Alice in Würzburg und was sie dort fand

Am 12. Mai 2017 hielt Alice Schwarzer einen Vortrag an der Universität Würzburg. Sie sprach über strukturelle Gewalt gegen Frauen, über die Kölner Silvesternacht 2015 und über die sogenannten „Ehrenmorde“. Sie referierte über einen Mann in Hameln, der seine Frau, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, niedergestochen und an sein Auto angeseilt durch die Innenstadt geschleift hatte. Da in den meisten Fällen die Täter erklärte Muslime waren, betonte Alice Schwarzer immer wieder, dass sie zwischen dem Islam als Glauben und dem Islamismus als Ideologie strikt unterscheide und die Opfer der Täter schließlich größtenteils auch Muslime seien. Sie berichtete zudem, wie sie im Jahr 1979 zusammen mit einer kleinen Gruppe von Frauen aus Frankreich nach Teheran flog, um dort den Frauen in Teheran im Kampf gegen den religiösen Terror zur Seite zu stehen. Sie berichtete von Folter und Todesurteilen und von Frauen, denen von den Revolutionsgarden ein verrutschter Schleier auf den Kopf genagelt wurde.

Als sie fertig war, ergriffen einige Frauen das Wort und erklärten:

„Ich dachte, Sie reden über Feminismus, aber Sie haben bisher nur gehetzt: Frauen gegen Männer. Und Deutsche gegen alle Algerier.“ / „Sie verteufeln alle Muslime!“ / „Sie sind eine Rassistin!“ / „Sie wollen das Kopftuch verbieten!“ / „Sie sind dagegen, dass Frauen sich freiwillig für die Burka entscheiden.“ / „Frau Schwarzer, Sie verteufeln alle Muslime!“ / „Sie sind eine echte Rassistin!“

Diese Diffamierung von Alice Schwarzer ist mir nur allzu bekannt. Sie wird diffamiert, weil sie es wagt, den Islam zu kritisieren. Eine Frau, die den Frauenhass im Islam kritisiert, gerät heute ebenso in das Schussfeld von Fundamentalisten, wie ein Mann, der den Judenhass im Islam kritisiert. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich kritisiere religiösen Fundamentalismus (und somit auch den Islam) schon seit Jahren und bekomme dafür regelmäßig Hass zu spüren. So wie mir geht es vielen Menschen.

Am 27. Oktober 2016 wurden Juden aus einer Londoner Universität entfernt, da die Polizei nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren konnte. Als die Polizei den Tatort des Judenhasses erreichte, zeigte sich ihnen eine schreckliche Szene:

Die rund 25 Studentinnen und Studenten des angegriffenen Vortrags hatten sich gemeinsam mit ihrem Dozenten Hen Mazzig in einem kleinen Raum eingeschlossen, während sich draußen der gewalttätige Mob formierte. Eine Studentin beschreibt die Situation wie folgt:

„Es gab viel Geschrei und viele schlugen gegen die Türen. Wir alle hatten Angst, aber wir versuchten uns, auf den Vortrag zu konzentrieren. Es war wahnsinnig. Trotz der Schläge von draußen sprach Hen weiter von Frieden. Das war wirklich sehr schön, denn wir waren vereint und sangen das Lied der Hoffnung trotz des Lärms von draußen.“

Der Dozent Hen Mazzig, der als Beauftragter für humanitäre Angelegenheiten eingeladen war, erklärte später: „Ich bin überrascht, dass sie ausgerechnet meine Botschaft des Friedens und der Koexistenz anvisiert haben. Es war wirklich schwer, über den ganzen Lärm zu sprechen.“

Als es einigen Menschen im Mob gelang, ein Fenster gewaltsam zu öffnen, war der Polizei klar, dass die Gewalt explodierte. Da jedoch nur rund 20 Polizeibeamte anwesend waren und der judenhassende Mob zu groß war, konnte nicht gegen den Mob vorgegangen werden. Stattdessen wurden die Angegriffenen aus der Universität entfernt. Als Hen Mazzig mit den Studierenden die Universität verlassen musste, waren sie gezwungen durch eine lange Gasse von hasserfüllten Menschen zu gehen, die auf sie einbrüllten: „Schämt Euch!“

Ich kann mir gut vorstellen, warum ausgerechnet Hen Mazzig anvisiert wurde. Er ist Jude, Israeli und schwul. Das sind drei Eigenschaften, die sowohl von der Hamas als auch der Fatah verfolgt werden! Die Verantwortlichen der palästinensischen Bewegung machen keinen Hehl daraus, dass „Free, Free Palestine“ nichts anderes bedeutet als: Tötet die Juden, vernichtet Israel und richtet die Homosexuellen hin. Immer wieder bricht sich dieser Hass Bahn. Vor ein paar Jahren wurden Musiker in der Royal Albert Hall in London niedergebrüllt, weil sie Israelis waren:

Israelis werden aus Hörsälen vertrieben und niedergebrüllt:

Konzerte werden gestört, weil die Musiker Israelis sind:

Unter „Allahu Akbar“-Rufen werden Künstler wie Lars Vilks in Hörsälen attackiert:

Für Juden und Israelis sind Universitäten, Konzertsäle und Vortragsräume in Europa und Amerika mittlerweile zu Kriegszonen geworden. Sie werden sogar von der Polizei entfernt, weil die Sicherheitsorgane nicht mehr ihre Sicherheit garantieren können.

Ich kenne die Motivation der Störenfriede. „Wehret den Anfängen“ brüllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht.

Wer einmal einen Menschen erfolgreich aus dem Diskurs entfernt hat, weil er ihn zum Rassisten erklärt hat, wird diese Strategie weiterverfolgen. Es ist daher kein Zufall, dass heute Juden und besonders Israelis als Rassisten bezeichnet werden. Es fällt dann leichter, sie zu entmenschlichen. Am 12. Mai 2017 wurde Alice Schwarzer zur Rassistin erklärt, nur weil sie es gewagt hatte, den Sexismus innerhalb es Islams zu kritisieren. Dabei ist Kritik am Islam kein Rassismus!

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen oder ethnischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse jedoch nennt sich Kritik. Es ist stets die eigene Entscheidung, die uns zu unseren Taten treibt. Es geschieht in unserem Kopf! Dabei ist es nicht wichtig, welche Farben die Haut, die Haare und die Augen des Kopfes haben, es kommt darauf an, was in dem Kopf ist! Es ist auch nicht entscheidend, wieviele Narben im Gesicht sind. Schlechte Erfahrungen sind kein Grund, sich daneben zu benehmen!

Jahrhundertelang wurden Juden auf dieser Welt vertrieben und verfolgt. Sie entkamen oft nur knapp den Kreuzen, dem Feuer und den Gaskammern. Dennoch gibt es in der Geschichte und heute keine jüdischen Terroristen, die in New Yorker Hochhäusern, Pariser Theatern, Londoner U-Bahnen und auf Märkten in Tel Aviv Menschenmassen morden. Es widerspricht der jüdischen Kultur, das Böse so billig zu erklären und sich derart verantwortungslos für die eigenen Taten herauszureden. Vielleicht werden Juden deshalb von so vielen Menschen gehasst, weil sie durch ihr gelebtes Vorbild zeigen, dass es kein noch so schlimmes Leid rechtfertigt, sich daneben zu benehmen! Es ist so viel leichter, wenn ich für alles eine Entschuldigung finde. Die jüdische Tradition ist jedoch eine Philosophie der Eigenverantwortung und diese Freiheit zur Verantwortung wird von vielen Menschen gehasst.

Die Freiheit zur Verantwortung muss jedoch erstritten werden. Es bringt rein gar nichts, den Islam vor harscher Kritik zu schützen. Wer Islamismus und Islam trennen möchte, kann auch gleich versuchen, Alkoholismus von Alkohol zu trennen. Mir ist egal, was der Islam bedeutet!

Ich würde die Muslime, die brüllen und morden auch am liebsten schlicht Arschlöcher nennen, aber ich kann nicht ignorieren, dass sie sich selber als Muslime bezeichnen; sogar als wahre Muslime, berechtigt, für den Islam zu morden. Sie schneiden Köpfe ab, steinigen Frauen, hängen Homosexuelle und stechen Juden ab. Diejenigen jedoch, die sich und anderen immer wieder einreden, Islam bedeute Frieden, ignorieren diese Tatsachen einfach. Sie ignorieren die Tatsache, dass die muslimischen Staatsoberhäupter der Länder, in den Homosexuelle getötet, Frauen unterdrückt und Juden verfolgt werden, den Islam anders sehen als sie. Und sie ignorieren, dass diese Oberhäupter von Millionen Muslimen in ihren Überzeugen unterstützt werden.

Was soll „moderater Islam“ überhaupt bedeuten? Religionen sind nicht moderat! Sie sind immer radikal. Ein Buch mit dem Anspruch, Gottes Wort zu sein, kann nicht moderat sein. Dafür ist Gott selbst zu radikal! Alle Religionen sind immer nur dann tolerant, wenn sie keine staatliche Macht haben. Das Christentum wurde erst tolerant, nachdem die Aufklärung gesiegt hatte. Zurück ins Mittelalter möchte ich nicht. Dafür fürchte ich das Christentum zu sehr. Ich fürchte auch den Islam, denn ich weiß, wozu religiöse Menschen im Stande sind. Muslimische Täter erklären, ihre unmenschlichen Taten im Namen des Islams zu tun! Wem das nicht gefällt und wer den Islam retten möchte, soll mit den Tätern reden und ihnen erklären, was der Islam bedeutet.

Für jeden Menschen, der glaubt, Islam bedeute Friede, müssen die Muslime, die im Namen Gottes hassen, schlimmer sein als alle Menschen, die den Koran verbrennen. Jedes mal, wenn irgendwo auf der Welt irgendjemand den Islam kritisiert, Mohammed verballhornt oder einen albernen Film über Muslime dreht, ist der Aufschrei in der islamischen Welt groß und Muslime gehen auf die Barrikaden. Wenn Islamisten die Menschlichkeit mit ihren Taten schänden und sich dabei auf Allah berufen, muss der Aufschrei um das vielfache lauter sein!

Eine weitere Gruppe von Menschen, die immer wieder zum Opfer dieser Form von Gewalt werden, sind Homosexuelle. Es wundert daher nicht, dass Alice Schwarzer am 12. Mai 2017 auch über Tschetschenien berichtete, wo Islamisten bereits im Jahr 1994 die Scharia eingeführten. Seit einiger Zeit findet daher in Tschetschenien berichtete eine brutale Verfolgung von Homosexuellen statt. Homosexuelle Männer werden in Lager verschleppt, wo sie geschunden und gefoltert werden. Es ist sogar von von „tschetschenischen Konzentrationslagern für Homosexuelle“ die Rede. Der britische Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, Sir Alan Duncan, sagte im Parlament:

„Uns teilen Menschenrechtsgruppen mit, dass antischwule Kampagnen, sowie Tötungen vom Oberhaupt der tschetschenischen Republik, Ramzan Kadyrow, orchestriert werden. Einige Quellen berichten sogar davon, dass er die LGBT Gemeinschaft bis zum Beginn des Ramadans eliminieren will.“

Ein Sprecher des tschetschenien Oberhaupts erklärte dazu:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Kadyrow selbst erklärte: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er war sich ebenfalls sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betonte: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

In der Presse wurde nur sehr wenig über diese Verfolgungswelle berichtet und in den wenigen Artikeln, die dazu verfasst wurden, tauchte bei den meisten das Wort Islam kein einziges Mal auf, wie zum Beispiel in der Welt. Ich schrieb dazu:

„Ihr würdet es vermutlich auch schaffen, über den Nationalsozialismus zu schreiben, ohne ein einziges Mal das Wort „deutsch“ zu benutzen. Stattdessen benutzt Ihr in Eurem Artikel das Wort „russisch“. Der Judenhass in Tschetschenien ist jedoch so russisch, wie das Vernichtungslager in Auschwitz polnisch war. Ja, viele Russen und Tschetschenen hassen Schwule. Es gab 1942 auch Polen, die Juden so gehasst haben, aber Auschwitz war so klar ein deutsches Lager, wie die Gefängnisse für Homosexuelle in Tschetschenien heute Lager des muslimischen Oberhaupts Tschetschenien sind. Sein Name ist Ramsan Kadyrow.“

Kritik am Islam ist bitter notwendig und sie muss klar und deutlich ausfallen. Der Islamexperte Hamed Abdel-Samad zum Beispiel sagt:

“Ich könnte sagen, dass die Terroristen vom IS Mohammed missverstanden haben und fehlinterpretieren, wenn aus den authentischen Quellen und Texten herauszulesen wäre, dass Mohammed ein Mönch gewesen ist, der unter einer Palme seine Botschaft verkündet hat, dann friedlich gestorben ist, und die Menschen nach seinem Tode eine Religion begründet haben, die dann missbraucht wurde. So war es aber nicht. Mohammed war Kriegsherr, er hat das Gleiche getan, was die IS-Terroristen heute tun. Es ist die Geisteshaltung Mohammeds, der den Menschen misstraute, die sich bis heute erhalten hat. Die Geisteshaltung eines größenwahnsinnigen Narzissten, der einen inneren Kreis von Gefolgsleuten definiert und alle, die außerhalb dieses Kreises stehen, als Feinde betrachtet, die ausgelöscht gehören. Der IS ist das legitime Kind von Mohammed, in Wort und Tat. Niemand versteht Mohammed so gut wie der IS. Genau wie die Religionspolizei in Saudi-Arabien, die Fanatiker in Indonesien, Boko Haram in Nigeria, al-Schabab in Somalia und die Hamas im Gazastreifen. Sie stammen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten, berufen sich aber alle auf die gleichen multiplen Krankheiten des Propheten und damit auch seiner Religion.”

Hamed Abdel-Samad übt diese Kritik unter ständiger Todesangst, weil von islamischen Gelehrten ein Todesurteil über ihn gefällt wurde, Seitdem steht er unter ständigem Polizeischutz. Er wird sich sein Leben lang nicht mehr frei und sicher bewegen können.

Frauen, Juden, Homosexuelle und Kritiker sind die ersten Opfer der Gewalttäter, die erklären, im Namen des Islams zu morden. Diesen Opfern Nachhilfe in Islamkunde zu geben, ist schlicht und ergreifend unanständig, denn sie schweben in permanenter Lebensgefahr. Sie müssen sich nicht um das Image des Islams Gedanken machen, und schon gar nicht ist es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Islam in einem guten Licht steht. Sie müssen sich vor Muslimen schützen, die glauben, den Koran so gut verstanden zu haben, dass sie sie töten dürfen – und sie müssen den Islam kritisieren können und zwar mit klaren und deutlichen Worten!

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