„Du bist nicht an Frieden interessiert“

Der Mensch, der mir gestern schrieb, ich müsse auch mal Israel kritisieren, da es sonst aus sei zwischen uns, hat nun den Kontakt mit mir abgebrochen. Er schickte mir (vorerst) letzte Worte:

„Du bist nicht an Frieden interessiert. Frieden stiften geht nur, wenn man fair ist. Fehler und Verbrechen müssen immer auf beiden Seiten und mit der selben Leidenschaft aufgeklärt werden. Israel macht auch sehr viel falsch. Wenn man diese Fehler geflissentlich aus fadenscheinigen Gründen verschweigt, schürt man nur noch mehr Hass. Das ist dann Hetze. Mit Deinen Artikeln produzierst Du blinde Pro-Israel-Zombies. Diese wiederum machen militante Vereinigungen wie die Hamas stark. Über Umwegen machst Du mit Deinen Artikeln also die Hamas stark und stiftest das Gegenteil von Frieden.“

Als mir zu Beginn meiner Tätigkeit als Blogger die ersten Leute sagten, sie hätten Freunde über das Thema Israel verloren, konnte ich es nicht glauben. Welche Beziehung zerbricht denn über eine außenpolitische Debatte, dachte ich bei mir. Jetzt ist es auch mir passiert. Ich gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, dass alles nur eine Phase ist.

Mir wird vorgeworfen, ich sei nicht an Frieden interessiert. Ich weiß gar nicht, wie ich auf diesen Vorwurf reagieren soll. Er stimmt einfach nicht. Nichts wünsche ich mir mehr, als dass meine Freundinnen und Freunde in der Region und all ihre Nachbarn endlich in Frieden leben können. Und ich weiß, dass Frieden möglich ist. Israel hat bereits einige Frieden geschlossen und alle gehalten.

Ich kann mir den Vorwurf, ich sei nicht an Frieden interessiert, nur damit erklären, dass es wichtig ist, mich als Ausgeburt der Friedensgefahr zu charakterisieren, ja sogar als Mitschuldiger an der Hamas, da es ja darum geht, mich zur Hölle zu schicken. Ich musste einfach zum Teufel gemacht werden, denn einen Menschen schickt man schwerer zur Hölle als einen Teufel. An dieser Verteufelung zeigt sich, was ich schon vor einigen Jahren beschrieben habe:

Rede nie mit einem selbsternannten Friedensaktivisten! Es ist eine Falle! Wer sich nämlich so nennt, macht Dich zu einem Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen! Du kannst nur verlieren!

In der (vorerst) letzten Mail steht weiterhin:

„Wenn Du ernst genommen werden möchtest, musst Du fair sein. Natürlich ist Israel ein guter Staat, der aber eben auch Fehler macht, deren Aufklärung wichtig ist. Denn, woher kommt denn dieser krasse militante Judenhass? Sicher nicht so ganz von ungefähr. Das hat nichts mit Verständnis zu tun oder damit, zu sagen, die Juden seien ja selber schuld. Mitnichten. Aber schau Dir mal an, warum Menschen, die sich Palästinenser nennen, so traurig, unglücklich und voller Hass sind. Schau es Dir an, mit Liebe im Herz.“

Natürlich macht Israel Fehler. Es gibt viele Dinge, die ich kritisieren könnte. Israel wird jedoch schon ausgiebig kritisiert, von außen und von innen, von Freunden und von Feinden. Es gibt genug Texte und Berichte, in denen Israel kritisiert wird, in manchen sogar ausschließlich. Die Aufklärung über israelische Fehler wird von israelischen Medien selbst betrieben. Die Kritiker Israels haben israelische Verteidiger, oft sogar die besten.

Wenn ich in Israel bin, treffe ich auf viele Juden, die Israel kritisieren, einige massiv, manche zu Recht. Sie kritisieren zum Beispiel, dass in Israel keine zivilen Ehen geschlossen werden können, dass der Druck, Militärdienst leisten zu müssen, teilweise unerträglich ist, dass die Lebenshaltungskosten in Israel zu hoch sind, dass die Religion zu sehr den Alltag bestimmt und vieles, vieles mehr. Ich höre mir diese Kritik an und kann sie verstehen.

Israel wird genug kritisiert. Da braucht es mich nicht. Wenn ein israelischer Soldat übergriffig wird, dann landet er vor Gericht. Nicht selten wird er verurteilt. Die israelischen Verteidigungskräfte sind eine Armee mit den höchsten ethischen Standards weltweit.

Ich versuche daher, etwas Fairness in den Diskurs zu bringen, indem ich Israel verteidige und aufzeige, wenn Kritik zum Hass wird und wo antisemitische Klischees bedient werden. Die Aussage, der militante Judenhass könne mit dem Verhalten von Juden zusammenhängen , ist eine hochproblematische Aussage.

Ja, ich schaue mir das Leid der Menschen, die sich Palästinenser nennen, mit Liebe im Herzen an. Ich sehe Menschen, die von dem Regime, in dem sie leben, unterdrückt werden. Ich sehe leidende Familien, die das Geld und die Hilfsgüter nicht erhalten, die ihnen aus dem Ausland geschickt werden, weil ihre Führer damit lieber ihre Villen finanzieren und unzählige Waffen bauen, um gegen Israel Krieg führen zu können. Ich sehe Kinder, Alte und Kranke, die ohne Obdach sind, weil die Hamas ihre Raketen in Kindergärten, Altenheime und Hospitälern lagern und sie somit ganz bewusst zu Kriegszielen machen. Ich sehe Kinder, die als Schutzschilde missbraucht werden und zu Kindersoldaten erzogen werden. Ich sehe menschliche Seelen, die gebrochen wurden, um Juden zu hassen. Ich sehe Homosexuelle, die verfolgt und Regimekritiker, die ermordet werden. Ich sehe unendlich viel Leid und eine perverse Propaganda, die den Opfern eintrichtert, an all dem Leid wäre Israel schuld.

Natürlich verstehe ich, dass diese Menschen Juden hassen. Sie haben nichts anderes gelernt, als Juden zu hassen. Aber Israel ist nicht ihr Feind. Sie sind dem Judenhass verfallen und sie benutzen die alten Lügen, die schon seit Jahrhunderten erzählt werden. Sie behaupten, Juden vergiften Brunnen, stehlen Wasser und morden Kinder. Sie hören ihre Minister sagen, Juden seien Bakterien, die vernichtet werden sollen. Sie sehen ihre Politiker Hitler verehren und Hakenkreuze schwenken. Sie sehen ihre Familien sterben, aber nicht weil Israel, die Familien töten will, sondern weil sie als Schutzschilde missbraucht wurden. Das sehen sie aber nicht. Sie sehen nur den puren Hass auf Israel!

Dieser Hass kommt tatsächlich nicht von ungefähr. Der Hass kommt aus der Mitte dieser Menschen selbst. Er hat nichts mit der Existenz und dem Verhalten von Israel und Juden zu tun. Es ist ausschließlich ihr Hass!

Das müssen die Feinde Israels erkennen. Sie müssen erkennen, dass sie nicht die Feinde Israels sind, weil Israel es will, sondern weil ihr Regime es so will. Die Menschen, die sich Palästinenser nennen, müssen sich daher gegen die Köpfe ihres eigenen Regimes stellen und erkennen, dass der Staat Israel nicht ihr Feind ist, sondern ihr bester Verbündeter im Kampf für Freiheit und Frieden. In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Dieses Angebot steht. In der Gründungscharta der Hamas aber steht, ein Frieden mit Israel sei ausgeschlossen (Artikel 13) und das Endziel sei die Vernichtung aller Juden weltweit (Artikel 7). Meine Vorstellung von Fairness erlaubt es mir da nicht, eine neutrale Haltung einzunehmen. Beiden Seiten sind nicht gleich. Die eine Seite (Israel) ist nicht perfekt, die andere Seite (Hamas)
abgrundtief schlecht.

All dies sehe ich mit Liebe im Herz, eine Liebe, die mir angesprochen wird, weil ich ein „hässlicher Hardliner“ und „blindwütiger Schwärmer“ sein soll:

„Du holst Dir ständig einen runter auf Israel und spritzt den Leuten ungefragt ins Gesicht. Es widert mich an.“

Das sind deutliche Worte. Würde ich den Menschen, der das geschrieben hat, nicht so mögen, ich wäre ein wenig stolz darauf, was ich im Stande bin, bei ihm auszulösen. Besonders das Bodyshaming am Ende amüsierte mich ein wenig und linderte ein wenig den Schmerz:

„Dein natürlicher Impuls ist jetzt der Trotz eines eloquenten, dicken Mädchens, das noch einen Buttertoast mit Cola will, obwohl es schon fünf hatte.“

Stimmt. Dieser Artikel ist das Resultat des eloquenten, dicken Mädchens, und ich muss gerade daran denken, was ein Busfahrer zu mir sagte, der mich von Tel Aviv nach Haifa fuhr:

„Weißt Du Gerd, als ich ein Kind war, sagte mir mein Vater: „Wenn Du groß bist, musst Du nicht in den Krieg, dann werden wir Frieden geschlossen haben.“ Aber ich musste in den Krieg. Später sagte ich meiner Tochter: „Wenn Du groß bist, musst Du nicht in den Krieg, dann werden wir Frieden geschlossen haben.“ Aber sie musste in den Krieg. Heute sagt sie das Selbe ihren Kindern. Glaub mir Gerd, wir wollen den Frieden.“

Ich glaube es ihm.

Ich weiß nicht, wie es sich fühlt, als junger Mensch für einige Jahre in einen Krieg gehen zu müssen, um gegen Menschen zu kämpfen, die mich und meine Familie, die Kinder und Säuglinge ermorden wollen. Ich weiß nicht, was es bedeutet, Waffen tragen und nutzen zu müssen, weil die Länder um mich herum den Holocaust an mich und meinem Volk realisieren wollen. Ich kann nicht erahnen, was es bedeutet, töten lernen zu müssen, weil man mich und mein Land vernichten will. Ich weiß nur, die jüdischen Soldaten sind nicht gerne im Krieg. Ich weiß, Israel will Frieden und ich bin mir sicher, die Feinde Israels wollen das auch.

Die Feinde Israels müssen jetzt nur noch dem israelischen Busfahrer glauben! Was er sagt, ist der Wunsch des ganzen Staates Israels und er ist in der Unabhängigkeitserklärung manifestiert.

Israel will Frieden.
Israel ist nicht der Feind Palästinas.
Israel kann Palästinas bester Verbündeter sein.

Mein Herz sagt mir, der Hass kann durchbrochen werden. Ich weiß auch wie. Benjamin Netanjahu hat es wie folgt in Worte gefasst:

Präsident Abbas, ich weiß, es ist nicht einfach. Ich weiß, es ist schwer. Aber wir schulden es unseren Völkern, es nochmal zu versuchen, es immer wieder zu versuchen, denn gemeinsam, wenn wir tatsächlich verhandeln und damit aufhören, darüber zu verhandeln, ob wir überhaupt verhandeln sollen, wenn wir uns tatsächlich hinsetzen und versuchen, diesen Konflikt zwischen uns zu lösen, uns einander anerkennen und einen palästinensischen Staat nicht als Sprungbrett für eine weitere islamistische Diktatur im Nahen Osten verwenden, sondern als ein Land, das in Frieden neben dem jüdischen Staat leben möchte, wenn wir das tatsächlich tun, dann können wir bemerkenswerte Dinge für unsere Völker erreichen.“

Unschuldigen und armen Palästinensern wurde lebenswichtige Hilfe, die verschiedenste Länder auf der ganzen Welt gespendet hatten, verweigert. Die Hamas nutzt diese gestohlenen Mittel nun, um eine Kriegsmaschine aufzubauen, die Juden ermorden soll. Das palästinensische Volk hat Besseres verdient! Darum bekunde ich heute mein tiefes Mitgefühl mit den unschuldigen Palästinensern und mit den Ländern, die es gut gemeint haben und großzügig finanzielle Mittel gespendet haben, um ihnen zu helfen.“

Ich habe stets Shimon Peres grenzenlosen Optimismus bewundert. Mich erfüllt die selbe Hoffnung. Ich bin voller Hoffnung, weil Israel in der Lage ist, sich selbst gegen jede Bedrohung zu verteidigen. Ich bin voller Hoffnung, weil die Tapferkeit unserer kämpfenden Männer und Frauen unübertroffen ist. Ich bin voller Hoffnung, weil ich die Kräfte der Zivilisation kenne, die letztlich immer über die Kräfte des Terrors triumphieren. Ich bin voller Hoffnung, denn im Zeitalter der Innovation, floriert Israel, die Nation der Innovation, wie nie zuvor. Ich bin voller Hoffnung, weil Israel unermüdlich daran arbeitet, die Situation all ihrer Bürger zu verbessern, für Juden, Muslime, Christen, Drusen, für alle gleich. Und ich bin voller Hoffnung, da ich trotz aller Neinsager glaube, dass wir in Israel einen dauerhaften Frieden mit allen unseren Nachbarn schmieden können.“

Aber ich weiß schon, Benjamin Netanjahu ist auch nur ein „hässlicher Hardliner“ und „blindwütiger Schwärmer“, ein „hetzender und unfairer Pro-Israel-Zombie“ und nicht am Frieden interessiert, wie ich.

Ich bin mir bewusst, dieser Artikel klingt wieder gewohnt schnippisch und abgeklärt, aber die Vorwürfe gegen mich schmerzen doch ein wenig, also nicht so sehr die Aussage, ich sei ein Schwärmer, das stimmt, aber der Rest schon.

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