Xavier Naidoo: „Ich bin ein Rassist!“

„Wie lange noch wollt ihr Marionetten sein“, fragt der Puppenspieler Xavier Naidoo und fügt hinzu: „Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter? Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein. Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter!“

Xavier Naidoo hat ein neues Lied geschrieben und da ist alles drin, was das Herz eines Verschwörungstheoretikers, der noch im Kinderzimmer bei seinen Eltern wohnt und die Unterhosen von Mama gekauft bekommt, höher schlagen lässt. In der ersten Strophe wird direkt „Lügenpresse, halt die Fresse“ gebrüllt, nur halt etwas blumiger, damit es besser zu der naidooschen Stimme passt:

„Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht werden wir einschreiten! (…) Denn weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht müssen wir einschreiten.“

Das klingt nach Analverkehr zwischen den Söhnen Mannheims und den Söhnen Dresdens! Fragt sich nur wer passiv ist. Für das Parlament hat Xavier Naidoo ebenfalls nichts als Verachtung übrig:

„Alles nur peinlich und so was nennt sich dann Volksvertreter. Teile eures Volks – nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volks-Verräter. Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid, sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid.“

Das ist mal eine klare Ansage!

„Wir steigen euch aus Dach und verändern Radiowellen. Wenn ihr die Tür nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnung durchs Fenster (…) Zusammen mit den Söhnen werde ich Farbe bekennen. Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheater. Ihr wandelt an Fäden wie Marionetten, bis wir euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen!“

Für all jene, die sich nicht so sehr in der christlichen Mythologie auskennen, sei das Bild, das Xavier Naidoo hier benutzt, kurz erklärt. Die große Hure Babylon ist eine Figur in der christlichen Bibel. Sie taucht ausgiebig im 17. und 18. Kapitel in der Offenbarung des Johannes auf. Sie ist eine Art Endgegnerin der Christen und gilt als Mutter der Sünden Hurerei und Götzendienst. Christen verstehen Babylon als radikalen Gegenbegriff zu einem christlichen Gottesstaat. Xavier Naidoo ist ein tiefgläubiger Christ. In einem Interview sagte er einst:

„Ich bin Christ. Ich glaube an Jesus Christus und an seinen Vater. Es ist ja auch nicht uninteressant, wie ich dich nenne. Auch du willst bei deinem Namen genannt werden. Wenn der Name meines Gottes Allah wäre, dann hätte er keinen Sohn. Das ist nicht mein Gott, da gibt es nichts zu diskutieren.“

Als Christ weiß er Prioritäten zu setzen:

„Bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim. Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner das auch ist.“

Das sind ganz schön deutliche Worte für einen Mann, der einst ein Lied geschrieben hat mit dem Titel „Nie mehr Krieg“. Dort singt er:

„Nie mehr Krieg, nie mehr Krieg, wenn wir das nicht mehr sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief.“

Ich frage mich, wer mag wohl die geheimnisvolle Macht sein, die unseren Rassisten Naidoo daran hindern möchte, „Nie mehr Krieg“ zu sagen? Wer Xavier Naidoos Œuvre nach von ihm verdächtigten Personen absucht, wird schnell fündig. Es sind die jüdischen Verschwörer, die er in dieser Zeile besingt:

„Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel.“

Es sind aber auch die homosexuellen Kinderschänder, denen er diese Zeile gewidmet hat:

„Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?“

Und es sind die bösen Amerikaner, die „uns“ diktieren, was „wir“ zu hören haben:

„Bevor Ihr uns diktiert, was wir zu tun haben, hört erst mal auf, uns mit eurer Musik zuzuscheißen. Alles ist amerikanisiert. Da muss ich doch wie ein Gallier dagegen angehen, gegen diese blinde Verherrlichung Amerikas. Gegen die Art, wie Amerika mit der Welt umgeht. Keine Demut, keine Achtung. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. Und als Schwarzer kann ich das ohne irgendwelche Hintergedanken sagen.“

Zusammengefasst kann man sagen, die bösen Besatzer beherrschen uns, die, so weiß es Xavier Naisoo, das Deutsche Reich besetzt halten, so dass es „kein richtiges Land“ ist.

Mit dieser Aussage zeigt Xavier Naidoo seine Anfälligkeit für die Ideologie der Reichsdeutschen. In einem Interview aus dem Jahr 2014 erklärte er sogar:

„Ich möchte auf Menschen zugehen. Auch zu ‚Reichsbürgern‘. Auch auf die NPD. Das ist mir alles Wurst. Die Frau Merkel kann sich auch nicht aussuchen, ob sie vor den Linken oder vor irgendjemandem spricht. Sie muss als Bundeskanzlerin vor allen sprechen.“

Seit „Marionetten“ spricht er nicht nur mit ihnen, er hat ihnen sogar eine Hymne komponiert. All das war längst abzusehen. Ich habe schon vor einiger Zeit über Xavier Naidoo berichtet. Ich habe ihn sogar einmal verteidigt. Das erste Mal habe ich über Xavier geschrieben, als ich ihn in einer Bierwerbung für Krombacher singen hörte.

Das ist also die bessere Welt von Xavier Naidoo. Na, das hat mir gerade noch gefehlt. Biertrunkende Schluckspechte, die im Schatten einer Eiche sitzen, die irgendwie das Waldsterben und den sauren Regen überlebt hat, Lieder von Xavier Naidoo hören, aus dessen Mund nur heiliger Stuhl kommt, das Abschmelzen der Polkappen fürchten und sich deshalb ein deutsches Bier nach dem Anderen hinter die Birne kippen, weil sie davon überzeugt sind, so die drohende Apokalypse auf morgen um halb Vier verschieben zu können. Wenn sie rotzevoll sind, werden sie sich gewiss Xavier Naidoos Worte zu Herzen nehmen, der da singt: „Fangen wir an aufzuräumen!“

Darauf habe ich Bock: Biertrunkene Deutsche, die Lust dazu haben, die ganze Welt aufzuräumen. Xavier Naidoo hat Lust aufzuräumen, aber so richtig Lust. In „Marionetten“ singt er:

„Wenn ich nur einen in die Finger bekomme, dann zerreiß ich ihn in Fetzen und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen.“

Ich bin froh, in einem Land zu leben, wo Xavier Naidoo all das sagen und singen kann. Es stimmt mich jedoch traurig, dass er damit Stadien füllt, Millionen Alben verkauft und Millionen Begeisterte vor den deutschen Fernsehgeräten versammelt.

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