Die besten feministischen Texte – Tapfer im Nirgendwo

Am 12. November 1918 erging der Aufruf vom Rat der Volksbeauftragten an das Deutsche Volk, dass alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht für alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen seien. Dieser Tag ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Darum präsentiert Tapfer im Nirgendwo heute die besten feministischen Texte von Gerd Buurmann:

Ärzte in Grenzen – 14. August 2010:

Tankred Stöbe, der Präsident des deutschen Zweigs der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat in einem Gespräch über das Engagement seines Hilfswerk in den Überschwemmungsgebieten im islamischen Pakistan gesagt, es sei selbstverständlich, dass seine Kolleginnen in Pakistan Kopftücher trügen, um auch von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Zudem würden Frauen in Pakistan nur von Ärztinnen behandelt. Der Respekt vor der Kultur gehe sogar soweit, dass eine Frau gar nicht behandelt werde, so dies der Ehemann wünscht.

Frauenparkplätze – 28. September 2011

Warum diskutieren wir eigentlich das Für und Wider der Frauenquote, wenn es doch Gesellschaften auf der Welt gibt, in denen nur die Männerquote herrscht? Solange ich in einer Welt lebe, in der Frauen das Wirken in gewissen Bereichen verboten wird, ist nicht die Existenz der Frauenquote (50% den Männern) das Problem, sondern die Existenz der Männerquote (100% den Männern).

An die Frauen des arabischen Frühlings – 2. Februar 2012

„Frauen der Arabischen Revolution, hier beginnt die Verhüllung des Grausigen durch wohl klingende Worte, wie wir sie aus allen Gewaltregimen kennen. Sie reden von schnellen Prozessen, aber meinen den kurzen Prozeß! Sie reden von Tugend, aber meinen das Schafott! Sie reden von Demokratie, aber meinen den Terror. Auf die Französische Revolution folgte eine Schreckensherrschaft wie auf die Iranische Revolution Ende des 20. Jahrhunderts die Islamische Diktatur folgte. Robespierre verpackte seine Grausamkeiten in schöne Worte. Die Schreckensherrschaften Eurer Revolution süßen ihre Grausamkeiten mit der Natur und Allah. Sie verhüllen Ihre Absichten, so wie sie Euch unter Stoff zu verhüllen suchen.“

Ein olympischer Vorschlag – 29. Juli 1012

Selbst wenn es nur eine Frau gibt, die besser sein kann als der beste Mann, so hat sie dennoch das Recht, gegen Männer anzutreten und, statt auf ihre vermeintliche Natur reduziert, auf ihr offensichtliches Talent konzentriert zu werden. Wenn Frauen wirklich nicht so gute Leistung bringen können sollen wie Männer, dann gibt es keinen Grund, dass gemeinsame Kräftemessen zu verbieten. Etwas das nicht gebrochen werden kann, braucht nicht verboten werden. Nur Machbares wird verboten! Keiner Frau darf es verboten werden, gegen Männer anzutreten.“

Es geht um die Quote – 18. April 2013

„Die überwiegende Mehrheit der Männer in Spitzenpositionen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie ihre Stellung allein ihrem Geschlecht verdanken. Ich finde eine solche Haltung mehr als unmännlich. Diese Männerquote ist eine Infragestellung der Qualifaktionen des Mannes schlechthin. Daher muss diese Quote einfach weg!“ 

Frauen unerwünscht – 7. Juni 2013

„Für eine gewisse Menschengruppe gibt es in Deutschland überall No-Go-Areas: Frauen! In jeder Stadt gibt es Parks, Straßen, Viertel, wo eine Frau, die dort alleine spazieren geht, Ängste verspürt, die ich als Mann nicht kenne. Übergriffe gegen Frauen passieren täglich und reichen von Beleidigungen über Missbrauch bis Vergewaltigung und Mord. Was manchen Menschen in Deutschland an Hass entgegengebracht wird wegen ihrer Hautfarbe kennt jede Frau. Bei ihr ist es nur das Geschlecht.

Menschenrechte nicht für Frauen – 19. Juni 2013

Man mag mich für radikal halten, aber ein Kandidat, der als gemäßigt bezeichnet wird, sollte doch bitte nicht über 50 Prozent des erwachsenen Volkes elementare Menschenrechte verweigern. Ein Kandidat, der das Wort „Reform“ verdient, muss allen Menschen Menschenrechte garantieren. Auch für JournalistInnen sollte diese Sprachregelung gelten.

Küssen verboten – 16. Dezember 2013

„Die Prinzessin hat den Frosch nicht geküsst! Sie hat den Frosch an die Wand geworfen! Eine Frau muss nämlich nie und nimmer und unter keinen Umständen mit jemandem ins Bett, wenn sie nicht will. Ein Widerling ändert sich nicht, wenn man ihn küsst. Ein Widerling gehört an die Wand geklatscht!“

Gegen die Natur – 24. November 2014

„Recep Tayyip Erdogan hält die Gleichberechtigung von Mann und Frau für keine gute Idee. Er sagt: Man kann Frauen und Männer nicht gleichstellen. Das ist gegen die Natur!“

Schlag Sie! – 14. Februar 2015

„Die Jungs nehmen das Mädchen nicht ernst! Sie haben schlicht keinen Respekt und keine Furcht vor Martina, weil sie ein Mädchen ist! Männer, die Frauen nicht schlagen, weil sie Frauen sind, tendieren eher dazu, Frauen zu schlagen! Die Abneigung dieser Männer, Frauen zu schlagen, entspringt lediglich ihrem verqueren Bild von Frauen als Objekt, als schönes Etwas, das man nicht einfach so ohne Grund kaputt machen darf. Was aber, wenn ein Mann plötzlich Gründe sieht?“ 

Wie lange noch? – 13. April 2015

Fünfzig Jahre liegen somit zwischen dem ersten schwarzen Mann, der in Amerika wählen durfte und der ersten Frau, die in Amerika wählen durfte. Frauen wurden in den USA deutlich länger ihrer Rechte beraubt als schwarze Männer.

Die ungehaltene Rede – 6. Februar 2016

„Oft bin ich für meinen Ausspruch mit der Armlänge gescholten worden. Jetzt aber weiß ich, wie wir das Problem mit der Gewalt gegen Frauen am besten lösen können. Wir machen es einfach wie die Roten Funken und lassen keine Frauen rein! Wo keine Frauen, da auch kein Angriff auf Frauen!

Bauer wird Frau – 10. Februar 2016

„Der Bauer im Kölner Dreigestirn soll fürderhin von einer Frau dargestellt werden. Das ist Emanzipation, wie man sie von Köln erwartet und ist eine würdige und überfällige Anerkennung der Frauen in der Geschichte Kölns!“

4 Stunden und 38 Minuten – 11 März 2016

„In der schwedischen Stadt Östersund rät die Polizei Frauen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine auf die Straße zu gehen, um nicht von einer „Welle der Gewalt gegen Frauen“ erfasst zu werden. Am 21. Dezember wird die Sonne in Östersund um 9:40 Uhr aufgehen und um 14:18 Uhr schon wieder untergehen. Das sind also nur 4 Stunden und 38 Minuten, in denen die Frauen von Östersund relativ sicher sind.“

Frauenhass beim Frauenmarsch – 5. Februar 2017

Ayaan Hirsi Ali ist eine amerikanische Politikwissenschaftlerin und Feministin somalischer Herkunft. Sie ist eine der bekanntesten Kritikerinnen des Islams. Im Alter von fünf Jahren wurde ihre Vagina auf Veranlassung ihrer Großmutter verstümmelt. Knapp vierzig Jahre nach dieser Barbarei wurde am 8. März 2011 der Wunsch ausgesprochen, ihre ganze Vagina möge entfernt werden.“

Verfickt nochmal, ich hab‘ Respekt vor Pilz – 13. April 2017

Ich kann gar nicht in Worte fassen, was für einen Respekt ich vor Pilz habe. Ich kannte diese Frau bis gestern nicht. Das hat sich jetzt geändert. Aber massiv! An alle, die wie ich mit Worten arbeiten, mögt Ihr nun Slam Poeten, Stand up Comedians, Rapperinnen, Schriftsteller oder Dichterinnen sein: Diese Frau killt uns alle!

Gedanken zum Kopftuch – 9. August 2017

Es gibt viele Gründe, ein Kopftuch zu tragen. Bei gewissen Wetterlagen zum Beispiel kann ein Kopftuch sehr hilfreich sein. Es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Wenn sich aber eine Frau verhüllt und dies mit einem unsichtbaren Freund begründet, der einem männlichen Feldherren vor eineinhalb Jahrtausenden gesagt haben soll, wie sich Frauen von heute anzuziehen haben, dann ist meiner bescheidenen Meinung nach noch viel Platz in diesem Kopf frei.

Ohne Frauen für Deutschland – 11. Oktober 2017

Ohne Frauen für Deutschland! Eine patriotische Geschlechtertrennung! Das ist mal ein klares und bedingungsloses Bekenntnis für Deutschlands Grundwerte. Bravourös! Lediglich ein feierliches Verbrennen des Grundgesetzes wäre ein noch deutlicheres Zeichen gewesen!

#metoo – 17. Oktober 2017

„Oft werde ich gefragt, woher ich die Zeit und Kraft nehme, über all die Dinge zu sprechen, die hier auf Tapfer im Nirgendwo Thema sind. Die Antwort ist ganz einfach: Es bedarf deutlich mehr Zeit und Kraft, um zu schweigen!

Ein kleines Rätsel – 14. März 2018

Ich als Mann kann nicht nachempfinden, was es bedeutet, in einer Sprache denken zu müssen, die mich ständig vor Identitätskrisen stellt. 

Die Wa(h)re Frau – 19. Mai 2018

„Es gibt nur einen Weg heraus aus diesem Dilemma. Bedingungslose Emanzipation der Frau! Eine Frau im Westen darf so natürlich ein Kopftuch tragen, wie eine Frau in der islamischen Welt sagen können muss: „Fick Dich Mohamed, ich zieh mich an, wie es mir gefällt. Dein islamischer Scheiß geht mir am Arsch vorbei!“ Und ja, jede Frau darf so reden!“

Sexistische Terroranschläge – 15. Juni 2018

„Zu der größten Opfergruppe religiöser Extremisten gehören Frauen. Immer wieder werden Frauen Opfer religiöser Extremisten, so wie Ausländer Opfer von Rassisten werden. Es wird Zeit, dass wir Morde an Frauen, die von Menschen begangen werden, die glauben, dadurch einer religiös definierten Ehre zu genügen, als das bezeichnen, was sie sind: Sexistische Terroranschläge!“

Runter damit, heute tue ich, was ich will! – 5. August 2018

„Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend, dem letzten Donnerstag vor Aschermittwoch, um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa soviel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Der Brauch rührt daher, dass am Rhein noch bis ins 19. Jahrhundert für Frauen ein Zwang zur Kopfbedeckung bestand.

***

„Mehr Stolz, Ihr Frauen! Der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“ (Hedwig Dohm)

Am 11. Februar 2006 standen Isabel Rohner, Nikola Müller und ich erstmals mit unserem Programm „Mehr Stolz, Ihr Frauen!“ auf einer Bühne. Es war das Theater La Carina von Burkhard Schmiester in Köln. Das Programm ist eine Mischung aus Lesung, Kabarett und Show, in dem die wunderbare Hedwig Dohm geehrt und gefeiert wird.

Das Programm entwickelte sich schnell zu einem wahren Erfolgsformat. Mittlerweile touren wir ununterbrochen durch ganz Deutschland. Die Presse schreibt:

„Wenn das Nummerngirl ein Mann ist: Emanzipatorische Literatur muss keineswegs staubtrocken und klagend sein, sie kann vor Humor und Ironie nur so triefen. Nikola Müller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann lasen unter dem Titel „Mehr Stolz, ihr Frauen!“ aus Texten von Hedwig Dohm, die bereits 1873 das Stimmrecht für Frauen forderte – und für die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung der Geschlechter eintrat.“ (Pinneberger Tageblatt)

„Nikola Müller und Isabel Rohner, die Herausgeberinnen des Buchs „Hedwig Dohm – Ausgewählte Texte“, zelebrieren mit dem Schauspieler Gerd Buurmann die intellektuellen Spitzen einer großen Denkerin.“ (Hamburger Abendblatt)

„In einer hervorragend inszenierten und zum Teil irrsinnig komischen Lesung gab das Dohm-Trio (…) Kostproben der Dohm’schen Texte zum Besten. Das Trio erntete immer wieder Szenenapplaus – der einerseits den großartigen polemischen Textpassagen Hedwig Dohms galt, andererseits aber auch der beeindruckenden Vortragsweise.“ (Kreiszeitung Wesermarsch)

„Nikola Müller, Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann setzten das Leben der Querdenkerin in Szene. Von einer „trockenen Geschichtsstunde“ konnte hier aber keinesfalls die Rede sein. Besonders der oft polemische Schreibstil von Hedwig Dohm wurde in den szenischen Einlagen des fröhlichen Trios deutlich.“ (WAZ)

„Leidenschaftlich bieten Buurmann, Müller und Rohner mit ihrer Femmage ein wunderbares „Best of“ der Dohm dar. Zitate und Ausschnitte der Dohmschen Werke, mal mit Biographischem unterbaut, mal mit Historischem, werden mal leise, mal laut in Szene gesetzt, mal präsentieren sich die drei im Stile eines literarischen Terzetts, bei dem Buurmann die Herausgeberinnen charmant befragt, mal echauffiert sich Buurmann in der Rolle eines Antifeministen im Gespräch mit der Dohm.“ (Neon)

„Gelungener Feldzug für eine Visionärin.“ (Nordwestzeitung)

„Mit dem Schauspieler Gerd Buurmann touren die beiden Expertinnen mit ihrer geistreichen «Femmage» durch die Lande, um der 1831 geborenen Großmutter von Thomas-Mann-Gattin Katja 90 Jahre nach ihrem Tod zur Wiederentdeckung zu verhelfen. Wirksamstes Mittel: Dohms eigene Essays, Feuilletons und Romane, die den Antifeminismus der bürgerlichen Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit spitzester Feder – und teilweise auch selbstironisch – aufs Korn nehmen.“ (Frankfurter Neue Presse)

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