„So wie sich einige Juden benehmen, ist es kein Wunder, dass es Judenhass gibt.“

„So wie sich einige Juden benehmen, ist es kein Wunder, dass es Judenhass gibt.“

Es gibt tatsächlich Menschen, die das sagen. Es gibt allerdings noch mehr Menschen, die das denken. Nicht alle aber trauen sich, diesen Satz so deutlich zu formulieren. Manchmal aber, wenn sie sich gar zu sicher fühlen, konstruieren sie komplizierte Sätze, die genau das zum Ausdruck bringen.

Michael Kellner ist der Geschäftsführer des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Bethlehem. Im Februar 2018 fühlte er sich besonders sicher. Nachdem der Kölner Stadt-Anzeiger über wachsenden Judenhass an Kölner Schulen berichtet hatte, setzte er sich hin und schrieb einen Leserbrief, in dem er nicht nur den Judenhass in Deutschland relativierte, sondern am Ende sogar Juden eine Mitschuld an dem Klima gab, in dem sich dieser Hass ausbreitet. Am 15. Februar 2018 druckte der Kölner Stadt-Anzeiger diesen Brief.

Zu Beginn des Leserbriefs kritisierte Michael Kellner zunächst die Art und Weise, wie der Deutsche Bundestag das Thema Judenhass angeht, denn der habe in einer Studie zu Antisemitismus in Deutschland „nur Juden“ befragt und so werde „nicht deutlich, ob es sich bei vielen Antworten nicht eher um einen ganz alltäglichen Rassismus und Fremdenhass handelt.“

Als ich diese ersten Sätze des Leserbriefs las, verstand ich zunächst nicht, warum Michael Kellner diese merkwürdige „Differenzierung“ vornahm, vor allem weil es ja eigentlich um Judenhass an Kölner Schulen geht, aber schon ein paar Sätze später, wurde mir alles klar. Michael Kellner zitiert in seinem Leserbrief nämlich zwei Männer, die sich dagegen aussprechen, den Antisemitismus isoliert zu betrachten. Kellner schreibt: „Deshalb plädieren sie für einen Antirassismusbeauftragten.“

Es ist schon sehr abenteuerlich, wenn ausgerechnet der Geschäftsführer der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem mit einer vermeintlichen „Differenzierung“ dafür wirbt, Rassismus und Antisemitismus miteinander zu vermengen, wissend, dass es Judenhass sowohl in Köln, als auch in Bethlehem gibt und zwar nicht nur an den Schulen, sondern überall. Judenhass kennt keinen Unterschied zwischen Hautfarben.

In Bethlehem werden Juden verfolgt. Dort regiert nämlich die Fatah und am Tag der 47-Jahr-Feier dieser Partei sprach Mufti Muhammad Hussein, den Parteiführer Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende unmissverständlichen Worte in die jubelnde Menge: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

In Bethlehem grassiert ein mörderischer Judenhass. Terroristen, die Juden ermordet haben, werden in Bethlehem gefeiert und geehrt. Familienangehörige von Selbstmordattentätern bekommen stattliche Renten und an Schulen in Bethlehem werden judenfeindliche Thesen gelehrt. All das ist bekannt. Der Geschäftsführer des Städteparnerschaftsvereins Köln-Bethlehem aber hat nichts besseres zu tun, als sich gegen eine dezidierte Analyse des Grenzen, Kulturen und Hautfarben übergreifenden Judenhass auszusprechen.

Wer Antisemitismus und Rassismus zusammen analysieren möchte, versteht nicht, dass auch Menschen, die selbst Opfer von Rassismus werden, die größten Judenhasser sein können. Man braucht sich nur einmal anschauen, wer in den letzten Jahren auf deutschen Straßen folgende Parolen gerufen hat:

„Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“
„Hamas, Hamas, Juden ins Gas“

Man braucht auch nur mal an Schulen zu fragen, welche Schülerinnen und Schüler das Wort „Jude“ als Schimpfwort führen. Man kann auch auch mal die jüdischen Schüler fragen, die in den letzten Jahren von deutschen Schulen genommen werden mussten, weil sie dort als Juden bedroht wurden, wer genau sie bedroht. Ein nicht geringer Teil der Menschen, die heute in Deutschland einem brutalen Judenhass frönen, nennen Deutschland nicht ihre Heimat und haben eine Herkunft, die sie selbst zum Opfer von Rassismus macht. Michael Kellner weiß das alles. Er bezieht sich in seinem Leserbrief sogar ausgerechnet auf einen Artikel, der sich mit Judenhass an Kölner Schulen beschäftigt.

Nachdem Michael Kellner für einen „Antirassismusbeauftragten“ geworben hat, kommt er in seinem Leserbrief mit einer handfesten Lüge um die Ecke. Er schreibt, in Palästina kenne man israelische Soldaten nur als jüdische Soldaten und behauptet: „Palästinenser sind vom Militärdienst ausgeschlossen. Also sprechen sie von Juden, wenn sie Israelis meinen. Sie als Antisemiten zu bezeichnen ist nicht richtig.“

Das ist falsch! In Israel gilt die Wehrpflicht. Allerdings gibt es verschiedene Gruppen, die von der Wehrpflicht ausgenommen sind, zum Beispiel schwangere Frauen und charedische Jeschiwa-Studenten. Auch israelische Araber sind nicht zum Wehrdienst verpflichtet, weil Israel seine arabischen Bürgerinnen und Bürger schützen möchte. Israel weiß schließlich aus eigener schmerzlicher Erfahrung, dass Juden- und Israelhass innerhalb der arabischen Gesellschaft sehr verbreitet ist. Deshalb schützt der Staat Israel seine arabischen Bürgerinnen und Bürger, indem er sie nicht in die Gefahr zwingt, mit ihrem familiären Umfeld in Konflikt zu geraten, wenn sie den Dienst an der Waffe für Israel leisten. Allerdings steht jedem arabischen und somit auch jedem palästinensischen Israeli ein freiwilliger Dienst in der israelischen Armee offen.

Palästinenser sind somit nicht vom Militärdienst ausgeschlossen. Sie sind nur von der Wehrpflicht ausgenommen, und zwar aus dem selben Grund, aus dem auch schwangere Frauen und charedische Jeschiwa-Studenten ausgenommen sind, nämlich um sie zu schützen! Dieser Fakt macht die Lüge von Michael Kellner besonders infam.

Selbstverständlich wissen die Menschen in den Ländern und Gebieten, die an Israel grenzen, dass alle Bürgerinnen und Bürger Israels zwar nicht die gleichen Pflichten haben, aber sehr wohl die gleichen Rechte. Sie wissen auch, dass es israelische Soldaten gibt, die Araber, Christen, Palästinenser und homosexuell sind. Sie können es zumindest wissen, wenn der Hass nicht ihren Verstand umnebelt hat. Die, die es nicht wissen wollen oder es verleugnen, nennen ihre Feinde „Jude“, so wie es manche Schülerinnen und Schüler an Kölner Schulen auch tun. Das Wort „Jude“ ist für sie ein Schimpfwort. Sie hassen Juden. Deshalb ist jeder Mensch, den sie hassen, für sie auch ein „Jude“.

Die Kinder, die Juden hassen, wurden in diesem Hass erzogen. Überall in der Welt werden arabische Kinder zum Hass auf Juden erzogen, vor allem im Kinderprogramm. Das lustige Hamas Häschen, das am liebsten Juden ißt, ruft Kinder zum Krieg gegen Ungläubige auf. Die Hamas Maus lässt Kinder Lieder über Mord und Totschlag gegen Juden singen. Die Hamas Biene wiederum freut sich, wenn Juden geschlagen werden. Hochglanzvideos stimmen Kinder auf Selbstmordanschläge ein und zeigen ihnen, dass sie in den Himmel kommen, wenn sie Juden töten. All diese Sendungen sind über das Internet auch in Deutschland zu empfangen. Nicht wenige Kinder und Jugendliche, die in Deutschland Juden hassen, sind mit diesem Kinderprogramm aufgewachsen.

Nachdem Michael Kellner eifrig relativiert und gelogen hat, endet sein Leserbrief mit dem Vorwurf, jemand, der hierzulande Veranstaltungen durchführe, die die Politik Israels kritisieren, werde von „jüdischen und christlich-jüdischen Kreisen“ sehr oft in die antisemitische Ecke geschoben: „Diese Kritik verweigert sich einer Differenzierung, wenn es um den Staat Israel geht. Wen wundert es, wenn in der Bevölkerung eine Verwirrung entsteht, die dem Antisemitismus durchaus Vorschub leistet?“

Da ist er also, der Satz, umständlich eingeleitet, etwas verklausuliert, mit einer Lüge garniert und unübersehbar. Der letzte Satz des Leserbriefs von Michael Kellner ist nichts weiter als eine Variation von: „So wie sich einige Juden benehmen, ist es kein Wunder, dass es Judenhass gibt.“

Sehr geehrter Michael Kellner,

nein, nicht jeder, der Israel kritisiert ist ein Antisemit. Mohammad Zoabi zum Beispiel kritisiert, dass arabische Israelis nicht zum Wehrdienst eingezogen werden:

„Heute, da ich sehe, dass meine arabischen Nachbarn bereit sind, mich zu töten, bin ich bereit, für Israel zu kämpfen. Nicht weil ich ein böser Mensch bin, sondern weil ich ein Mensch bin und das Recht habe, mich und mein Land zu verteidigen. Ich möchte der israelischen Regierung daher einen Rat geben: Führt den verpflichtenden Wehrdienst auch für arabische Israelis ein! Das fordere ich nicht, um den israelischen Arabern zu schaden, sondern damit sie merken, was es heißt, Israeli zu sein und was es heißt, jeden Tag mit der Gefahr von außen umgehen zu müssen. Unsere Soldaten, unsere mutigen, jungen Soldaten sind da draußen und sehen sich der ständigen Gefahr der Vernichtung ausgesetzt. Sie sind nicht da draußen, weil sie böse sind, sondern weil sie leben wollen!“

Trotz seiner Kritik ist Mohammad Zoabi kein Antisemit, im Gegenteil, er sagt über sich selbst: „Ich bin ein stolzer israelischer, zionistischer, arabischer Moslem.“

Deshalb, Herr Kellner,

nein, nicht jeder, der Israel kritisiert, ist ein Antisemit. Aber jemand, der Lügen über Israel und Juden verbreitet und dabei von „jüdischen Kreisen“ fabuliert, ist ein Antisemit. Und genau das haben Sie getan!

Ich kann nur sehr hoffen, dass weder die Stadt Köln, noch irgendeine andere Organisation mit dem Städtepartnerschaftsverein Köln-Bethlehem eine Zusammenarbeit pflegt, solange Sie im Vorstand sind, denn Ihr Leserbrief auf einen Bericht über Judenhass an Kölner Schulen, in dem sie von „jüdischen Kreisen“ phantasieren, während Sie eine Lüge über Juden und Israel verbreiten, spricht für eine gefährliche Inkompetenz. Darum widerspreche ich Ihnen nicht nur vehement, sondern sage ganz klar:

Sie sind es, der in der Bevölkerung eine Verwirrung provoziert, die dem Antisemitismus durchaus Vorschub leistet!

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