie hatten den ‚war on terror‘ genannt, und den hat halt der Herr Bush ausgerufen.
            – Einschränkung von Bürgerrechten: Mais non!, also nochmal: Derlei haben nicht jene veranlasst, die ‚the war on terror‘ erklärt haben. Sondern die Meinungsfreiheit und die Redefreiheit wird derzeit ausschließlich durch die Linken eigeschränkt.

            Sehen Sie: Konservativen und erst Recht Liberalen ist es seit je her so ziemlich egal, wer was sagt. Von denen will keiner andere Meinungen verbieten.
            Linke sehen das anders: Da geht es immer um den Neuen Menschen versus die Abweichungen davon, und den Neuen Menschen klont man am Besten mit fertiger Zensurschere im Kopf. Ehe die von selber wächst, muss sie zum Schnibbeln gezwungen werden. Und wenn dafür Köpfe rollen müssen.

          • aurorula a. schreibt:

            Meet me in The Place Where There Is No Darkness
            schauder

          • Aristobulus schreibt:

            Uh!, also Harry’s Place ist deutlich ein netterer Ort.

  2. Thomas ex Gotha schreibt:

    Buurmann träumt den liberalen Traum herrschaftsfreien Diskurses: „In meinen Augen gibt es niemals einen Grund, ein Gespräch zu verweigern.“
    In meinen Augen doch. Ich führe hier mal einige an:
    „Und es hetzen nicht nur die verklemmten Anonymen im Internet; ganz prominente Namen gehören dazu. Etwa der seit Februar in der Türkei einsitzende Deniz Yücel, Deutsch-Türke mit doppelter Staatsbürgerschaft, Welt-Korrespondent und Autor gedruckter Infamien, die an die übelsten Federn deutscher Pressevergangenheit erinnern. (…) Hätte er in der taz nicht das Aussterben der deutschen Nation, sondern der israelischen oder einer anderen bejubelt, wäre auch hierzulande die Anklage wegen Volksverhetzung fällig gewesen. Wie immer die Sache ausgeht, ein Held des freien, fairen und kritischen Journalismus ist Deniz Yücel nicht.“ (junge freiheit, 3.3.17)
    „In dem grünlinken Leib-und-Magen-Blatt ließ er uns vor gut fünf Jahren wissen, daß der Welt schon nichts fehlen würde, wenn die Deutschen verschwänden; eine „Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen“ zu haben. (…) Im türkischen Gefängnis sitzt Yücel, bei aller ideologischen Übereinstimmung mit Sultan Erdogan in der Bewertung der Deutschen, aber wohl doch nicht so gerne.“ (ibid., 8.3.17)
    „Derzeit sitzt unser Pißdeutscher – Pardon, kleiner Yücel-Scherz – unser Paßdeutscher in einem türkischen Gefängnis und murmelt fünfmal am Tag „Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal“ vor sich hin. Er wurde inhaftiert, weil er kritisch über Erdoğans Umwandlung des Landes in ein Sultanat berichtet hat. Nicht ganz so kritisch wie über Thilo Sarrazins Versuch, Deutschlands Selbstabschaffung ohne eine Spur von Begeisterung zu thematisieren, aber Sarrazin ist ja auch ein schlimmer Finger und der stolze Türke Erdoğan viel leichter reizbar als ein exkommunizierter deutscher Sozifunktionär. Immerhin: Obschon in seiner Aversion gegen Deutschland so etwas wie ein Ehrenmitglied der AKP, stellte sich Yücel gegen Erdoğans Janitscharenpolitik und wurde deshalb eingelocht. (…) Das ändert nichts daran, daß unsere Guten mit ihrer Solidarität für Yücel richtigliegen. Nur dieses „Je suis Deniz“ geht wohl doch zu weit. Der Zivilisierte soll ohne Wenn und Aber für die Meinungsfreiheit plädieren, aber er muß sich nicht gleich mit ihren Exkrementen einreiben.“ (ibid., 11.3.17)
    Was für eine Bagage.
    Dass nun ausgerechnet diese boshaften Deutschnationalen zu den Helden offenkundig verwirrter Zeitgenossen werden („unbesorgt“: „Ich kenne Leute, die aus genau einem Grund die JF lesen: um Pfeilgift zu sammeln, das sie auf ihre Gegner schießen können. Dort aufzutauchen, und sei es auch nur mit einem Zitat, sei fast so schlimm, wie in Hitlers Testament persönlich erwähnt zu werden.“ (Halten wir ihm einmal zugute, dass er schlicht nicht weiß, dass in „Hitlers Testament“ vor allem das „Weltjudentum“ erwähnt wird.)), wirft ein betrübliches Bild auf die Jetztzeit.

    P.S.: Müßig zu sagen, dass auch diese Deutschnationalen (anders übrigens als Yücel, was den Hass auf ihn erklärt) einen vergeblichen Kampf mit der Landessprache ausfechten: „Es reicht mit gelassen tuenden Politikern (,,,) Gebt das Geld der Steuerzahler nicht länger aus, um illegale Einwanderer und ihre Betreuerklientel zu füttern, sondern für die Sicherheit der Bürger!“ (ibid., 23.3.17) Und mit der Logik sowieso: „Zwingt eure Politiker zum Handeln! Wählt die ab, die den Ernst der Lage nicht erkennen und weitermachen wollen wie bisher!“ Am Ende des Artikels folgt der Appell: „Bürger, auf die Barrikaden!“
    Eine Couch wäre angebrachter,

    • Aristobulus schreibt:

      Danke, Thomas, dass Sie Deniz Yücel nennen. Er wird derzeit viel zu wenig genannt.

      Welche Schreiber haben das in der Jungen Freiheit geschrieben-? Diese aufgeblasene, schwallernde Sucht zum Nachtreten ist eine sehr miese, und bei jedem neuen Versuch wird sie mieser – zumal in diesem hundertmal gelesenen Duktus immer bloß auf zwei sehr kurze Artikel des Herrn Yücel eingetreten wird: Auf die Satire (hmm, mehr Halbsatire) gegen ‚die Deutschen‘, und gegen seine Äußerungen gegen Sarrazin.
      Zweiteres ist längst abgegolten. Es hat einen Gerichtsprozess gegeben, Sarrazin bekam Recht und wurde finanziell abgefunden. Sarrazin hat selber zur Freilassung Yücels aufgerufen!, und damit ist die Sache mit Yücels Artikel erledigt.

      Dass ein Schreiber der Jungen Freiheit nach erfolgtem Urteil jedoch diese Sache wieder hochkocht, zeugt bloß von schlechtem Charakter.
      Und Yücels Kurz-Halbsatire „für das Aussterben der deutschen Nation!“ kennt noch immer kaum jemand im Original. Wer sie jedoch kennt, muss feststellen, dass es sich ja um keinen Artikel handelt… mehr um einen launigen Blogkommentar irgendwo, für die Füllung leeren Papiers und für die Versenkung mal kurz dahingeschrieben.

      „diese boshaften Deutschnationalen“ halte ich jedoch für zu weit gegriffen. Schwadroneure sollte es besser charakterisieren.
      À propos, ach, Charakter: Dessen Mangel ist in den miesen Nachtretereien nicht zu überlesen.
      Wer SO über einen politischen Gefangenen herzieht, dem ist bloß zu wünschen, dass er mal selber für ’ne Nacht in einem Ergodan-Gefängnis verrotte.
      Länger aber nicht!
      Man ist ja kein charakterloser Nachtreter, so wie die.

      • Clas Lehmann schreibt:

        Aber nicht nur die. Als er gerade eingesperrt worden war, hörte ich Radio, entweder DLF oder NDR-info. Da fragten die dann ihren Korrespondenten dorten, was sei und werde und vorgeworfen werde und daraus folge…

        Mit triefender Gehässigkeit sprach der korrespondierende Radiot, es könnten da wohl 10 Jahre Haft oder auch mehr kommen, wahrscheinlich aber sei doch nur beabsichtigt, ihm einen kleinen Denkzettel zu verabreichen, weil er die Gesetze dort nicht beachtet, wohl gar provoziert habe…

        Mir scheint, Herr Yücel ist auch tapfer und im Nirgendwo. Vielleicht in einem anderen, indem man von verschiedenen Seiten gegen ihn hasst.

        • Aristobulus schreibt:

          Absolut, Clas.
          Sehr merkwürdig, dass manche, sie sich als konservativ und als pro-Meinungsfreiheit gerieren, so gehässig über einen politischen Gefangenen daherhassen.
          Daraus lässt sich wohl nur eins folgern: Dass jenen, die sowas machen, die Meinungsfreiheit, Habeas-Corpus und Rechtsstaatlichkeit völlig, völliger, ja allervölligstens am Gesäß vorbeigehen, nicht?
          Hingegen wird sich da heimlich-unheimlich ins Fäustchen gelacht, dass 1) ein Journalist wegen Meinungsverbrechen eingesperrt ist, 2) von einem Erdogan, der als starker Recke am Ruder endlich mal durchgreift.
          Pfui Toifl.

          • Aristobulus schreibt:

            P.S.
            DLF oder NDR-info. Dann waren das Staatsfunk-Mehrheits-Diffuslinke. Sehr merkwürdig, was die dazu treibt: Die Romantisierung des edlen Wilden und der heißblütigen AKP-Türken, die wohl aus rassischen Gründen nichts dafür könnten. Weswegen das Allahu-Akbar-Gebrüll und Mohammedanisch-Totalitäre bloß Folklore sei, ’ne pittoreske Angelegenheit für’s Kümmern von Teddybärenweitwerfern, für die Amadeo-Antonio-Stiftung, für die IntegrationsbeauftragtInnen und für die Gesellschaft für bedrohte Völker.
            Baaah.
            Da kriegt man ja glatt Migräne.

          • Clas Lehmann schreibt:

            Darüber hinaus saß der ja nun in Stambul, und wollte vielleicht selber nicht…? Dem heißen Geblüt zum Opfer werden? Oder war seinerseits auch einer von denen? Deutsch sprechend, nicht ungebildet, aber AKP-Sympathisant? Ist schon etwas her, und ich wußte, als sie ihn anredeten ja nicht, dass man das notieren hätte sollen, wie der hieß. Ich dachte ja, der teile mir nun mit, was da geschehen sei.

          • Clas Lehmann schreibt:

            Also Pfui Deibels, so wiet as’n kieken kann. Und rüken deist er noch wieter hen. Und vun ale Siden komt se…

          • Aristobulus schreibt:

            He hett Di heel nich vertellt wat sien weer, man he het Di blots di ohren fullmokt mit den, wat he woll nich keeken kann. Schall him de düvel hooln

    • Bruno Becker schreibt:

      Buurmann träumt den liberalen Traum herrschaftsfreien Diskurses

      Ganz sicher nicht. An anderer Stelle schreibt er nämlich:

      Mit einem Nazi möchte ich ausnahmslos Klartext reden!

      Was damit gemeint ist, weiss wohl jeder, dem in einem Gespräch mal die Galle hochkam. Auf jeden Fall kein „herrschaftsfreier Diskurs“.

      • Aristobulus schreibt:

        Das meinte er aber nicht damit, also Thomas ex Gotha nicht, und andererseits Gerd Buurmann möchte sicher keinen herrschaftlichen Diskurs, wenn er wen auch immer hart kritisiert.
        – Der herrschaftliche Diskurs ist nämlich jener der Autorität.
        – Wobei Thomas ex Gotha eben diese Autorität, deren Diskurs er ablehnt, merkwürdigerweise im Blättl Junge Freiheit verkörpert sieht. Mais non. Da ist die ja in keinster Weise, die Autorität, die die Rede bestimmen will. Die sitzt nämlich hochbezahlt in Brüssel und Straßburg, und sie ist schon so weit gediehen mit der Gleichschaltung (ja!), dass der Vorsitzende, wenn es ihn sticht, jede Rede unterbrechen und die Aufzeichnung löschen lassen darf; nämlich „in the case of defamatory, racist or xenophobic language or behavior by a Member“.
        Sprich: Wenn jemand die EU-Masseneinwanderungspolitik als das bezeichnet, was sie ist.

        https://www.gatestoneinstitute.org/10023/european-parliament-free-speech

        • Bruno Becker schreibt:

          Ähem, ja, aber bleiben wir mal auf dem Teppich. Faschismus kommt von Fascis, dem Rutenbündel der Ligatoren, mit dem sie den Pöbel auseinandertrieben, um den einrückenden Prädatoren den Triumphzug möglich zu machen. Das Symbol Fascis steht also für: „Wir diskutieren nicht.“, womit das wesentliche Merkmal des Faschismus beschrieben ist. Damit ist wohl alles gesagt und GB in jedem Punkt Recht gegeben.

          • Aristobulus schreibt:

            Wer hatte hmmm Kamellen von Liktoren und dem alten Rom erwähnt?
            Darum geht es nicht.

            Es geht um das Stichwort „herrschaftsfreier Diskurs“, der war grad Thema, und der hat im Zusammenhenag nichts mit einem Teppich zu tun, sondern mit der AUSHEBELUNG DER REDEFREIHEIT im EU-Parlament. Das ist da neuerdings die Regel. Da kann jeder Redner abgeschaltet werden, so bald er der herrschenden Meinung widerspricht.

            Und DAS ist der, der Herrschaftsdiskurs. Den gibt’s nicht woanders, den gibt’s in Europa GANZ OBEN.
            Noch was unklar?

  3. aurorula a. schreibt:

    Geredet wird immer, wenn nicht miteinander, dann übereinander. Imad Karim darüber, wer was wann wo sagt oder nicht sagen darf:
    http://cicero.de/berliner-republik/massenmigration-islamische-werte-frei-haus

  4. DuDu schreibt:

    Dunja darf das, denn sie ist eine der Guten. Immerhin war sie schon allein unter Pediga.

  5. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Bei aller Wertschätzung für Ihren tollen Artikel, Gerd Buurmann, möchte ich doch noch ein wenig in den Details herumstochern:

    „Es hilft aber nichts, seine politischen Gegner als „Pack“ zu bezeichnen und ihnen den Stinkefinger zu zeigen.“

    Ob es hilft, ist von zweitrangiger Bedeutung. Entscheidend ist, ob nicht bereits der Stinkefinger die geistigen Mittel erschöpft.

    „Im politischen Diskurs müssen wir mit ihnen reden!“

    Wenn unsere Eliten (oder wie sich das Zeug nennt) tatsächlich Argumente und genügend Intelligenz besäßen, um mit dem „Pack“ reden zu können, hätten sie davon längst Gebrauch gemacht. Diesen effektverheißenden Auftritt hätten sie sich bestimmt nicht entgehen lassen.

    „Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden!“

    Dieser Satz erfüllt mich (und vermutlich auch die AFD) mit großem Optimismus!

  6. A.S. schreibt:

    Aus meiner Sicht hat Dunja Hayali auch ein richtig gutes Interview gegeben. Eine der vernünftigen Stimmen im ZDF, die ihr Berufsprivileg auf Öffentlichkeit nicht zum Erziehen der Bevölkerung nutzen.

    Generell ist es interessant zu sehen, wie angebliche Demokratieverteidiger die Träger missliebiger Meinung zuerst aus dem Diskurs ausschließen wollen („keine Bühne bieten“), dann als Menschen abwerten („Faschisten usw.“) und dann tatenlos zuschauen, wie die Antifa mit Brandanschlägen den Weg konsequent weiterführt ……..

    • Aristobulus schreibt:

      Die Künast (um bei der Gelegenheit an das Bild vom tatenlosen Zuschauen anzuknüpfen, oder besser vom Morast?) redete neulich gar von Zersetzung, die jene betrieben, die sie wegen Abweichlertum ausschließen wolle.

      Dir a gutten Schabbessamstagsonntag, Andreas

  7. Hein schreibt:

    „verabscheue die AfD“. Da bin ich doch froh, dass Tuvia Tenenbom übet Frauke Petry sagt: „Sie ist eine Lady, eine deutsche Lady. Ich mag sie.“ Auch Götz Kubitschek lobt er, dito Akif Perincci.

  8. unbesorgt schreibt:

    Erst wenn einen alle Seiten mal als abstoßend betitelt haben und einen wegen „Verrats“ wegschubsen, ist man wirklich im Nirgendwo, also da, wo Gerd wohnt.
    @anti3anti: Ich kenne Leute, die aus genau einem Grund die JF lesen: um Pfeilgift zu sammeln, das sie auf ihre Gegner schießen können. Dort aufzutauchen, und sei es auch nur mit einem Zitat, sei fast so schlimm, wie in Hitlers Testament persönlich erwähnt zu werden.

  9. Frase0815 schreibt:

    Die Journalistin Dunja Hayali hat der Wochenzeitung Junge Freiheit ein Interview gegeben und aus allen Ecken schallt es: „Darf die das?“

    Nicht wenige Kritiker der Hayali werfen der Jungen Freiheit vor, sie mache mit ihrem Gespräch den “Schweinejournalismus“ salonfähig. Einige Zuschauer der Fernsehmoderatorin.wiederum werfen ihr vor, der Jungen Freiheit mit dem Interview ein unverdientes Podium zu bieten.

    • Aristobulus schreibt:

      … seltsam, wie die einander wieder programmatisch dissen und boykottieren wollen. Einst taten das nur Rapper gegeneinander. The-dirty-style hat scheints ganz schön abgefärbt.

      Gutt Wochenendsschabbessontag Dir.

  10. anti3anti schreibt:

    Wieso hat es sich so schnell herumgesprochen, dass DH von der Jungen Freiheit interviewt worden ist? Wer liest denn dieses Blatt?

    • Aristobulus schreibt:

      Just jene, die es immer „nicht salonfähig!“ machen oder/und sein lassen wollen.
      Wobei die selber keinen Salon haben. Die sind nur fähig für eine gute Stube.

Seid gut zueinander!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s