Die Zwangsarbeiter im Schauprozess der deutschen Wiedergutwerdung

Israel, Du wunderbares Land,

lass Dich nicht verheizen von deutschen Patrioten, die Dich als Kronzeugen ihrer Ideologie nehmen wollen. Du bist ihnen nämlich in Wirklichkeit egal. Sie werden Dich im Stich lassen, wenn sie Dich nicht mehr brauchen.

Nach der Bundestagswahl vom 24. September 2017 überboten sich die AfD und ihre erklärten Gegner darin, wer von beiden der beste Freund Israels sei. Die AfD behauptete, sie kämpfe für Israel im Krieg gegen den Islam und die Gegner behaupteten, die AfD stelle das Existenzrecht Israels in Frage. Beide benutzten Israel, um ihre Vorstellung eines neuen und diesmal guten deutschen Volks zu verteidigen.

Die AfD glaubt, Deutschland stünde kurz vor der feindlichen Übernahme durch den Islam und die Gegner der AfD glauben, Deutschland stünde kurz vor der Machtergreifung der Nazis. Beide Befürchtungen sind völlig hysterisch.

Das Christentum sitzt fest im Sattel der deutschen Gesellschaft. Die größte Partei Deutschlands hat das Wort „christlich“ im Namen und sämtliche staatlich verordneten religiösen Feiertage sind christlich. Ebensowenig ist die AfD eine Nazipartei. Die Leute, die das sagen und dabei erklären, jene, die die AfD gewählt haben, hätten aus der deutschen Geschichte nichts gelernt, haben selber nichts aus der Geschichte gelernt. Im Gegenteil, sie relativieren die Nazis sogar.

Die Nazis waren keine alten Tattergreise mit Hundekrawatten und keine promovierten Lesben aus der Schweiz. Die Nazis waren von Anfang an größtenteils junge, männliche Schergen unter dreißig Jahren, die fest davon überzeugt waren, auf der richtigen Seite zu stehen, dass es ihnen moralisch geboten erschien, ihre politischen Gegner zu verfolgen, schlagen und zu töten.

Israel, Du einzige Demokratie im Nahen Osten,

zwei verfeindete deutsche Seiten greifen nach Dir. Sie wollen Dich als jüdischen Kronzeugen. Sei vorsichtig! Sie sind nicht Deine Freunde. Sie wollen nur ihren eigenen Ruf retten und ihre Gegner bekämpfen. Freunde benutzen Dich aber nicht. Freunde sind für Dich da!

Dass Du Deinen vermeintlichen Freunden in Wirklichkeit egal bist, erkennt man schon daran, dass sie allesamt dazu schweigen, dass während sie darüber streiten, wer Dein bester Freund ist, drei Israelis von einem judenhassenden Terroristen getötet wurden. Am frühen Dienstagmorgen nach der Bundestagswahl wurden bei einem Terroranschlag in Judäa und Samaria drei Israelis ermordet. 

Der Angreifer, ein 37-jähriger Vater von vier Kindern mit einer Arbeitserlaubnis für Israel, gelang mit anderen Arbeitern in die Siedlung Har Adar und mordete dort. Er selbst wurde bei der blutigen Tat erschossen. Mit seinem Mord und seinem Tod haben seine Ehefrau und seine vier Kinder nun ausgesorgt. Dank der palästinensischen Autonomiebehörde bekommen nämlich die Familienangehörigen und Hinterbliebenen von Judenmördern eine stattliche Rente. Finanziert werden diese Gelder unter anderem von europäischen und deutschen Fördergeldern. In der palästinensischen Autonomiebehörde werden Terroristen als Märtyrer gefeiert. Im Jahr 2015 bezeichnete Abbas den Mord von Israelis durch palästinensische Terroristen als „heldenhaft“.

Am 24. März 2017 schrieb Sigmar Gabriel über diesen Mann auf Twitter: „Habe meinen Freund Mahmoud Abbas getroffen. Dtl. steht zur Zwei-Staaten-Lösung & unterstützt den Aufbau staatlicher Strukturen in Palästina.“

Im Jahr 2005 wurde Abbas zum Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde gewählt. Seine Legislaturperiode endete jedoch am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. Er sagte eins: „In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Die Fatah spricht allen Palästinensern, die sich systemkritisch, schwul, lesbisch, westlich, aufgeklärt oder feministisch geben, die elementarsten Grundrechte ab und Sigmar Gabriel nennt den Mann, der diese Truppe führt, seinen Freund. Kurz vor der Bundestagswahl sagte ausgerechnet er mit Blick auf die AfD: „Sollte die AfD tatsächlich in den Bundestag einziehen, werden zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren Nazis im Reichstag sprechen.“

Ausgerechnet Sigmar Gabriel, der einen Mann seinen Freund nennt, der den Mord an Juden finanziert und Terroristen und ihre Angehörigen mit hohen Renten beschenkt, nennt andere Leute Nazis. Welch eine moralische Vernachlässigung! Im ganzen neu gewählten 19. Bundestag findet sich nicht ein einziger Politiker vom Kaliber des Juden und Schwulen hassenden und ihre Verfolgung und Vernichtung fördernden Mahmoud Abbas. Wer diesen Menschen zum erklärten Freund hat, sollte über Politiker der AfD besser schweigen.

Aber auch die AfD ist nicht besser als der deutsche Bundesaußenminister. Am 2. September 2017 sprach der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland beim sogenannten Kyffhäuser-Treffen der rechtsnationalen AfD-Gruppierung „Der Flügel“ diese Worte:

„Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

Als ich ihn hörte, fragte ich mich, ob ihm überhaupt klar ist, dass die Soldaten, auf die er so stolz sein will, mörderische Verlierer waren. Im Grunde ging er mit seiner Aussage full frontal Islam. Er klang wie ein Islamist, der den Terror schön redet. Es fehlte eigentlich nur noch, dass er sagte: Die Nazis haben nichts mit Deutschland zu tun, „Mein Kampf“ bedeutet Frieden und 99,9% aller Wehrmachtssoldaten waren anständige Menschen!

Alexander Gauland möchte stolz sein auf tote Männer, die einst für ein judenhassendes System gekämpft haben und Sigmar Gabriel erklärt, dass ein lebender Judenhasser, der den Mord an Juden fördert und finanziert, sein Freund ist. Während das deutsche Feuilleton darüber diskutiert, ob Alexander Gauland ein Antisemit ist, lässt der erklärte und von deutschen Geldern unterstützte Freund von Sigmar Gabriel Juden ermorden. Weder Gabriel noch Gauland sind keine Freunde Israels. Sie benutzen Israel. Sie wollen Israel lediglich als Kronzeugen für ihr Bessersein und am liebsten wollen sie Juden als Opfer.

Diese „Freunde“ Israels haben in ihrer Schulzeit jeden 9. November mit ihrem Schulchor vor dem Gedenkstein in ihrer Heimat gesungen, der an die Synagoge erinnert, die 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde. Sie verlegen liebend gerne Stolpersteine für ermordete Juden und trampelt irgendwann darauf herum. Sie organisieren Ausflüge nach Dachau und Theresienstadt und haben den Soundtrack von “Schindlers Liste” im Schrank stehen. Für sie sind Juden nichts weiter als Geister der Vergangenheit und tauchen fast ausschließlich in Gedenkstunden auf. In ihrer Schulzeit haben sie Juden überwiegend im Geschichtsunterricht kennengelernt, nicht so sehr in den Unterrichtsfächern Philosophie, Ethik, Religion und Gesellschaftskunde. Juden sind für sie die Toten von damals, nicht so sehr die Lebenden von heute. Wenn sie einen Juden treffen, dann schwingt stets ein schlechtes Gewissen mit.

Diese „Freunde“ Israels sehen sich als Schuldner. Israelis lösen bei ihnen unweigerlich ein schlechtes Gewissen aus. Tief in ihrem Inneren werden sie Juden daher Auschwitz nie verzeihen. Deshalb sollen die Israelis gefälligst heute dafür herhalten, dass Deutschland wieder gut wird. Über achtzig Jahre nachdem in Deutschland die Nazis an die Macht gekommen sind, wollen sie die Nazis verhindern und Israel hat ihnen dabei zu helfen. Wenn sie sich weigern, dann sagen diese Freunde gealtert und mit letzter Tinte, was schon Günter Grass kurz vor seinem Tod postulierte: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir – als Deutsche belastet genug – Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.“

Wenn Israel nicht hilft, dass Deutschland „nazirein“ wird, ist Israel selbst Nazi!

Diese „Freunde“ Israels haben aus der Geschichte gelernt. Sie haben gelernt alles besser zu machen als alle anderen Länder. Deutschland wurde besser durch Auschwitz! Die anderen Länder müssen erst einen Holocaust veranstalten, bevor sie so gut werden können wie Deutschland.

Das größte Denkmal dieser „Freunde“ Israels ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. Altkanzler Gerhard Schröder sagte einst dazu, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

So sehr wie diese Patrioten Juden als Kronzeugen brauchen, benötigen sie Nazis als Feindbild. Deshalb sehen sie überall Nazis. Wo es keine gibt, schaffen sie einfach welche. Sogar israelische Politiker und amerikanische Präsidenten erklären sie zu Nazis, wenn es sein muss. Sie brauchen Nazis, um über achtzig Jahre zu spät die NSDAP zu verhindern. Darum jazzen sie ihre politischen Gegner zu Nazis hoch, skandalisieren jedes unbedachte Wort und sehen schon die Schornsteine der Vernichtungslager rauchen, wenn wer das Wort „völkisch“ sagt. Es ist eine erschreckende Lust nach Nazis, eine Todessehnsucht nach der Dämmerung der Demokratie, um zu beweisen, dass man dieses Mal auf der richtigen Seite steht. Solche Patrioten schaffen eher Nazis, als dass sie sie verhindern.

Israel, Du Land des Lebens,

für diese Menschen wirst Du immer nur ein Zwangsarbeiter im Schauprozess der deutschen Wiedergutwerdung sein. Es gibt aber einen viel besseren Grund, zu Dir zu stehen: Weil Du einfach geil bist!

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