Anja Reschke macht die Schreinemakers

Der 22. August 1996 ist in die Geschichte des Fernsehjournalismus eingegangen. An diesem Tag wurde die Sendung Schreinemakers Live im Moment der Sendung von den Verantwortlichen des Senders Sat.1 live abgesetzt. Am 14. Juni 2017 machte Anja Reschke die Schreinemakers. Sie wurde jedoch gesendet.

Schreinemakers Live war eine von Margarethe Schreinemakers moderierte Infotainment-Sendung auf Sat.1. Sie wurde zwischen 1992 und 1996 wöchentlich über mehrere Stunden im Programm des Privatsenders Sat.1 ausgestrahlt. Für die Moderation ihrer Show wurde Schreinemakers mit dem Bambi, der Goldenen Kamera und dem Goldenen Kabel ausgezeichnet. Am 22. August 1996 blendete sich Sat.1 dennoch aus der Live-Sendung aus, nachdem Schreinemakers einen Bericht über eine sie betreffende Steueraffäre senden wollte. Die Verantwortlichen von Sat.1 sahen es als journalistisch fragwürdig an, dass eine Journalistin ihre eigene Sendung als Sprachrohr nutzt, um auf Kritik an die eigene Person zu reagieren. Sat.1 entschied sich somit, aus Gründen der Befangenheit von Margarethe Schreinemakers, die Sendung abzusetzen.

19 Jahre später macht jetzt Anja Reschke für die öffentlichen-rechtlichen die Schreinemakers!

Jeden Monat muss ich 17,50 Euro bezahlen, damit die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gute Fernsehsendungen für mich einkaufen und produzieren. Ohne diesen Zwang, so sagen sie, gäbe es kein gutes Fernsehen in Deutschland. Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber sie sagen es und sie haben die Gewalt des Staates hinter sich. Darum zahle ich.

Diese öffentlich-rechtlichen Sender gaben nun eine deutlich sechststellige Summe aus, um eine Dokumentation über Antisemitismus in Europa einzukaufen. Heraus kam „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner. Als der Film jedoch fertig war, beschlossen die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die Dokumentation sei nicht gut genug und schlossen den Film weg.

Können wir nicht froh sein, in einem Staat zu leben, der so gut auf uns alle aufpasst? Hoffentlich kaufen die Sender bald mal wieder einen Film, in dem Israel so richtig schön kritisiert wird, damit wir wieder gutes deutsches Fernsehen mit bösen jüdischen Siedlern sehen können.

Anja Reschke findet es frech, dass Bild die Dokumentation jetzt doch gezeigt hat.

Wenn Anja Reschke schon die Kategorie „frech“ in den Diskurs einführt, dann möchte ich sagen, was ich frech finde. Ich finde es jedoch frech, wenn öffentlich-rechtliche Sender mehrfach Lügen über Juden und Israel verbreiten, für die sie sich später entschuldigen müssen, um dann an einem Bericht über Antisemitismus eine Qualitätsmesslatte anzulegen, die sie in dieser Höhe an israelkritischen Berichten nie angelegt haben. In dem Artikel „Ich klage an“ habe ich eine lange Liste von handwerklich inakzeptablen Berichten der öffentlich-rechtlichen Sender gesammelt, die radikal einseitig gegen Israel berichteten und sogar teilweise Lügen enthielten, für die sich die Verantwortlichen später entschuldigen mussten.

Die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner zeigt, dass unter anderem dieser von den öffentlich-rechtlichen Sendern forcierte einseitige Blick auf Israel dafür gesorgt hat, das der Judenhass in Europa wieder mörderisch wurde. Mehrere Historiker und Antisemitismus-Experten loben die Qualität der Dokumentation.

Die Dokumentation zeigt in neunzig Minuten den Judenhass Europas, wie er sich in den frühen Zeiten des Christentums verfestigt hat, durch Luther brutalisiert und durch Philosophen, Schriftsteller und Komponisten in Europa gerechtfertigt wurde und schließlich von den Nazis zur industriellen Massenvernichtung von Menschen gemacht wurde. Die Dokumentation zeigt ferner, wie dieser Hass in die arabische Welt exportiert wurde und dann nach Europa zurückkehrte und zwar in Form einer brutalen und durch europäische Organisationen finanzierten Kritik an Israel, die sogar vor Verfolgung und Mord nicht mehr zurückschreckt. Ein französischer Jude wird in der Dokumentation mit diesen Worten zitiert:

„Niemals, ich bin überzeugt, niemals wären die Araber in Frankreich den Juden gegenüber gewalttätig geworden, hätte man sie nicht überzeugt, dass es ihre Pflicht ist, sich mit ihren Glaubensbrüdern in Palästina solidarisch zu zeigen. Sie hätten das sonst nie gemacht.“

Zu den europäischen Organisationen, die so fahrlässig gehandelt haben, dass der Judenhass wieder mörderisch wurde, gehören auch manche Berichte auf den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Für mich ist daher das Verhalten der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Bezug auf die Dokumentation von Joachim Schroeder und Sophie Hafner ein aktives Schweigen über die Existenz von Antisemitismus in Europa. Die israelische Botschafterin in Frankreich spricht sogar von einer „Verletzung des Rechts der Öffentlichkeit auf Information, insbesondere, wenn es um wichtige Themen wie Antisemitismus geht, der sich wieder gefährlich in Europa verbreitet.“

Was in Deutschland gerade gebührenfinanziert geschieht, ist eine freche deutsche Untugend, nämlich Schweigen über Judenhass. Übrigens, Bild hat wie kaum ein anderes Medium in Deutschland stets viel Geld ausgegeben, um gegen Antisemitismus zu kämpfen. Axel Springer, der die Bild gründete, verband eine enge Freundschaft mit dem Staat Israel und dem israelischen Volk. Die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen und das Eintreten für die Lebensrechte des israelischen Volks waren für ihn Grundüberzeugungen, nach denen er handelte und die er in den Essentials seines Verlages manifestierte.

Als im Jahr 2014 der Judenhass in Deutschland hochkochte, als Menschen in Deutschland auf die Straße gingen, um die Vergasung von Juden zu fordern, da starte die Bild die Kampagne „Nie wieder Judenhass“. Im selben Jahr erklärte Sabine Rau in einem Kommentar in den Tagesthemen, die Sprüche, Juden zu töten, seien zwar „absolut inakzeptabel“, doch unter den Demonstranten seien schließlich auch „Palästinenser, die die Verzweiflung auf die Straße treibt“ und „Deutsche, die sich empören über den brachialen Feldzug“ Israels. Sabine Rau erklärte, es ginge nicht an, einseitig nur die Hamas zu verurteilen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Hamas in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden fordert, während die israelische Unabhängigkeitserklärung erklärt, im Frieden mit allen arabischen Nachbarn leben zu wollen, war Sabine Raus Kommentar so geschmackvoll wie die Aussage: „Es ist nicht gerade mutig zu sagen, am Holocaust seien nur die Deutschen Schuld. Kritik an Juden muss erlaubt, gerade unter Freunden.“

Man kann von der Bild halten, was man will, aber zu verschwiegen, dass Bild die Speerspitze im Kampf gegen Judenhass in Deutschland ist und war, ist mindestens frech und maximal eine Unverschämtheit, wenn sie von einer öffentlich-rechtlichen Journalistin kommt, wissend dass die Bild im Jahr 2014 Judenhass ohne wenn und aber verurteilt hat, die Tagesthemen jedoch nicht!

Und jetzt stellt sich ausgerechnet das öffentlich-rechtliche Magazin Zapp da hin und berichtet über die ganze Angelegenheit, obwohl die Befangenheit in der Sache mehr als offenkundig ist. Die berechtigte Vermutung steht schließlich im Raum, dass die Dokumentation nur deshalb so streng geprüft wird, weil diesmal die öffentlich-rechtlichen Sender selbst von der Kritik betroffen sind. Sie sind somit nicht mehr objektiv, sie sind befangen!

Im Jahr 2017 benimmt sich das öffentlich-rechtliche Zapp wie das private Schreinemakers Live im Jahr 1996. Es gibt jedoch einen Unterschied: Die Privaten haben sich 1996 geweigert, befangene Berichterstattung als unabhängigen Journalismus zu tarnen. Die Öffentlich-Rechtlichen 2017 jedoch nicht!

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