Wer folgt den Anständigen?

Aus Protest gegen die Verleihung des ECHOs an die Rapper Kollegah und Farid Bang haben folgende Künstlerinnen und Künstler Ihre ECHOs zurückgegeben:

Notos Quartett
Marius Müller-Westernhagen
Klaus Voormann
Enoch zu Guttenberg
Igor Levit

Wer folgt den Anständigen?

Es herrschen Kunst- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Das ist auch gut so! Diese Freiheiten ermöglichen es mir, andere Menschen und ihre Einstellungen zu hören. Durch diese Freiheiten erfahre ich, was Menschen denken und kann dann wiederum meine Freiheiten nutzen, um mich zu diesen Äußerungen zu verhalten. Dadurch zeige ich, wie ich zu solchen Äußerungen stehe.

Ich kann Äußerungen ignorieren, missbilligen oder loben. Ich kann gewissen Ansichten sogar Preise geben und damit ehren.

Die Deutsche Phono-Akadamie hat sich dazu entschieden, Kollegah & Farid Bang mit dem ECHO für das Album „Jung, brutal, gut aussehend 3“ zu ehren. Die Künstler sind bekannt für sexistische, schwulen- und judenfeindliche Äußerungen. Sie dürfen diese Äußerungen tätigen. Es herrscht Meinungsfreiheit. Es ist auch die Freiheit der Deutschen Phono-Akademie, das zu ehren. Ich verteidige diese Freiheit. Sie ermöglicht es mir, deutlich zu sehen, wo die Künstler stehen und wo die Akademie steht.

Es ist ebenfalls die Freiheit aller Künstlerinnen und Künstler, die den ECHO irgendwann einmal bekommen haben, diesen Preis zurückzugeben oder zu behalten.

Wer unter diesen Umständen den ECHO behält, zeigt, wo er steht.

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14 Antworten zu Wer folgt den Anständigen?

  1. HM schreibt:

    „Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich.“ Provokation um der Provokation willen sei substanzlos und dumm. Zitat von M.M. Westernhagen in der „Zeit“
    http://www.zeit.de/kultur/musik/2018-04/antisemitismus-skandal-marius-mueller-westernhagen-echos-rueckgabe

    Hmm, wie ernst nehm ich denn diesen „Anständigen“ ?
    Einer der Lieder über „Dicke“ singt.

    • Kevin Schulterlos schreibt:

      Als Westernhagen damals sang, „Dicke schwitzen wie die Schweine“, fand ich das witzig, da war ich noch jung und dünn. Heute bin ich fett, und es stimmt, man schwitzt wie ein Schwein;)

      • HM schreibt:

        Früher fanden Sie das witzig, heute gäbe es vom Verband der Adipösen einen „me to“
        Aufschrei und Westernhagen müsste “ Gedankenlosigkeit“ vorschützen und zurückrudern.

  2. Mike schreibt:

    Die Frage, die mich umtreibt, ist die Gretchenfrage: wer sind die Fans, die für die Popularität von solchen Vollidioten sorgen? Wie viele Kids aus eigentlich guten Elternhäusern mit ordentlicher Schulbildung hören sich diese Scheiße an und erwählen sich Dummköpfe zu ihren unnötigen Vorbildern? Ganz zu schweigen von den Kids aus dem low IQ Milieu, für die angesichts des Elends ihrer geballten Chancenlosigkeit in einer hochkomplexen Gesellschaft der Gangsta Rap die Aussicht auf schnelles Geld entweder durch eine Gangmitgliedschaft oder eine Karriere als Rapper, bei der man sich Künstler und Musiker nennen kann, ohne ein Instrument zu spielen oder ohne singen zu können, zu eröffnen scheint. Man muss sich eigentlich nur vors Mikro stellen und sich beschweren. Fertig ist der Song. Im Studio werden von Programmierern rhythmische Versatzstücke geschnippelt aneinandergepastet wiederholt und wenn man Glück hat, kann dann einer noch einen Akkord halten oder auch nur ein Pad drücken, mit dem der Akkord angesteuert wird. Für gefühlsduselige Simpelstreicher. Jeder Depp kann das. Das sind keine Musiker. Das sind Computernerds. Zu dumm auch noch,um gute Texte zu schreiben. Da muss dann halt Antisemitismus her, um wenigstens zu provozieren.
    Sie könnten nächstes Mal vom Niveau her schon aufsteigen, wenn sie sich was besseres überlegen. Ist nicht schwer, denn das Niveau ist ja schon unterirdisch. Sie könnten nackt auf die Bühne und kacken. Da das nicht antisemitisch ist, hätten sie schon die Niveauleiter ein bisschen nach oben erklommen. Da ist viel Luft nach oben. Aber immerhin ein kleiner Schritt wäre gemacht.
    Vielleicht würden sie ein Instrument lernen. Ein bisschen jedenfalls. Für ganz einfache Lieder. Auch besser als dieser dämliche Rap, besonders der von diesen beiden Hohlbirnen.
    Der Erfolg dieser Art „Musik“ zeigt mir, wie verblödet die Menschen schon massenhaft in diesem Land sind.

    • Kevin Schulterlos schreibt:

      Es gibt ja viel im TV, was unter dem Label „Musik“ läuft, Bohlens Schau etc.. Instrumente spielen dabei nie eine Rolle, es wird gewackelt, gegrunzt und gejault. Im Hintergrund legt man eine CD ein, wie die Musik da drauf kommt, weiß niemand von den Assis und den Zuschauern. Das wäre, wie wenn ich auf der Couch sitze und Fußball schaue und behaupte ich sei Fußballprofi. Absurdes Unterschichten TV.
      Die Fans von Kollega sind Moslems und deutsche Moslemsklaven. Die Fans von Campino sind naive Mädels, die facebook-Seite der Toten Hosen ist soziologisch sehr interessant.

  3. Georg B. Mrozek schreibt:

    Dein Umkehrschluss ist nicht logisch: „Es ist ebenfalls die Freiheit aller Künstlerinnen und Künstler, die den ECHO irgendwann einmal bekommen haben, diesen Preis zurückzugeben oder zu behalten. Wer unter diesen Umständen den ECHO behält, zeigt, wo er steht.“

    Demnach wäre es ja nicht die Freiheit, sondern die moralische Pflicht.
    Um zu zeigen, wo ich stehe, gebe ich im Nachhinein meine vor 45 Jahren erhaltene Ehrenurkunde der Bundesjugendspiele doch nicht zurück, wenn heute ein fieser Mensch auch eine solche Ehrenurkunde erhalten würde (theoretisch, diese Bundesjugendspiele gibt es ja schon längst nicht mehr).
    Der Echo steht für die ausgezeichneten Verkaufserfolge, nicht aber für eine Haltung. Der Echo ist kein Haltungspreis.
    Würde von einer Verkäuferin/einem Verkäufer, die/der überdurchschnittlichen Verkaufserfolg hat, ebenso erwartet werden, die Gratifikation, die er/sie infolge dessen als Preis des Arbeitgebers erhalten hat, mit samt der Urkunde wieder zurückzuzahlen, wenn ein Nazi-Verkäufer auch einen solchen Bonus erhielte?
    Zeigen alle Menschen, die den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland nach Filbinger erhalten hatten und ihn behielten, nach deiner Logik nicht gleichfalls eine negative Haltung? Absurd, nicht wahr?

    Eine Preis-Rückgabe ist und bleibt eine persönliche Entscheidung à la bonne heure.

    • Praecox schreibt:

      „Der Echo steht für die ausgezeichneten Verkaufserfolge, nicht aber für eine Haltung.“

      Das ist in dieser Dorm falsch. Erstens entscheidet eine Jury über den Preisträger und zweitens gibt es diesen sogenannten Ethikrat, der die Nominierung der beiden Dreckschleudern zuließ. Wer, wenn nicht ein Ethikrat, kümmert sich um Haltung?

      Auch ihr Vergleich mit den Bundesjugendspielen ist falsch. Denn die Ehrenurkunde gibt (gab) es ja nicht fürs Fies-sein, sondern für eine bestimmte athletische Leistung. Anders beim Echo für die beiden Dreckschleudern. Die wurden direkt für’s Fies-sein nominiert.

      • Georg B. Mrozek schreibt:

        Nö, die Ehrenurkunde bekam jeder für die bloße Teilnehme; bis zu einer Siegerurkunde hatte ich es aber mangels Leistung nie geschafft. Ist auch egal, Sie wissen schon, wie das Beispiel gemeint war, oder?

        Selbstverständlich ist der Echo eine Verkaufs-Show, er ist von vorne bis hinten purer Kommerz. Dort zählt nur das Geld, und zwar immer schon, der „Ethikrat“ ist eine Alibi-Einrichtung, damit die Menschen glauben, es ginge neben dem Kommerz auch noch um Höheres. Diese Erfindung zeigt Erfolg, wie ich bei Ihrer Annahme erkennen kann.

        • Praecox schreibt:

          Dann liegt ein Missverständnis vor, werter Herr Mrozek. Denn die Ehrenurkunde war das Besondere, die Siegerurkunde das Allgemeine:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesjugendspiele

          Was nun mich betrifft und Ihre Annahmen zu meinen Annahmen, so muss ich Sie leider enttäuschen. Mit waren Musikpreise und deren Ethikräte bisher schnurzpiepegal und sie werden es auch in Zukunft sein. Meine Aufmerksamkeit hat das Thema nur aufgrund der medialen Berichterstattung dieser Tage bzw. dem Problem Antisemitismus, das mir nicht egal ist.

          Im Übrigen waren meine Frage: „Wer, wenn nicht ein Ethikrat, kümmert sich um Haltung?“ und meine Formulierung. „diesen sogenannten Ethikrat“ exakt darauf gemünzt, die Nicht-Funktion dieses Rats zu kennzeichnen. Aber Danke für den Hinweis auf die Missverständlichkeit meiner Formulierungen, die bei Ihnen zu Annahmen über Annahmen führte.

          Beste Grüße!

  4. anti3anti schreibt:

    Wie kann man ein Echo zurückgeben? Auch ein entfleuchter Pfurz kehrt niemals an seinen Entstehungsort zurück!

  5. HM schreibt:

    Lieber Buurmann, so sehr ich manche Ihrer Texte schätze, ebenso die Perspektiven die Sie einnehmen, so ist es schade, dass Ihre Empörung sich in die Richtung der moralinsauren Eiferer entwickelt.
    Kurz: Es wird ideologisch.

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