Die ARD schafft Bewusstsein

„Framing Manual“ – So heißt eine 89-seitige Abhandlung aus dem Jahr 2017, die von der ARD in Auftrag gegeben wurde, um das Image der öffentlich-rechtlichen aufzupolieren. In dieser Abhandlung erklärt die Linguistin Elisabeth Wehling, wie man die Sprache nutzen kann, um positive Assoziationen für die eigene Seite zu wecken, während die andere Seite moralisch diffamiert wird. Fakten seien zwar selbstverständlich wichtig, aber ebenso wichtig sei ein bewusstes Einordnen der Fakten, denn, so betont Elisabeth Wehling: „Sprache schafft Bewusstsein“.

Wie dieses Bewusstsein geschaffen werden kann, zeigt Wehling, indem sie nahelegt, dass den Begriffen der Gegnerinnen und Gegner des Zwangs zum Rundfunkbeitrags eigene Sprachkreationen entgegengesetzt werden können. Während die Gegner von „Staatsfunk“, „Zwangssteuer“ und „Lügenpresse“ reden, könnten die Befürworter statt „Privatsender“ den Ausdruck „medienkapitalistische Heuschrecken“ nutzen.

Wehling rät davon ab, den zum Zahlen gezwungen Menschen als „Konsumenten“ zu bezeichnen, da er dadurch zuviel Emanzipation zugesprochen bekommt, Konsumenten haben schließlich Rechte:

„Wenn Mitbürger nun von der ARD als „Konsumenten“ angesprochen werden, vom „Consumer Value“ lesen oder davon, über eine „Flatrate“ in Form der mo­natlichen „Beitragszahlung“ Zugang zu vielen „Angeboten“ zu bekommen, dann bringt man sie unwillentlich dazu, in einem Frame zu denken, der die moralischen Prämissen eines gemeinsamen, freien Rundfunks ARD nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern zugleich Handlungen und Forderungen der ARD im­plizit als unrecht und unfair begreifbar macht.“

Wehling rät auch dringend davon ab, folgendes zu sagen: „Der Bürger bezahlt für ein Angebot der ARD“. Eine solche Wortwahl wecke falsche Ansprüche bei dem Konsumenten, der keiner sein darf:

„Wir „bezahlen“ also nicht für die „Angebote“ der ARD. Sondern, wir ermöglichen uns einen gemeinsamen, freien Rundfunk ARD.“

Richtig unpassend findet Wehling die Bezeichnung „öffentlich­-rechtlicher Rundfunk“:

„Der Fachbegriff hat wenig Verbindung zum echten Leben, denn er wird in der alltäglichen Sprache – zumindest für den Otto Normalbürger – fast ausschließlich für die ARD und das ZDF genutzt. Durch den Begriff wird Distanz geschaffen zwischen Bürgern und ARD (…) Wer will, dass die Mitbürger den Wert und die Legitimation der ARD klarer erkennen oder sich wieder in Erinnerung rufen, spricht deshalb besser von unserem gemeinsamen, freien Rundfunk ARD über den wir uns freien Zugang zu einer exzellenten medialen Infrastruktur auf höchstem inhaltlichen und technischen Niveau.“

Wehling weiß, wovon sie redet. Im Jahr 2016 erschien ihr Buch „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“. Ein Jahr später gab die ARD rund 120.000 Euro aus, um sich erklären zu lassen, wie man der Nation am besten einredet, dass der Zwang zum Rundfunkbeitrag notwendig ist, nämlich indem man die Gegner dieser Abgabe einfach diskreditiert.

Da ich ein Gegner des Zwangs zum Rundfunkbeitrag bin, gehöre auch ich zu der Gruppe jener Menschen, die diffamiert gehören. Da auch ich 120.000 Euro gut gebrauchen kann, präsentiere ich einfach mal eine Selbstdiffamierung, vielleicht bekomme ich ja was dafür:

Gerd Buurmann ist ein Schmuddelkind!

Schmuddelkinder sind ärmer als die Elite. Ihr Umgangston ist rauer als in den guten Stuben. Ich bin ein Schmuddelkind.

Mein Blog heißt Tapfer im Nirgendwo. Ich habe nicht so viel Geld wie das ZDF. Der Ton auf meinem Blog ist nachweislich gossenhafter als bei der WDR Lokalzeit. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mit der selben Hingabe am Werk bin, wie meine öffentlich-rechtlichen Kolleginnen und Kollegen. Sie sind nicht mehr oder weniger objektiv als ich. Wir alle sind Menschen mit Meinungen und Einstellungen. Es gibt allerdings einen Unterschied: Ich zwinge niemanden, meine Werke zu kaufen. Die ARD schon!

Um zu zeigen, wie man als Schmuddelkind behandelt wird, berichte ich einfach mal über eine typische Situation, in die ich geriet, nachdem ich es gewagt hatte, dem WDR Fake News vorzuwerfen.

Kurz nach der Demonstration „Nicht mit uns! Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“ auf dem Kölner Heumarkt am 17. Juni 2017 schrieb ich unter dem Titel „Ohne Worte“:

„Heute fand in Köln die Demonstration der Muslime gegen islamischen Terror statt. Erwartet wurden 10.000 Menschen. Es kamen weniger als 1.000!“

Die Zahl hatte ich ermittelt, da ich selbst vor Ort gewesen war Die Tagesschau sprach jedoch von über 2.000 Menschen und der WDR sah sogar über 3.000 Menschen.

Ich stellte daraufhin in meinem Artikel „Handwerkliche Mängel“ die Frage:

„Wer zählt da eigentlich bei der ARD? Donald Trump? Ich finde das Erfinden von Menschenmassen und „alternative Fakten“ bei Donald Trump ebenso albern wie bei Lamya Kaddor. Darf ich ab sofort auch 7,50 Euro Rundfunkgebühren monatlich bezahlen und behaupten, es wären 17,50 Euro gewesen?“

Daraufhin erhielt ich einige geschmacklose Vorwürfe wie diese:

„Herr B., die AfD hat bestimmt noch einige Mitarbeiterposten für Sie frei – oder auch die Neonazi-Vereinigung „Identitäre Bewegung“ für Marktschreier wie Sie. Na, Interesse?“

„Polizeiangaben sind um 3.500. Du hättest auch ordentlich recherchieren können. Aber offenbar ist Dir Propaganda wichtiger.“

Die Polizei hatte eine solche Angabe nie gemacht. Die Veranstalter hatten lediglich behauptet, die Polizei hätte das gesagt. Als ich daher erwiderte, ich sei vor Ort gewesen und könne belegen, dass die Zahl falsch sei, kam die Antwort:

„Tja, ich wohne ein paar hundert Kilometer weg und muß mich auf offizielle Zahlen verlassen.“

Die offiziellen Zahlen kamen vom WDR und von der Tagesschau. Sie waren falsch, sorgten aber dafür, dass meine Aussagen als Lügen, Propaganda und Neonazigerede bezeichnet wurden. Das passiert, wenn öffentlich-rechtliche Medien unsauber arbeiten, aber die Zahlung erzwingen mit der Behauptung, nur so könnten Sie objektiv sein und Fehler vermeiden.

So funktioniert Framing!

Als Schmuddelkind hat man es schwer, gegen die angeblich sauberen Männer und Frauen zu bestehen und ihren Schmutz zu kritisieren. Dabei sind diese Männer und Frauen gar nicht sauberer. Sie sind nur extremer parfümiert und zwar mit Düften, die finanziert wurden von allen Menschen, die eine Nase haben und aufgrund dieser Nase zu der Entrichtung von Gebühren gezwungen werden, angeblich, damit es weniger stinkt. In Wirklichkeit aber geben die sauberen Männer und Frauen viel Geld aus, um sich erklären zu lassen, wie man es durch Sprache schafft, dass der Gegner stinkt. Sprache schafft Bewusstsein und Gestank. Mit dem Zweiten riecht man besser.

Ich bin ein Gegner der Zwangsabgabe. Ob ich stinke oder nicht, soll jeder Leser und jede Leserin selbst entscheiden. Daher empfehle ich meinen Artikel:

Fünf Gründe, warum der Zwang zum Rundfunkbeitrag falsch ist

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