Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet …

… dafür aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn „der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein“.

Eine Bestandsaufnahme zum 9. November von Simone Schermann.

Der Münchner Stadtratsbeschluss, die antisemitischen Bewegung BDS nicht mehr mittels Überlassens städtischer Räume zu unterstützen, wird am Beispiel der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) ad absurdum geführt. Der Beschluss des Stadtrats, keinem Judenhass seitens BDS mehr dienlich sein zu wollen und diesem nicht mehr den roten Teppich ausrollen zu wollen, ist eine klare Lüge und eine Farce. Und niemand stört sich daran!

Kein Protest des Stadtparlaments, des Oberbürgermeisters, der Stadträte! Kein Aufschrei der Anständigen aus den Fraktionen! Kein Gebrüll bei den sonst so Achtbaren von dem Weisse Rose e.V., der Christlich-Jüdischen-Gesellschaft oder den notorischen Mahnern wie Gegen das Vergessen und für Demokratie, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken!

Kein Aufschrei gegen Judenhass und kein übliches „Wehret den Anfängen“. Warum sind Frau Knobloch, der Zentralrat der Juden und der Antisemitismusbeauftragte in diesen Tagen so taub und blind?

Wo ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-Führer, die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters, diese handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich anlässlich des 9. Novembers oder anlässlich der Deportation der Juden, alljährlich zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt?

Sie treffen auf sämtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten und Gedenken der toten Juden. Für die lebenden Juden bleibt offenbar keine Restkapazität mehr.

Das Tagesgeschehen rund um diesen „hohen Feiertag“ dürfte – ja – müsste die Betroffenheit, das Entsetzen um die Geschichte, um Judenhass und Antisemitismus gerade dieser Betroffenheitsfunktionäre schier zum Überkochen bringen und zu Taten werden lassen. Da genau das nicht passiert, ist eins klar: Hier stimmt etwas nicht und das stinkt zum Himmel. Was ist geschehen?

Am 7. November, zwei Tage vor dem Jahresdatum der Reichspogromnacht 1938, findet in den Räumlichkeiten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine Veranstaltung statt. Eine antisemitische Propaganda-Veranstaltung, die ihren Ärger über den „Boykott der BBDS-Boykotteure“ in der LMU frei ausleben darf. Sie sieht ihre Meinungsfreiheit beschränkt. Stimmt. Judenhass war 1938 Mainstream. Und das soll heute wieder so sein dürfen.

Der Hauptreferent der Hass-Veranstaltung, Andreas Zumach, ist Funktionär beim Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung (BIB). In vergangenen Vorträgen hat er bereits dazu aufgerufen, gegen eine „Lobby“, die in Deutschland „agiert“, „die Stimme zu erheben.“ Dafür dient ihm die Uni München als Rednerbühne.

Wo diese „Lobby“ zu finden sei, dass führt der mittlerweile Jury-Vorsitzende des Göttinger Friedenspreises klar und unverhohlen aus. Sein Herzensthema ist dabei die „organisierte israelische Regierungslobby in Deutschland.“

Dazu gehören laut Friedenspreisträger Zumach “Teile der Deutsch-Israelischen Gemeinden“, „Frau Knobloch, als Vorsitzende der Gemeinde München und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats“, „die alle Teil einer Lobby sind, die legitime Kritik ans israelischer Regierungspolitik (…) systematisch und erfolgreich zu unterbinden schaffen“. Ein weiteres Mitglied dieses „Lobby“ sei der als Jerusalem Post-Journalist und „Mossad-Agent“ fungierende Benjamin Weinthal.

Hier haben wir sie also wieder, die gute, alte, ewig funktionstüchtige Verschwörungstheorie einer einflussreichen und Deutschland umspannenden jüdischen „israelischen Regierungslobby“. Sie muss lediglich von einem „Friedenspreisträger“ vorgetragen werden. So wird die Adelung uralten Judenhasses durch die Universität München unterstützt.

Die in der LMU geplante Veranstaltung vom 7. November mit dem Titel „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren“ wird getragen von einem hässlichen Konglomerat aus Verschwörungstheoretikern, BDS-Unterstützern, Querfrontaktivisten und Israelhassern.

Dabei ist Antizionismus gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung, der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, die Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik an der Technische Universität Berlin beipflichtet. Wenn man also tatsächlich vorgäbe, der Frage nachzugehen, warum der Judenhass sich „in der Mitte der Gesellschaft“ so wohl fühlt und ausbreitet wie ein Virus, wenn man dieser Frage seriös nachgehen wollte, ist hier die Antwort darauf gegeben worden.

So schaue man zum krönenden Abschluss in das aktuelle Tagesgeschehen und auf die etablierten Altparteien. Grüne, Linke; und allen voran CDU und SPD sind in der Verbreitung von Judenhass federführend. Als verlängerter Arm der GroKo ist die Antifa zur Exekutive der Bundesregierung geworden. Die Antifa amtiert als der verlängerte politische Arm der GroKo auf der Straße, in den sozialen Medien und in Institutionen. Sie solidarisiert sich öffentlich, wie schon oft, bei Demonstrationen gegen „Rechts“ mit der Terrororganisation PFLP, die die Zerstörung Israels befürwortet. Der führende SPD-Politiker und Hamburger Innenminister Andy Grote twittert in diesen Tagen daraufhin munter, solch eine Demo in Hamburg „sei eine gelungene Veranstaltung“ gewesen. Wer also immer noch den Balken in seinem linken Auge nicht spürt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm das bigotte „Wehret den Anfängen“ längst nicht mehr glaubt.

Quo vadis, SPD? Diese Frage möchte man der Friedrich-Ebert-Stiftung stellen. Diese plant am 12. November den Menschrechtspreis an den Women`s March USA (WM) zu verleihen. Die SPD wäre damit endgültig zum Sinnbild für die Glorifizierung leidenschaftlichsten Judenhasses avanciert. Denn seit seiner jungfräulichen Geburt 2017 ist der Women´s March USA durch perfidesten und offenherzigsten Judenhass der Vorstandsmitglieder und seiner Vorsitzenden in Erscheinung getreten. Linda Sarsour, selbst im Vorstand, hat als überzeugte Anhängerin von BDS kaum eine Gelegenheit ausgelassen ihren israelbezogenen Antisemitismus öffentlich kundzutun. Auch vor den perversesten Verschwörungstheorien, die an Ritualmordlegenden erinnern, schreckte sie nie zurück. So behauptete sie im September 2018, dass „jüdische Verantwortliche hinter Erschießungen von Schwarzen durch Polizisten in Amerika stecken würden.“ Im Dunstkreis von Linda Sarsour befindet sich als eifriger Unterstützer ihrer Bewegung der notorische Judenhasser Louis Farrkhan, der Adolf Hitler schon mal als „very great man“ bezeichnete und „Juden als Termiten.“ Die Auswahl dieser Beispiele ließe sich mühelos um ein Vielfaches ergänzen.

Dieser Tage finden Dutzende Gedenkveranstaltungen statt, werden von Funktionären der entsprechenden Gilden mit vor Betroffenheit zitternder Stimme Namen von Deportierten und Ermordeten vorgelesen, während Hetzjagden auf Juden in Deutschlands Straßen tatsächlich passieren, Rabbiner wirklich geschlagen und bespuckt und jüdische Schüler wieder aus deutschen Schulen vertrieben werden.

Über die Jahrzehnte hat sich ein „Wohlfühljudentum der toten Juden“ herausgebildet. Die Instrumentalisierung dieser toten Juden, die sich dagegen nicht mehr wehren können, ist in vollem Gange. Die Manege ist frei und jeder, der auf den Gedenkveranstaltungen den Namen eines Deportierten vorlesen darf, kann jetzt mit einem wohligen Gefühl nach Hause gehen, etwas sensationell Gutes getan zu haben – natürlich für tote Juden.

Die Rollen im Gedenktheater sind wohl verteilt. Schlecht konvertierte Juden haben an diesen Tagen endlich die Chance, sich fast als Juden zu fühlen – für einen Augenblick. Wenn der ungenügend konvertierte Deutsche, der natürlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fühlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemächtigen. Für einen kurzen Moment befüllen die Namen der Toten das leere Gefäß, den Konvertiten. Endlich, ja endlich können sie in die Haut eines toten Juden schlüpfen, denn da ist der deutsche Konvertit beim Gedenkzirkus gnadenlos unerbittlich und scheut vor keiner Geschmacklosigkeit zurück um zu zeigen, dass er und nur er heute der wahre Jude ist.

Ein psychopathologisches Gedenkimperium, das alljährlich erbarmungslos zurückschlägt. Es zeigt, dass es in Deutschland sogar gefährlich ist, ein toter Jude zu sein. Denn auch als toter Jude hat man gefälligst seiner Position nachzukommen und den Konvertiten und sonstigen Funktionären zu ihrer wahren Berechtigung zu verhelfen. Als Steigbügelhalter, als Kulisse in einem miesen Geschäft, that´s it. So werden Namen gehaucht vorgelesen, mit dem Beisatz dass sie „wie Kerzen aus der Dunkelheit herausleuchten“ und das „Tyrannei und Verfolgung das Leid unseres Volkes“ sei.

Nun, mein Volk findet man einerseits in der Datenbank von Yad Vashem.

Der Rest meiner geliebten Familie lebt in Israel.

Im Mai dieses Jahrs saß ich im Urlaub auf meinem Tuches in Tel Aviv, in einem der herrlichen Restaurants. Ein wahrlich unvergesslicher Abend, an den ich heute noch zurückdenke. Wunderbare Menschen, schlendern auf dem Greek Market, handgefertigtes schauen und auch kaufen bis Mitternacht. Eine griechische Band spielte und dann das herrliche Essen. Zur gleichen Zeit, ich erfuhr das erst später, verteidigte meine kleine Nichte, im Alter von zwanzig Jahren, die Grenzen Israels. Ich habe leise in mich hineingeweint, vor Scham. Ich war nie in der Armee. Ich weiß nichts darüber, wie sich meine Cousine fühlt, deren Tochter in der Armee ist. Nichts über ihre Ängste, Nacht für Nacht, Tag für Tag. Ich kann nur versuchen, das nachzufühlen. Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser ständige, auch innere, Kampf.

Schnitt.

Wenn der Antisemitismus und die Beförderer von Judenhass, wie folgerichtig und gebetsmühlenartig ständig wiederholt wird, längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, dann sollten wir auch die Täter und ihre willigen Mitläufer beim Namen nennen.

Das wurde hiermit getan.

Dieser Beitrag wurde unter Fremde Feder veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

45 Antworten zu Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet …

  1. Kanalratte schreibt:

    Nachtrag:
    Besonders makaber wird es wenn Poltiker aus falschen Parteien daran gehindert werden die Namen von NS-Opfern vorzulesen deren Eltern(teile) selbst im KZ waren. Georg Pazderski der Landesvorsitzende der AfD Berlin hat einen Vater der als polnischer Zwangsarbeiter selbst im KZ war, wurde aber von der Veranstalterin Lea Rosh daran gehindert Namen vorzulesen, ohne dass die Medien darüber groß berichteten. Zumal es nicht viele Politiker in Deutschland geben wird, deren Familienmitglieder vom NS verfolgt wurden. So lässt man dann lieber Leute die Namen vorlesen deren Vorfahren vielleicht direkte Täter im NS waren…

    • M.S. schreibt:

      @Kanalratte: Meines Wissens hinderte Lea Rosh Herrn Wild nicht deshalb an der Verlesung der Opfernamen, weil er einer „falschen Partei“ angehört, sondern weil weil er eine blaue Kornblume am Revers trug, das Erkennungszeichen der österreichischen Nationalsozialisten.

      • tapferimnirgendwo schreibt:

        Sehr gute und wichtige Klarstellung

      • A.S. schreibt:

        Das ist keine Klarstellung, sondern eine Falschmeldung.
        Herr Wild wurde nicht an der Verlesung gehindert, sondern Herr Pazderski und der hatte keine Kornblume. Die genannten Gründe hatten mit der Partei von Pazderski zu tun.
        Zudem:
        „Wild ist nicht Teil der Berliner AfD-Fraktion, da diese ihn ausgeschlossen hat.“

        Bitte wenigstens oberflächlich bei den Fakten bleiben.

        https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.eklat-bei-namensverlesung-fuer-ermordete-juden-rosh-verbietet-afd-das-gedenken-am-holocaust-mahnmal.d54c9ff6-b991-4b47-8fca-0f58bd3309b0.html

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Ein berechtigter Hinweis. Was stimmt denn nun?

          • M.S. schreibt:

            Mein Irrtum. Es stimmt, dass nicht Wild, sondern Pazderski, der kein Nazisymbol trug, an der Namensverlesung gehindert wurde.

          • Praecox schreibt:

            „Lea Rosh verhindert am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas das Lesen von Namen ermordeter jüdischer Berliner durch Georg Pazderski und Andreas Wild.“

        • Praecox schreibt:

          Das ist keine Falschmeldung. Der Kommentar ist zu Beginn gekennzeichnet mit „Meines Wissens…“. Ein Irrtum, den man korrigieren kann ohne umgehend eine bewusste Falschmeldung zu insinuieren. Wild und Pazderski, beide AfD, haben beide an der Veranstaltung teilgenommen, der eine trug die blaue Blume im Knopfloch, der andere ist Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion. Sie, A.S., versuchen diesen Zusammenhang zu vernebeln. Zitat A.S.:
          „Herr Wild wurde nicht an der Verlesung gehindert, sondern Herr Pazderski und der hatte keine Kornblume.“
          So geht Falschmeldung.

          • Kanalratte schreibt:

            Herr Pazderski wurde an der Vorlesung der Namen gehindert weil er in der AfD ist. Er hat auch keine blaue Kornblume getragen. Der Vater von Pazderski war – wie gesagt – selbst ein NS-Opfer.

          • A.S. schreibt:

            Mit dem Irrtum haben Sie Recht, der Rest ist Unsinn.
            Den Zusammenhang (beide AfD) habe ich nicht vernebelt sondern gerade genannt.
            Die genannten Gründe hatten mit der Partei von Pazderski zu tun.

            Das ist wieder so ein Beispiel wo ich eine faktische Falschdarstellung korrigiere und mich jemand in eine Ecke schiebt weil ich der Verbreitung von Unwahrheiten wiederspreche.

          • A.S. schreibt:

            P.S.: Ich verstehe auch Frau Rosh, wenn sie die Kornblume nicht dulden will und so reagiert.
            Aber auch das gibt nicht das Recht die Fakten umzudrehen. Pazderski selber wurde nichts anderes vorgeworfen als in einer bestimmten Partei zu sein.

          • Praecox schreibt:

            („Das ist wieder so ein Beispiel wo ich eine faktische Falschdarstellung korrigiere und mich jemand in eine Ecke schiebt weil ich der Verbreitung von Unwahrheiten wiederspreche.“*

            Ich habe Sie nicht kritisiert, weil Sie einen Irrtum korrigierten, sondern weil Sie den Irrtum als „Falschmeldung“ bezeichneten, wodurch Sie sich – mal wieder – selbst in diese Ecke schoben. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie einsehen, dass „Falschmeldung“ / „Fake News“ ein Begriff ist, der sich auf Journalismus bezieht, nicht jedoch auf x-beliebige Kommentatoren eines x-beliebigen Blogs, die etwas irrtümlich wiedergeben und solches auch noch vorsichtshalber mit „meines Wissens“ kennzeichnen.

          • A.S. schreibt:

            Mit dem Irrtum haben Sie Recht,
            Damit begann meine Antwort.

          • Praecox schreibt:

            Scho‘ recht.

            „Die genannten Gründe hatten mit der Partei von Pazderski zu tun“

            Die genannten Gründe hatten mit der Partei von Pazderski und Wild zu tun.

          • Praecox schreibt:

            Kanalratte schreibt:
            November 14, 2018 um 2:37 am
            „Herr Pazderski wurde an der Vorlesung der Namen gehindert weil er in der AfD ist. Er hat auch keine blaue Kornblume getragen. Der Vater von Pazderski war – wie gesagt – selbst ein NS-Opfer.“

            Der Nachkomme eines polnischen KZ-Häftlings zu sein qualifiziert nicht automatisch dazu, die Namen ermordeter Juden an derem Denkmal zu verlesen. Es qualifiziert auch sonst zu nichts.

          • A.S. schreibt:

            Was wollen Sie uns mitteilen?
            Das Sie es richtig finden, dass Pazderski nicht reden durfte? Dann raus damit.

            Oder aber, dass Pazderski zwar nicht reden durfte weil er in einer Partei ist mit Höcke und diesem komischen Wilden, das aber nix mit der AfD-Mitgiedschaft zu tun hat? Da sagen Sie, AfD-Mitglieder dürfen nicht reden, aber das hat nix mit der AfD zu tun.
            So verstehe ich Sie und das wäre der Unsinn, den ich meinte.

          • Praecox schreibt:

            „Was wollen Sie uns mitteilen?“

            Da ist es wieder, das „Wir“, nach welchem Sie mich fragten. Ich beantworte ihre künstlich erblödete Frage dennoch mit folgender Mitteilung: Sie, A.S., verstehen nichts und wenn Sie etwas zu verstehen meinen, ist es Unsinn.

          • Kanalratte schreibt:

            Was qualifiziert denn Lea Rosh darüber zu urteilen wer qualifiziert ist Namen vorzulesen?

          • Praecox schreibt:

            Lea Rosh ist die Initiatorin des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
            Das Verbot sprach letztlich Uwe Neumärker aus, der Direktor der Stiftung des Denkmals.
            Der Status als Hausherren qualifiziert die beiden, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und zu entscheiden, wer dort was vorliest und wer nicht.
            Herr Pazderski kann die Namen jeglicher Ermordeter jederzeit an jedem anderen Ort der Welt verlesen, solange ein anderer Hausherr nichts dagegen hat.

          • Praecox schreibt:

            „Lea Rosh verhindert am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas das Lesen von Namen ermordeter jüdischer Berliner durch Georg Pazderski und Andreas Wild.“

          • Kanalratte schreibt:

            Lea Rosh wurde und wird vor allem auch von jüdischen Personen in Deutschland kritisiert. Mittlerweile verstehe ich auch warum.

      • Kanalratte schreibt:

        Mir ging es auch um Herr Pazderski. Der trug keine blaue Kornblume und durfte auch keine Namen vorlesen. Herr Wild hat sich danebenbenommen, hätte aber auch ohne diese Kornblume am Revers keine Namen vorlesen dürfen, da in der falschen Partei.

        PS: Lea Rosh hat einfach nur Glück gehabt dass die großen Medien nicht darüber berichtet haben. Pauschalverurteilungen wegen einer ungenehmen Parteizugehörigkeit sind keine feine Sache.

  2. Thomas ex Gotha schreibt:

    Wenn ein Text an einigen Stellen leicht ins Irre abdreht, merkt man, wie die Verfasserin tickt: „Als verlängerter Arm der GroKo ist die Antifa zur Exekutive der Bundesregierung geworden. Die Antifa amtiert als der verlängerte politische Arm der GroKo auf der Straße, in den sozialen Medien und in Institutionen.“
    Schön wär’s.

  3. Praecox schreibt:

    Schermann:
    Wenn der Antisemitismus und die Beförderer von Judenhass, wie folgerichtig und gebetsmühlenartig ständig wiederholt wird, längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, dann sollten wir auch die Täter und ihre willigen Mitläufer beim Namen nennen.“

    Habe ich etwas übersehen oder nennt Frau Schermann eben gerade keine Namen. Wer ist denn gemeint mit den Konvertiten?

    Schermann:
    „Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser ständige, auch innere, Kampf.“

    Ist das so? Jakob wird Israel genannt weil er einen inneren Kampf gegen Gott und gegen sich selbst führte und obsiegte. Ist es das, was Frau Schermann meint? Falls ja, müsste es dann nicht so formuliert sein: „Dieser ständige, auch äußere, Kampf.“? Falls nein, dann meint Frau Schermann anscheinend, dass jüdische Identität aus dem Kampf gegen die Feinde der Juden enstammte. Das mag für Frau Schermann stimmen und angesichts der Jahrtausende alten Feindschaft gegen die Juden, der Shoah und der Realität des Jüdisch-Seins im Sowjetkommunismus ein naheliegender Schluss sein. An dieser Stelle sei die Aussage in ihrer Totalität in Zweifel gezogen.

  4. Frieda Salomon schreibt:

    Auch ich bedanke mich für diesen Beitrag!

    Mir persönlich stößt diese Doppelmoral der deutschen Politiker und Helfers Helfer schon lange auf.
    Und ich frage mich dabei immer wieso Sie damit durchkommen….

    Wieso werden diese aber dann vom Zentralrat der Juden noch unterstützt?
    Wieso solidarisiert sich Josef Schuster mit den Flüchtlingen, aus denen auch vermehrt die aktuellen Angreifer hervorgehen?

    Wieso werden Steinmeier und Co (die Riege der „ABBAS-FREUNDE“) nicht ausgeladen, dafür aber eine ganze Partei unter Applaus?
    Wo ist da die Demokratie?
    Wurden damit eigentlich auch die ‚Juden in der AFD‘ auf der Gedenkfeier ausgeladen?
    Wie absurd ist das denn?!?

    Diese Woche ist in den öffentlich rechtlichen Sendern die „Woche der Gerechtigkeit“.
    Ich frage mich, wer sich das wieder hat einfallen lassen in diesen ungerechten Zeiten die von den Medien geprägt werden….
    und nein, ich habe nicht die Dokumentation vergessen, die dann im Giftschrank verschwunden ist…

    Nur das mit den Konvertiten war mir nicht verständlich genug.
    Mir viel dabei (Entschuldigung) spontan die Seinfeld-Episode ein, in der sein Zahnarzt (Brian Cranston) zum Judentum konvertiert um dann entsprechende Witze erzählen zu dürfen….

  5. HM schreibt:

    Zitat Autor
    „Dabei ist Antizionismus gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung,…..“

    Ist zwar recht flott geschrieben, aber wo ist der Beleg?
    Zudem sind doch nun ein gutes Drittel der israelischen Bevölkerung keine Juden, die ja beim Erfolg der BDS´ler auch ihre israelische Heimat verlören. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Text von Herrn Zoabi, den Buurmann hier veröffentlichte, in dem er sein Glücksgefühl beschrieb israelischer Araber zu sein.

    • Dante schreibt:

      Das ist komplett falsch herum gedacht. Kein Mensch käme auf die Idee, die NSDAP wäre nicht antisemitisch gewesen, nur weil sich ihre Politik außer gegen Juden auch gegen viele „Volksgenossen“ richtete, wenn sie sich nicht in den NS-Staat einfügen woltten oder konnten.
      Antizionismus ist judenfeindlich, weil er im Wissen um die leidvolle Geschichte der Juden (absichtliche Verdrängung zählt nicht) den Juden das Recht auf Souveränität, auf einen Staat abspricht, in dem sie die Mehrheitsgesellschaft darstellen, statt als Minderheit bestenfalls gleichberechtigte Bürger auf Abruf zu sein wie einst im Deutschen Reich. Das deutsche Beispiel kann einem Juden nur eines beweisen: Auf eine Heidengesellschaft kann man sich nicht verlassen. Genau das sollen Juden nach dem Willen des BDS wieder tun müssen, und ganz nebenbei sollen auch Araber die Freiheit verlieren, die sie als Israelis haben.

    • Kanalratte schreibt:

      Ich habe noch nie davon gehört dass Araber oder Muslime etwas gegen die arabischen Israelis haben. Sollte Israel zerstört werden, müssten nur die Juden und einige Drusen und Christen das Land verlassen. Wahrscheinlich würde man auch – wie der Iran – ein paar Tausend systemtreue Juden im Land belassen um dem Vorwurf des Antisemitismus zu entgehen. Das sind im Prinzip noch die Gedanken vom Holocaustkollaborateur Mohammed Al-Husseini.

  6. Ludwig schreibt:

    Die Autorin dieses Beitrags, Simone Schermann, ist Vorstandsmitglied des Vereins „Juden in der AfD“. Der Post dürfte damit der erste Namensbeitrag von AfD-Politikern auf TiN sein, was den 9. November 2018 um eine weitere kleine Denkwürdigkeit bereichert.

    • Dante schreibt:

      Ich bin kein Freund der AfD und traue inr nicht über den Weg, aber wenn andere Parteien BDS tolerieren, brauchen sie nicht mit dem Finger auf die AfD zu zeigen, was Rechtsextremismus betrifft.

      • Ludwig schreibt:

        Werter Dante, Empörung als Ausdruck existentieller menschlicher Gefühle ist eine komplexe aber respektable Haltung zum Leben. Überträgt man allerdings eine grundsätzliche Empörtheit in politisches Handeln, wie es Frau Schermann bei den „Juden in der AfD“ anscheinend tut, ist man gezwungen die Konsequenzen zu erwägen.

        Dazu stellen sich drei Fragen: Wieso ist eine Partei, die mit fremdenfeindlichen Verschwörungstheorien und Fremdenhass Politik macht, gut für die Juden in Deutschland? Wieso die AfD gut für Israel sein sollte, obwohl sie von der israelischen Regierung boykottiert wird? Und schließlich wieso eine Partei, die rechtspopulistische und rechtsextreme Politik vertritt, gut für die Bundesrepublik sein sollte?

        Meine Position dazu dürfte klar sein. Ich finde die AfD von heute gefährdet die bundesdeutsche Staatsräson. Das gilt es zu ändern.

        • Kanalratte schreibt:

          Inwiefern? Ist es nicht die deutsche Regierung die selbst die Staatsräson mit Füßen tritt, indem sie mit Staaten Geschäfte macht die Israel vernichten möchten? Die deutsche Staatsräson hat auch schon in der Vergangenheit nicht dazu geführt dass Deutschland Israel bei militärischen Konflikten zur Seite stand. Warum sollte das in der Zukunft anders sein?

          • Ludwig schreibt:

            Ihre Einwürfe, Kanalratte, sind nur innerhalb einer virtuellen Echokammer aus grundsätzlicher Empörtheit bedeutsam.

            Wie sich außerhalb Ihrer Blase die Sicherheit eines jüdischen und demokratischen Staates Israel als Teil der bundesdeutschen Staatsräson entwickelt, können Sie hier ablesen:

            https://www.baks.bund.de/en/node/595

            http://www.bpb.de/apuz/199894/israels-sicherheit-als-deutsche-staatsraeson

            Das war in der ersten Jahreshälfte 2015. Seither ist in der Westlichen Welt viel passiert, was die Interessengegensätze zwischen der Bundesrepublik und der israelischen Regierung eher verschärft hat. Unsere aktuelle Koalition hat sich trotz der Streitpunkte entschieden, ihre Auseinandersetzungen mit der israelischen Regierung hinter verschlossenen Türen zu halten und die heißeren Konfliktpunkte nach Brüssel zu delegieren.

            Wie sich nach dem Ende der Ära Merkel die nächste Bundesregierung zu Israel positionieren wird, ist offen. Im europäischen Kontext ist dabei die konsequente Weiterführung der Politik der „Differenzierung“ bis hin zur Anerkennung des Staates Palästina möglich. (Eine grundsätzliche Alternative wäre die Umsetzung saudisch-israelischer Visionen für ein neues System kollektiver Sicherheit in der Region.)

            Für die „Juden in der AfD“ und ähnliche Pro-Israel-Populisten in der Nähe einer „offen nationalsozialistischen“ Partei (F. Merz) bedeutet das: Je lauter und schriller solche Gruppen Präventivkriege gegen den Iran oder die Palästinenser fordern, Trump verehren oder Moslemhass predigen, desto nachhaltiger und wirksamer diskreditieren sie Israel in Deutschland.

            Demnach ist JAfD in erster Linie gut für die Palästinenser.

          • Praecox schreibt:

            Werter Ludwig, Ihre Kommentare lese ich gerne, sie sind informativ und durchdacht. Diesem stimme ich weitgehend zu, den letzten Absatz stelle ich allerdings in Frage:

            Ludwig:
            „Für die „Juden in der AfD“ und ähnliche Pro-Israel-Populisten in der Nähe einer „offen nationalsozialistischen“ Partei (F. Merz) bedeutet das: Je lauter und schriller solche Gruppen Präventivkriege gegen den Iran oder die Palästinenser fordern, Trump verehren oder Moslemhass predigen, desto nachhaltiger und wirksamer diskreditieren sie Israel in Deutschland.“

            Weil ich mein Meinungsbild von Israel gerne unabhängig halten möchte von denjenigen, welche Ihrer Ansicht nach die Macht haben, Israel zu diskreditieren. Anders sähe das vielleicht aus, wenn sich die israelische Regierung und die Mehrheit der Israelis mit einer nationalsozialistischen Partei verbünden würden. Derzeit kann ich ein solches Bündnis nicht erkennen.

            Dass man sich „seine“ Meinung am eigenen Verstand (so dieser ausgeprägt ist) von anderen diktieren lässt, passiert freilich in jenen von Ihnen beschriebenen Echokammern.

          • Kanalratte schreibt:

            @Ludwig
            Steht im zweiten Text:
            „Niemand wird primär Deutschland konsultieren, wenn Israels Sicherheit unmittelbar durch einen Aggressor bedroht sein sollte“

            Auch mit einer einsatzfähigen Truppe würde Deutschland wohl nicht an der Seite von Israel stehen. Wissen Sie wer Israel im Falle des Falles hilft? Die USA.

            Im Prinzip beruht die Staatsräson in Deutschland auf warme Worte und ein paar vergünstigte U-Boote, deren Auslieferung auch noch scharf kritisiert werden. Dabei unterhält Deutschland zu vielen Ländern militärische Kontakte (z.B. zur Grenzsicherung in Saudi-Arabien) und beliefert auch andere Länder mit miltiärischen Gütern. Und ich nehme an dass die finanzielle Unterstützung für die Feinde Israels den Wert der U-Boote übersteigen.

          • Kanalratte schreibt:

            „Pro-Israel-Populisten“ schwenken wenigstens keine arabischen Nationalfahnen auf linken Demos gegen Nationalismus, bei denen Deutschlandfahnen ein Tabubruch darstellen.

  7. Norbert Schnitzler schreibt:

    Besonderes Beispiel für dieses Phänomen: „Wenn der ungenügend konvertierte Deutsche, der natürlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fühlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemächtigen.“ scheint mir Lea Rosh, die gerade die Verlesung einiger Opfernamen durch den Berliner AfD-Fraktionsvorsitzenden verhindert hat. Glücklicherweise mußte dem Ausgestoßenen niemand Erste Hilfe leisten, denn das dürfen AfD-Leute ja auch nicht können.

  8. Zeckenzange schreibt:

    Habe mir heute Merkels Rede (auf Welt Online) anlässlich des Nov.-Pogroms ’38 antun wollen, musste allerdings nach 3 min umschalten: emotionsbefreites Abspulen konfektionierter Text-Elaborate vom Blatt (Schäuble im tiefenentspannten Nickerchen-Modus). Mir unbegreiflich, dass keiner der anwesenden jüdischen Funktionäre aufgestanden und rausgegangen ist (derweil die Truppe des gefeuerten VS-Chefs alle Hände voll zu tun haben dürfte, um IS-Gefolgsleute & Friends in Schach zu halten!). In ’38 waren bereits alle ursächlich oppositionel eingestellten Organisationen ausgeschaltet. Im Hier & Heute sind sie (vorerst?) nur kaltgestellt resp. weitestgehend mundtot gemacht oder eben gleichgeschaltet. H.Heine (DE – Ein Wintermärchen) lässt grüßen.

  9. Kanalratte schreibt:

    Judenhasser haben es schon immer auf die Gebiete mit großen jüdischer Populationen geblickt. Diese findet man neben den USA heute vor allem in Israel. Gerne vergisst man dass es ja auch Hitler und seine Nazis nicht nur auf die Juden auf dem Gebiet Deutschlands abgesehen hatten, sondern vor allem auf die Gebiete in Osteuropa wo es im Vergleich große jüdische Bevölkerungsanteile gab. Am Ende wurden dort mit Abstand die meisten Juden ermordet.

    Das soll erklären warum die heutige Verlagerung der „Judenkritik“ auf Kritik an Israel zumindest in Teilen sehr gefährlich ist. Das bedeutet nicht dass Kritik an Israel nicht möglich ist oder dass jeder sachliche Kritiker ein Antisemit ist, aber es zeigt dass man Judenhass heutzutage sehr gut mit der „Israelkritik“ verschleiern kann.

    Das hat insofern mit dem Text zu tun, als dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die sehr gerne jede Gedenkveranstaltung „gegen Rechts“ besuchen und Kränze für tote Juden niederlegen, aber dann erklären das hätte ja alles überhaupt nichts mit Israel zu tun, einem Staat in dem sich die jüdische Restbevölkerung aus Europa und den islamischen Staaten angesiedelt hat. Diese Menschen möchten halt gerne ihre Anti-Nazi Haltung mit dem hierzulande gesellschaftsfähigen Antiamerikanismus und der beliebten „Israelkritik“ vereinen.

  10. Hein schreibt:

    Hat dies auf umermuedlich rebloggt und kommentierte:

    „So schaue man zum krönenden Abschluss in das aktuelle Tagesgeschehen und auf die etablierten Altparteien. Grüne, Linke; und allen voran CDU und SPD sind in der Verbreitung von Judenhass federführend. Als verlängerter Arm der GroKo ist die Antifa zur Exekutive der Bundesregierung geworden. Die Antifa amtiert als der verlängerte politische Arm der GroKo auf der Straße, in den sozialen Medien und in Institutionen. Sie solidarisiert sich öffentlich, wie schon oft, bei Demonstrationen gegen „Rechts“ mit der Terrororganisation PFLP, die die Zerstörung Israels befürwortet. Der führende SPD-Politiker und Hamburger Innenminister Andy Grote twittert in diesen Tagen daraufhin munter, solch eine Demo in Hamburg „sei eine gelungene Veranstaltung“ gewesen. Wer also immer noch den Balken in seinem linken Auge nicht spürt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm das bigotte „Wehret den Anfängen“ längst nicht mehr glaubt.“

  11. Paul schreibt:

    Liebe Simone Schermann,
    vielen Dank für Deinen Beitrag, der in wohlgesetzten Worten einfühlsam die Wahrheit darlegt.
    Er ist mir sehr zu Herzen gegangen.

    Herzlich, Paul

  12. davboe schreibt:

    Es ist in diesen Tagen erschreckender denn je zuvor, finde ich. Die Diskrepanz ist größer geworden zwischen dem offiziellen Ritus des Gedenkens und den Sorgen jüdischer Mitmenschen. Und auch zu den Vorkommnissen seien es Parolen am „Al-Dings-Quds-Tag“, seien es Schreihälse auf einer Demo wie in diesem Jahr in Dortmund, bei der sich die Solidarität zwischen Neo-Nazis und „neuen Deutschen“ zeigte. Oder die Übergriffe auf jüdische Schülerinnen und Schüler.

  13. Profacts schreibt:

    In welcher Partei ist Frau Schermann gleich noch mal Mitglied?

  14. Rupert Reiger schreibt:

    Zur Betroffenheitschickeria:

    Nietzsche definiert „Gutmensch“:

    Aus
    Zur Genealogie der Moral.

    Welche Verlogenheit, diesen Hass nicht als Hass einzugestehn! … Man bewundere namentlich die Falschmünzer-Geschicklichkeit, mit der hier das Gepräge der Tugend, selbst der Klingklang, der Goldklang der Tugend nachgemacht wird. Sie haben die Tugend jetzt ganz und gar für sich in Pacht genommen, daran ist kein Zweifel: “wir allein sind die Guten, die Gerechten,” so sprechen sie … oh wie sie im Grunde dazu selbst bereit sind, büssen zu machen, wie sie darnach dürsten, Henker zu sein! Unter ihnen giebt es in Fülle die zu Richtern verkleideten Rachsüchtigen, welche beständig das Wort “Gerechtigkeit” wie einen giftigen Speichel im Munde tragen, immer gespitzten Mundes, immer bereit, Alles anzuspeien, was nicht unzufrieden blickt und guten Muths seine Strasse zieht. Unter ihnen fehlt auch jene ekelhafteste Species der Eitlen nicht, die verlognen Missgeburten, die darauf aus sind, “schöne Seelen” darzustellen und etwa ihre verhunzte Sinnlichkeit, in Verse und andere Windeln gewickelt, als “Reinheit des Herzens” auf den Markt bringen: die Species der moralischen Onanisten und “Selbstbefriediger.”
    … Die eigentliche Lüge, die ächte resolute “ehrliche” Lüge wäre für sie etwas bei weitem zu Strenges, zu Starkes; es würde verlangen, was man von ihnen nicht verlangen darf, dass sie die Augen gegen sich selbst aufmachten, dass sie zwischen “wahr” und “falsch” bei sich selber zu unterscheiden wüssten. Ihnen geziemt allein die unehrliche Lüge; Alles, was sich heute als “guter Mensch” fühlt, ist vollkommen unfähig, zu irgend einer Sache anders zu stehn als unehrlich-verlogen, abgründlich-verlogen, aber unschuldig-verlogen, treuherzig-verlogen, blauäugig-verlogen, tugendhaft-verlogen. Diese “guten Menschen,” sie sind allesammt jetzt in Grund und Boden vermoralisirt und in Hinsicht auf Ehrlichkeit zu Schanden gemacht und verhunzt für alle Ewigkeit: wer von ihnen hielte noch eine Wahrheit “über den Menschen” aus!

    z.B. von hier:
    https://thevirtuallibrary.org/index.php/en/languages/german/book/friedrich-nietzsche-sammlung-367/zur-genealogie-der-moral-401

Sämtliche Kommentare und Daten, die Ihr beim Absenden übermittelt, sind nur wenige Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s