Bläst der Postillon den Höcke-Marsch?

Der Postillon hat am 8. April 208 die Satire „Zentralrat der Deutschen distanziert sich von Terroranschlag in Münster“ veröffentlicht. Ich bin etwas verwirrt über diesen satirischen Beitrag und finde die Haltung dahinter problematisch.

Die in der Satire erwähnten Verbrechen und Anschläge, wie der bewusst eingeleitete Absturz der Lufthansamaschine im Jahr 2015 und der Amoklauf von Winnenden 2009 wurden nicht im Namen einer selbsternannten deutschen Ideologie vollführt. Die Täter riefen bei der Tat nicht: „Deutschland ist groß!“ Es gab keine begeisterten Demonstrationen von Deutschen, die die Taten feierten und keine deutschen Politiker traten in Scharen hervor, um die Taten der Mörder mit genuin deutschen Empfindungen und Erlebnissen zu relativieren.

Es gibt allerdings diverse Taten, die im Namen einer „deutschen Ideologie“ vollführt wurden und werden, teilweise sogar im Namen der deutschen Politik. Wenn deutsche Bürgerinnen und Bürger Asylantenheime anzünden, distanzieren sich fast alle deutschen Politiker. Sie übernehmen Verantwortung und relativieren nichts.

Der Holocaust ist ein Verbrechen, das im Namen Deutschlands begangen wurde. Deshalb distanzieren sich noch heute viele Deutsche regelmäßig von diesem Verbrechen. Ob im Ausland oder im Inland, deutsche Bürgerinnen und Bürger, ob in der Politik tätig oder zivil, übernehmen Verantwortung für die Verbrechen, die aus ihrer Mitte und im Namen „der Deutschen“ begangen wurden und werden. Das ist auch gut so und wichtig.

Es gibt allerdings Politiker, wie „Bernd“ Höcke, die bezeichnen diese Übernahme von Verantwortung als Schande. Sie fordern ein Ende der Verantwortung und einen Schlussstrich. Bläst der Postillion nun ins gleiche Horn?

Ich erwarte von Deutschen, dass sie Verantwortung übernehmen für Taten, die im Namen „der Deutschen“ begangen wurden und werden – und ich erwarte diese Verantwortung auch von jeder anderen Gruppierung, wenn aus ihrer Mitte und im Namen dieser Gruppe Verbrechen begangen werden.

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12 Antworten zu Bläst der Postillon den Höcke-Marsch?

  1. Wolfgang Scharff schreibt:

    Ein gestresster Geistesdäumling, der die Ermordeten von Auschwitz als Wichsvorlage verwendet, fühlt sich durch meinen Kommentar offensichtlich ertappt. Verständlich.
    Sein überhastetes Geschwafel von „antisemitischen Klischees“ wird er sicherlich noch begründen, sobald ihm sein Zentralkomitee die dafür notwendigen Hirnzellen zuteilt.

  2. Thomas ex Gotha schreibt:

    Wenns nicht zu anstrengend (weil sie ja eh nichts kapieren) wäre, könnte man einigen Geistesgrößen erklären, dass die Behauptung, dass „gerade unsere politischen und medialen Eliten einen äußerst genussreichen und profitablen Umgang mit dem Völkermord führen, (…) um Andersdenkende damit zu diskreditieren und zu erpressen“ vor antisemitischen Klischees ebenso strotzt wie die zwanghafte Fixierung auf Dresden die Nazipropaganda fortschreibt.
    Was das Relativieren anbelangt, so findet sich die Bezeichnung des Bombenkriegs als „Holocaust“ in dem – natürlich – prächtig verkauften Sachbuch „Der Brand“, das Jörg Friedrich 2002 veröffentlichte. 16 Jahre später finden wir den Autor auf Platz 4 der „gemeinsamen Erklärung“, direkt hinter dem rassistischen Hobbyforscher Sarrazin, einem weiteren deutschen Bestsellerautor. Die „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“, von der Höcke sprach, sie ist längst schon vollzogen.

  3. Wolfgang Scharff schreibt:

    @bm98600
    @https://luegenpresse2.wordpress.com/

    Ihren Kommentaren kann ich nur zustimmen!
    Wann hat Deutschland (von wenigen individuellen Ausnahmen abgesehen) jemals um die ermordeten Juden getrauert oder gelitten?
    Es lässt sich im Gegenteil nicht übersehen, dass gerade unsere politischen und medialen Eliten einen äußerst genussreichen und profitablen Umgang mit dem Völkermord führen, sei es um Andersdenkende damit zu diskreditieren und zu erpressen oder um sich eine stabile Einnahmequelle zu erhalten.
    Wie albern harmlos ist demgegenüber ein Höcke, der die Ermordeten wenigstens nicht nachträglich ausbeutet.

  4. ceterum censeo schreibt:

    Verantwortung übernehmen für Taten, die im Namen der Deutschen begangen wurden und werden…! Wenn das heißt, Israel fair zu behandeln und im Kampf gegen seine überzähligen, feigen Feinde zu helfen: aber selbstverständlich!
    Schämen für das, was den Juden angetan wurde, müssen sich aber weder B. Höcke, meine nach dem Krieg geborenen Eltern, ich selbst oder gar mein Kind . Das wäre ja absurd.
    Schämen sollten sich jedoch jene, die Millionen Judenfeinde nach Europa schleusen, uns zwingen, sie durchzufüttern und zusehen, wie sie die letzten Juden aus Europa vertreiben! Pfui Deibel!
    Und wer die Kriegsverbrechen ( daß es welche waren, sagen vor allem Briten und Amerikaner selbst), wie z.B. die Bombardierung ausschließlich ziviler Großstadtviertel relativiert oder verteidigt, der sollte sich endlich einmal etwas zu dieser Thematik belesen. Ich empfehle als Einstieg „Der Tod von Dresden“. Vielleicht vergeht einem Spätgeborenen dann ein klein wenig die Selbstgerechtigkeit.
    Daß der Holocaust nicht zu relativieren ist, versteht sich von selbst und bedarf an dieser Stelle keines klugscheißerischen Kommentars notorischer Trolle.

  5. Hat er die Verantwortung als Schande bezeichnet?Wäre mir neu.

    „Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundsteine des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt.“
    Errichtung eines Einheits- und Freiheitsdenkmals auf der Berliner Schlossfreiheit. Deutscher Bundestag, 14. Wahlperiode, Drucksache 14/3126, 06.04.2000 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/031/1403126.pdf Ist ihnen doch sicher bekannt,oder?

    Und was konnte man in Spiegel lesen als SPD Schmidt im Streit mit Israel war?
    „Die maßlosen Angriffe des Ministerpräsidenten aus Jerusalem gegen den Bonner Regierungschef, seine gehässigen Beschimpfungen eines ehemaligen Oberleutnants der großdeutschen Wehrmacht namens Helmut Schmidt haben in Bonn für einen Augenblick wenigstens wieder jene Gemeinsamkeit der Demokraten erzeugt, deren Verlust Regierung wie Opposition sonst so heftig beklagen — eine Solidaritätsbekundung nicht nur für die Person Schmidt, sondern auch Nachweis für den Wunsch der Politiker, daß mit der Aufrechnung von Schuld und Sühne einmal Schluß sein müsse. 36 Jahre nach Kriegsende wollen sich die Deutschen nicht als einig Volk von Nazis fühlen.“

    „Erst die Sozialliberalen vermochten sich dem israelischen Druck etwas zu entziehen. Die Haftung für die „Blutschuld der Vergangenheit“ dürfe die außenpolitische Handlungsfreiheit der Bundesrepublik nicht mehr beschränken — so der damalige Außenminister Walter Scheel.“

    Helmut Schmidt nach einem Besuch im Lager Birkenau 1977?: „Wir heutigen Deutschen sind als Personen nicht schuldig…“

    „Die deutsche Außenpolitik der neunziger Jahre, mahnte der Kanzler, dürfte „nicht von Auschwitz überschattet“ werden.“
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14329657.html

    Wird Helmut Schmidt jetzt nachträglich aus der SPD geworfen?

    Und was sagte Bubis zum Denkmal?
    Der damalige Zentralrats-Vorsitzende Ignatz Bubis distanzierte sich 1998 wie folgt:

    „Es ist Sache der Nichtjuden, ob sie in der deutschen Hauptstadt ein Mahnmal für das ermordete europäische Judentum errichten wollen oder nicht. Der Zentralrat ist deshalb auch nicht Mitglied des Förderkreises und weder in der Jury noch in einem anderen Gremium vertreten.–Klingt nicht gerade begeistert.

    ps:Damit wollte ich nur die Doppelmoral aufzeigen.

  6. Norbert Schnitzler schreibt:

    Ich stimme dem Artikel auch nicht zu, aber nicht generell, sondern wegen der Formulierung „Absturz“. Die ärgerte mich auch kürzlich in den DLF-Nachrichten:

    In Haltern haben zahlreiche Menschen der Toten des Germanwings-Absturzes vor drei Jahren gedacht. Um 10.41 Uhr hielten sie mit einer Schweigeminute auf dem Marktplatz der nordrhein-westfälischen Stadt inne. Anschließend nahmen viele an einer ökumenischen Andacht teil. Die Germanwings-Maschine war am 24. März 2015 an einem Berg in den südfranzösischen Alpen zerschellt. Alle 150 Insassen kamen ums Leben, unter ihnen auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines Gymnasiums in Haltern. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Co-Pilot die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hat. Auch in der Nähe der Absturzstelle in Frankreich wollen Angehörige zu einem Gedenken zusammenkommen.

    Der DLF verwendet in seiner kurzen Meldung drei mal den Begriff „Absturz“ Stürzen kann man noch in der Ebene beim Stolpern, Abstürzen ist ein unkontrollierter Höhenverlust (Luftfahrt, Bergsteigen, Dachdecken). „zerschellt“ ist richtig beschrieben, „Aufprall“ hätte ich auch akzeptiert, aber hier wird wie auch damals in der Berichterstattung ein unzutreffender Begriff verwendet, der den Massenmord wie höhere Gewalt aussehen lässt. Immerhin schreibst du selbst davor: „Die in der Satire erwähnten Verbrechen und Anschläge“. So ist es korrekt.

  7. bm98600 schreibt:

    So wie ich Höcke verstanden habe, sagt er nicht, die Übernahme von Verantwortung sei eine Schande, ganz und gar nicht. Was er sagte: die Deutschen seien die Einzigen, die sich ein Denkmal der Schande aufgestellt hätten, nicht etwa, dass es keine Schande gäbe.
    Ferner meint er, dass ein Volk, das sich nur über seine schlimmen Taten definiere, es schwierig habe, voranzukommen und zudem bestimmt keinen Anreiz biete, sich darin integrieren zu wollen.
    Rudolf Augstein:
    „“Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.“
    Bestimmt kann man diskutieren, ob Höckes Äusserungen richtig sind oder einfach provokant, aber was ihm von vielen Seiten unterstellt wurde, nämlich dass er ein Nazi sei, ist bestimmt nicht richtig.

  8. Maik schreibt:

    Ich les ja gern Deine Artikel, aber mit diesem geh ich nicht konform. Erstens bläst der Wind des Postillon in beide Richtungen, meistens abwechselnd und zweitens: ich war 1945 noch nicht auf der Welt und wüsste auch nicht, warum ich für die VERGANGENHEIT anderer Leute Verantwortung übernehmen soll. Diese ist erstens vergangen, zweitens nicht änderbar und drittens aufgrund vollkommen anderer Bedingungen (informationszeitalter etc.) nicht wiederholungsgefährdet.

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