Das Auswärtige Amt vergreift sich im Ton

Stellen Sie sich eine Geiselnahme vor, bei der schon einige Geiseln erschossen wurden. Nehmen wir mal an, unter den vielen Geiseln wären auch ein Mann, der einen Strafzettel nicht bezahlt hat, eine Frau, die Steuern hinterzogen hat und noch ein anderer Mensch, der eine Straftat begangen hat. Was würden Sie denken, wenn die gerufene Polizei erklären würde, dass auf beiden Seiten der Geiselnahme Verbrecher seien, sowohl auf der Seite der Geiseln, als auch auf der Seite der Geiselnehmer? Was würden Sie sagen, wenn deutsche Politiker beide Seiten dazu aufrufen würden, besonnen zu handeln und alles dafür zu tun, dass die Situation nicht eskaliert? Was würden Sie davon halten, wenn ein Versuch der Geiseln, sich zu befreien, von Teilen der Medien kritisiert werden würde als ein „Öl ins Feuer“ gießen und ein „Drehen an der Gewaltspirale“?

Das Auswärtige Amt hat genau das getan!

Am 9. Januar 2018 wurde der Rabbiner und freiwilliger Mitarbeiter der humanitären Hilfsorganisation „Roter Davidstern“, Raziel Shevach, in der Nähe von Nablus in seinem Wagen während der Fahrt von einem Terroristen aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen und hinterlässt eine Frau und sechs Kinder, von denen das jüngste erst zehn Monate alt ist. Das Auswärtige Amt Deutschlands erklärt zu diesem Anschlag:

„Der tödliche Anschlag gestern auf einen Bewohner eines israelischen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland bestürzt uns sehr. Wir verurteilen diesen hinterhältigen Mord auf das Schärfste. Der Familie und den Angehörigen des Opfers gilt unser tiefstes Mitgefühl. Diejenigen, die dafür Verantwortung tragen oder diesen Anschlag begrüßen, schüren die Gewalt, die eine Lösung des Nahostkonflikts auf dem Verhandlungsweg erschwert. Wir erwarten, dass alle Seiten aktiv zur Deeskalation beitragen.“

Das Auswärtige Amt hat es tatsächlich getan. Es hat „alle Seiten“ und somit ausdrücklich auch die Seite des Opfers aufgerufen, „aktiv zur Deeskaltation“ beizutragen.

Die Gründugscharta der Hamas fordert in Artikel 7 die Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes weltweit und erklärt in Artikel 13 den ewigen Krieg gegen Israel bis zu der totalen Vernichtung. Auch bei Jahrestagen der Fatah wird die Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes gepredigt, während Abbas regelmäßig Judenmörder zu „heldenhaften Märtyrern“. Diese Terroristen hassen an Juden, dass sie leben, dass es sie gibt. Das Einzige, was diese Juden tun können, um zur Deeskalation beizutragen, ist schlicht und ergreifend, nicht mehr zu existieren.

Natürlich eskaliert der Konflikt im Nahen Osten. Aber das liegt daran, dass sich Juden seit 1948 als Soldaten eines eigenen Landes gegen die Vernichtung wehren können. Aufgrund dieser Möglichkeit der militärischen Verteidigung eskaliert die Auseinandersetzung. Eine Situation eskaliert immer erst dann für beide Seiten eskaliert, wenn sich die eine Seite wehrt, von der anderen Seite ausgerottet zu werden. Deeskalieren heißt für Israel, aufhören, sich zu verteidigen. Deshalb ist die Erklärung des Auswärtigen Amtes nicht nur geschmacklos sondern ein Skandal. Nach diesem feigen Terroranschlag gibt es nur eine mögliche Haltung:

Wir verurteilen die Terroranschläge gegen Juden und Israelis. Diejenigen, die den Anschlag ausgeführt haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.Wir fordern sämtliche arabischen Regierungen in der Region auf, die Terroranschläge zu verurteilen, sie zu bekämpfen und die israelische Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft anzunehmen, um in gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk einen Beitrag bei den Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten. Jede Unterstützung des Terroranschlags ist ebenfalls ein Terroranschlag. Jede Relativierung des Terroranschlags ist eine Relativierung von mörderischem Judenhass. Wir erwarten von den arabischen Regierungen, alles zu tun, um gegen diesen Hass vorzugehen und die Gewalt zu beenden und wir unterstützen die israelische Seite dabei, die Verantwortlichen an diesem Anschlag zu jagen, zu finden und im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit zu richten.

Im Grunde ist es ganz einfach: Solange ein Mörder eine Knarre an den Kopf einer Geisel hält, kritisiert man nicht die Geisel, egal, was sie getan hat. Wer möchte, dass die Geisel kritisiert wird, muss erst mal für ihre Sicherheit sorgen und dafür, dass die geladene Pistole von ihrem Kopf verschwindet. Für Israel gilt das Selbe. Wer möchte, dass Israel kritisiert wird, muss erst mal dafür sorgen, dass die Vernichtungsdrohungen aufhören und vor allem die immer wieder daraus resultierenden Angriffe, Anschläge, Bombardements und Morde.

Muss dem Auswärtigen Amt diese Selbstverständlichkeit wirklich erklärt werden? Vermutlich hätte dieses Amt im Jahre 1944 auch die Aufständischen im Warschauer Ghetto dazu aufgerufen aktiv zur Deeskalation beizutragen.

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20 Antworten zu Das Auswärtige Amt vergreift sich im Ton

  1. Kanalratte schreibt:

    Opfer oder Betrauernde von Verbrechen haben die Pflicht aktiv zur Deeskalation beizutragen? Ein Scherz oder einfach eine Täter-verharmlosende Sichtweise aus Deutschland? Wie ist das denn z.B. aktuell in Kandel, wenn man Trauernden z.B. vorwirft die Stimmung unnötig anzuheizen und damit angeblichen Rechtsradikalen in die Hände zu spielen? Nicht etwa der/die Täter tragen die Schuld, sondern diejenigen die trauern, verzweifelt oder wütend sind.

  2. limaIndia schreibt:

    Jeder Tote – getötete ist einer zuviel. Aber wer das Land eines anderen raubt und / oder unerlaubterweise besetzt muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Gegenreaktion einsetzt. Letzten Endes sind die ehenaligen europäischen Grossmächte England und Frankreich, vertreten durch Sykes und Picot und bereits davor die englische Regierung mit ihrem Versprechen an Herrn Weizmann und Baron Rothschild daran schuld, was seit Beginn der jüdischen Einwanderung und noch heutzutage dort geschieht…….Ergo: Palästinenser ( die Besetzten) und Juden ( die Besetzer) sollten sich zumindest gleichermassen angesprochen fühlen. Alles andere wäre nicht richtig und einem Schuldgefühl geschuldet, welches die Mehrheit der Menschen nicht zu fühlen hat, da sie keine Schuld trägt – und Schuld ist ja, Gott sei Dank, nicht verebbar

    • Irith Rozanski schreibt:

      Entschulde – zu Zeiten weizmanns und rothschild gab es noch keine Palestinenser , sie waren Libanesen, Jordanier , Ägypter , Syrier . Und seit die palestinenser von Arafat erfunden wurden wird deren sogenannter flüchtlingsstatus vererbt.

    • Couponschneider schreibt:

      Die Juden haben kein Land geraubt. Die Juden wohnen seit Jahrhunderten dort; Juden gab es immer in Jerusalem und in Hebron. 1908 wurde Tel Aviv gegründet, also noch zu Zeiten des Osmanischen Reiches. Die sind regulär eingewandert, sogar unter einem islamischen Hegemon. Und auch die britischen Verwalter erlaubten die Zuwanderer. Warum hätten sie es denn verbieten sollen?

      Die Juden kauften dort Land und entwickelten es. Der ursprüngliche Teilungsplan machte den Juden äußerst wenig Zugeständnisse. Galiläa mit Tel Aviv und größtenteils Negev-Wüste. Aber selbst das bisschen akzeptierte die arabische Seite nicht und antwortete mit Krieg. Die Araber vertrieben die Juden aus Ostjerusalem und Hebron.

      1967 wollten die Araber Israel vernichten; die Endlösungsphantasien wurden real, durch massive Kriegsrhetorik und massiver Aufrüstung durch Hilfe der UdSSR. Israel konnte gar nicht anders, als mit einem Präventivschlag antworten.

      Angenommen, die arabische Seite hätte 1966 Frieden angeboten, d.h. Westjordanland wäre endgültig Teil Jordaniens geworden und Ostjerusalem auch. Israel hätte zugestimmt. Kein Hahn würde mehr nach einem freien Palästina rufen, weil die arabische Seite immer die Eigenständigkeit der Palästinenser in Frage gestellt haben. Für Syrien waren die arabischen Einwohner schlichtweg Syrer. Für die Jordanien waren es Jordanier. Israel hätte so einen Friedensvertrag 1966 akzeptiert. Juden könnten heute nicht an die Klagemauer.

      Nun gab es aber den Sechstage-Krieg, es gibt Friedensverträge mit Jordanien und Ägypten. Jerusalem gehört Israel und eigentlich könnte sich Israel da ganze Westjordanland einverleiben, so wie eine Einverleibung durch Jordanien akzeptiert gewesen wäre. Israel geht aber mit den Araber dort sehr friedlich um. Der Tempelberg ist unter muslimischer Verwaltung. Juden und Christen dürfen dort nicht beten. Das Westjordanland wird durch Israel entwickelt. Die Siedlungen müssen hermetisch abgeriegelt werden, da die Araber schnell zu den Waffen greifen. Wer sich als Araber aber vernünftig verhält, der kriegt sogar einen bezahlten Job beim Siedler.

      Die ganze Kritik an Israel hat eigentlich nur einen Grund: Ein tief sitzender Antisemitismus. Wenn sich arabische Staaten gegenüber sogenannten Palästinensern schlecht benehmen (und das tun sie), fällt kein Wort der Kritik. Blüm beispielsweise hat Israel angegriffen und verantwortlich für Massaker, die seine Glaubens- und Parteigenossen aus dem Libanon an arabischen Flüchtlingen aus Palästina begangen haben. Sowas lässt sich nur mit einem Ressentiment erklären.

    • Kanalratte schreibt:

      Selbst wenn es stimmen würde was limaIndia schreibt, dann stellt sich mir die Frage, warum man von allen Völkern dieser Welt verlangt in der Zukunft zu leben, einzig aber den sog. Palästinensern gewährt auf Ewig in die unrechtmäßige Vergangenheit schauen zu dürfen. Warum dürfen die Mexikaner z.B. dann nicht Kalifornien zurückfordern? Ich spiele als Deutscher aber natürlich auch auf unsere Geschichte an. Auf unsere Länder die wir für immer verloren haben, verspielt in 2 sinnlosen Angriffskriegen der Deutschen. Landstriche wie Schlesien, Pommern und Ostpreußen waren jahrhunderte-lang deutsche Gebiete, gehören aber nunmal heute zu Polen bzw. zu Russland. Warum dürfen die Palästinenser Gebiete zurückfordern, die sie durch Kriege verloren haben, die Deutschen aber nicht? Warum schießen die Deutschen keine Raketen auf Polen? Weil die Deutschen in der Gegenwart leben, den Krieg verabscheuen und für das Leben leben, nicht wie die Palästinenser für den Tod und den Glauben an einen Götzen und sein Paradies.

  3. Mike schreibt:

    Es ist eben doch so, dass familiäre Prägung Spuren hinterlässt, auch negative. Und der Chef des Amtes ist famliär einschlägig vorbelastet. Anders kann ich mir diese Reaktion nicht vorstellen. Weil ich ansonsten davon ausgehen müsste, dass das Aussenamt von einem Haufen von Bekloppten bevölkert ist, die die Charta der Hamas und anderer freundlicher Humanistenvereine, die in diesem kleinen Teil der Welt um die Aufmerksamkeit ringen, nicht lesen können.

  4. Wir erwarten, dass alle Seiten aktiv zur Deeskalation beitragen.“

    Dieser letzte Satz ist bloß Propaganda-Tourette. Die bekommen das nicht mal mehr mit.

  5. nussknacker56 schreibt:

    „… und im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit zu richten.“

    Gut, dass das Auswärtige Amt, Traditionsbewahrer von vor 1945 bis heute, diese Ermahnung nicht vergessen hat. Die Israelis würden sonst womöglich Selbstjustiz üben.

  6. Malamon Malo schreibt:

    Vom Sohn eines deutschen Nazis erwarte ich nichts. Er hat schon öfters seinen Antisemitismus nicht verstecken können.

    • Dante schreibt:

      Man muss nicht zwangsläufig selbst ein Nazi werden, weil Vattern einer war.
      Nur bilden sich manche Leute ein, wer weiß wie weit vom Nationalsozialismus entfernt zu sein, weil sie nach eigenem Selbstverständnis ‚links‘ stehen, und merken dabei nicht, dass dies in Bezug auf die NS-Ideologie wenig heißt.

  7. Das AA hat sich keineswegs im Ton vergriffen: Die Gleichsetzung von Tätern und Opfern ist volle Absicht. Wenn Israel sich wehrt oder gar zurück schlägt, dann trägt es nach deutscher Lesart zur Eskalation bei. Das Land bleibt sich treu, die Juden sind immer wenigstens mitschuldig. Und die israelfeindliche Politik wird belohnt:
    Sigmar Gabriel wird Lehrbeauftragter der Uni Bonn
    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/sigmar-gabriel-aussenminister-wird-lehrbeauftragter-an-der-uni-bonn-a-1187439.html
    Noch Fragen?

  8. A.S. schreibt:

    Es wird nie kommen, aber manchmal wünsche ich mir etwas mehr Trump in unserer Politik. Anstatt „alle Seiten“ anzusprechen hat er die Geldzahlungen an die Palästinenser in Frage gestellt wenn die nicht endlich an Friedensverhandlungen teilnehmen wollen.

  9. anti3anti schreibt:

    Normalerweise sind nur die Juden schuld. Ein Fortschritt.

  10. Laszlo Trankovits schreibt:

    Es gab sicher schon viele AA-Stellungnahmen zu Israel, die viel krasser und empörender waren als diese. Die Forderung an „alle Seiten“ belegt zum tausendsten Mal den Versuch, irgendeine unselige „Neutralität“ in einem Konflikt einzunehmen, in dem Deutschland wie der Westen alles andere als neutral sein dürften.

    • Kanalratte schreibt:

      Die westlichen Staaten und besonders die deutsche Regierung sollen sich mal entscheiden zu wem sie denn stehen, dann kann man sie auch beim Wort nehmen. Aber dafür sind sie wie immer zu feige.

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