Zeit für Tacheles

Ein kurzer Aufruf von Malca Goldstein-Wolf.

Es wäre schön, wenn Juden, denen die Möglichkeit gegeben wird, im Bundestag zu sprechen, die Chance wahrnehmen würden, die heutigen Gefahren für jüdisches Leben zu benennen.

Ein Jude, der dem staatstragenden Bundespräsidenten nicht als Accessoire für ein Foto zur Verfügung steht, sondern ihn laut und deutlich fragt, weshalb er sich vor dem Judenmörder Arafat posthum verneigt und Holocaustleugner im Schloss Bellevue empfängt.

Ein Jude, der den Außenminister laut und deutlich fragt, wie er die Unterstützung des Mörderregimes Iran mit der deutschen Staatsräson, Israel zu schützen, vereinbaren kann.

Die Biographien von Saul Friedländer und Charlotte Knobloch treffen ins Herz.

Wenn die beiden, aus welchen Gründen auch immer, die Gefahren, ausgehend von der deutschen Regierung, nicht benennen wollen, wer dann ergreift das Mikrofon?

Einer sollte es tun.

Es wird Zeit, an diesem ehrwürdigen Ort Tacheles zu reden.

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27 Antworten zu Zeit für Tacheles

  1. Ludwig schreibt:

    Tacheles, liebe Frau Goldstein-Wolf, was Zionismus als jüdischer Befreiungskampf in diesem Jahrhundert leistet sollte und was einzelne Juden dafür tun oder lassen müßte, ist letztlich eine inner-jüdische Debatte. Von außen betracht, scheint mir allerdings, Sie persönlich kämpfen den Befreiungskampf eines jüdischen Volkes ohne Staat. Ihr „Israel“ wirkt wie eine weitere hilflose Kreatur, ohne Nationalstaatlichkeit, anscheinend ohne jüdische Armee, die – glücklicherweise – fähig ist Kriege zu gewinnen, und offensichtlich ohne Atomwaffen als ultimativen Ausdruck von Souveränität und staatlicher Existenz.

    Ihre Perspektive verwundert mich immer wieder aufs Neue, sie erklärt allerdings, warum Sie Risiken und Chancen anders abwägen, als ich es tue. In diesem Sinne, finde ich es gut, dass Israel via Kairo erfolgreich mit der Hamas verhandelt und in Moskau indirekte Verhandlungen durchführt werden, über die Gestaltung einer Pufferzone zu den iranischen Truppen in Syrien.

    Beides macht jüdisches Leben in Israel sicherer.

  2. Passant schreibt:

    Ja, es ist schwer zuzusehen und zuzuhören, wie sich diese Menschen in einem schon längst leer gewordenen Ritual ausnutzen lassen und durch ihre rednerische Zurückhaltung und Takt den antiisraelischen heuchlerischen deutschen Mainstream ungewollt legitimieren. Tacheles muss aber nicht nur vor dem BT, sondern überall wo es nur geht geredet werden, vor allem international. Und nicht nur Appelle, diese Zeit ist vorbei. Unsere Regierung weiß genau, was sie da mit ihrem Iran-Business tut. Man kann sie natürlich für unendlich blöd halten, es gibt viele Beweise dafür, ich bin aber nicht so naiv zu glauben, dass sie in diesem Fall die auf der Hand liegenden Pro & Contra nicht kaltblütig abgewogen hat. Die Versuchung, eine oder andere Mrd. aus dem immer heißer werdenden Kessel zu holen, ist groß. Die Wirtschaft braucht den großen iranischen Markt. Wenn nicht diese verdammten Juden, die durch ihr Klagen die super-attraktiven Geschäfte stören. Es wird euch schon nichts passieren, Israel ist stark genug! Und leise, unausgesprochen, für sich selber: Wenn doch, dann könnte eventuell die kommende Welt ohne Israel auch besser sein, warum nicht… Unsere Juden behalten wir aber gerne unter Artenschutz weiter, die Polizei vor Synagogen und Zuwendungen an Zentralrat oder Antisemitismusbeauftragten sind Peanuts, nicht der Rede wert. Außerdem tut es unseren Ritualen gut, ab und zu von einem domestizierten Alibi-Juden bewundert zu werden. Auch als Brennholz, zur Zeitgewinnung, sollten mal manche von den „dazugekommenen“ mit ihrer routinierten Schuldzuweisung hyperaktiv werden. Mit Beifall oder gar Beteiligung einiger „schon länger hier lebenden“, versteht sich.

    Ich hatte mich früher gefragt, was treibt eigentlich die Politiker an, solche Begriffe wie Staatsräson™, besondere Verantwortung™ oder was auch immer überhaupt in den Mund zu nehmen, während sie genau das Gegenteil zu tun gedenken oder bereits mutwillig tun? Das ist doch Glatteis, wozu noch das Risiko erwischt zu werden? It’s the economy, stupid! Ein aufpoliertes, strahlendes Germany-Image ist nicht nur eine moralische Kategorie, sie hat durchaus ihren monetären Wert auf dem Weltmarkt. Und dieser Wert ist alles andere als unerheblich, er ist sehr verkaufsfördernd in allen anderen Bereichen, Stichwort Exportweltmeister. Daher werden diese Begriffe gerne benutzt und Yad Vashem Besuche mit Krokodilstränen abgestattet, daher findet diese kaum zu ertragende Imagepflege statt, bei der man die Anstandsreste nicht einmal unter Mikroskop zu suchen braucht. Das sind nur Verkaufsgespräche, dürftig verhüllte Werbung, die o.g. theatralischen Begriffe sollten daher in den Reden oder dazugehörigen Presseberichten immer mit „tm“ gekennzeichnet werden.

    Wie gesagt, Deutschland bzw. deutsche Regierung darf tun und lassen, was sie will, aber genau danach sollte sie offen und laut beurteilt werden – Maske runter, nicht nach vorgefertigten schönen Begriffen und heuchlerischen „wo man gerne hingeht“ Ritualen. Die leisen, taktvollen Appelle an Gewissen bringen wenig, erst wenn sie ihren monetären Wert entfalten, könnte sich die rote deutsche Außenpolitik gezwungenermaßen ändern.

    Oder auch dann nicht… zu groß und zu alt ist die Rechnung, die Juden zu bezahlen haben.

  3. Fugg Censors schreibt:

    Liebe Frau Goldstein-Wolf,
    glauben Sie wirklich, dass Fragen oder Reden helfen? Die Anworten der Parlamentarier können Sie sich schenken. Die rot oder grün lackierten Sozialisten beherrschen den „double speak“ in Perfektion. Bei der CDU oder FDP Fraktion sind vielleicht ein paar mit Gewissen, die noch so etwas wie Scham fühlen. Soweit ich gelesen habe, sind einige jüdische Deutsche in der AFD organisiert. Leider habe ich noch nichts über eine Vertretung aller Parlamentarier jüdichen Glaubens im Bundestag gehört.
    Ich nehme an, es fehlt an Mut und das Alter spielt eine Rolle. Frau Knobloch will nicht riskieren die Politik/Kanzlerin zu brüskieren und lieber risikolos im mainstream des AFD bashings mitschwimmen. Der Applaus dafür kommt leider aus der falschen Ecke.
    Mit Bedauern und Ekel kann man nur feststellen, dass sich die deutsche Politik ausgerechnet den Staaten anbiedert aus denen Juden flüchten mußten und müssen.

  4. A.S. schreibt:

    Tacheles wünscht man sich in vielen Bereichen. Wobei ich an der Stelle eher die Leitmedien in die Pflicht nehmen würde, die seit Jahren einen merkwürdigen Gleichklang zeigen und bestimmte Aspekte einfach fast kollektiv weglassen oder einfärben.
    Als ein Beispiel sei Trump genannt. Über dessen Politik wird fast nicht berichtet, nur über seine Twitter-Aussetzer, so dass er fast unbemerkt die USA umbauen kann.
    Oder die Berichterstattung über Messerangriffe, bei denen in den Überschriften fast kollektiv eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet.
    Oder die komplett fehlende Berichterstattung darüber, das der Iran bereits Krieg gegen Israel führt.

  5. Nicht nur in Deutschland, sondern fast überall In Westeuropa haben Juden allenfalls eine Ghetto-ähnliche Zukunft als unwichtige, geduckte Minderheit. Muslime – von denen es in Westeuropa inzwischen ungleich mehr gibt als Juden – sind die neue Macht. Tendenz steigend, vor allem dank der verfehlten Asyl- und Einwanderungspolitik der meisten westeuropäischen Länder.

    Dazu kommt der alte europäische Antisemitismus, der nie weg, sondern allenfalls längere Zeit gut zugedeckt war, aber nun schon seit Jahren – verkleidet als Israel-„Kritik“ – vor allem von den „Leitmedien“ kräftig befeuert wird. Da würde es wohl auch nicht mehr helfen, wenn Leute wie Friedländer, Knobloch oder Schuster Tacheles reden würden, wenngleich es schon aus Gründen der Selbstachtung und der politischen Klarheit und Redlichkeit dringend notwendig wäre.

    Leider nimmt auch Israel die unsägliche Politik Deutschlands und der EU hin. Mehr noch: Angela Merkel sowie andere deutsche und europäische Politiker wurden in Israel wiederholt geehrt (u. a. mit dem Orden des Staatspräsidenten, der höchsten Auszeichnung Israels!). Nicht zu vergessen die recht zahlreichen Juden, die den islamfreundlichen, juden- und israelfeindlichen Kurs deutscher und europäischer Politiker ignorieren, passiv hinnehmen oder sogar aktiv unterstützen (s. u. a.: Auschwitz-Komitee ehrt Bundespräsidenten, https://www.juedische-allgemeine.de/politik/auschwitz-komitee-ehrt-bundespraesidenten/). Auch hier gilt: Es gehören zwei zum Tango.

  6. Kanalratte schreibt:

    Bei aller Berechtigung auf den Judenhass der Muslime hinzuweisen, darf aber nicht der Eindruck entstehen als gäbe es keine Judenfeindlichkeit in der heimischen deutschen Bevölkerung mehr. Ehrlichkeit bedeutet beides zu thematisieren.

  7. Hein schreibt:

    Dass Herr Friedländer zu höflich ist, dem Bundespräsidenten unangenehme Fragen zu stellen, ist erklärlich. Warum Frau Knobloch antisemitische Karikaturen in der Süddeutschen Zeitung ebenso leicht, wie die Veröffentlichung des unsäglichen „Gedichtes“ von Günter Grass dort („Mit letzter Tinte“) sehr schnell verzeiht, lässt sich eher mit Verfilzung oder ideologischer Fehlleitung erklären.

    • caruso schreibt:

      Nein, lieber Hein. Ich denke, es geht eher darum, daß es in D zu wenige Juden gibt. Sie sind keine wesentliche Kraft. Weder gesellschaftlich noch viel weniger politisch. Und deshalb haben sie Angst irgendwo anzuecken. Damit sie den Schutz der Regierung nicht verlieren, von der finanziellen Hilfe nicht zu reden. Fr. Knobloch hat Angst, ihre vermeintlich wiedergefundene Heimat zu verlieren. Das verstehe ich, sie ist schließlich nicht mehr die jüngste. Wäre ich eine Deutsche wie ich eine Jüdin bin, würde ich abhauen. D ist kein Land, dem ich vertraue. Auch wenn ich weiß, aus Erfahrung, daß es dort eine ganz große Menge hoch anständige, „normal“ denkende Menschen gibt. Ich vertraue in allerersten Linie der Politik nicht.
      lg
      caruso
      die urzeitliche Hexe

      • Georg B. Mrozek schreibt:

        @caruso Genau auf den Punkt gebracht. Es ist die Sorge des kleinen Schwachen, den Mächtigen nicht zu sehr auf die Füße zu treten, die Furcht, die regierende Politik könnte ungehalten darüber werden. Man möchte nicht lästig werden und nerven und deshalb fallengelassen werden. Es ist ein mädchenhaftes Verhalten, das beim großen starken Mann lieb Kind macht. Es ist die pure Angst, der Realität ins Auge zu sehen und womöglich zu erkennen, dass dieses Land gar nicht aus lauter Antifaschisten besteht, sondern dass eigentlich alles ist, wieꞌs immer war.

      • Kanalratte schreibt:

        Mit Frau Knobloch hast du Recht.

        Deutschland und den Deutschen kann man abseits der Politik schon vertrauen, das ist das Positive. Wenn wir was sagen, dann halten wir das auch fast immer. Die Deutschen haben aber halt m.M.n. wenig Gespür für Politik. Mich verwundert es nicht dass Donald Trump deutsche Vorfahren hat.

      • Richard Grünert schreibt:

        „Sie sind keine wesentliche Kraft“. Das ist mit Sicherheit falsch.

        • gunther schreibt:

          @ Richard Grünert

          Was wollen Sie damit sagen?
          Dass „die“ Juden den Finanzmarkt beherrschen?
          Dass „die“ Juden die Medien beherrschen?
          Dass „die“ Juden die Politik in Deutschland maßgeblich steuern?

          Teilen Sie doch einfach mit, was Sie wirklich meinen und denken.

          • A.Bundy schreibt:

            Nun kommen sie mal wieder runter, gunther, und hören sie auf, ihre Vorurteile auf andere zu projizieren. Echt peinlich.

          • gunther schreibt:

            A.Bundy
            Kleiner Lektürehinweis für Sie:
            Schwarz-Friesel: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21 Jahrhundert.

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