Tapfer im Nirgendwo – Mal ganz kurz

Eine sehr gute Freundin von mir hat mich gebeten, ganz kurze Zusammenfassungen meiner besten Artikel zu verfassen. Der Bitte komme ich gerne nach. Wer die Überschriften der Artikel anklickt, kann die ganzen Artikel lesen.

Die jüdischen Siedler sind nicht das Problem:

„Ich bin für Israel, nicht weil ich glaube, irgendwer habe irgendwo zuerst seinen Fuß in den Sand gesetzt, oder irgendein Gott habe irgendeinen bärtigen Mann zum Kaffeeklatsch eingeladen, um dabei die Welt aufzuteilen, sondern weil Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind, Homosexualität staatlich anerkannt ist, die Meinung, Kunst und Wissenschaft frei sind, keine Religion diskriminiert wird und Juden weder besser noch schlechter sein müssen als alle andere Menschen. Jeder Quadratmeter im Nahen Osten, der sich ein Beispiel an Israel nimmt, ist ein gewonnener Quadratmeter.

Warum soll ich ausgerechnet jene Siedlungen kritisieren, die mich leben lassen, wie ich möchte und nicht viel mehr all die Gebiete, die mich verfolgen, weil ich so bin, wie ich bin?“

Die Familie Stolperstein:

„In vielen deutschen Städten gibt es mittlerweile mehr Stolpersteine als lebendige Juden, so dass eine Mehrheit der Deutschen heute im Alltag deutlich öfter auf tote Juden tritt, als auf lebendige. Die Mehrheit der deutschen Schüler war in KZ-Gedenkstätten und weiß, wo in ihrer Nachbarschaft Stolpersteine liegen, aber sie sagen: „Ich habe noch nicht einen Juden kennengelernt.“

Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Party und nach Hause, überall trifft man in Deutschland auf tote Juden. Dabei erfahren wir jedoch nicht, was diese Juden großes erreicht haben oder wen sie geliebt und worüber sie sich gefreut haben, wir erfahren, wann, wo und wie sie ermordet wurden. Wer Menschen auf ihren Status als Opfer reduziert, erwartet irgendwann auch von ihnen, Opfer zu sein. Der Schritt, sie zu Opfern zu machen, ist dann nicht mehr weit.

Natürlich ist es wichtig, das unfassbare Verbrechen nicht zu vergessen, aber man bringt die Würde eines Menschen nicht zurück, indem man ihn auf den Moment seiner Ermordung reduziert. In Deutschland haben mehr Juden Denkmäler dafür bekommen, ermordet worden zu sein, als dafür, etwas geschaffen zu haben. Solange in Deutschland mehr Denkmäler für ermordete Juden stehen als für Juden, die aus ihrer eigenen Schöpfungskraft etwas erreicht haben, werden es lebendige Juden in diesem Land schwer haben.“

Werde Mitglied im Artikel 5 Club:

„Ich bin Mitglied im Artikel 5 Club! Dieser Club kennt nur eine Aufnahmeregel: Verteidige das Recht einer Person, deren Meinung Du verabscheust, ihre Meinung zu sagen. Es darf aber keine Meinung sein, die Du nur blöd findest oder wo Du lediglich eine andere Meinung hast, nein, es muss eine Meinung sein, die Dein Blut zum Kochen bringt! Die Meinung muss Dich richtig anekeln und Dir Angst machen.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Die Zensur ist für die Redefreiheit das, was der Schleier für die Rechte der Frau ist.

Reden lassen und Zuhören ist ein präventiver Schutzmechanismus. Nur so lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schützen sollte. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden! Andere Meinungen ausklammern ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen!

Ich lebe lieber in einem Land, in dem Gott, der Präsident und eine Fahne geschmäht werden können, es aber wenige tun, als in einem Land, in dem es verboten ist, sich aber unzählige Unterdrückte danach sehnen, es zu können!“

Der Zweifel macht uns menschlich:

„Wenn ein Mensch wegen seiner Herkunft kritisiert wird, nennt man das Rassismus. Wenn ein Mensch jedoch für seine Überzeugung kritisiert wird, nennt man das Aufklärung. Für die Herkunft kann niemand was, für die Überzeugung jedoch schon! Das Gegenteil von Herkunft ist Zukunft! Mit jedem Schritt, den ich gehe, entscheide ich die weitere Richtung. Ich kann mich mit nicht herausreden. Jeder weitere Schritt ist meine Entscheidung.

Religionen, Ideologien und Überzeugungen dürfen jederzeit kritisiert werden! Es sind nämlich keine Ideologien und Religionen, die mit uns lachen. Es sind Menschen, die das tun!“

Ich schweige nicht:

„Oft werde ich gefragt, woher ich die Zeit und Kraft nehme, über all die Dinge zu sprechen, die hier auf Tapfer im Nirgendwo Thema sind. Die Antwort ist ganz einfach: Es bedarf deutlich mehr Zeit und Kraft, um zu schweigen!

Das Gegenteil von Krieg ist nicht Frieden, es ist Schöpfung! Wenn ich gefragt werde, was ich Menschen rate, denen was Schlimmes zugefügt wurde, sage ich folgende fünf Sätze: Schweige nicht. Du bist stark! Es ist nicht Deine Schuld. Entmachte den Täter. Weigere Dich, das Opfer zu sein.

Wer andere Menschen unterdrücken will, wird immer versuchen, Worte zu kontrollieren. Worte nämlich können uns zum Weinen und zum Lachen bringen und im Lachen und im Weinen wohnt die Erkenntnis. Darum ist der größte Feind der Unterdrücker stets das freie Sprechen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Opfer schweigen. Ich schweige nicht!“

Der Angriff des Meldemobs:

„Der Teufel stellt sich im fünften Kapitel des Buchs Markus im Evangelium so vor: „Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

Das Böse ist dort, wo sich der Mensch einer kollektiven Ideologie unterwirft, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt und sich in der Legion der Vielen auflöst. Es ist nahezu unmöglich, mit einem Menschen zu reden, der von einer Ideologie besessen ist. Darum fürchte ich kaum etwas mehr als die Dynamik des Mobs, vor allem, wenn der Mob in der Gewissheit der moralischen Überlegenheit daherkommt.

Es ist irrelevant, was das Ziel des heiligen Zorns ist. Die Methode des Mobs ist immer verabscheuungswürdig. Nichts rechtfertigt eine Schreckensherrschaft der Tugend. Wenn eine Gruppe von Menschen, die sonst wenig gemeinsam hat, sich in der gemeinsamen Herabwürdigung einer anderen Person vereint, wenn Hass identitätsstiftend wird, dann wird es gefährlich.

Das vom 18. Deutschen Bundestag verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz stärkt den Mob. Durch dieses Gesetz werden soziale Netzwerke unter empfindlicher Strafandrohung in die Position einer privatisierten Exekutive gezwungen, um als Beliehener des Staates in Abwesenheit einer Rechtssprechung pro­phy­lak­tisch Aussagen zu löschen, die angeblich gegen das deutsche Gesetz verstoßen sollen. Das ist zwangs-privatisierte milde Zensur, denn im Zweifel werden kritische Aussagen einfach zu unangemessenen Meinungen erklärt, gelöscht und die Nutzerinnen und Nutzer gesperrt, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Das sind durch Strafandrohung an Privatunternehmen delegierte Redeverbote, die dazu führen, dass der Meldemob zum Angriff bläst!“

Weitere Zusammenfassungen folgen!

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3 Antworten zu Tapfer im Nirgendwo – Mal ganz kurz

  1. anti3anti schreibt:

    „Die jüdischen Siedler sind nicht das Problem“

    Da hast du vollkommen Recht. Das Problem ist Gott, der keine Juden mag.

    • Paul schreibt:

      Lieber anti,
      habe ich etwas verpasst? Sind die Juden nicht das auserwählte Volk Gottes? Vielleicht werden sie deshalb so hart geprüft, wie der Unternehmersohn der mal die Nachfolge des Vaters antreten soll.
      In einer Diskussion mit Ignaz Bubis habe ich das zur Sprache gebracht.
      Seine Antwort erscheint mir sehr pragmatisch: „Dann kann ich auf die Auserwählung auch verzichten.“

      Herzlich, Paul

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