„Erzähle bloß niemandem, dass ich Rom bin!“

Ein Gastbeitrag von Mitya Gerasimov (Pushkin Klezmer Band) aus dem Russischen übersetzt von Lisa Piesek.

Ein wunderbarer Musiker sagte mir, als wir uns kennenlernten: „Erzähle bloß niemandem, dass ich Rom bin! In der Stadt weiß das keiner, ich sage allen, ich sei Jude.“

Anfang April kamen Maskierte in die Romasiedlung (Schatra) in Kiew. Sie kamen im Morgengrauen, fotografierten alle Bewohner und nahmen Fingerabdrücke. Sie bedrohten die Menschen und befahlen ihnen, sich zu verziehen. Man schreibt, diese Razzia sei autorisiert gewesen. Die netten Schläger haben kostenlose Bus- und Zugtickets ohne Rückfahrt verteilt, die meisten Bewohner flohen nach Transkarpatien. Aber man sagt, dass auch viele in Kiew überdauern wollen und sich zur Zeit verstecken. Die Schatra hatte sich bald geleert und als sie ein paar Tage später angezündet wurde, waren nur noch wenige Frauen und Kinder vor Ort.

Die Initiative zur Deportation ortsansässiger Roma stammt von lokalen Abgeordneten, Aktivisten und Strafverfolgungsbehörden. Der Einsatz wurde im Voraus geplant, bei Facebook besprach man Probleme, die mit der Lösung der „Zigeunerfrage“ einhergehen, die Organisatoren schrieben von der Verantwortung des „Titularvolkes“ und luden engagierte Aktivisten in ihre Bürgersprechstunde ein, einige delikate Details könne man nicht öffentlich erörtern.

Dieses Mal wurde die Schatra in Kiew unter dem Vorwand der Vorbereitung zum Eurovision Song Contest verwüstet, das letzte Mal geschah es im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012. Die Roma sind nicht die Einzigen, die das Bild einer europäischen Ukraine verschandeln. Vor der EM wurden auch sehr viele Straßenhunde in Kiew abgeschlachtet, damals wurde überall darüber geschrieben. Die deutsche Nationalmannschaft lief unter Protest auf und es fanden etliche Tierschutzdemos in Europa statt. G-ttseidank ist damals niemand auf die Idee gekommen, die Roma umzubringen, aus diesem Grund ist wohl auch der internationale Aufschrei ausgeblieben.

Solche Sondereinsätze haben eine lange Tradition. Die sowjetischen Städte wurden im Vorfeld von Großveranstaltungen oder hohen Besuchen veredelt, indem man die Straßen von „antisozialen Elementen“ säuberte. Vor den Olympischen Sommerspielen 1980 wurden Dissidenten, Arbeitslose, Bettler, Prostituierte und Alkoholiker aus Kiew, Moskau Leningrad und Minsk deportiert. Auch die Roma waren damals betroffen.

Nach dem 2. Weltkrieg haben viele verstümmelte Veteranen das Straßenbild bestimmt. Sie wurden eingefangen und auf die Gefängnisinseln Solowezki verbracht, damit sie mit ihrem erbärmlichen Aussehen das stolze Bild des Sowjetmenschen nicht verunglimpfen. In den Dreißigerjahren wurde unter dem Vorwand, die Bettelei zu bekämpfen, ein Großteil der traditionell nomadisch lebenden ukrainischen Nationalbarden (Kobsaren), vom Tscheka entführt und ermordet.

Die jüngste Liquidierung der Romasiedlung bekam keine große gesellschaftliche Resonanz. Abgesehen vom Jubel der Anwohner in direkter Nachbarschaft zur Siedlung. Jahrelang mussten sie die wenig angenehmen Nachbarn erdulden und jetzt bedanken sie sich lautstark bei ihren Befreiern. Kurz nach dem Brand in der Schatra wurde die Visumspflicht für die Ukrainer von der EU aufgehoben. Die Ukraine ist endlich in Europa angekommen!

Was soll man sagen: wer will schon Roma als Nachbarn haben? Den Zorn der Menschen kann man ja verstehen. Sie haben Angst um ihre Sicherheit, um die Sicherheit ihrer Kinder. Ja, das Kriminalitätsniveau ist hoch. Die Passanten werden von den Bettlern belästigt. Manchmal wird gestohlen, auch Drogen sind weit verbreitet. Die Bullen schauen im besten Fall weg, im schlimmsten Fall kurieren sie die Kriminellen und wollen am Geschäft teilhaben. Sozial- und Bildungsinitiativen sind unpopulär, denn das ist eine langwierige und harte Arbeit. Die Kinder aus der Siedlung haben eine Spezialschule besucht, dieser Möglichkeit wurden sie jetzt beraubt. Die kleinen Erfolge fallen wenig auf, es ist schwer, politisches Kapital daraus zu schlagen. Radikale Aktionen bringen dagegen einen ordentlichen Beliebtheitsschub.

Es ist wahr, dass die Abgeordneten, die die Roma vertrieben haben, einen großen Rückhalt der „ordentlichen“ Nachbarn genießen. Oft führen sie diese Unterstützung an, um für die eigene Rechtschaffenheit zu argumentieren. Aber auch die Endlösung der Roma- und Judenfrage 1941 wurde sicherlich von einigen ehrbaren Kiewer Bürgern mit Enthusiasmus aufgenommen. Und wie sehr haben sich die Anständigen wohl nach dem Krieg gefreut, als in einer Nacht Tausende dieser stinkenden schreienden Stümpfe, die obdachlosen Krüppelveteranen, aus der Stadt verschwanden. Auch damals sagte man wohl: „Endlich ist es Nachts wieder sicher auf den Straßen.“

Die Roma sind eine der am wenigsten geschützten Gruppen in unserer Gesellschaft. Natürlich sind sie nicht die Einzigen. Aber man erinnert sich ab und zu an die Rechte der Krimtataren (und auch das erst nach der Annexion der Krim) und eine öffentliche antisemitische Bemerkung ruft sofort einen Sturm der Entrüstung hervor. Auch die LGBT Parade in Kiew konnte vor den Angriffen des Schlägerabschaums beschützt werden. Aber die Probleme der Roma tauchen im öffentlichen Diskurs gar nicht erst auf. Nur wenige Bürgerrechtsaktivisten setzen sich für sie ein, Politikern bringen sie keinen Nutzen. Man hasst und fürchtet sie einfach. Fälle von Diskriminierungen, Pogromen und Morden werden von niemandem untersucht. 

Selbst bekannte Vertreter der Romakultur, wie Igor Krikunov und Petr Cherny wollen lieber nicht mit den gewöhnlichen „unintellektuellen“ Schatraroma assoziiert werden. Letzterer ließ sich sogar von den Vertretern der „Titularnation“ einspannen und reiste nach der Razzia in die Siedlung, um die Gebliebenen zum Auszug zu überreden. Damit wollen die Aktivisten wohl zeigen, dass sie keine Nazis sind. Schaut her, es gibt auch gute Zigeuner und sie sind mit uns befreundet.

Eine ethnische Gruppe darf niemals für die Verbrechen einzelner Mitglieder bestraft werden. Dafür müssten eigentlich diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die sich rechtswidrig an der ethnischen Gruppe und ihren Mitgliedern vergreifen. Wurde eigentlich jemand nach den Pogromen in der Nähe von Odessa* im letzten Jahr vor Gericht gestellt und verurteilt? Die korrupten Polizisten, Politiker und Aktivisten, die Kiew 2012 und 2017 von den Roma säuberten, Menschen bedrohten, Häuser anzündeten, ganze Familien entführten, um sie irgendwo in der Landschaft auszusetzen, wann wandern die endlich in den Knast? Warum kann unser Bürgermeister-Schmürgermeister dem Treiben der Faschoabgeordneten nicht Einhalt gebieten, falls die aktuellen Einschüchterungen und Säuberungen wirklich nur ihrer Privatinitiative entstammen? Oder wurden sie vielleicht doch aus dem Rathaus befohlen?

Ein schönes Fest, meine Lieben!
Te aven bachtale.
A gite Woch.

*Anmerkung von Lisa Piesek: Vor einem Jahr gab es in einem Dorf in Bessarabien, in dem etliche Ethnien seit Jahrhunderten friedlich zusammen lebten, einen grausamen Mord an einem neunjährigen Mädchen. Der Verdächtige, Sohn einer Bulgarin und eines Roms, stritt die Tat ab. Kurz nach seiner Festnahme rottete sich ein Mob aus ca. 300 aufgebrachten Dorfbewohnern zusammen und veranstaltete ein Pogrom gegen die Romagemeinde. Fensterscheiben und Möbel wurden zerschlagen, ein Haus wurde angezündet. Laut offiziellen Angaben wurde niemand verletzt. Später wurde die gesamte Gemeinde unter Polizeischutz aus dem Dorf deportiert.

Über den Autor: Mitya Gerasimov ist Journalist, Musiker und Gründer der ukrainischen Puschkin Klezmer Band. Er ist in der Republik Tatarstan geboren und aufgewachsen und lebt seit 9 Jahren in der Ukraine, wo er das kulturelle Erbe osteuropäischer Juden und anderer Ethnien erforscht. Mitya Gerasimov arbeitet mit Musikern aus aller Welt zusammen. 2013 und 2014 unterstütze er die Massenproteste in der Ukraine und trat auf dem Maidan auf.

Im untenstehenden Video spielt die Pushkin Klezmer Band „Carol oft the Bells“ im krimtatarischen Sender ATR.

Interessant, dass Ungarn gerade beim diesjährigen Eurovision Song Contest von dem romischen Sänger Joci Pápai vertreten wird, der über seine Wurzeln singt.

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22 Antworten zu „Erzähle bloß niemandem, dass ich Rom bin!“

  1. Sophist X schreibt:

    Ich gestehe, mein Mitgefühl mit einer Siedlung Krimineller ist begrenzt, seien es Roma oder sonstwer.
    Genauso habe ich große bis größte Achtung vor begabten Musikern, sei es ein Rom oder sonstwer.

    • Lisa Piesek schreibt:

      Im letzten Jahr hat die Polizei nur ein einzelnes Strafverfahren gegen einen Rom aus dem Lager eingeleitet. Ethnische Minderheiten sind in der Ukraine per Gesetz vor Umsiedlung und Vertreibung geschützt. Ein Gerichtsurteil über die Räumung des Lagers hat niemals existiert. Damit handelt es sich bei der Aktion um Selbstjustiz und Amtsanmaßung. Kriminell sind hier nur die selbsternannten Aktivisten.

    • Aristobulus schreibt:

      … weiß nicht, ob das eine Siedlung aus Kriminellen gewesen ist?
      Waren da mehr oder vielleicht weniger Kriminelle als in einer Nicht-so-sehr-Siedlung, die nicht so auffällt?
      Ich hab auch mal in sowas gewohnt (verkommenes Stadtviertel, viele Kriminelle waren da). Wenn da eine Miliz gekommen wäre, hätte sie mich gleich mit vertrieben oder umgelegt.

  2. Anonymous schreibt:

    Ja, das Kriminalitätsniveau ist hoch.

    Enorm hoch. Und es sind nicht nur unblutige Straftaten wie Sozialhilfebetrug und „Enkeltrick“ (schlimm genug), auch als Gewalttäter treten sie überdurchschnittlich oft in Erscheinung. Offizielle Statistiken sind nicht zu bekommen, jedes Mal, wenn eine Polizeidirektion versucht, diese Zahlen zu erheben, wird es von der Politik sofort unterbunden. Bleibt die persönliche Erfahrung, die Erfahrungen von Freunden und Bekannten, sowie zwischen den Zeilen lesen im Lokalteil. Das Bild ist ziemlich eindeutig.

    Und das ist der Grund, warum ich so apathisch auf pro-Roma-Agitation reagiere.

    Eine Minderheit, die mit den übrigen Europäern halbwegs friedlich zusammenleben will, kann das tun, und hätten sie noch so viele kulturelle Eigenarten und würden noch so „fremd“ aussehen. So aufgeklärt und zivilisiert sind wir Europäer mittlerweile.

    Da die Roma das aber in ihrer Mehrzahl gar nicht wollen, schlägt ihnen so viel Ablehnung entgegen.

    • Aristobulus schreibt:

      Das ist falsch.
      Die Ziganischn (das freundliche jidische Wort für Sinti, Roma und Zigeuner) leben in ihrer großen Mehrheit wie jeder sonst, arbeiten und schicken ihre Kinder in die Schule.
      Freilich gibt es organisierte ziganische Banden.
      So wie es organisierte Mafiosi aus Sizilien gibt, nicht?
      Oder die Mafia aus dem Kosovo.

      Bloß die allumfassende Feindschaft gegen die Ziganischen reproduziert ein bestimmtes Bild, das man seit den Zeiten der ‚Zigeunergesetzgebung‘ nicht aus den Köpfen bekommt. Eine vergleichbare Feindschaft gegen Sizilianer, Sarden oder Balkanesen existiert hingegen nicht.
      Zigeunerhass lässt sich bloß noch mit Judenhass vergleichen…

    • Thomas ex Gotha schreibt:

      Ein „ziemliches eindeutiges Bild“ hat sich der „Anonymous“ von den Roma gemacht und reagiert nun – wie er meint, berechtigterweise – „apathisch auf pro-Roma-Agitation“. Eine contra-Roma-Agitation scheint ihm viel plausibler, da „die Roma das (…) in ihrer Mehrzahl gar nicht wollen“, nämlich „mit den übrigen Europäern halbwegs friedlich zusammenleben“. Soweit der Kommentar eines beherzten besorgten Bürgers, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht.
      Und ich will mich mit eigentlich gar nicht weiter mit diesem Troll, der hier seinen antiziganistischen Dreck verklappt, befassen, nur sollte, wer angesichts der Tatsache, dass es in Auschwitz ein „Zigeunerlager“ gab und heute noch Pogrome und Attentate gegen die Roma gibt, von „aufgeklärten und zivilisierten Europäern“ (zu denen er stillschweigend die Roma nicht zählt) nicht reden oder doch zumindest davon Abstand nehmen, sich selbst als solchen zu bezeichnen.
      Als was ich ihn bezeichnen möchte, gehört nicht hierhin.

      • Aristobulus schreibt:

        … antziganistisch. Immerhin hat er festgestellt, dass die Kriminalitätsrate von Ziganischen sehr hoch ist (Faktum).
        Aber von welchen Ziganischen?, der Unterschied bestimmt alles: Ziganische Banden kommen aus Rumänien und Bulgarien. Hiesige Ziganische jedoch sind allergrößenteils überhaupt nicht so.
        Weswegen ich (wegen des fehlenden Unterschieds) ja seinen Beitrag kritisiert hatte.

        • Aristobulus schreibt:

          Ergänzend, Thomas: Sechshunderttausend Ziganische sind in den Konzentrationslagern des dritten Reichs ermordet worden. Erschlagen und vergast.
          Es gab einen Ausrottungsbefehl extra gegen die Ziganischn.
          So wie sonst nur gegen die Juden.

          Sowjetische Kriegsgefangene in deutschen Lagern wurden zwar grausamst massakriert, so wie russische Zivilisten in Russland!, und der Generalplan-Ost (1941) sah den organisierten Völkermord an den Slawen vor, um die deutsche Ostgrenze pro Jahr um 50 km weiter zu rücken. Weiterrücken bedeutete, dass innerhalb dieser beständig ausgeweiteten Zone JEDER ermordet wurde. Die SS und die Wehrmacht haben das durchgezogen bis zuletzt: Drei Millionen Polen, Zivilisten!, mussten so verrecken.
          Aber es gab keinen expliziten Ausrottungsbefehl gegen Tschechen, Polen, Russen.
          Den gab es nur gegen Juden und gegen Ziganische. Von denen sollte keiner übrig bleiben, egal wo.

          Erstaunlich!, dass es bis heute ausschließlich Pogrome (die hatten Sie erwähnt) gegen a) Juden und b) Ziganische gibt, nicht?
          Manche Mordideen kriegt man einfach nicht aus den Köpfen hinaus.

          • Anonymous schreibt:

            Alles richtig, Sie hätten noch erwähnen können, dass die Roma noch bis in die Moderne hinein auf dem Balkan teilweise als Sklaven gehalten wurden. Trotzdem: das rechtfertigt nicht die enorm hohe Kriminalität in ihren Reihen heutzutage.
            Es gibt bei ihnen die Erzählung, die jedes Kind beigebracht bekommt, nämlich dass das Leiden von Jesus am Kreuz dadurch verkürzt wurde, dass ein Zigeuner die Eisennägel gestohlen habe. Aufgrund dessen sei ihnen fürderhin Vergebung für zukünftige Diebstähle erteilt worden.
            So gesehen ist es ja lobenswert, dass sie nicht alle kriminell sind. Eine Lösung weiß ich auch nicht. Sie sind ebenso Europäer wie alle anderen, also wird man sie ertragen müssen, wenn es sein muss bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Sehe aber nicht ein, warum ich die Geschichtenerzählerei, sie seien nicht anders als andere und vor allem nicht krimineller (oder an ihrer Kriminalität sei die Gesellschaft schuld), widerspruchslos hinnehmen sollte.

          • Aristobulus schreibt:

            Sie haben es wieder nicht verstanden. „Geschichtenerzählerei, die seien nicht anders als andere und vor allem nicht krimineller“ ist Antiziganismus.
            Antisemitismus funktioniert haarstgenauest so, nur unter Austausch weniger Worte: Ein Antisemit glaubt auch nicht, dass die Juden mit ihrer Geschichtenerzählerei, sie seien nicht anders als andere, davon ablenken könnten, dass sie die Börse manipulieren, die Palästinensiker endlösen und mit Hitlern kooperieren.

            Und übrigens, solche Geschichten wie bei den Ziganischen mit den Eisennägeln gibt’s bei den Juden auch. Da nennt sich das Selbstironie – und wird nur von den harcore-Antiseiern nicht als solche verstanden.

          • Anonymous schreibt:

            Der Begriffsstutzige sind immer noch Sie. Es geht darum, ob der Vorwurf stimmt. Im Nationalsozialismus warf das Hetzblatt Der Stürmer den Juden vor, sie würden oft brave blonde deutsche Mädels vergewaltigen. Der Vorwurf war erlogen. Ebenso wie die erlogenen Behauptungen heutzutage (meistens aktualisierte Fassungen der „Protokolle der Weisen von Zion“).

            Mein Vorwurf an die Roma lautet, dass aus ihren Reihen besonders viel Kriminalität ausgeübt wird. Der Vorwurf ist heikel, da ich ihn nicht mit offiziellen Statistiken belegen kann. Aber wenn man die Polizeiberichte zu lesen versteht („Rotationseuropäer“ war eine Zeitlang Euphemismus der Wahl) und auch in weniger feinen Gegenden der Stadt Erfahrungen sammelt, ergebt sich ein ziemlich klares Bild. Das Datenmaterial wäre bei der Polizei vorhanden, nur die Politik lässt nicht zu, dass es veröffentlicht wird.

            (Bei den Migranten allgemein ist man derzeit noch weniger geheimniskrämerisch. Dass aus ihren Reihen mehr Gewaltverbrechen begangen werden, lässt sich also auch durch offizielle Zahlen belegen.)

            Lesen Sie doch mal ein paar Berichte über die Siedlung Lunik-9 in Kosice (Slowakei). Die dortigen Behörden und Bürger haben sich trotz geringerer finanzieller Mittel als in Deutschland wirklich sehr um die Roma bemüht — alles vergebens. Das rollt auch auf uns zu bzw. ist bereits angekommen (Duisburg-Marxloh).

          • Aristobulus schreibt:

            „Begriffsstutzig“, nun werden Sie mal nicht unverschämt, anonymer Jemand.
            Haben Sie den Ziganischn bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die sie qua Ziganischsein innehaben sollen, oder haben Sie das nicht?
            Wenn Sie jetzt Nein sagen möchten, würden Sie schwindeln.

            Also nochmal gegen das Verstocktsein: Ziganische, die hier ansässig sind, verhalten sich nicht anders als Hiesige. Es GIBT keine erhähte Kriminalitätsrate unter hier ansässigen Ziganischn. Unter hiesigen Ziganischn verhält sich die Kriminalitätsrate ähnlich wie unter hiesigen Darmstädtern, Mannheimern oder Ludwigshafenern.
            ANDERS ist es mit ziganischen BANDEN (im Polizeijargon Rubos genannt, Rumänen-Bulgaren). Analog verhält es sich mit sizilianischen oder albanischen Banden.
            Es geht nämlich bei dieser Art organisierter Kriminalität worum: Um BANDEN geht es.
            Es geht bei organisierter Kriminalität jedoch NICHT um Charaktereigenschaften von Sizilianern, Albanern, Ziganischen, Mecklenburgern oder Juden.

            Wenn Sie das jetzt noch nicht begriffen haben, kann ich Ihnen auch nicht helfen, und Sie müssen dann halt mit Ihrem Antiziganismus leben und sich weiter für was rassisch Besseres halten als die.

          • Anonymous schreibt:

            Da Sie darauf bestehen, lieber Aristobolus, mir Dinge in den Mund zu legen, die ich nicht gesagt habe, bleibt mir keine andere Schlussfolgerung als die, dass Sie sich verrannt haben und einen Ausweg in Lügerei suchen.

            Bedauerlich.

          • Aristobulus schreibt:

            Allen armen Antiziganisten hat man immer etwas Nachteiliges in den Mund gelegt, das sie nie gesagt hatten.

    • Lisa Piesek schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, der die antiziganistischen Klischees lehrbuchartig durchexerziert. Doch, die Roma wollen mit uns zusammenleben, wir lassen sie nur nicht.
      http://www.taz.de/!5071954/

      Und jetzt ein Paar Fakten zu dem Klan, der aus Kiew vertrieben wurde:
      „Ja, das Kriminalitätsniveau ist hoch“
      Mein Freund Mitya Gerasimov ist da leider selbst auf ein Vorurteil hereingefallen. Laut Polizeiangaben wurde im letzten Jahr lediglich ein Ermittlungsverfahren gegen einen Bewohner des Lagers eröffnet.
      Die Roma haben nicht auf der Straße gelebt, weil sie nicht anders wollen oder können. Nach Kiew kamen sie aus Transkarpatien, wo sie etwas Land und Häuser besaßen, aber keine Arbeit hatten. Auch in der Hauptstadt war es durch die allgegenwärtige Diskriminierung kaum möglich, selbst an unqualifizierte Jobs zu kommen. Von dem Hungerlohn, den sie in Kiew bekamen, konnten sie sich keinen Wohnraum leisten und waren gezwungen, auf der Straße zu leben. Diejenigen, die keine Arbeit hatten, haben den Müll durchwühlt und schlugen sich mit Betteln durch. Kriminalität war verboten, denn die Ältesten wussten, dass die gesamte Siedlung für das Verbrechen eines einzelnen haften müsste. Die Roma nahmen Alphabetisierungs- und Bildungsangebote für die Kinder mit Freude an. Als sich für einige wenige Familien die Gelegenheit bot, in ein Wohnheim umzuziehen, sahen sie es als eine Art Erlösung. Dort, wohin sie jetzt vertrieben wurden, wird es keine Bildungs- und Sozialisierungsangebote geben. Der Park, in dem sie hausten, liegt am Wasser in direkter Nähe eines Naherholungsgebiets. Es würde mich nicht wundern, wenn dieselben Aktivisten, die die Menschen vertrieben haben, dieses Gelände privatisieren werden. Mal schauen. Eigentlich genießen die Roma einen besonderen Schutz durch das ukrainische Recht, das sie explizit vor Deportationen und Umsiedlungen schützt. Wie wir sehen, existiert dieser Schutz nur auf dem Papier. Die Polizei, kooperiert mit den Tätern, die Justiz erhebt keine Anklagen. Die Roma selbst haben durch die Jahrhundertelange Verfolgung ein immens hohes Sicherheitsbedürfnis. Deshalb lassen sie sich leicht einschüchtern und erpressen. Oft wissen sie nicht um ihre Rechte und weichen Konflikten lieber aus.

      • Aristobulus schreibt:

        „Doch, die Roma wollen mit uns zusammenleben, wir lassen sie nur nicht.“
        Wer sind die Roma, alle oder manche?, und die Sinti?, und die Zigeuner?, doch, machne bestehen darauf, keine Sinti oder Roma, sondern Zigeuner zu sein.

        Ziganische Banden (doch, die gibt es, in populären Stadtvierteln Mitteleuropas können fast alle Caféwirte und kleinen Einzelhändler lang und bitter darüber reden) wollen selbstverständlich mit keinem sonst „zusammenleben“ als mit ihresgleichen.
        Ebenso wie bei der sizilianischen, sardischen und albanischen Mafia, nicht?

        Wer die Realität der ziganischen Banden ausblendet (doch, das tun Sie, Frau Piesek), der läuft Gefahr, dass keiner den ebenso wahren Rest (Pogrome, Sippenhaftung, Zigeunerhass) wahr- und ernstnimmt.

        • Lisa Piesek schreibt:

          Ich blende die Kriminalität natürlich nicht aus, der zitierte Satz leitete den nachstehenden Link ein, in dem es um eine hochqualifizierte Romni geht, die in Deutschland im Alltag und im Beruf diskriminiert wird. Ich wäre an ihrer Stelle sicherlich längst kriminell geworden.

          Ich war im vergangenen Jahr mit einem Filmteam in einem Romadorf in Transkarpatien. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge beträgt in dieser Region der Anteil der Roma bis zu 15% (offiziell 1%, aber sie werden bei einer Volkszählung natürlich nicht erfasst), aber sie leben so isoliert, dass sie mit den anderen Ethnien kaum in Berührung kommen. Im ukrainischen Dorf auf der anderen Flussseite hielt man uns für verrückt. Sie sagten, dass wir da nicht wieder lebend rauskommen würden. Wir kamen lebend wieder, mit intaktem Equipment und haben auch keine Wertsachen eingebüßt.

          Als ich die Isolation und das Elend der Gemeinde sah, musste ich zwangsläufig an unsere jiddischen Vorfahren denken, die in den Stejtl gelebt haben. Dank Scholem Alejchem haben wir ja eine gewisse Vorstellung, wie es da ausgesehen haben kann. Ich habe mich gefragt, ob die Isolation der osteuropäischen Juden inneren oder äußeren Ursachen geschuldet war. Die westeuropäischen Juden waren jedenfalls viel besser in der Gesellschaft integriert. Es handelt sich ja um dasselbe Volk und dieselbe Religion, also müssen äußere Faktoren den Unterschied ausgemacht haben. In diesem Fall die restriktive Politik der osteuropäischen Großmächte. Sie wissen sicherlich mehr darüber als ich.

          Ich denke, dass der Abbau gesellschaftlicher Barrieren und Vorurteile mit Sicherheit zu einem besseren Outcome führen würde. Die Akzeptanz von Antiziganismus in europäischen Gesellschaften macht mich immer wieder fassungslos. Während ein Antisemit sich heutzutage bemühen muss, seinen Judenhass als Israelkritk zu maskieren, kann in allen gesellschaftlichen Schichten ganz unverhohlen gegen Roma gehetzt werden.

    • Anonymous schreibt:

      Lesen ist eine aussterbende Kunst.

      Habe das Wort „Zigeuner“ überhaupt nicht verwendet, trotzdem antworten einige Mit-Kommentatoren, als hätte ich das getan.

      Wenn ich „Roma“ schreibe, dann meine ich die Angehörigen der Ethnie in Ostmitteleuropa und auf dem Balkan, die mittlerweile auch in großer Zahl weiter westlich aufgeschlagen sind. Suchmaschinen-Tipp für alle, die sich für mehr als Gefühlslyrik, Sozialromantik und schamlose Schönfärberei interessieren: „Kosice Roma“.

      • Aristobulus schreibt:

        Um das Wort Zigeuner ging es nicht. Manche Ziganischn (ich bevorzuge den Ausdruck) bezeichnen sich selbst als Zigeuner, weil sie sich nicht als Sinti oder Roma sehen.
        Sie, Anoymous, hatten den Ziganischn bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Das wurde hier kritisiert, von manchen vehement.
        Diese Kritik müssen Sie sich schon gefallen lassen, ohne jetzt davon abzulenken.

        P.S.
        À propos, Ausdruck hin oder her! Ich sehe gar nicht ein, warum man neuerdings irgendwen unbedingt fremdsprachlich bezeichnen muss. Etwa im Taz-Artikel (den Frau Piesek verlinkt hat) über eine gebildete, qualifizierte Ziganische, die jedoch in der Öffentlichkeit immer wieder als potenzielle Diebin angesehen wird, bloß weil sie manchmal aussieht, wie die Leute sich Zigeuner vorstellen, steht der penetrante Ausdruck „eine Romni“.
        Nein, die Frau ist keine „Romni“, ebenso wenig, wie ich ein „Jehudi“ bin.

        Kein Mensch sagt jemals, dass Madame de Sévigné eine Française sei. Oder Miles Davis, the African American, obgleich Miles Davis ja noch nie aus Afrika kam. Oder sagt man Solschenizyn der Russki? Auch Giovanni Battista Pergolesi wird von keinem jemals als Napoletano bezeichnet.

        Bloß bei Ziganischn wird neuerdings so penetrant besserwissend gesagt, dass jemand „eine Romi“ oder „ein Rom“ sei. Das fällt ungemein auf: Weil es auffallen SOLL
        Was wird damit ausgedrückt: Bloß dass so jemand nicht von hier sei.
        So wie bei Muslimen: „Eine Muslima“. Nein, die ist ebenso wenig eine Muslima, wie Charlotte Knobloch eine Jehudit ist. Merkwürdigerweise schreiben immer Linke es so – jedoch ausschließlich bei Mohammedanern und bei Ziganischn. Dabei wollen grad die Linken alle Welt ins Allgemeine integrieren, aber durch ihre penetrante Bezeichnungswut „african american, Muslima, Romni, Rom“ usf. drücken sie genau das Gegenteil aus.

        • Anonymous schreibt:

          „Sie, Anoymous, hatten den Ziganischn bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. “

          Wieder falsch. Ich schrieb „kulturelle Eigenarten“, nicht „Eigenschaften“. Es geht um Verhaltensweisen, die im Prinzip änderbar wären, nicht um unveränderliche Merkmale.

  3. Lisa Piesek schreibt:

    Liebe Leserinnen und Leser, ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit für Mityas Artikel.
    Falls jemand ukrainisch versteht, empfehle ich den Insiderbericht einer Sozialarbeiterin, die die Kinder in der liquidierten Schatra betreut hat.
    https://lb.ua/blog/diana_butsko/363306_svyatkuymo_nenavist.html

    Sie erzähl davon, wie gern und fleißig die Kinder gelernt haben. Viele Familien haben davon geträumt ins bürgerliche Leben zu entfliehen und suchten nach Wegen aus dem Elend. Die meisten Menschen in der Siedlung hatten Arbeit. Sie äußert sich auch zur Kriminalität: im vergangenen Jahr sei nur ein Ermittlungsverfahren gegen einen Rom aus der Schatra eingeleitet worden. Ich denke, dass sich diese Erkenntnisse nicht nur auf das betroffene Lager anwenden lassen. Ich vermute, dass es den meisten Roma in Osteuropa ähnlich geht.

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