Lynch-Humor zu Karneval

Am Rosenmontag lief auf der ARD die Show „Karneval in Köln 2018“. Dort erzählte Guido Cantz einen Witz, dessen Pointe darin bestand, Donald Trump mit Benzin zu übergießen, ihn anzuzünden und sich daran zu erfreuen. Sein deutsches Karneval-Publikum goutiert den Lynch-Lacher mit Applaus.

Erste Reaktionen im Netz:

„Was für ein ekelhafter Witz inklusive Lizenz zum Lynchen! Man nenne mir bitte andere Politiker, über die im öffentlich-rechtlichen TV solche „Witze“ gemacht werden dürfen, ohne dass es (zurecht) einen Eklat gibt.“ (Fabian Zeh)

„Der Unterschied zwischen Trump und Erdogan? Über Trump kann man solche Witze machen!“ (Gerd Buurmann)

„Der Unterschied zwischen Trump und Cantz? Trump ist ansatzweise komisch.“ (Torsten Schlosser)

„Durch sowas muss man als Politiker durch. Alkohol + Redefreiheit = Narrenfreiheit.“ (Roger Letsch)

„Bei Trump werden sich hierzulande wohl nur marginal wenige Deutsch-Amerikaner von derartigen Witzen angegriffen fühlen. Trump-Bashing ist bequemer Konsens. Würden hingegen derartige Witze über Erdogan gemacht werden, handelte man sich weitere Verachtung eines nicht geringen Anteils von in Deutschland lebenden Türken ein. Die leicht vorherzusehenden diplomatischen Konsequenzen – auch angesichts aktuell bestehender Flüchtlingdeals – täten ein Übriges.“ (Carsten Stumpe)

„Auch wenn man nach meiner Meinung (fast) alles verarschen darf, es ist immer wieder auffällig: Verarscht werden Institutionen und Personen, von denen die „Komiker“ nichts zu befürchten haben. Da können sie mal ohne Konsequenzen Grenzen überschreiten und sich als kritische Geister und Helden feiern lassen. Witze über Erdogan, den Islam oder sogar Mohammed – selten oder Fehlanzeige. Das erfordert nämlich Mut.“ (Torsten Gittel)

„Guido Cantz sagte in einem Interview der Bunten am 2. August 2014 auf die Frage, wo für ihn der Spaß aufhöre: ‚Wir diskutieren ständig im Team, wie weit wir gehen können. Natürlich liegt es auch im Auge des Betrachters. Für mich persönlich: Wenn Tränen fließen oder jemand ernsthaft schockiert ist. Da ist die Grenze erreicht. Und natürlich darf auch niemand körperlich traktiert werden.‘ / Och jetzt. Kommt aber schon drauf an, wer es ist, oder? Unglaubliche Figuren laufen da im Staatsfernsehen herum.“ (Klaus Stein)

„Ich saß bei meiner Oma auf der Couch, habe mit ihr die schreckliche Sitzung anschauen dürfen und wusste nicht, was ich schlimmer finden sollte: stumpfen Antiamerikanismus und Mordgelüste gegen Trump, mieseste sexistische Witze, Sozialchauvinismus gegen alle prekären Schichten und die Dummheit von „Kevin und Chantalle“, homophobe Ressentiments gegen alles und jeden oder die „Eingeborenen“-Kostüme inklusive Blackface und Knochen in der Afroperücke im Publikum.“ (Daniel Destroi)

Dieser Beitrag wurde unter Amerika, Spaß veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.