Synagogen-Gemeinde Köln erklärt: „Kölner Stadt-Anzeiger hat in seiner journalistischen Sorgfaltspflicht völlig versagt.“

Eine Presseerklärung der Synagogen-Gemeinde Köln bezüglich eines Leserbriefs im Kölner Stadt-Anzeiger.

In der Ausgabe vom 2. Januar 2019 findet sich ein Leserbrief von Wolf Dieter Bonnemann aus Bergisch Gladbach, der mit einer pur antisemitischen Behauptung – die Juden sind für den Antisemitismus selbstverantwortlich – in der Fortsetzung bester Nazidiktion mit der Politik des Staates Israel eine Erklärung für elendige Vorfälle in Deutschland abgibt. Dieter Bonnemann sagt in seinem Statement, die Position des Staates Israel seien eine verständliche, logisch und nachvollziehbar Ursache für den heutigen Antisemitismus. Wenn unser neuer Gemeinderabbiner bei einem privaten Spaziergang nach wenigen Tagen des Aufenthalts in Köln bereits Erfahrung mit antisemitischen Menschen und Beschimpfungen machen mussten, ist dies nach Herrn Bonnemann der Politik Israels zuzuschreiben. Es besteht also kein Zusammenhang zu Nazi- oder Dschihad-Einstellungen und Parolen, zu Bestrebungen, Beschneidungen und Schächten zu verbieten? Die Rufe „Juden ins Gas!“ auf Demonstrationen haben wir Juden uns auch selbst zuzuschreiben? Das hatten wir bereits einmal in Deutschland… Nun ein zweites Mal – oder die Fortsetzung von 1945?

Erstaunlich ist auch die Vorgehensweise des Kölner Stadt-Anzeigers. Solch antisemitische Worte ohne jede Kommentierung oder antisemitische Kennzeichnung abzudrucken, ist nicht durch eine „freie Meinungsäußerung“ gedeckt. Hier hat der KStA völlig in seiner journalistischen Sorgfaltspflicht versagt. Die Synagogen-Gemeinde Köln erwartet von der Chefredaktion und allen weiteren Verantwortlichen eine transparente Untersuchung, wie es zum Abdruck kommen konnte.

***

Die Antwort der Chefredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers vom 3. Januar 2019:

„Der Kölner Stadt-Anzeiger distanziert sich von jeglichem antisemitischen Gedankengut. Am 10.12.2018 hatten wir kritisch über Antisemitismus in Köln berichtet. Dieser Bericht war Anlass für mehrere Leserbriefe zu dem Thema. Wir haben großes Verständnis für die Sorgen der Synagogen-Gemeinde Köln. In Zeiten, in denen Antisemitismus in Deutschland wieder zunimmt, sind wir als Redaktion gefordert, auch Leserzuschriften besonders kritisch zu prüfen. Leider sind wir in diesem Fall unserem Anspruch nicht gerecht geworden, was wir bedauern.“

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10 Antworten zu Synagogen-Gemeinde Köln erklärt: „Kölner Stadt-Anzeiger hat in seiner journalistischen Sorgfaltspflicht völlig versagt.“

  1. Kanalratte schreibt:

    „Solch antisemitische Worte ohne jede Kommentierung oder antisemitische Kennzeichnung abzudrucken, ist nicht durch eine „freie Meinungsäußerung“ gedeckt.“

    Ich bin kein Jurist, aber diese Aussage wage ich zu bezweifeln. Meiner Ansicht fällt der Kommentar von Herr Bonnemann trotz des wirren und möglicherweise hasserfüllten Argumentationsmusters noch unter die freie Meinungsäußerung.

    • Dante schreibt:

      Ich sehe das anders. Antisemitische Äußerungen und Lügen über Juden oder den jüdischen Staat (etwa die Nazivergleiche) haben unmittelbare Auswirkungen, und die Urheber wissen das.

  2. Mindestens die für Leserbriefe zuständige Redaktion muss Bonnemanns Hass gegen Juden und Israel teilen. Sonst hätte die üble antisemitische Tirade keine Chance gehabt, veröffentlicht zu werden. Der „Stadt-Anzeiger“ liegt damit voll im Trend: Der linke, rechte und muslimische Hass gegen Juden und Israel nimmt zu; vor allem, weil „Leitmedien“ ihn seit Jahren kräftig schüren. Beinahe täglich gibt es Pseudoberichte, Kommentare, online-Artikel sowie Radio- und TV-Sendungen, in denen der jüdische Staat direkt oder indirekt angegriffen wird. Nicht „nur“ bei ARD, ZDF, arte und 3sat, sondern auch in den Privatmedien („Spiegel“, „Süddeutsche“, „stern“, „Zeit“, „Huff-Post“, um nur einige zu erwähnen) und den „sozialen“ Netzwerken. Das antisemitische Gift sickert immer mehr ein und es wirkt frei nach Goebbels: „Tausendmal wiederholte Lügen werden zu Wahrheiten!“.

    • Kanalratte schreibt:

      Argumente wie von Herr Bonnemann gehören doch zum Anti-Israel-Standardrepertoire. Sowas findet man überall im Internet oder hört es bei privaten politischen Diskussionen. Diese weitläufig akzeptierte Anti-Israel Haltung hat ja in Deutschland sehr viele Anhänger und deswegen ist es auch nicht verwunderlich dass solch ein Kommentar bei einigen Redakteuren durchgeht. Auf der anderen Seite würden wohl die selben Redakteure bei einer gleichen Argumentation – nur eben mit Türken – einschreiten, weil das eben nicht akzeptiert ist.

  3. Bernd L. Müller schreibt:

    Köln ist uns – die nicht in Köln heimisch sind – aktuell ein Rätsel. OBs wechseln wie Unterhosen und nichts ist besser.

  4. American Viewer schreibt:

    Was der Mallemann da schreibt, ist leider Mehrheitsmeinung in DL.

    • HM schreibt:

      …genau, so sind se doch die Deutschen! Kenze Bonnemann, kenze alle…

      • Tiefseetaucher schreibt:

        Er sprach von einer Mehrheitsmeinung und es besteht schon ein Unterschied zwischen der Mehrheit und allen, wie von Ihnen impliziert.

        • HM schreibt:

          Nee, bester Taucher, diese Art von Tresensprüchen, sind in der gleichen Intention mal eben so dahin gesagt wie die Sätze, die mit “ der Franzos“, „der Pole“, „der Jude“, beginnen. Die auch immer nur dann so ausgesprochen werden, wenn man sich unter seinesgleichen wähnt. Ohne jeglichen Nachweis, denn :“ Ihr wisst schon, so sinse doch…,prost.“

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