Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet …

… dafür aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn „der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein“.

Eine Bestandsaufnahme zum 9. November von Simone Schermann.

Der Münchner Stadtratsbeschluss, die antisemitischen Bewegung BDS nicht mehr mittels Überlassens städtischer Räume zu unterstützen, wird am Beispiel der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) ad absurdum geführt. Der Beschluss des Stadtrats, keinem Judenhass seitens BDS mehr dienlich sein zu wollen und diesem nicht mehr den roten Teppich ausrollen zu wollen, ist eine klare Lüge und eine Farce. Und niemand stört sich daran!

Kein Protest des Stadtparlaments, des Oberbürgermeisters, der Stadträte! Kein Aufschrei der Anständigen aus den Fraktionen! Kein Gebrüll bei den sonst so Achtbaren von dem Weisse Rose e.V., der Christlich-Jüdischen-Gesellschaft oder den notorischen Mahnern wie Gegen das Vergessen und für Demokratie, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken!

Kein Aufschrei gegen Judenhass und kein übliches „Wehret den Anfängen“. Warum sind Frau Knobloch, der Zentralrat der Juden und der Antisemitismusbeauftragte in diesen Tagen so taub und blind?

Wo ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-Führer, die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters, diese handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich anlässlich des 9. Novembers oder anlässlich der Deportation der Juden, alljährlich zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt?

Sie treffen auf sämtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten und Gedenken der toten Juden. Für die lebenden Juden bleibt offenbar keine Restkapazität mehr.

Das Tagesgeschehen rund um diesen „hohen Feiertag“ dürfte – ja – müsste die Betroffenheit, das Entsetzen um die Geschichte, um Judenhass und Antisemitismus gerade dieser Betroffenheitsfunktionäre schier zum Überkochen bringen und zu Taten werden lassen. Da genau das nicht passiert, ist eins klar: Hier stimmt etwas nicht und das stinkt zum Himmel. Was ist geschehen?

Am 7. November, zwei Tage vor dem Jahresdatum der Reichspogromnacht 1938, findet in den Räumlichkeiten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine Veranstaltung statt. Eine antisemitische Propaganda-Veranstaltung, die ihren Ärger über den „Boykott der BBDS-Boykotteure“ in der LMU frei ausleben darf. Sie sieht ihre Meinungsfreiheit beschränkt. Stimmt. Judenhass war 1938 Mainstream. Und das soll heute wieder so sein dürfen.

Der Hauptreferent der Hass-Veranstaltung, Andreas Zumach, ist Funktionär beim Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung (BIB). In vergangenen Vorträgen hat er bereits dazu aufgerufen, gegen eine „Lobby“, die in Deutschland „agiert“, „die Stimme zu erheben.“ Dafür dient ihm die Uni München als Rednerbühne.

Wo diese „Lobby“ zu finden sei, dass führt der mittlerweile Jury-Vorsitzende des Göttinger Friedenspreises klar und unverhohlen aus. Sein Herzensthema ist dabei die „organisierte israelische Regierungslobby in Deutschland.“

Dazu gehören laut Friedenspreisträger Zumach “Teile der Deutsch-Israelischen Gemeinden“, „Frau Knobloch, als Vorsitzende der Gemeinde München und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats“, „die alle Teil einer Lobby sind, die legitime Kritik ans israelischer Regierungspolitik (…) systematisch und erfolgreich zu unterbinden schaffen“. Ein weiteres Mitglied dieses „Lobby“ sei der als Jerusalem Post-Journalist und „Mossad-Agent“ fungierende Benjamin Weinthal.

Hier haben wir sie also wieder, die gute, alte, ewig funktionstüchtige Verschwörungstheorie einer einflussreichen und Deutschland umspannenden jüdischen „israelischen Regierungslobby“. Sie muss lediglich von einem „Friedenspreisträger“ vorgetragen werden. So wird die Adelung uralten Judenhasses durch die Universität München unterstützt.

Die in der LMU geplante Veranstaltung vom 7. November mit dem Titel „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren“ wird getragen von einem hässlichen Konglomerat aus Verschwörungstheoretikern, BDS-Unterstützern, Querfrontaktivisten und Israelhassern.

Dabei ist Antizionismus gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung, der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, die Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik an der Technische Universität Berlin beipflichtet. Wenn man also tatsächlich vorgäbe, der Frage nachzugehen, warum der Judenhass sich „in der Mitte der Gesellschaft“ so wohl fühlt und ausbreitet wie ein Virus, wenn man dieser Frage seriös nachgehen wollte, ist hier die Antwort darauf gegeben worden.

So schaue man zum krönenden Abschluss in das aktuelle Tagesgeschehen und auf die etablierten Altparteien. Grüne, Linke; und allen voran CDU und SPD sind in der Verbreitung von Judenhass federführend. Als verlängerter Arm der GroKo ist die Antifa zur Exekutive der Bundesregierung geworden. Die Antifa amtiert als der verlängerte politische Arm der GroKo auf der Straße, in den sozialen Medien und in Institutionen. Sie solidarisiert sich öffentlich, wie schon oft, bei Demonstrationen gegen „Rechts“ mit der Terrororganisation PFLP, die die Zerstörung Israels befürwortet. Der führende SPD-Politiker und Hamburger Innenminister Andy Grote twittert in diesen Tagen daraufhin munter, solch eine Demo in Hamburg „sei eine gelungene Veranstaltung“ gewesen. Wer also immer noch den Balken in seinem linken Auge nicht spürt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm das bigotte „Wehret den Anfängen“ längst nicht mehr glaubt.

Quo vadis, SPD? Diese Frage möchte man der Friedrich-Ebert-Stiftung stellen. Diese plant am 12. November den Menschrechtspreis an den Women`s March USA (WM) zu verleihen. Die SPD wäre damit endgültig zum Sinnbild für die Glorifizierung leidenschaftlichsten Judenhasses avanciert. Denn seit seiner jungfräulichen Geburt 2017 ist der Women´s March USA durch perfidesten und offenherzigsten Judenhass der Vorstandsmitglieder und seiner Vorsitzenden in Erscheinung getreten. Linda Sarsour, selbst im Vorstand, hat als überzeugte Anhängerin von BDS kaum eine Gelegenheit ausgelassen ihren israelbezogenen Antisemitismus öffentlich kundzutun. Auch vor den perversesten Verschwörungstheorien, die an Ritualmordlegenden erinnern, schreckte sie nie zurück. So behauptete sie im September 2018, dass „jüdische Verantwortliche hinter Erschießungen von Schwarzen durch Polizisten in Amerika stecken würden.“ Im Dunstkreis von Linda Sarsour befindet sich als eifriger Unterstützer ihrer Bewegung der notorische Judenhasser Louis Farrkhan, der Adolf Hitler schon mal als „very great man“ bezeichnete und „Juden als Termiten.“ Die Auswahl dieser Beispiele ließe sich mühelos um ein Vielfaches ergänzen.

Dieser Tage finden Dutzende Gedenkveranstaltungen statt, werden von Funktionären der entsprechenden Gilden mit vor Betroffenheit zitternder Stimme Namen von Deportierten und Ermordeten vorgelesen, während Hetzjagden auf Juden in Deutschlands Straßen tatsächlich passieren, Rabbiner wirklich geschlagen und bespuckt und jüdische Schüler wieder aus deutschen Schulen vertrieben werden.

Über die Jahrzehnte hat sich ein „Wohlfühljudentum der toten Juden“ herausgebildet. Die Instrumentalisierung dieser toten Juden, die sich dagegen nicht mehr wehren können, ist in vollem Gange. Die Manege ist frei und jeder, der auf den Gedenkveranstaltungen den Namen eines Deportierten vorlesen darf, kann jetzt mit einem wohligen Gefühl nach Hause gehen, etwas sensationell Gutes getan zu haben – natürlich für tote Juden.

Die Rollen im Gedenktheater sind wohl verteilt. Schlecht konvertierte Juden haben an diesen Tagen endlich die Chance, sich fast als Juden zu fühlen – für einen Augenblick. Wenn der ungenügend konvertierte Deutsche, der natürlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fühlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemächtigen. Für einen kurzen Moment befüllen die Namen der Toten das leere Gefäß, den Konvertiten. Endlich, ja endlich können sie in die Haut eines toten Juden schlüpfen, denn da ist der deutsche Konvertit beim Gedenkzirkus gnadenlos unerbittlich und scheut vor keiner Geschmacklosigkeit zurück um zu zeigen, dass er und nur er heute der wahre Jude ist.

Ein psychopathologisches Gedenkimperium, das alljährlich erbarmungslos zurückschlägt. Es zeigt, dass es in Deutschland sogar gefährlich ist, ein toter Jude zu sein. Denn auch als toter Jude hat man gefälligst seiner Position nachzukommen und den Konvertiten und sonstigen Funktionären zu ihrer wahren Berechtigung zu verhelfen. Als Steigbügelhalter, als Kulisse in einem miesen Geschäft, that´s it. So werden Namen gehaucht vorgelesen, mit dem Beisatz dass sie „wie Kerzen aus der Dunkelheit herausleuchten“ und das „Tyrannei und Verfolgung das Leid unseres Volkes“ sei.

Nun, mein Volk findet man einerseits in der Datenbank von Yad Vashem.

Der Rest meiner geliebten Familie lebt in Israel.

Im Mai dieses Jahrs saß ich im Urlaub auf meinem Tuches in Tel Aviv, in einem der herrlichen Restaurants. Ein wahrlich unvergesslicher Abend, an den ich heute noch zurückdenke. Wunderbare Menschen, schlendern auf dem Greek Market, handgefertigtes schauen und auch kaufen bis Mitternacht. Eine griechische Band spielte und dann das herrliche Essen. Zur gleichen Zeit, ich erfuhr das erst später, verteidigte meine kleine Nichte, im Alter von zwanzig Jahren, die Grenzen Israels. Ich habe leise in mich hineingeweint, vor Scham. Ich war nie in der Armee. Ich weiß nichts darüber, wie sich meine Cousine fühlt, deren Tochter in der Armee ist. Nichts über ihre Ängste, Nacht für Nacht, Tag für Tag. Ich kann nur versuchen, das nachzufühlen. Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser ständige, auch innere, Kampf.

Schnitt.

Wenn der Antisemitismus und die Beförderer von Judenhass, wie folgerichtig und gebetsmühlenartig ständig wiederholt wird, längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, dann sollten wir auch die Täter und ihre willigen Mitläufer beim Namen nennen.

Das wurde hiermit getan.

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