Liebe WELT, das muss man erst mal schaffen!

Liebe Redaktion der Welt,

erstmal Danke, dass Ihr überhaupt über die Schwulenverfolgung in Tschetschenien berichtet. Ihr schreibt:

„Tschetschenien jagt Homosexuelle, verschleppt sie in ein Geheimgefängnis und foltert sie. Einen öffentlichen Aufschrei gibt es nicht – Schwule werden im Namen der „Ehre“ sogar von ihrer Familie ermordet.“

Ihr schreibt von Verschleppung, Prügel und Folter durch Stromschläge. Ich habe ebenfalls darüber berichtet. Dennoch gibt es einen entscheidenen Unterschied zwischen der Berichterstattung der Welt und von Tapfer im Nirgendwo. Ihr habt es doch tatsächlich geschafft, in Eurem Bericht über den Schwulenhass in Tschetschenien das Wort „Islam“ kein einziges Mal zu benutzen. Das muss man erst mal schaffen!

Ihr würdet es vermutlich auch schaffen, über den Nationalsozialismus zu schreiben, ohne ein einziges Mal das Wort „deutsch“ zu benutzen. Stattdessen benutzt Ihr in Eurem Artikel das Wort „russisch“. Der Judenhass in Tschetschenien ist jedoch so russisch, wie das Vernichtungslager in Auschwitz polnisch war. Ja, viele Russen und Tschetschenen hassen Schwule. Es gab 1942 auch Polen, die Juden so gehasst haben wie Deutsche. Auschwitz aber war so klar ein deutsches Lager, wie die Gefängnisser für Homosexuelle in Tschetschenien heute Lager des muslimischen Präsidenten Tschetschenien sind. Sein Name ist Ramsan Kadyrow. Zu den Vorwürfen der Schwulenverfolgung in Tschetschenien sagt ein Sprecher von Kadyrow:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Kadyrow erklärt: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er ist sich sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Das sagt der Mann, der im Jahr 2008 groß getönt hat: „Derartige Traditionen („Ehrenmorde“) gibt es weder in den Bräuchen des Volkes noch im Islam.“

Es ist jedoch ein Fakt, dass in allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, der Islam herrscht. Alle Umfragen weltweit bestätigen es: Die deutliche Mehrheit aller Muslime findet, dass Homosexualität verboten sein muss. Sogar in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien erklären 52% aller Muslime, dass Homosexualität verboten werden soll. Die Verfolgung von Homoexuellen durch muslimische Führer kann somit nicht kritisiert werden, ohne dabei die „religiösen Gefühle“ derer zu verletzen, die im Namen des Islams gegen Schwule zu Felde ziehen. Wer die Religion aus der Gleichung herausnehmen möchte, wird das Problem niemals lösen.

Am 2. September 2010 ließ Ramsan Kadyrow vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Im Parlament diskutiert wurden jedoch auch Vorschläge, Kadyrow den Titel „Imam“ oder „Vater des Volkes“ zu verleihen. Wir haben es somit klar und deutlich mit religiösem Fanatismus zu tun.

Ja, in allen Kulturen, Religionen und Ländern findet sich Schwulenhass. Aber nur ein sehr naiver Mensch kann behaupten, dass es keinen Unterschied gibt zwischen der heutigen islamischen und christlichen Welt gibt. Mekka und Vatikanstadt sind nicht mal ansatzweise vergleichbar. Würden im Vatikan Homosexuelle von Dächern geworfen, Frauen gesteinigt und Ketzer enthauptet werden, es gäbe einen massiven Aufschrei. Tel Aviv und Teheran sind zwei unterschiedliche Welten! In Tel Aviv kann der Bürgermeister schwul sein, in Teheran baumelt er an einem Kran.

Ich weiß nicht, was Euch geritten hat, darüber zu schweigen, dass Tschetschenien eine islamische Republik ist, die aufgrund ihres islamischen Selbstverständnis‘ Schwule verfolgt, aber eins weiß ich ganz sicher: Euch hat in diesem Fall mehr Politik als unabhängiger Journalismus getrieben.

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