FDP wählen

„Es rettet Dich kein höheres Wesen,
Kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun,
Dich aus dem Elend zu erlösen,
Kannst Du nur selber tun!“ 

Am 22. September 2013 flog die FDP im hohen Bogen aus dem Bundestag raus. In 2014 flog sie zudem aus vielen Landesparlamenten. Die FDP hatte sich zu sehr von ihren Grundsätzen entfernt:

„Der Liberalismus ist eine Philosophie der Freiheit, die dem einzelnen Bürger, seiner menschlichen Würde und seinen Menschenrechten der Freiheit und Gleichheit Vorrang vor der Macht des Staates einräumt. Liberalismus will die größtmögliche Freiheit des Einzelnen. Die Freiheit des Einzelnen findet ihre Grenze an der Freiheit der anderen. Deshalb sind individuelle Freiheit und Verantwortung für sich selbst untrennbar. Individuelle Freiheit erfordert ebenso die Bereitschaft, Mitverantwortung für andere zu übernehmen. Liberalismus will Freiheit zur Verantwortung anstatt Freiheit von Verantwortung. Freiheit ist nicht Egoismus. Freiheit ist Verantwortung.“

Scheitern gehört unbedingt zum Wachsen dazu. Scheitern ist Lernen. Im Scheitern wohnt der Mut zur Entwicklung, aber auch die Muße zur Besinnung. Wo es kein Scheitern gibt, gibt es keine Zukunft. Scheitern ist der Motor des Besserwerdens. Das radikale Scheitern der FDP hat die Partei verbessert. Heute kann ich guten Gewissens sagen, die FDP hat jede erste und zweite Stimme verdient, denn sie sagt:

„Für Liberale verläuft die politische Grenze nicht zwischen rechts und links, sondern zwischen freiheitlich und autoritär.“

Für Menschen, die die Freiheit lieben, sagt die FDP:

„Nicht der Staat gewährt den Bürgern Freiheit, sondern die Bürger gewähren dem Staat Einschränkungen ihrer Freiheit.“

Für jene, die gerne in Europa leben, sagt die FDP:

„Die liberale Bürgergesellschaft denkt kosmopolitisch, handelt europäisch, wurzelt in nationaler und regionaler Identität. Freiheit bedeutet nicht gesellschaftliche Vereinzelung, Egoismus und Bindungslosigkeit. Liberale treten dafür ein, dass Bindungen freiwillig und selbst bestimmt eingegangen werden. Für Liberale sind alle Lebensgemeinschaften wertvoll, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Verantwortungsgemeinschaften dürfen nicht diskriminiert werden; rechtliche Benachteiligungen für neue Verantwortungsgemeinschaften müssen abgeschafft werden.“

Für jene, die Verantwortung schätzen, sagt die FDP:

„Liberale treten für mehr Freiheit für mehr Menschen ein und wissen, dass sie damit mehr Verantwortungsbereitschaft verlangen. Liberalismus vertraut auf den Willen und die Fähigkeit des Menschen, in eigener Verantwortung zu entscheiden und zu handeln. Für jeden Einzelnen gibt es Situationen, in denen er auf Hilfe angewiesen ist. Die Hilfe zur Selbsthilfe greift in die eigene Freiheit und Verantwortung am wenigsten ein. Sie ist daher die menschlichste und menschenwürdigste Form der Hilfe. Liberale setzen auf den mündigen Bürger, nicht auf den Vormundschaftsstaat mit Rundumbetreuung. Liberale muten den Bürgern mehr zu, weil sie ihnen mehr zutrauen.“

Für jene, die Klartext sprechen, sagt die FDP:

„In Deutschland hat sich die Politik immer mehr daran orientiert, was bei den Betroffenen gut ankommt, was gefällt. Sie hat sich zur Gefälligkeitspolitik entwickelt, bei der es nicht mehr darauf ankommt, ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist, sondern nur noch darauf, ob sie ankommt oder nicht. Die Gefälligkeitspolitik, die allen alles verspricht, ist unfinanzierbar und kann daher nicht halten, was sie verspricht. Der Bürokratiestaat bevormundet den Bürger. Liberalismus will Menschlichkeit durch Vielfalt. Freiheit ist Vielfalt. Vielfalt in der Marktwirtschaft heißt Wettbewerb. Vielfalt in der Gesellschaft heißt Toleranz. Die Dynamik der Freiheit entfaltet sich gleichermaßen auf dem Markt der Ideen, Entwürfe und Lösungen, wie auf dem Markt der Interessen und Güter. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Freiheit sind unteilbar. Liberale treten dem Vorurteil entgegen, das wirtschaftliche Freiheit für rechts hält und gesellschaftliche Freiheit für links.“

Für jene, die die Marktwirtschaft unterstützen, sagt die FDP:

„Marktwirtschaft braucht eine freiheitliche, vielfältige und tolerante Gesellschaft. Eine freiheitliche, vielfältige und tolerante Gesellschaft braucht Marktwirtschaft. Liberale wollen Markt und Wettbewerb in der Wirtschaft ebenso wie den Markt der Meinungen, den Wettbewerb der Ideen und die Vielfalt der Lebensformen in der Gesellschaft. Denn Freiheit ist Vielfalt.“

Für jene, die Gleichberechtigung nicht nur für ein Wort halten, sagt die FDP:

„Jeder Mensch hat das Recht, seine Lebensziele zu bestimmen, nach seinem Glück zu streben, seine Chancen zu suchen, um seine Neigungen und Begabungen zu entwickeln – alleine oder in frei gewählten Gemeinschaften. Jeder hat ebenso das Recht, auf die Frage nach dem Sinn und den Werten des Lebens seine eigenen Antworten zu suchen. Er kann sie in den Kirchen, anderen Religionsgemeinschaften oder Weltanschauungsgemeinschaften finden. Grundlage der offenen Bürgergesellschaft ist darum die Freiheit des Gewissens, des Bekenntnisses und der Religion.“

Für jene, die nicht bevormundet werden möchten, sagt die FDP:

„In der liberalen Bürgergesellschaft ist es nicht die Aufgabe des Staates, die Bürger ihrer Probleme zu “enteignen”. Die Bürger regeln ihre Angelegenheiten in Freiheit und Verantwortung selbst. Wo der Bürger staatliche Entscheidungen braucht, müssen diese so nah am Bürger wie möglich getroffen werden: Vorrang hat die Gemeinde, erst dann folgen das Land, der Bund und die Europäische Union. Die jeweils höhere Entscheidungsebene darf nur regeln, was die untere Ebene nicht besser regeln kann. Subsidiarität heißt für Liberale: Vorrang für die kleinere Einheit.“

All das sagt die FDP. Es benötigte ein radikales Scheitern, damit sie sich wieder daran erinnerte!

Was all das konkret für Nordrhein-Westfalen bedeutet, finden Sie hier: Landtagswahlprogramm.

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24 Antworten zu FDP wählen

  1. Eitan Einoch schreibt:

    So, ich hab gewählt. Und selbstverständlich NICHT die Mövenpick-Partei. Meine Erststimme verbinde ich zum einen mit freundlichen Grüßen an die Adresse von Hannelore Kraft, der ich von Herzen eine größtmögliche Niederlage wünsche, und meine Zweitstimme mit einem Dankeschön an die Adresse von Angela Merkel, die sich keinerlei Illusionen darüber machen soll, dass viele Menschen ihre Partei lediglich als das geringere Übel zu den Roten ansehen und zur Kenntnis nehmen, dass sie Lösungen für Probleme anbietet, die es ohne Merkels Versagen als Bundeskanzlerin nicht gäbe. Ich hoffe damit zusätzlich, dass die Grünen möglichst keinerlei Chance bekommen, an einer Regierungskoalition beteiligt zu werden.

    • Justin Teim schreibt:

      Na dann hoffe ich auf ein Kreuz bei den Violetten von Ihrer Seite.
      Die Pretzell-Truppe ging ja auch nicht, siehe Klonovskys Abrechnung.

      • Eitan Einoch schreibt:

        Die AfD hat sowieso keine Machtoption, niemand wird mit mit den Blauen koalieren. Sie ist aber nützlich, um eine Koalition von CDU oder SPD sowie FDP mit den Grünen zu erschweren bzw. zu verunmöglichen. Klonovsky, Pretzell, Petry – geschenkt. Ich wähle eigentlich IMMER strategisch, niemals ideologisch. Als die AfD gegründet wurde, habe ich für einen Moment die Hoffnung, sie könnten eine ernsthafte Alternative zum Merkelblock sein. Leider haben sich die Alternativen durch das Flirten mit Rechtsaußen mittlerweile selbst zerlegt. Ich würde sie deswegen heute nicht mehr aus Überzeugung wählen. Aber als nützliche Idioten taugen sie durchaus noch etwas.

      • Eitan Einoch schreibt:

        Was für ein tolles Wahlergebnis!!! H. Kraft ist weg, da die Linke wahrscheinlich auch raus ist, kriegen wir womöglich Schwarzgelb, d.h. SPD landet in der Opposition. Yes!!! Ein Jammer nur, dass die Grünen nicht an der Fünfprozenthürde scheitern. Insgesamt bin ich mehr als zufrieden.

  2. Kors Berg schreibt:

    FDP? Die letzten wählbaren FDPler waren Hamm-Brücher, Baum und Hirsch. Die gesamte FDP ist seit dem Verrat Genschers an Schmidt unwählbar.

    • Aristobulus schreibt:

      „Verrat“ ist selbstverständlich kein Begriff aus der Politik, wo es nun mal um wechselnde Koalitionen geht. Wo wechselnde Koalitionen nicht sein dürfen, da gelten freilich Dekrete, und da gibt es dann Verrat, Ehrverlust und sowas.

  3. Aristobulus schreibt:

    Wie woanders erwähnt:
    Wer FDP wählt, der wählt Christian Lindner, der für überhaupt nichts steht außer für einen gewissen Christian Lindner, und der nicht liberaler ist als Schulz, nicht linker ist als Gysi, nicht rechter ist als Höcke, und nicht weniger wirschaffendas ist als Merkel.
    Warum sollte man sowas wie Mekelschulzlindnergysi wählen-?

    • Hessenhenker schreibt:

      Ich find‘ das gut, daß Christian Lindner wenigstens für sich selbst steht.
      Wer macht das denn sonst noch in der Politik?

      • Aristobulus schreibt:

        Schulz macht das wahrscheinlich hundertprozentig so.

      • Aristobulus schreibt:

        * nochmal aus schwülen politischen Träumschäumen hochschreck‘ *

        Also das Stehen, nein das Dafürstehen, also nicht dagegen oder nicht aufrecht (wobei man sich darin nie sicher sein kann, nichtmal bei sich selbst), also das Stehen von jemandem für etwas, so!, also das Stehen der FDP, nein das, wofür dieser Christian Lindner steht, just weil er ja wegen des Buurmannes für’s FDP-Programm stehen müsste: Darum ging’s. Der Herr Lindner steht jedenfalls nicht für das FDP-Programm, nicht?

        Der steht allenfalls für Christian Lindnern, aber für das FDP-Programm steht er genauso garnicht wie Daniela Katzenberger für den bon goût.
        Wobei der Buurgemannte ja nu eben doch gern wollte, dass man die FDP wähle.
        Aber dann wählt man ja nicht das FDP-Programm, sondern dann wählt man faktisch und ontisch ja einen Herrn Lindner!, der gern die Kardashians wäre, der aber mehr wie Daniela Katzenberger ist, der aber niemals auch nur ein halber Halbabsatz aus dem FPD-Programm sein wird.

        Der langen Kurzen redender Sinn: So meinte ich das mit dem Dafür-Stehen von dem Lindnerischen da im Jenseits von jedem anzunehmenden FDP-Programm.

        P.S.
        Also den Herrn Lindner zu wählen!, weil man in Wirklichkeit ja am Liebsten das FDP-Programm da gekrönt und gebundeskanzlert sitzen hätte: Das wäre ja so, als wählte man Daniela Katzenberger, weil man am Liebsten Marilyn Monroe wählen wollen möchte.

        • Hessenhenker schreibt:

          Ach, blond war ich selber, Marilyn Monroe hätte mir dunkelhaarig besser gefallen.
          Heutzutage muß es ja immer gleich Metallicblau sein!

          • Aristobulus schreibt:

            … nu, dann halt so: Will einer gern Maggie Cheung wählen, aber die ist so jenseits, dass dann Henriette Reker gewählt wird, denn die ist haaach diesseitiger als diesseits.
            Oder so.

          • Hessenhenker schreibt:

            Wie KANN man Reker wählen,
            wenn man doch „Fliegender Schnee“ wählen will?
            Jetzt bin ich tief getroffen.
            Ich fühle mich verwundet.

          • Aristobulus schreibt:

            … alors!, also, es wird schon 🙂
            Und wie KANN man den Graupelklumpen Listian Chrindner wählen, wenn man doch den wolkenfliegenden Rosenschnee des FDP-Programms wählen wollen möchten will?

            P.S.
            Dieser Kommentar ist wahrlich redundant, pardon.
            Er ist bloß wegen des Worts Graupelklumpen. Weil!, also das Wort ist nun mal eine adäquate Adäquatisiertheit für den Gelindnerten ^^

  4. wodesi schreibt:

    Nein, Die FDP Lindners und Kubickis ist was sie immer war, seit Gerhard Baum und Theodor Heuss fehlen: Ein Machtbeschaffungsinstrument. Unnötig, nur eine CDU-Extension. Nein, Danke.
    Das Programmfgeschwalle ändert sich nicht, auch zu von Stahls zeiten stand das ganze Zeug drin. Ernst gemeint wie Haribo Werbung von Bully…

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