Der Ramadan ist gekommen!

Tapfer im Nirgendwo wünscht allen Muslimen eine gesegnete Zeit des Fastens und der Einkehr!

Zu Beginn des Ramadans 2017 erinnere ich an den Ramadan des Jahres 1965. Als in den 1960er Jahren muslimische Gastarbeiter nach Deutschland kamen, gab es in Köln noch kein Haus, wo die Gläubigen zu Allah beten konnten. Darum stellte der Kölner Dom kurzerhand seine beiden nördlichen Seitenschiffe islamischen Gottesdiensten türkischer Arbeitsmigranten zur Verfügung. Die Gebetsbänke wurden weggeräumt und die Gebetsteppiche ausgerollt!

Am 3. Februar 1965 in aller Herrallahsfrühe betraten rund 400 türkische Gastarbeiter mit zusammengerollten Gebetsteppichen unter ihren Armen den Kölner Dom. Jene Muslime, die sich keinen Teppich leisten konnten, hatten Zeitungen mitgebracht. Auf den Steinfliesen des Kölner Doms breiteten sie ihre Gebetsteppiche und Zeitungen aus und neigten ihr Haupt gen Mekka. Ein Imam leitete den Gottesdienst im Schatten der Kerzen, Kreuze, Altäre, Statuen und in Anwesenheit des Kölner Kardinals Joseph Frings. Am 3. Februar 1965 erschallte erstmals das Gebet „Allahu akbar“ im Kölner Dom. Die ZEIT titelte am 12. Juni 1965:

„Muselmanen beten im Kölner Dom“

Das Wort Moschee bedeutet „Ort der Niederwerfung“. Der Kölner Dom wurde somit im Jahr 1965 die höchste Moschee Europas mit 157 Metern. Die Muslime nahmen die Moschee dankend an, indem sie nach den Gebeten Geld in den Opferstock warfen. Die Muslime befolgten im Kölner Dom somit vier der fünf Säulen des Islams: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten und Almosen.

Darauf mal ein dreifach donnerndes Kölle, Allah!

Als das Richter-Fenster von Gerhard Richter im Südquerhausfenster des Kölner Doms am 25. August 2007 im Rahmen einer Messfeier eingeweiht wurde, da dauerte es nicht lange, bis sich Kardinal Meisner zu dem neuen Fenster äußerte.

“Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen”, ließ der Kardinal in einem Interview mit der Express verlauten und fand noch deutlichere Worte. Das Fenster passe “eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus” als in die gotische Kathedrale.

Kardinal Meisner war kein Kardinal Frings! Kardinal Meisner wusste nicht, dass er von 1989 bis 2014 Erzbischof der Stadt mit der zweithöchsten Moschee der Welt war. Er leitete sogar 25 Jahre in dieser Moschee den Gottesdienst! Schon peinlich, wenn man seinen eigenen Arbeitsplatz nicht kennt!

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Über den 2. Februar 1965 habe ich heute zu Beginn des Ramadans auf der Domplatte referiert vor Menschen aus aller Welt von Irak bis zum Kosovo. Es ist immer wieder spannend, beim Erzählen zu sehen, wie sich bei einigen Leuten der Gedanke im Gesicht ausbreitet: So einfach ist das?

Ja, so einfach ist das! Und wenn hinterher noch gemeinsam gesungen wird, dann ist für diesen kurzen Moment alles ganz leicht.

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