Sexistischer Anschlag in Kerpen bei Köln

Am Freitag, 17. August 2018 griff ein Mann auf einem Supermarktparkplatz in Kerpen bei Köln seine Ex-Freundin und deren neuen Partner mit einem Beil an und verletzte beide schwer. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen von einer Beziehungstat aus.

Das Wort „Beziehungstat“ ist eine Verharmlosung all der terroristischen Taten, die im Rahmen von Sexismus begangen werden. Immer wieder werden Frauen Opfer sexistischer Extremisten, so wie Ausländer Opfer von Rassisten werden. Es wird Zeit, dass wir Morde an Frauen, die von Menschen begangen werden, die glauben, dadurch einer oft religiös definierten Ehre zu genügen, als das bezeichnen, was sie sind: Sexistische Terroranschläge!

Man kann nicht auf der einen Seite #metoo unterstützen und auf der anderen Seite sexistische Terroranschläge als „Beziehungstaten“ herunterspielen.

Das lateinische Wort „terror“ bedeutet Schrecken. Terrorismus ist die systematische Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt in seiner Resolution 1566, terroristische Handlunge seien solche, „die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen.“

Unter genau diese Terrordefinition fällt sexistische Gewalt. Mit sexistischer Gewalt werden Frauen gefügig gemacht. Sie werden ihrer Rechte beraubt und zu Besitz gemacht. Sie werden entweder selbst angegriffen oder derart in Angst und Schrecken versetzt, dass sie sich nicht mehr trauen, gewisse Orte zu betreten, es sei denn, sie verschleiern sich. Der sexistische Terrorismus macht ganze Plätze und Parks im Osten und Westen unseres Landes zu No-go-Areas für Frauen.

Die Tat in Kerpen wurde in aller Öffentlichkeit auf einem Supermarktparkplatz und in bewusst abscheulicher Art und Weise vollführt. Alle sollten sehen, was einer Frau und ihrem Geliebten geschieht, wenn sie sich nicht unterwerfen.

Solche Beziehungstaten sind in der Regel stets auch politisch motiviert. Die politische Motivation entspringt einer extremistischen, sexistischen Ideologie. Dieser Extremismus schlägt immer wieder zu, manchmal sogar in Gruppen.

Die Silvesternacht 2015/16 in Köln war ein Terroranschlag.

Die Silvesternacht in Köln war ein Anschlag an Frauen, exekutiert von männlichen Terroristen, die aus patriarchalen Strukturen stammen und eine autoritäre Religion im Nacken haben. An diesen Männern ist die Aufklärung vorbei gegangen. Sie denken eher in Gruppen als in Individuen. Diese Terroristen schätzen die Ehre eines im siebten Jahrhundert verstorbenen Soldaten aus Mekka, den sie als Propheten verherrlichen, mehr als die Würde einer lebendigen Frau. Sie töten aus ihrer pervertierten Idee von Ehre eher Frauen, als dass sie ihre eigene Religion hinterfragen. Sie zwängen Frauen eher in ein Gefängnis aus Stoff, als männlichen Sexualverbrechern Handschellen anzulegen. Diese Männer sind islamistische Terroristen. Es wird Zeit, dass wir sie auch konsequent so bezeichnen und aufhören, den islamisch motivierten Terror gegen Frauen zu verharmlosen.

„Beziehungstaten“ sind Terroranschläge.

Im Jahr 2011 wurde das Wort „Döner-Morde“ zum Unwort des Jahres gekürt. Der Begriff tauchte das erste Mal im Jahr 2006 auf und bezeichnete damals eine Neonazi-Mordserie, die in verschiedenen Großstädten Deutschlands verübt wurde. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer.

Laut der Jury des Unwort des Jahres stand der Ausdruck „Döner-Morde“ prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Die Begriff „Ehrenmord“ und „Beziehungstat“ tut genau das auch. Leider konnte sich die Jury bis heute nicht dazu durchringen, den Begriff „Ehrenmord“ zum Unwort des Jahres zu küren.

Während für rassistische Terroristen Ausländer vom Übel sind, die es zu bekämpfen gilt, weil sie nichts in der deutschen Kultur zu suchen haben sollen, sind die sexistischen Terroristen davon überzeugt, dass emanzipierte Frauen vom Übel sind, die nichts in der eigenen Kultur zu suchen habe. Eine Frau, die es wagt, sich mit der Kultur des Westens einzulassen, ist für diese Typen so verdorben, wie für Neonazis eine Frau, die sich mit einem Türken einlässt.

„Ehrenmorde“ sind Terroranschläge.

Für Neonazis ist es eine Frage der Ehre, die „Reinheit des deutschen Volkes“ zu erhalten. Für „Ehrenmörder“ ist es eine Frage der Ehre, die Reinheit der Religion des Friedens zu verteidigen. Beide Seite tragen mit ihrer „Ehre“ allerdings nur ihren eigenen Extremismus zur Schau.

Es ist diese oft religiös definierte Ideologie der Ehre, die zum Terrorismus führt. Am 23. Januar 2015 wurde in Berlin diese Predigt gehalten!

„Eine Frau darf niemals ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Mann ins Haus lassen. Eine Frau darf niemals das Haus ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen! Und unter keinen Umständen darf sie eine Nacht außerhalb des Hauses verbringen ohne Erlaubnis ihres Mannes! Nicht mal bei ihrem eigenen Vater! (…) Das Leben einer Frau muss auf das Haus ihres Mannes beschränkt sein! (…) Eine Frau muss kochen, den Boden wischen, sauber machen und sich um ihren Mann, ihre Söhne und Töchter kümmern! (…) Einer Frau ist es nicht gestattet, den Beischlaf mit ihrem Mann zu verweigern! Mit keiner Entschuldigung darf sie sich rausreden! (…) Auch wenn eine Frau ihre Tage hat, muss sie mit ihrem Mann schlafen, wenn der Mann will. Er sollte nur ihre Vagina meiden … und ihren Anus.“

Wer es Frauen verbieten will, aus dem Haus zu gehen, nimmt sie als Geiseln und das ist laut Resolution 1566 der Vereinten Nationen Terrorismus. Diese Taten als „Beziehungstaten“ zu verharmlosen, wird der Sache nicht gerecht. Sexismus ist neben Rassismus und Judenfeindlichkeit ein Hass, der immer wieder zum Terror führt. Wir müssen aufhören, diesen Terror zu verharmlosen. Allein im Jahr 2017 wurden fast fünfzig Menschen in Namen der „Ehre“ getötet.

Fabienne de M., erstickt am 2. Januar,
Zare, erwürgt am 5./6. Januar,
Leyla und ihr ungeborenes Kind, ermordet am 15. Januar,
Mihiriban S. getötet am 2. Februar,
Soopika Paramanathan, erstochen am 10./11. Februar,
Silvia B., erschossen am 17. Februar,
Nicole M, ermordet Ende Februar,
Ria, erschlagen am 21./22. Februar,
Ana, ermordet am 24. Februar,
Tina O., erstochen am 25. Februar,
Seve, erstochen am 2. März,
Kadir Y., erstochen am 5. März,
Dilek V., erstochen am 15. März,
Anna, erstochen am 9. April,
Sina, erstochen am 16. April,
The T., erstochen am 21. April,
Mehe K., erwürgt am 23. April,
Florija M., erstickt am 24. April,
Farima Seadi, erstochen am 29. April,
Milenka T., enthauptet im Mai,
Salam S., erschossen am 14. Mai,
Naser T., erstochen am 15. Mai,
Hayam, erstochen am 17. Mai,
Maria, erstochen am 17. Mai,
Michelle E., erstochen am 18. Mai,
Fidan, erschossen am 1. Juli,
Merita und Jeff G., erschossen am 15. Juli,
Anne Metzger und ihr Sohn, erstochen am 28. Juli,
Esra C., mit Beil und Messer getötet am 31. Juli,
Mahin R. und ihr ungeborenes Kind, erstochen am 11. August,
Saray Güven, erstochen am 20. August,
Ahlam Dawi, ermordet am 23. August,
Elena D., erstochen am 28. August,
Mohammed N., erstochen am 10./11. September,
Dario und zwei Bekannte, erschossen am 14. September,
Palwasha L. und ihr ungeborenes Kind, erstickt am 19. September,
Valentina, ermordet am 1. Oktober,
Aeysha A., ermordet am 23. Oktober,
Paul, erstochen am 24. Oktober,
Vio, erstochen am 30. Oktober,
Gina, ermordet am 1. Dezember,
Daniela A. H., ermordet am 5. Dezember,
Shukriyeh A., erstochen am 6. Dezember,
Manjinder K., erstochen am 9. Dezember,
Dzemila F., erstochen am 20. Dezember,
Mia V., erstochen am 27. Dezember.

Im Jahr 2017 wurden 405 Morde in Deutschland begangen. Viele „Beziehungstaten“ fallen jedoch nicht in die Kategorie „Mord“, sondern gelten als Beziehungstaten mit Todesfolge.

Es gibt Menschen, die behaupten, es hätte im Jahr 2017 keine islamistisch motivierten Anschläge in Deutschland gegeben. Doch, es hat sie gegeben! Sie werden nur nicht als solche anerkannt. In Deutschland sexistisch motivierte Morde sind keine Anschläge sondern nur eine „Beziehungstaten“.

Solange wir die Taten nicht als Terrorismus verstehen, werden wir nicht effektiv gegen diese Form der Menschenfeindlichkeit vorgehen können.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist Terror.

Dieser Terror taucht in allen Gesellschaften und Kulturen auf. Alle Kulturen sind in der Lage, gegen diese Gewalt zu wirken. Alle Kulturen sind aber auch in der Lage, diese Gewalt zu ignorieren, zu tolerieren oder gar zu fördern.

Vergewaltigungen können jede Frau treffen. Das ist Terror! Jeder Mord, resultierend aus der Weigerung der Frau, Besitz zu sein, ist Terror, unabhängig von der Ideologie des Täters.

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